Hauptinhalt

Hintergrund

Bildung für alle – ein internationales Anliegen

Bis Ende der 1980er Jahre wurde die Förderung der Grundbildung von den Entwicklungs- und Geberländern als eine nationale Aufgabe betrachtet, die aus eigener Kraft zu bewältigen ist. Sie hatte nur einen geringen Stel­len­wert in der Entwicklungs­zusammenarbeit.

Eine Mutter in Costa Rica macht mit ihrem Sohn Hausaufgaben. Urheberrecht: TransFairDie kritische Situation der Bildung in den meisten Entwicklungsländern führte jedoch zu einem Umdenken: Die Einschulungsquoten waren Ende der 1980er Jahre in einigen Ländern bis auf ein Drittel gesunken. Allein in den ersten vier Grundschulklassen brachen etwa 50 Prozent der Kinder die Schulausbildung wieder ab. Die Zahl der Analphabeten lag bei einer Milliarde.

Heute wird Bildung als öffentliches Gut verstanden. Die internationale Gemeinschaft ist sich einig, dass menschliche Entwicklung ohne Bildung nicht möglich ist. Die Förderung der Bildung wurde daher zu einem inter­nationalen Entwicklungsziel.

Weltkonferenz "Bildung für alle" 1990

Aufgrund der kritischen Bildungssituation in den Entwicklungs­ländern veranstaltete die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) im März 1990 die erste Weltkonferenz zum Thema "Bildung für alle" in Jomtien in Thailand. Die Teilnehmer verabschiedeten die Weltdeklaration "Bildung für alle" (Education for All, EFA) und einen "Aktions­rahmen zur Befriedigung der grundlegenden Lernbedürf­nisse" (Framework for Action). Darin setzten sie sich unter anderem zum Ziel, bis zum Jahrtausendwechsel den allgemeinen Zugang zur Primarschulbildung zu erreichen, die Qualität der Grundbildung zu verbessern und die Analphabetenrate bei Erwachsenen um etwa 50 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Diese Ziele knüpften direkt an die Vereinbarungen der UN-Konvention über die Rechte des Kindes von 1989 an.

Weltbildungsforum in Dakar 2000

Im April 2000 – zehn Jahre nach der Konferenz von Jomtien – fand ein Weltbildungsforum in Dakar im Senegal statt. Die internationale Gemeinschaft musste sich eingestehen, dass das Ziel "Bildung für alle" bei weitem verfehlt worden war. Noch immer gab es etwa 875 Millionen Analphabeten und rund 113 Millionen Kinder konnten keine Schule besuchen.

Die 164 Teilnehmerländer verabschiedeten einen neuen Aktionsplan (Dakar Framework for Action), der im Wesentlichen die Ziele, die bereits in Jomtien formuliert worden waren, übernahm. Angepasst wurde allerdings die Frist für die Umsetzung. Die Ziele von Dakar sollen bis 2015 – Ziel 5 sogar schon 2005 – erreicht werden:

  1. Die Vorschulerziehung und -betreuung soll, besonders für sozial benachteiligte Kinder, verbessert werden.

  2. Alle Kinder – auch Mädchen, Kinder in schwierigen Lebens­umständen und Kinder von ethnischen Minderheiten – sollen Zugang zu kostenloser, verpflichtender und qualifizierter Grundschulbildung erhalten.

  3. Es soll sichergestellt werden, dass sowohl junge Menschen, als auch Erwachsene ihren Lernbedürfnissen entsprechend Zugang zu Lernprogrammen haben.

  4. Die Analphabetenrate soll um 50 Prozent gesenkt werden – besonders unter Frauen. Ein gerechter Zugang zu Grund- und Weiterbildung soll erreicht werden.

  5. Bis zum Jahre 2005 sollen Ungleichheiten im Bildungszugang von Mädchen und Jungen im Primär- und Sekundärbereich aufgehoben werden. Die Gleichheit der Geschlechter im Bildungsbereich soll bis zum Jahre 2015 erreicht sein.

  6. Die Qualität der Bildung soll in jeder Hinsicht verbessert werden, so dass wahrnehmbare und messbare Lernergebnisse von allen Beteiligten erreicht werden können, besonders in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen und bei den wesentlichen Lebensfertigkeiten ("essential life skills").

2002 wurde die "Education for All – Fast Track Initiative" (sinngemäß: Bildung für alle – Schnellspur-Initiative, EFA-FTI) ins Leben gerufen: ein Plan für die beschleunigte Umsetzung der Grundbildungsziele in Ländern, die eine engagierte Bildungspolitik verfolgen, jedoch nicht die Ressourcen zur Umsetzung haben.

Die UNESCO veröffentlicht jährlich einen Bericht über die Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung der in Dakar vereinbarten Ziele (EFA Global Monitoring Report).

Das Geschlechtergefälle bis 2005 weltweit zu beseitigen, ist nicht gelungen. Große Ungleichheiten bestehen weiterhin in den arabischen Staaten, in Süd- und Westasien sowie in Afrika südlich der Sahara, wo die Mädchen immer noch stark benachteiligt sind.

Millenniumskonferenz 2000

Die Dakar-Ziele wurden auf der Millenniumskonferenz im September 2000 und auch auf anderen internationalen Konferenzen bestätigt. Das zweite und dritte der acht Entwicklungsziele der Millenniumserklärung beziehen sich auf den Bildungsbereich:

  • Primarschulbildung für alle: Bis 2015 sollen die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass die Kinder überall in der Welt, Mädchen wie Jungen, die Möglichkeit haben, einen Primarschulabschluss zu erwerben.

  • Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen: Beseitigung der Ungleichbehandlung von Mädchen und Jungen auf der Primar- und Sekundarschulstufe möglichst bis 2005 und auf sämtlichen Bildungsebenen bis spätestens 2015.

Auch für die Erreichung der anderen Millenniumsziele, etwa die Halbierung der Armut (Ziel 1) und den Umweltschutz (Ziel 7), stellt Bildung eine Grundvoraussetzung dar.

Folgekonferenzen

Während des Weltkindergipfels im Mai 2002 in New York wurde erneut eine kostenlose und qualitativ gute Grundbildung für alle Kinder der Welt eingefordert.

Bei den Gipfeltreffen der G8-Staaten im schottischen Gleneagles 2005, in St. Petersburg 2006 und in Heiligendamm 2007 wurde Bildung als eine Grundlage für Demokratie und für einen höheren Lebensstandard anerkannt. Die Bedeutung von Bildung für Frieden und Entwicklung wurde hervorgehoben.

Auf dem Weltgipfel zur nachhaltigen Entwicklung in Johannesburg im September 2002 wurde die Gültigkeit der internationalen Ent­wick­lungs­ziele im Bildungsbereich bestätigt. Den Vereinten Nationen wurde empfohlen, eine Dekade "Bildung für nachhaltige Ent­wick­lung" auszurufen. Die UN-Generalversammlung hat die Bildungs­dekade für den Zeitraum 2005 bis 2014 beschlossen. Sie soll dazu beitragen, die internationalen Ziele im Bildungsbereich voranzubringen.

Im Rahmen dieser UN-Dekade fand im Frühjahr 2009 in Bonn die Weltkonferenz "Bildung für nachhaltige Entwicklung" mit 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Weltregionen statt. Am Ende der Konferenz verabschiedeten sie die Bonner Erklärung – ein dringender Appell an die UNESCO und ihre Mitgliedstaaten, Bildung angesichts der globalen Herausforderungen an den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung auszurichten.

Service-Links & Inhaltsverzeichnis

Lexikon der Entwicklungspolitik
Fenster schließen