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Formale Grundbildung

Gleichberechtigung in der Grundbildung stärken

"Investitionen in Bildung für Mädchen sind die wirksamsten Einzelinvestitionen, die ein Entwicklungsland vornehmen kann. Die Ausbildung von Mädchen wirkt auf alle Dimensionen der Entwicklung: geringere Kinder- und Müttersterblichkeit, eine geringere Fruchtbarkeitsrate, höherer Bildungsstand bei Töchtern und Söhnen, höhere Produktivität und besserer Umgang mit der Umwelt."
aus einer Studie der Weltbank

Berufsausbildung für Ex-Kombattanten in Kigali, Ruanda. Urheberrecht: Photothek.netDie Welt­ge­mein­schaft hat sich vorgenommen, die Un­gleich­heit der Ge­schlechter im Primar- und Sekun­dar­schul­bereich abzu­bauen. Von den welt­weit 72 Millionen Kindern, die nicht zur Schule gehen, sind mehr als die Hälfte Mädchen. Seit 2000 ver­öffent­licht die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) jährlich einen Bericht (Global Monitoring Report) über die Fortschritte und Probleme bei der Umsetzung der in Dakar vereinbarten Ziele, zu denen auch der Abbau des Geschlechtergefälles gehört.

Der Report 2010 stellt eine globale Tendenz zur Gleichstellung der Geschlechter fest, vor allem im Grundschulbereich: Auf 100 eingeschulte Jungen kamen 2007 in Entwicklungsländern im Durchschnitt 95 eingeschulte Mädchen. Doch vor allem in Afrika südlich der Sahara und in den arabischen Ländern werden weiterhin deutliche Benachteiligungen verzeichnet. Dort kommen auf 100 eingeschulte Jungen nur 90 Mädchen.

Das Ziel, bis 2005 weltweit Ungleichheiten im Bildungszugang von Mädchen und Jungen im Grundschul- und Sekundarbereich zu beseitigen, wurde verpasst. Auch bis 2015 kann es nur erreicht werden, wenn die entsprechenden Länder ihre Bildungspolitik deutlich verändern. Die meisten Länder sind dabei auf externe Unterstützung angewiesen.

Auf dem Weg zur Gleichstellung der Mädchen

Die Abschaffung von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern auf allen Bildungsstufen ist erklärtes Ziel der deutschen Entwicklungs­politik. Denn die Förderung von Mädchen und Frauen durch Grund­bildung trägt entscheidend zur Armutsminderung bei. Wenn mehr Mädchen erfolgreich die Grundbildung abschließen, erhöht sich bei­spiels­weise deutlich die Produktivität sowie das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes.

Eine der Voraussetzungen dafür sind Rechts- und Politikreformen, die die Gleichberechtigung der Geschlechter auch in der Bildung gesetzlich verankern. Die Bundesregierung unterstützt Partner­regierungen bei der Entwicklung und Umsetzung von gender­sensiblen Finanzierungs­modalitäten zur Förderung des Schulbesuchs von Mädchen und bei der Formulierung und Durchsetzung einer Genderstrategie im Rahmen von Sektor­programmen.

Stipendien ermöglichen Mädchen aus ärmeren Familien den Schulbesuch. Auch der Einsatz von mehr qualifizierten Lehrerinnen und die Anpassung von Unterrichtsmethoden und -inhalten können den Schulbesuch von Mädchen fördern.

Schulen müssen mädchengerechter werden

Neben soziokulturellen Gegebenheiten kann auch das Schulsystem selbst Grund der Benachteiligung von Mädchen sein; angefangen bei so grundlegenden Dingen wie der sanitären Ausstattung der Schu­len. Eine Komponente der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit im Bildungsbereich ist deshalb die mädchengerechte Aus­stat­tung von Schulen und Klassenräumen. Auch die Abschaffung von dis­kri­mi­nieren­den Regelungen, zum Beispiel, dass schwangere Mädchen die Schule verlassen müssen, ist Ziel der deutschen Entwicklungspolitik.

Laut Studien der Weltbank kann jedes zusätzliche Schuljahr für Mädchen später zu Einkommensverbesserungen von 10 Prozent führen. Bessere Bildung bedeutet außerdem einen besseren Schutz vor HIV/AIDS.

Im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wird ein Vorhaben zur Entwicklung von geschlechtsspezifischen För­der­stra­te­gien durchgeführt. Im Zuge des Projekts "Sektorberatung und Mädchenförderung in der Bildung" werden Experten des Bundes­ministeriums und Entscheidungsträger in den Partner­ländern bei der Formulierung und Umsetzung von Bildungs­maßnahmen beraten.

Bildungsförderung in Krisengebieten

Die Mehrheit der Kinder, die weltweit vom Schulbesuch ausge­schlossen sind, lebt in Krisen- oder Nachkriegsregionen. Um diese Mädchen und Jungen zu erreichen, sind besondere Maßnahmen notwendig: Bildungseinrichtungen in Not- und Flüchtlingslagern, Trauma- und Versöhnungsarbeit und Friedenspädagogik. Die Kinder sollen dabei ein friedliches und konstruktives Miteinander erlernen.

Um Grundbildungsförderung und Konfliktbearbeitung in der Entwicklungszusammenarbeit stärker zu verzahnen, hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit das überregionale Projekt "Bildung und Konfliktbearbeitung" entwickelt. Ein Hauptthema des Vorhabens ist die Bildungsintegration benach­teiligter Kinder. Es richtet sich vor allem an Kinder­soldaten, Flüchtlinge, Straßenkinder und Kinder mit Behinderungen. Außerdem widmet sich das Vor­haben der Gewalt­prä­ven­tion an Schulen und in der außer­schu­lischen Bildungsarbeit sowie der politischen Bildung, etwa durch Menschenrechtserziehung.

Das Vorhaben unterstützt zurzeit unter anderem Bildungs­programme in Sri Lanka, Sierra Leone, Afghanistan und in der Demokratischen Republik Kongo.

Spezielle Angebote für Kinder mit Behinderung

Weltweit leben geschätzt 150 Millionen Kinder mit einer Behinderung, etwa vier Fünftel von ihnen in Entwicklungsländern. Dort haben sie sehr schlechte Bildungschancen. In Burkina Faso bei­spiels­weise besuchten 2006 nur 10 Prozent der 7- bis 12-jährigen Kinder mit Sprach- oder Hörbehinderungen eine Schule. Neben den körper­lichen oder geistigen Beeinträchti­gungen führt auch Stigmatisierung häufig zur Ausgrenzung aus Gesellschaft und Schule.

Durch Bildungsangebote, die zum Ziel haben, Menschen mit Behinderung und auch andere benachteiligte Zielgruppen in Schulen zu integrieren beziehungsweise ihnen spezielle Förderung anzubieten, will die Bundesrepublik die Situation der marginalisierten Bevölkerungsgruppen verbessern.

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