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Bildung

Student der Hilfsorganisation 'Menschen für Menschen' beim Unterricht in der Metallverarbeitung, Harar, Äthiopien. Urheberrecht: Photothek.net

Berufliche Bildung:
Qualifizierte Fachkräfte für nachhaltige Entwicklung

In der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wird berufliche Bil­dung als ein Element des lebenslangen Lernens verstanden. Be­ruf­liche Bildung beinhaltet auch die berufliche Weiterbildung. Generell schafft und erhält sie die Fähigkeit von Menschen, Beschäftigung zu finden und in Beschäftigung zu bleiben, sichert den Lebensunterhalt und ist Grundlage für Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Angebote der Berufsorientierung, Berufsberatung und Arbeitsvermittlung tragen dazu bei, dass Übergänge zwischen Qualifizierung und Arbeit mög­lichst reibungslos funktionieren. Sie erleichtern den Betroffenen, Arbeit zu finden und das eigene sowie das Über­leben ihrer Familien zu sichern. Unternehmen finden leichter geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Qualifizierte Arbeitskräfte entscheiden mit über die Wettbewerbs­fähigkeit von Betrieben auf nationalen und inter­natio­nalen Märkten. Die Verfügbarkeit von Fachkräften verstärkt die Attraktivität eines Landes oder einer Region als Wirtschafts- und Investitionsstandort.

Berufliche Bildung – verbunden mit Reformen des Arbeitsmarkts – leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele. Sie trägt zur Erlangung und zum Erhalt von Beschäftigungsfähigkeit bei. Im Jahr 2007 wurde die Schaffung produktiver Vollbeschäftigung und menschen­würdiger Arbeit für alle als neues Unterziel des Millenniumsentwicklungs­ziels 1 (Halbierung der Armut) beschlossen. Fortschritte in der Geschlechter­gerechtigkeit (MDG 3) sollen unter anderem über die Steigerung der Erwerbstätigkeitsquote von Frauen außerhalb der Landwirtschaft er­reicht werden. Ein direkter Bezug der beruflichen Bildung besteht außer­dem zu den Entwicklungszielen 2 (Grund­schulausbildung für alle), 7 (Umweltschutz) und 8 (weltweite Entwicklungspartnerschaft).

Die Förderung beruflicher Bildung hat in der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit eine lange Tradition und wurde im Herbst 2009 von der Bundesregierung als einer der Schlüssel­bereiche ihres entwicklungs­politischen Engagements definiert. Das Augenmerk liegt dabei primär auf der Entwicklung praxis­orientierter Berufsbildungssysteme, die sich am Qualifikations­bedarf der Wirtschaft orientieren. Zusätzlich wird die Beschäftigungs­fähigkeit von Arbeitskräften erhöht, um ihre Chancen auf Einkommen sowie Integration in den formalen Arbeitsmarkt zu verbessern.

Unterstützt werden diese Vorhaben durch Erstellung von Arbeitsmarktanalysen und -informationssystemen, institutionelle Vernetzung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage, Qualifizierung von Fach- und Führungspersonal, Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften, begleitende Organisations­entwicklung, Entwicklung nachhaltig wirksamer Finanzierungs­modelle für die Berufsbildung sowie durch den Aufbau von Technologiekompetenzzentren.

Programme der Berufsbildungspolitik und -planung sind in die Schwerpunkte "Bildung" und "Nachhaltige Wirtschafts­entwicklung" integriert.

Entwicklung von Berufsbildungssystemen

Deutschland berät seine Partnerländer beim Aufbau ihrer Berufs­bildungs­systeme. Dabei muss in jedem Land ein geeigneter Weg gefunden werden, die Aus- und Weiterbildungsangebote optimal zu gestalten und zu kombinieren. Im Jahr 2008 stellte die Bundes­republik Deutschland rund 83 Millionen Euro für Vorhaben der beruflichen Bildung zur Verfügung.

In die Planung eingeschlossen werden alle öffentlichen und privaten Einrichtungen, die direkt oder indirekt an der beruflichen Quali­fi­zierung beteiligt sind. Ziel ist, die berufliche Bildung an den Bedarf der heimischen Wirtschaft anzupassen und die Interessen und Bedürfnisse von Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Staat zusammen­zu­führen. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist davon abhängig, inwieweit die Erziehungs-, Arbeits- oder Fachministerien, Industrieverbände und Schlüsselindustrien zusammenarbeiten.

So unterstützt die Bundesrepublik zum Beispiel die Regierung von Südafrika bei der Umsetzung ihrer nationalen Strategie, die seit 2005 der beruflichen Bildung eine Vorrangstellung einräumt. Sie zielt darauf ab, ein arbeitsmarkt­orientiertes Berufsbildungs­system aufzubauen, das die Beschäftigungschancen und wirtschaftlichen Aussichten von Arbeitslosen, Angestellten und Jungunternehmern verbessert. Es soll damit zu einem nachhaltigen Wirtschafts­wachstum sowie Gleichberechtigung beitragen. Über einen ganzheitlichen Mehrebenenansatz wird die Entwicklung von Kapazitäten und Fähigkeiten der lokalen Partner gefördert, die das neue Berufsbildungssystem gestalten und seine Umsetzung begleiten.

Die deutschen Organisationen der Technischen und Finanziellen Zusammenarbeit arbeiten in enger Abstimmung an einer politisch-strategischen Unterstützung für die verantwort­lichen Ministerien für Arbeit, für Hochschulbildung und -ausbildung sowie für Wissenschaft und Technologie. Zu den Hauptaktivitäten zählen die berufliche Bildung im formalen Arbeitsmarkt, die Unterstützung für Klein- und Kleinst­unter­nehmen auf dem informellen Arbeits­markt sowie die Förderung des Arbeits­markt­segments für techno­logie­gestützte kleine und mittlere Unternehmen. Außerdem wird bei der Ein­richtung des nationalen Qualifizierungs­rahmens sowie einhergehenden Änderungen des Berufsbildungsgesetzes beraten.

Ausbau von Ausbildungsstätten und Qualifizierung von Lehrkräften

Voraussetzung für eine effiziente und effektive berufliche Ausbildung ist die Verfügbarkeit und Qualität der Lehr- und Lernmittel. Ergänzend zur politischen Beratung der Partnerländer fördert Deutschland daher den Auf- und Ausbau von Ausbildungs­stätten wie Schulen, Werkstätten und Laboren. Dazu gehören auch die Beratung der Träger, die Qualifizierung des Personals und die Ausstattung der Einrichtungen. Mit deutscher Unterstützung werden Unterrichtsmaterialien entwickelt und Lehrkräfte in der effektiven Nutzung der Lehrmittel fortgebildet.

Die Qualifikation sowie die Verfügbarkeit des Berufsbildungs­personals spielt für die Qualität der Lehre eine besonders wichtige Rolle. Daher fördert die Bundesrepublik die Entwicklung von Aus- und Weiter­bildungsangeboten für Lehrerinnen und Lehrer sowie die Gestaltung von Lehrer­ausbildungs­systemen in der beruflichen Bildung. Bei Personal­engpässen arbeiten deutsche Berufs­bildungs­experten als integrierte Fachkräfte in Entwicklungs­ländern und unterstützen die Ausbildung in Berufsschulen, Betrieben oder Verbänden.

Beispiel Afghanistan: Um die Qualität der beruflichen Bildung zu verbessern, wird hier die Qualifizierung von Lehr- und Managementpersonal von Berufsbildungseinrichtungen ebenso durch Technische und Finanzielle Zusammenarbeit gefördert wie der Aufbau von neuen Berufsschulen. In dem durch kriegerische Auseinander­setzungen lange vernachlässigten und in seiner Infrastruktur zerstörten afghanischen Berufsbildungssystem fehlt es an arbeitsmarktrelevanten Inhalten und Materialien. Der bisher sehr theoretische Unterricht, fehlende Planungs- und Management­kapa­zi­täten, geringe finanzielle Mittel und Qualität sind Heraus­forderungen für eine umfassende Reform der beruflichen Bildung im Land.

Mit deutscher Unterstützung werden Infrastruktur und Ausstattung nachhaltig verbessert. Damit werden die Voraus­setzungen für eine arbeitsmarktorientierte Berufsbildung geschaffen, die die Beschäftigungsfähigkeit der Abgängerinnen und Abgänger und somit ihre Chancen im formellen und informellen Arbeitsmarkt erhöht. Das Vorhaben fügt sich in die nationale Bildungsstrategie und den "National Skills Development Plan" Afghanistans ein. So wird zum Beispiel die Technische Schule in Kabul beim Aufbau einer Aus- und Fort­bildungs­stätte für Technische Lehrerinnen und Lehrer, Werkstatt­ausbilder, Schul­manage­ment­- und Berufsbildungspersonal beraten. Auf politischer Ebene wird das Erziehungs­ministerium in der Lehrplan­entwicklung unterstützt. Der regionale Schwerpunkt des Vorhabens liegt in Kabul, Kandahar und Khost.

Aus- und Fortbildung von Fach- und Führungskräften

Mit unterschiedlichen Trainingsangeboten – Seminaren, Konferenzen, Workshops oder langfristigen Trainingsprogrammen in Deutschland oder im Kooperationsland – werden durch die deutsche Ent­wick­lungs­zusammenarbeit jährlich etwa 5.000 Fach- und Führungskräfte aus mehr als 100 Entwicklungsländern fortgebildet. Die Angebote sind praxisorientiert. Themen sind vor allem Umwelt- und Res­sour­cen­management, Infra­struktur­entwicklung, Informa­tions­techno­logie, Produktions­management, Technologie­kooperation und inter­nationales Marketing. Durch den Dialog und Know-how-Transfer soll die Wirt­schaft in den Ent­wick­lungs­ländern positive Impulse erhalten.

Seit April 2010 gibt es die "Global Campus 21 E-Academy" – eine neue Plattform für E-Learning-Angebote an Fach- und Führungs­kräfte in Entwicklungsländern, die die Bundesregierung über die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) anbietet.

Angebote für Beschäftigte des informellen Sektors

Viele Beschäftigte des informellen Sektors sind durch ihre soziale, kulturelle und wirtschaftliche Situation benachteiligt. Sie sind häufig von formalen Bildungsangeboten ausgeschlossen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert Aus- und Fort­bildungs­angebote, die speziell an diese Zielgruppe angepasst sind.

Unter Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen sowie Klein- und Kleinstbetrieben werden zum Beispiel lokale Netzwerke zur Unterstützung des informellen Sektors gegründet. Diese Netzwerke entwickeln eigene Regeln zur Ausbildung von Lehrlingen; sie legen zum Beispiel die Ausbildungsdauer und die Pflichten von Lehrling und Betrieb fest. Ein entsprechendes Projekt in der Provinz Masvingo in Simbabwe war höchst erfolgreich: 54 Prozent der Absolventen haben anschließend einen eigenen Betrieb gegründet, 22 Prozent haben eine Beschäftigung in bestehenden Betrieben gefunden.

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