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Ein evakuiertes Kind schaut durch den Riss einer Plane, hinter der ein Klassenraum für Flüchtlinge eingerichtet wurde (Pilippinen). Urheberrecht: Veejay Villafranca/IRIN

Gemeinsam handeln: Armut reduzieren

Armut geht uns alle an

Mehr als eine Milliarde Menschen leben in extremer Armut – sie ist eines der größten Probleme der Gegenwart. Der Einsatz gegen Armut und für weltweit bessere Lebensbedingungen ist eine der wichtigsten Aufgaben der internationalen und auch der deutschen Politik.

 

Gemeinsam gegen die Armut: die Millenniumsziele

Armut geht uns alle an. Ihre Folgen sind in der eng verflochtenen Welt auch bei uns zu spüren, sie ge­fähr­den auch unsere Zukunft. Die Weltgemeinschaft hat erkannt, dass sie den Kampf gegen die Armut nur gemeinsam führen kann. Auf Basis der Millenniumserklärung hat sie sich acht Entwicklungsziele gesetzt, die sie bis 2015 erreichen will. Allen voran steht das Ziel, den Anteil der Menschen, die in extremer Armut leben, zu halbieren.

Die Vereinten Nationen überwachen die Umsetzung der Millenniumserklärung. Ihr Generalsekretär berichtet der UN-Generalversammlung jedes Jahr im September über die Fortschritte, die erzielt werden konnten.

 

Deutschlands Engagement gegen Armut

Armut zu mindern, ist ein übergeordnetes Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Alle Maßnahmen, die das BMZ fördert, tragen – direkt oder indirekt – dazu bei, dieses Ziel zu erreichen.

Im Folgenden finden Sie einige Beispiele für den vielfältigen Einsatz Deutschlands zur Reduzierung der Armut.

 

Wirtschaft

Eine leistungsfähige Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, ist die entscheidende Voraussetzung für die Minderung der Armut in Entwicklungsländern. Arbeit schafft Einkommen und gibt den Menschen die Chance, sich selbst aus ihrer Armut zu befreien. In der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit ihren Partnerländern setzt die Bundesrepublik auf die Förderung von Strategien, die ein breiten- und beschäftigungswirksames Wachstum zum Ziel haben, das den Armen einen Weg aus der Einkommensarmut bietet (Pro-Poor Growth).

Neben der Stärkung des Privatsektors in den Partnerländern strebt die Bundesregierung auch eine enge Kooperation mit der deutschen Privatwirtschaft an, zum Beispiel in Form von Entwicklungspartnerschaften (Public Private Partnerships, PPP).

 

Handel

Die Industriestaaten haben entscheidenden Einfluss auf die Weltwirtschaft. Sie tragen eine große Ver­ant­wortung dafür, dass der Welthandel gerecht betrieben wird. Damit auch die Entwicklungsländer von den Vorteilen der Globalisierung profitieren und ihre Armut mindern können, müssen ihre Interessen im Welt­han­dels­system besser berücksichtigt werden. Deutschland setzt sich daher für den Abbau von Agrar­export­sub­ven­tionen und anderen handels­verzer­renden Förder­maß­nahmen der Industriestaaten ein.

 

Ernährung und ländliche Entwicklung

Armut ist untrennbar mit Hunger und Mangelernährung verbunden. Mehr als eine Milliarde Menschen waren im Jahr 2009 unterernährt – so viele, wie nie zuvor. Deutschland unterstützt seine Partner­länder dabei, Strategien zur Ernährungs­sicherung zu entwickeln, und beteiligt sich intensiv an internationalen Programmen und Vorhaben, zum Beispiel dem Welternährungsprogramm.

Um die Selbsthilfekräfte der Entwicklungs­länder zu mobilisieren und auszubauen, engagiert sich Deutschland für die Stärkung der Land­wirtschaft und der ländlichen Räume in seinen Partnerländern.

 

Entschuldung

Die Schuldenlast der ärmsten Entwicklungsländer ist ein wesentlicher Faktor für Armut. Wenn Zins und Til­gung keinen Raum mehr für staatliche Investitionen und staatliche Leistungen lassen, ist Entwicklung nicht mehr möglich. Deutschland unterstützt deshalb die internationalen Entschuldungsinitiativen HIPC und MDRI. Voraussetzung für einen Schuldenerlass sind eine transparente Haushaltsführung und die Bekämpfung von Korruption und Misswirtschaft.

 

Soziale Sicherung und Sozialpolitik

Rund 80 Prozent der Weltbevölkerung verfügen über keine ausreichende Absicherung gegen den Eintritt von sozialen Risiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, Altersarmut oder Ernteausfall. Soziale Sicherungs­systeme, wie etwa Kranken- und Rentenversicherungen, Sozialtransferprogramme für extrem Arme oder Mikroversicherungen, sind wichtige Instrumente für eine strukturelle Armutsreduzierung. Sie schaffen Grundvoraussetzungen für breitenwirksames Wachstum und sind ein wichtiger Schlüssel für das Erreichen der Millenniumsentwicklungsziele.

 

Soziale Grunddienste

Soziale Grunddienste wie Gesundheitsversorgung und Grundbildung können die Lebensbedingungen der Armen nachhaltig verbessern. Sie sind wichtige Elemente zur Reduzierung der Armut.

 

Umwelt- und Ressourcenschutz

Die zunehmende Zerstörung der natürlichen Ressourcen gefährdet die Existenzgrundlage armer Menschen. Gleichzeitig zwingt die Not die Armen oft zum Raubbau an der Natur. Umwelt- und Ressourcenschutz ist ein wichtiger Beitrag zur Armutsreduzierung. Die Bundesrepublik setzt sich international und national für den Schutz der Umwelt ein. Sie unterstützt die Umsetzung völkerrechtlich verbindlicher internationaler Regel­werke: zur Bekämpfung der Wüstenbildung, zur Verminderung der Treibhausgase, zur Förderung er­neu­er­barer Energien, zum Schutz der Wälder und zum Erhalt der Artenvielfalt. Außerdem beteiligt Deutschland sich an Maßnahmen zum Schutz vor Naturkatastrophen.

 

Menschenrechte

Eine wesentliche Grundlage für die Reduzierung von Armut ist die Achtung der Menschenrechte. Nur wenn die Grundrechte respektiert werden, können die Menschen ihr Leben selbstbestimmt, politisch und wirtschaftlich frei nach ihren Möglichkeiten gestalten.

Das gilt in besonderem Maße für Frauen. Sie übernehmen in ihren Familien eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, Veränderungen durchzusetzen. Die Bundesrepublik verankert die Gender-Thematik daher zum einen als Querschnittsthema in der gesamten Entwicklungszusammenarbeit und fördert zum anderen konkret die rechtliche, soziale und politische Gleichstellung der Frauen.

 

Gute Regierungsführung

Schlecht funktionierende Verwaltungen, willkürliche Rechtssysteme und Korruption behindern Entwicklung und damit auch eine erfolgreiche Armutsreduzierung. Zudem sind Arme von den Entscheidungen, die sie betreffen, meist weitgehend ausgeschlossen. Die Bundesrepublik fördert ihre Partnerländer beim Aufbau von stabilen demokratischen und rechtsstaatlichen Strukturen. Ein besonderes Augenmerk liegt darauf, dass arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen von Entwicklungsprozessen profitieren können.

 

Frieden

Armut und Ungerechtigkeit sowie wirtschaftliche und politische Diskriminierung sind der Nährboden für gewaltsame Konflikte, ethnische, religiöse und regionale Feindseligkeiten. Konflikte und die damit ver­bun­de­nen Militärausgaben verhindern Entwicklung. Gleichzeitig schaffen sie neue Armut. Die Reduzierung von Armut ist daher Bestandteil der Sicherheitspolitik. Deutschland unterstützt Vorhaben zur Krisenprävention, Versöhnungsarbeit, Minenräumung, Abrüstung und Verringerung der Militärausgaben. Die Maßnahmen setzen aber auch an den strukturellen Ursachen von Konflikten, wie politisches oder soziales Ungleichgewicht, an.

 

Zivilgesellschaft stärken

Entwicklung kann nur aus der Mitte der Gesellschaft entstehen. Daher hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, das Engagement der Zivilgesellschaft zu stärken und entwicklungspolitisch besser zu nutzen – sowohl in den Partnerländern als auch in Deutschland.

 

Verbesserung der Qualität und Wirkung der Entwicklungszusammenarbeit

Um möglichst effizient und wirksam zur Armutsreduzierung beizutragen, verbessert die Bundesregierung kontinuierlich ihr entwicklungspolitisches Instrumentarium.

Ein wichtiger Schritt zur Erhöhung der Wirksamkeit der deutschen Entwicklungspolitik und zur Verbesserung der Zielgenauigkeit des Mitteleinsatzes sind organisatorische und strukturelle Reformen. Das BMZ löst darum Doppelstrukturen bei den Durchführungsorganisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auf. Ein bedeutender Schritt dieser Strukturreform ist der Zusammenschluss der drei Organisationen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Internationale Weiterbildung und Entwicklung (InWEnt) und Deutscher Entwicklungsdienst (DED) zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die neue Organisation nahm im Januar 2011 ihre Arbeit auf.

Gemeinsam mit anderen Gebern und Vertretern der Partnerländer engagiert sich Deutschland auch auf internationaler Ebene für die Verbesserung der Qualität und Wirkung der Entwicklungszusammenarbeit. Die deutsche Bundesregierung setzt sich dazu im Bereich der Entwicklungspolitik international für eine effektive Arbeitsteilung ein: Die einzelnen Geber sollen sich nach Absprache auf bestimmte Aufgaben konzentrieren, ihre Programme untereinander eng abstimmen und sie an den Strategien und Verfahren der Partnerländer ausrichten. Insgesamt strebt das BMZ an, die Eigenverantwortung der Partnerländer deutlich zu stärken.

 

Dokumente und Links

Eine Auswahl von Links auf deutschsprachige Dokumente und Webseiten, die weiterführende Informationen zum Thema Armutsreduzierung bieten, finden Sie hier



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Lexikon der Entwicklungspolitik
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