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Südafrika

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Situation und Zusammenarbeit
Südafrika gilt als "Wirtschaftslokomotive" für den afrikanischen Kontinent. Das Land erzeugt rund ein Viertel der gesamten wirtschaftlichen Leistung Afrikas, verfügt über eine starke Industrie und reiche natürliche Ressourcen. Südafrika ist der größte Förderer von Platin, Gold, Chrom und Diamanten sowie drittgrößter Agrarexporteur weltweit.
Anders als in den meisten anderen afrikanischen Ländern ist die verarbeitende Industrie in Südafrika ein starker und seit Jahren wachsender Wirtschaftssektor. Bis zur Weltwirtschaftskrise erlebten besonders die Automobilindustrie und die Baubranche einen bedeutenden Aufschwung. Der Platin- und Kohlehandel und der stark anwachsende Tourismus sind wichtigste Devisenbringer des Landes. Seit Ende der 1990er Jahre wuchs die südafrikanische Wirtschaft jährlich um zwei bis fünf Prozent. Die Weltwirtschaftskrise sorgte 2009 für einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um knapp zwei Prozent. Für 2011 und 2012 werden Wachstumszahlen zwischen drei und vier Prozent erwartet.
Allerdings hat Südafrika auch mit zahlreichen innenpolitischen und strukturellen Problemen zu kämpfen. Das Krisenjahr 2009 hat deutliche Spuren hinterlassen: Über eine Million Menschen verloren ihre Arbeit. Die südafrikanische Regierung reagierte darauf mit staatlichen Transferleistungen. Diese Investitionen haben aber ebenso wenig zu dauerhaften sozialen Verbesserungen geführt wie die massiven öffentlichen Ausgaben von fast 80 Milliarden Euro rund um die Fußball-Weltmeisterschaft 2010. Zudem verzeichnete Südafrika erstmals seit vielen Jahren wieder ein Haushaltsdefizit.
Zu den sozialen und wirtschaftlichen Problemen des Landes kommen Fehlentwicklungen in anderen Bereichen, etwa geringes Vertrauen in die Entscheidungsträger, mangelnde Leistungsfähigkeit der Verwaltung sowie massive Defizite bei der Qualität der Bildung. Trotz des Status eines Mitteleinkommenslandes ("upper middle income country") nimmt Südafrika nur den 123. Rang von 179 Ländern im Human Development Index 2011 ein.
Große Herausforderungen muss Südafrika im Energiesektor bewältigen: Seit einigen Jahren gibt es eine Elektrizitätskrise, die besonders 2008 zu erheblichen Stromausfällen geführt hat. Gleichzeitig ist die Regierung – vor allem zur Erreichung der internationalen Klimaschutzziele – zu einem Umbau der Stromerzeugung gezwungen. Kohle ist noch für 93 Prozent der Elektrizitätsversorgung verantwortlich, erneuerbare Energien haben bislang einen Anteil von weniger als einem Prozent.
Die südafrikanische Regierung hat sich ehrgeizige Ausbauziele im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz gesetzt: So sollen bis 2030 die Stromerzeugungskapazitäten im Wind- und Solarbereich auf 18.800 Megawatt ausgebaut werden. Zugleich hat die Regierung Zuma erklärt, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 34 Prozent und bis 2025 um 42 Prozent senken zu wollen – gleichzeitig aber deutlich gemacht, dass Südafrika diese Ziele nur mit Unterstützung der internationalen Gemeinschaft erreichen wird.
Mit der Einführung einer Nationalen Planungskommission unter Leitung des ehemaligen langjährigen Finanzministers Trevor Manuel hat die südafrikanische Regierung einen offenen und dialogorientierten Analyseprozess zur Entwicklung Südafrikas seit der Apartheid ins Leben gerufen. Ziel ist es, auf Basis einer schonungslosen Diagnose bestehender Defizite eine langfristige Entwicklungsvision für Südafrika zu entwickeln.
Extreme Gegensätze
Wirtschaftlich und sozial ist Südafrika noch immer tief gespalten – eine Folge der jahrzehntelangen Apartheid-Politik. Es ist weltweit eines der Länder mit der größten Ungleichheit, dem größten Abstand zwischen Arm und Reich. Die reichsten 20 Prozent der Bevölkerung haben einen Anteil von mehr als 70 Prozent am Gesamteinkommen; die ärmsten 20 Prozent verdienen davon nur 2,3 Prozent. Säuglings- und Müttersterblichkeitsraten sind für ein Mitteleinkommensland extrem hoch (43 von 1.000 beziehungsweise 625 von 100.000 Geburten).
Die meisten Menschen aus den benachteiligten Bevölkerungsgruppen haben während des Apartheid-Regimes keine Berufsausbildung erhalten, die für den modernen Arbeitsmarkt ausreicht; qualifizierte Arbeitsstellen waren für Weiße reserviert. Die Auswirkungen dieser Politik reichen bis in die Gegenwart. Es fehlt an gut ausgebildeten Fachkräften, so dass die ehrgeizigen Wachstumspläne von Regierung und Unternehmen faktisch ausgebremst werden. Rund sieben Millionen Menschen gelten als Langzeitarbeitslose ohne Jobaussichten. Mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen hat noch nie regulär gearbeitet. Hinzu kommt die Konkurrenz von Millionen illegaler Arbeitsmigranten aus den Nachbarstaaten. Seit 2008 kam es wiederholt zu gewalttätigen ausländerfeindlichen Ausschreitungen, ein Anzeichen für wachsende soziale Spannungen.
Die Einkommensunterschiede sind sehr groß. Mehr als ein Viertel der Südafrikanerinnen und Südafrikaner sind gegenwärtig auf Sozialleistungen angewiesen. Vor allem in den ländlichen Regionen der ehemaligen Homelands, in den städtischen Problemgebieten der ehemaligen Townships und den nach 1994 entstandenen informellen Siedlungsgebieten sind viele Menschen sehr arm. In diesen Regionen bestehen auch die größten Defizite bei den öffentlichen Dienstleistungen wie Strom- und Wasserversorgung. Der ländliche Raum ist, anders als in anderen afrikanischen Ländern, im verstädterten Südafrika keine Alternative. Eine seit vielen Jahren angestrebte umfassende Landreform zu Gunsten der schwarzen Bevölkerungsmehrheit kommt nicht voran.
Die Koordination zwischen nationaler, regionaler und lokaler Verwaltungsebene funktioniert noch nicht ausreichend. Es fehlt qualifiziertes Verwaltungspersonal. Die Regierung hat den Handlungsbedarf erkannt und eine Wachstumsinitiative vorgestellt. Mit Milliardenbeträgen soll die Armut bekämpft und die Infrastruktur verbessert werden.
Vor allem in den Großstädten wächst jedoch die Unzufriedenheit. Die zahlreichen Sozialtransfers sowie internationale Aufmerksamkeit und Investitionen während der Fußball-WM haben nicht zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensverhältnisse geführt. Die sozialen Strukturen sind instabil und die Kriminalität nimmt zu. Südafrika gehört zu den Ländern mit den weltweit höchsten Mord- und Vergewaltigungsraten, die Gewaltbereitschaft ist hoch.
AIDS
Ein enormes Problem für Südafrikas Gesellschaft und Wirtschaft ist die Verbreitung von HIV und AIDS. Mehr als 5,6 Millionen Menschen sind HIV-positiv, täglich infizieren sich 1.000 Menschen neu. Elf Prozent der weltweit an Tuberkulose erkrankten Menschen leben in Südafrika – Tuberkulose zählt zu den häufigsten Todesursachen AIDS-Kranker. Die hohen Infektionsraten haben dramatische Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Betrug sie vor zwanzig Jahren noch 65 Jahre, so ist sie inzwischen auf 52,8 Jahre gesunken.
Die Immunschwächekrankheit stellt die Sozialsysteme vor kaum noch lösbare Probleme. Die Finanzierungslücke im öffentlichen Gesundheitswesen liegt bei einer Milliarde US-Dollar pro Jahr. Nach Angaben von UNAIDS haben rund 1,9 Millionen Kinder einen Elternteil oder beide Eltern durch AIDS verloren. Die Gesundheit, die Bildung und die persönliche Entwicklung dieser Kinder sind gefährdet.
Die Ausbreitung von HIV und AIDS berührt viele weitere Politikbereiche und ist daher ein wichtiger Teil der politischen Agenda. Die amtierende Regierung hat für die bis 2014 laufende Legislaturperiode fünf Schwerpunkte benannt: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Verbesserung des Bildungssystems, Entwicklung ländlicher Räume, Ausbau der Gesundheitsversorgung sowie Kampf gegen Kriminalität und Korruption. Eine nationale Krankenversicherung soll 2012 testweise eingeführt werden. Die Probleme in diesen Bereichen sind jedoch so schwerwiegend, dass Südafrika voraussichtlich zwei entscheidende Millenniumsentwicklungsziele (MDG) nicht erreichen wird: die Beseitigung der extremen Armut (MDG 1) sowie die Eindämmung von HIV/AIDS (MDG 6) bis zum Jahr 2015.
Entwicklungspotenziale
Südafrika hat große Entwicklungspotenziale, die weit über die Landesgrenzen hinausreichen. Mittelfristig kann es zur politischen, wirtschaftlichen und sozialen Stabilisierung der Region südlich der Sahara beitragen. In der Weltwirtschaft übernimmt das Land eine vermittelnde Rolle zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern. In internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der G20 und der Welthandelsorganisation versteht es sich als Fürsprecher der Interessen des Südens. Südafrika spielt eine zentrale Rolle in regionalen Integrationsprozessen und Initiativen: Das Land ist führendes Mitglied in der Afrikanischen Union (African Union, AU), der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (New Partnership for Africa’s Development, NEPAD), der Entwicklungsgemeinschaft südliches Afrika (Southern African Development Community, SADC) und der Südafrikanischen Zollunion (Southern African Customs Union, SACU).
Weiteres wirtschaftliches Wachstum ist in Südafrika vor allem in der verarbeitenden Industrie, im Bergbau, im Tourismus und im "grünen Sektor", durch den 300.000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen, möglich. Das größte – bisher noch unzureichend genutzte – Potenzial sind jedoch die Menschen im Land. Südafrika hat durch seine Verfassung die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um beim Zugang zu Bildung sowie zu materiellen und natürlichen Ressourcen Chancengleichheit herzustellen. Damit ist die Basis für eine weiterhin erfolgreiche demokratische und pluralistische Entwicklung der Gesellschaft gelegt.
Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Südafrika
Während des Apartheid-Regimes beschränkte sich die Zusammenarbeit mit Südafrika auf deutsche und südafrikanische Nichtregierungsorganisationen. Schwerpunkte der Arbeit waren die Unterstützung der außerparlamentarischen Opposition und die Förderung von Bildung und Kultur. Die offizielle staatliche Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika wurde 1992 eingeleitet. Seit den ersten demokratischen Wahlen im Jahre 1994 finden regelmäßig alle zwei Jahre Regierungsverhandlungen statt.
Seit 1996 ist die deutsch-südafrikanische Binationale Kommission (BNK) das wichtigste Gremium für den Politikdialog mit Südafrika. Die Kommission wurde anlässlich eines Staatsbesuchs von Nelson Mandela in der Bundesrepublik gegründet.
Die BNK besteht aus Vertreterinnen und Vertretern von sechs Fachkommissionen in den Bereichen Entwicklung, Verteidigung, Umwelt, Wirtschaft, Wissenschaft/Forschung und Kultur und kommt alle zwei Jahre zusammen. Sie geht deutlich über einen Routineaustausch hinaus und beinhaltet neben einer Bestandsaufnahme die Entwicklung konkreter, in die Zukunft gerichteter Vorhaben. Den Vorsitz der Binationalen Kommission haben die Vizekanzler beider Länder.
Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel sagte im Rahmen seiner Südafrikareise im April 2010 dem Land Mittel in Höhe von 112,5 Millionen Euro für den Zweijahreszeitraum 2010/2011 zu. Folgende Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind vereinbart:
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Energie und Klima
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Gute Regierungsführung und Gewaltprävention
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HIV/AIDS-Prävention
Hinzu kommt das Engagement im Bereich Berufsbildung, das sich in Zukunft vorrangig auf die Entwicklung grüner Berufsfelder und die Behebung des Fachkräftemangels beim Ausbau erneuerbarer Energien konzentrieren wird.
Die Entwicklungspartnerschaft mit einem der bevölkerungsreichsten, politisch bedeutsamsten und stabilsten Länder Afrikas soll zweierlei leisten: Zum einen soll ein Beitrag zur Bewältigung der historischen Lasten Südafrikas und bei der Überwindung der strukturellen Ursachen von Armut und extremer Ungleichheit geleistet werden. Zum anderen soll Südafrika bei der Erreichung regionaler und globaler Entwicklungsziele unterstützt sowie zur Stabilität des afrikanischen Kontinents beigetragen werden. Wichtiges Kriterium für die Zusage von Mitteln für bestimmte Projekte ist deren Innovationskraft und die Bearbeitung akuter Entwicklungshemmnisse.
Die Zusammenarbeit mit Südafrika im Energiebereich erfolgt in Abstimmung mit verschiedenen Bundesministerien. Neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sind viele weitere Bundesressorts in Südafrika aktiv, darunter das Bundesumweltministerium (BMU), das Bundesforschungsministerium (BMBF) und das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).
Energie und Klima
Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sind wichtige Themenfelder der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Südafrika. Die südafrikanische Regierung wird dadurch bei der Modernisierung der Energieerzeugung sowie beim Klimaschutz und der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt. Die Verbreitung und Nutzung regenerativer Energiequellen sowie Energieeffizienzmaßnahmen sollen zunehmen, damit die Energiesicherheit nachhaltig verbessert und wirtschaftliches Wachstum klimafreundlich gestaltet wird.
Seinen immer größer werdenden Energiebedarf deckt das Land gegenwärtig zu 93 Prozent mit Hilfe einheimischer Kohle. Doch damit ist Südafrika ein großer Verursacher von Treibhausgasen. Gleichzeitig ist das Land stark vom Klimawandel betroffen. Da Südafrika Hauptenergielieferant für viele Länder in der gesamten Region ist, fördert eine effizientere Energiegewinnung die Energiesicherheit und Entwicklung der gesamten Region.
Mit deutscher Unterstützung werden über südafrikanische Institutionen zinsverbilligte Darlehen an kleine und mittelständische südafrikanische Unternehmen für Investitionen in erneuerbare Energien und mehr Energieeffizienz vergeben. Erneuerbare Energien und Energieeffizienzmaßnahmen schaffen auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten ("green jobs"). So fördert Deutschland beispielsweise die Ausbildung von Energieauditoren für Energieeffizienzmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden. Ein weiteres Beispiel der Zusammenarbeit ist die Installation von Solar Home Systems in der Provinz Eastern Cape zur ländlichen Elektrifizierung.
Regierungsführung und öffentliche Verwaltung
Kapazitätsmängel, Ineffizienz und Korruption erschweren die Regierung und Verwaltung Südafrikas. Es fehlen qualifizierte Mitarbeiter, nicht nur auf nationaler Ebene, sondern vor allem in den Provinzen und Distrikten. Teilweise sind mehr als ein Viertel der Stellen im öffentlichen Dienst nicht besetzt. Gute Regierungsführung ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung und für die Bekämpfung der Armut. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Südafrika deshalb beim Aufbau einer effizienten Verwaltung, die allen Bürgern in gleicher Weise zur Verfügung steht. Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind die Stärkung der Verwaltungszentralen (centers of government), Korruptionsbekämpfung, der Aufbau des Justizwesens und die Verbesserung des Personalmanagements im öffentlichen Sektor.
Außerdem unterstützt die Bundesrepublik Maßnahmen zur kommunalen Gewaltprävention, zum Beispiel durch die Verbesserung sozialer und wirtschaftlicher Infrastruktur (sichere Fußwege, öffentliche Plätze, Sportplätze, Bürgerzentren und Einzelhandelsflächen), den Aufbau von Sicherheitspatrouillen und die Unterstützung von Stadtteilorganisationen (wie Rechtsberatung, HIV-Präventionszentren) in sozialen Brennpunkten großer Städte. Ein weiteres Beispiel für das Engagement Deutschlands sind Gewaltpräventionsmaßnahmen durch Kinder- und Jugendfußball. Durch Fußballspielen unter Anleitung und begleitende Freizeitaktivitäten sowie den Bau von Bolzplätzen in ehemaligen Townships erlernen Kinder und Jugendliche in verschiedenen Provinzen Südafrikas und anderen afrikanischen Ländern nicht nur Teamgeist und Fair Play, sondern auch ein soziales und integratives Miteinander. Gefördert werden verschiedene Möglichkeiten der gewaltfreien Konfliktlösung, HIV/AIDS-Aufklärung und Umweltbewusstsein.
Prävention von HIV und AIDS
Die Ausbreitung von HIV und AIDS hat dazu geführt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in Südafrika extrem zurückgegangen ist: Vor zwanzig Jahren lag sie noch bei 65 Jahren, inzwischen ist sie auf 52,8 Jahre gesunken. Durch die direkten und indirekten Folgen der Epidemie fiel das Land auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (HDI) von Platz 89 (1995) auf Platz 123 von 187 Ländern (2011).
Die Krankheit bedroht nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, sondern auch seine soziale Stabilität. HIV und AIDS gefährden die Existenz zahlloser Familien. Eine Vielzahl von Kindern pflegt kranke Familienangehörige. Die schätzungsweise rund 1,9 Millionen Kinder, die infolge von AIDS ein oder beide Elternteile verloren haben, sind dem Risiko wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung besonders ausgesetzt. Ihre Gesundheit, Bildung und persönliche Entwicklung sind gefährdet. Die Gefahr, Kriminalität als einzige Lösung für Probleme zu sehen, erhöht sich dadurch besonders stark. Daneben werden die psychologischen Auswirkungen der sich wiederholenden traumatischen Erfahrungen von Leid und Tod in der Gesellschaft eine ständig wachsende gesellschaftliche Last. AIDS stellt die Sozialsysteme vor kaum mehr lösbare Probleme.
Defizite im medizinischen Bereich und eine über Jahre hinweg unentschlossene HIV/AIDS-Politik der Regierung gelten als mitverantwortlich für diese Entwicklung. Erst seit Beginn der Regierung Zuma im April 2009 wird die Bekämpfung von HIV ernsthaft vorangetrieben.
Die Bundesrepublik unterstützt unter anderem Programme zur Verbreitung freiwilliger HIV- und Tuberkulose-Tests in mehreren von HIV und AIDS am stärksten betroffenen Provinzen, um die Neuinfektionsraten zu senken. Der Bevölkerung wird dadurch ermöglicht, sich ohne Angst vor Stigmatisierung und unter professioneller Beratung testen zu lassen. Außerdem wird Aufklärung über HIV und AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten geleistet und der Aufbau der HIV-Präventionsstrukturen, der so genannten Aids-Räte, auf allen Regierungsebenen unterstützt. In Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft (PPP) werden Programme zur HIV-Aufklärung, Vorbeugung und Behandlung von AIDS-Kranken in Firmen unterstützt.
Dreieckskooperation
Um die Zusammenarbeit und regionale Entwicklung im südlichen Afrika zu stärken, fördert die Bundesrepublik seit 2006 Dreieckskooperationen mit Südafrika. Das heißt, dass die Bundesrepublik zusammen mit Südafrika und einem anderen afrikanischen Land oder einer panafrikanischen Institution übergreifende Entwicklungsvorhaben in Drittländern plant und umsetzt. Ziel ist dabei auch, südafrikanische Strukturen für die Entwicklungszusammenarbeit mit Drittländern aufzubauen. Beratungsleistungen stärken die Süd-Süd-Kooperation, also die Zusammenarbeit und Netzwerkbildung der Entwicklungs- und Schwellenländer untereinander.
Informationen

Siehe auch
- Meldung 08.05.2012:
Deutschland bleibt verlässlicher Partner Südafrikas - Meldung 07.12.2011:
BMZ handelt: 120 Millionen Euro für Klimaschutz Südafrika - Meldung 06.07.2011:
Dirk Niebel trifft südafrikanischen Handels- und Industrieminister in Berlin - Thema: Energie
- Thema: Klimaschutz
- Thema: Gute Regierungsführung
- Thema: HIV/AIDS
- Thema: Berufliche Bildung
Externe Links
Publikationen

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Regionale Kooperation in Afrika – Der entwicklungspolitische Beitrag Deutschlands
(PDF 9 MB, barrierefrei) -
Konzept der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Globalen Entwicklungspartnern
(PDF 334 KB, barrierefrei) -
Entwicklung braucht nachhaltige Energie
BMZ Materialien 186
(PDF 2,7 MB, barrierefrei) -
Klimawandel und Entwicklung
BMZ Informationsbroschüre
(PDF 6,2 MB, barrierefrei) -
Gesundheit fördern – HIV/AIDS bekämpfen
BMZ Materialien 177
(PDF 968 KB, barrierefrei) -
Förderung von Good Governance in der deutschen Entwicklungspolitik
BMZ Konzepte 172
(PDF 336 KB, barrierefrei) -
Die Förderung konstruktiver Staat-Gesellschaft-Beziehungen – Legitimität, Transparenz, Rechenschaft.
Strategiepapier 01–2010
(PDF 491 KB, barrierefrei) -
Korruption vorbeugen – Transparenz fördern:
Was tut die deutsche Entwicklungspolitik?
(PDF 182 KB, barrierefrei)





