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Sambia

Mädchen in Sambia bieten am Straßenrand Obst zum Verkauf an. Urheberrecht: Manoocher Deghati/IRIN

Situation und Zusammenarbeit

Sambia hat in den 1990er Jahren einen tief greifenden Trans­for­ma­tions­pro­zess von einem zentralistischen Ein­parteien­staat zu einer demo­kratischen Republik mit freier Markt­wirt­schaft durch­gemacht. Heute gilt das Land als auf­strebende Demo­kratie im südlichen Afrika. Im Allgemeinen werden demo­kratische und rechts­staatliche Prinzipien eingehalten, allerdings mit Ein­schrän­kun­gen hinsichtlich der Achtung der Menschen­rechte. Besorgnis­erregend ist zum Beispiel die Situation in den Gefängnissen.

Bei den Präsidentschafts- und Parlaments­wahlen im September 2011 kam es zu einem fried­lichen Macht­wechsel: Die Oppositions­partei Patriotic Front (PF) erlangte die meisten Stimmen und löste damit die Partei Movement for Multiparty Democracy (MMD) ab, die das Land 20 Jahre lang regiert hatte. Als neuer Staats­präsident wurde der PF-Vorsitzende Michael Chilufya Sata ver­eidigt. Inter­nationale Beobachter beurteilten die Wahlen als weit­gehend frei und transparent, mahnten jedoch Reformen für künftige Wahlen an, insbesondere um einen fairen Wahl­kampf zu erreichen.

Der Reformprozess für Verfassung und Wahl­recht zieht sich bereits über mehrere Jahre hin. Im Dezember 2007 wurde eine Verfassungs­konferenz eröffnet, die im August 2010 ihre Arbeit abschloss. Doch der neue Entwurf scheiterte im März 2011 im Parlament an der notwendigen Zwei­drittel­mehrheit. Die neue Regierung hat bei ihrer Amts­über­nahme angekündigt, bereits Anfang 2012 einen neuen Verfassungs­entwurf vorzulegen.

Erklärtes Ziel ist außerdem die Bekämpfung der weit verbreiteten Korruption. Auf dem inter­nationalen Korruptions­index CPI (Corrup­tion Perceptions Index) hat sich Sambia 2011 verbessert und liegt nun auf Rang 91 (2010: Rang 101) von 182 Staaten.

Wirtschaftliche Entwicklung

Ein Mann arbeitet in einer Kohlemine in Sambia. Urheberrecht: Manoocher Deghati/IRINSambia strebt an, bis zum Jahr 2030 den Status eines Landes mit mittlerem Einkommen zu erlangen. Derzeit wird es von der Weltbank als Land mit niedrigem mittleren Einkommen ("lower middle income country") klassifiziert. Um das Ziel zu erreichen, müsste die Wirt­schaft um jähr­lich sechs bis sieben Pro­zent wachsen – und damit etwas stärker als in den ver­gan­ge­nen Jahren. Die Zeichen dafür stehen gut: 2010 erreichte das Land ein Wachs­tum von 7,6 Prozent und auch für die kommenden Jahre rechnet der Inter­nationale Währungs­fonds (IWF) mit Steigerungs­raten von mehr als sechs Prozent. Damit würde das Land zu den am schnellsten wachsenden Volks­wirt­schaften welt­weit gehören.

Wirtschaftsmotor ist der Kupfer­berg­bau, der in jüngster Zeit von hohen Rohstoff­preisen auf dem Welt­markt profitierte. Der sam­bi­sche Kupfer­gürtel ist das größte Kupfer­abbau- und -ver­hüttungs­gebiet Afrikas. Zahlreiche inter­nationale Groß­projekte sowie staatliche Investitionen in die Infra­struktur (Energie, Wasser, Gesund­heit, Transport) sollen dazu beitragen, den positiven Wachstums­trend fort­zusetzen. Die sambische Wirt­schaft ist jedoch stark abhängig von den Kupfer­exporten und damit anfällig für externe Schocks wie zuletzt während der welt­weiten Wirt­schafts- und Finanz­krise 2008/2009.

Ein weiteres wichtiges Stand­bein der sambischen Wirtschaft ist der Agrar­sektor. Er beschäftigt rund zwei Drittel der Bevölkerung und ist daher für die Armuts­bekämpfung von großer Bedeutung. Die Produktivität der Land­wirt­schaft ist jedoch unter­durch­schnittlich. Von den nutz­baren Flächen wird bislang nur ein geringer Teil bewirt­schaftet. Es fehlt an staatlichen und privaten Investitionen. Bislang konzentriert sich der Staat auf ineffiziente Subventions­programme, etwa den Aufkauf von Mais. Nach Ein­schätzung von Experten könnte Sambia doppelt so viele Nah­rungs­mittel produzieren, wie die eigene Bevölkerung verbraucht.

Ein zunehmendes Problem ist die Strom­knappheit. Obwohl Sambia über ein hohes Energie­potenzial aus Wasser­kraft verfügt, kommt es zu Eng­pässen in der Strom­versorgung. Kraftwerks­modernisierungen und -neubauten wurden lange Zeit vernach­lässigt, sollen jedoch nun mit inter­nationaler Unter­stützung voran­getrieben werden.

Soziale Situation

Eine Gemüseverkäuferin in Sambia trägt ihr Baby während sie einen Kürbis auf ihrem Kopf transportiert. Urheberrecht: Manoocher Deghati/IRINTrotz der wirt­schaft­lichen Erfolge sind kaum Fort­schritte bei der Bekämpfung der Armut zu ver­zeichnen. Die Wirt­schaft ist noch zu ein­seitig auf den Kupfer­berg­bau aus­ge­richtet, in dem nur wenige Menschen Be­schäf­ti­gung finden. Not­wendige Struktur­reformen werden nicht zügig genug an­ge­gangen. Der öffent­lichen Ver­waltung fehlt es an Fach­kräften und finan­ziellen Mitteln, ins­besondere auf der lokalen Ebene. Auf dem Index der mensch­lichen Entwick­lung der Vereinten Nationen (HDI 2011) belegt Sambia Platz 164 von 187 Ländern. Landes­weit leben knapp zwei Drittel der Be­völ­ke­rung unter­halb der Armuts­grenze, auf dem Land sind es sogar fast 80 Prozent.

Eine mensch­liche und wirt­schaft­liche Kata­strophe ist für Sambia die weite Ver­breitung des HI-Virus. 14 Pro­zent der Er­wach­se­nen zwischen 15 und 49 Jahren sind infiziert, die durch­schnitt­liche Lebens­erwartung sank in Folge der Epidemie dramatisch und liegt nun bei 48 Jahren. Die Aus­wirkungen der Krank­heit betreffen alle Lebens- und Wirtschafts­bereiche Sambias. Die Sterb­lich­keit ist inner­halb der Alters­gruppe am höchsten, die ökonomisch am aktivsten ist. Schätzungen zufolge haben etwa 750.000 Kinder durch AIDS ihre Eltern verloren. Die Regierung hat die Ausgaben für Soziales erhöht und bemüht sich aktiv um die Bekämpfung von HIV/AIDS.

Die soziale und rechtliche Stellung der Frauen ist in Sambia – nicht nur in den länd­lichen Gebieten – von Stammes­traditionen geprägt. Obwohl die Gleich­stellung der Geschlechter in der Ver­fassung ver­ankert ist und von einer zunehmend aktiven Frauen­lobby eingefordert wird, voll­ziehen sich die gesell­schaft­lichen Ver­änderungen nur sehr langsam.

Umwelt

Der Schutz der einzig­artigen biologischen Viel­falt Sambias wird zunehmend dring­licher, da die Armut, die steigende Energie­nach­frage und die kommer­zielle Abholzung die Umwelt stark belasten. In den großen Sumpf- und Feucht­gebieten im Norden und Westen von Sambia gibt es eine arten­reiche Vogel­welt, die durch Wilderei stark bedroht ist. Durch eine stärkere wirt­schaft­liche Ein­bindung der Be- und Anwohner von National­parks sollen neue alternative Einkommens­quellen geschaffen werden.

Ein großes Problem ist die Entwaldung – für zwei Drittel der Bevölkerung sind Holz und Holz­kohle der einzige Energie­lieferant. Sambia hat welt­weit eine der höchsten Ent­wal­dungs­raten. Vor allem rund um die Städte ist die Wald­zerstörung weit fort­ge­schritten. Die Abraum­halden der Kupfer­minen und der unsach­gemäße Umgang mit Schad­stoffen aus dem Berg­bau belasten die Umwelt zusätzlich.

Auch in Sambia zeigen sich die Folgen des Klima­wandels: Dürren und Über­flutungen kommen immer häufiger vor.

Entwicklungspotenziale

Sambia hat günstige wirt­schaft­liche Ausgangs­bedingungen: Das Land ist reich an Boden­schätzen (zum Beispiel Kupfer, Kobalt und Edel­steine) und verfügt über etwa 40 Prozent der Wasser­vorräte im süd­lichen Afrika, ein relativ günstiges Klima sowie weite land­wirt­schaft­lich nutz­bare Flächen und Wild­reservate. Die sambische Regierung setzt ihre Wachstums­hoffnungen deshalb vor allem auf Land­wirt­schaft, Touris­mus und den Kupfer­abbau.

Ein weiterer Wachstums­markt ist der Bausektor – zahlreiche Straßen- und Brücken­projekte wurden von Geber­organisationen finanziert. Hinzu kommen Maß­nahmen zur Modernisierung der Wasser­kraft­werke und Bau­arbeiten an den Kupferminen.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Deutschland gehört zu den größeren Gebern Sambias. Um die Wirk­sam­keit der Entwicklungs­zusammen­arbeit zu steigern, entwickelten verschiedene Geber 2007 gemeinsam mit der Regierung Sambias eine Strategie zur besseren Zusammen­arbeit. Vereinbart wurden eine Arbeits­teilung unter den Gebern und die Ein­richtung verschiedener Dialog­foren für einen regel­mäßigen Austausch. Diese "Joint Assistance Strategy for Zambia" (JASZ) wurde 2011 aktualisiert und von 15 bi- und multilateralen Gebern unter­schrieben, um die Umsetzung des neuen sambischen Ent­wick­lungs­plans (Sixth National Development Plan, SNDP) wirksam zu unterstützen.

In Regierungs­verhandlungen Ende 2011 wurden die zwei Schwerpunkte der deutsch-sambischen Entwicklungs­zusammen­arbeit bestätigt:

  • Wasser

  • Gute Regierungsführung (Dezentralisierung und Förderung von Bürgerbeteiligung)

Für die Jahre 2011 bis 2013 hat die Bundes­regierung Sambia insgesamt 74 Millionen Euro für die Entwicklungs­zusammen­arbeit zugesagt.

Deutschland gewährt dem Kooperations­land zusammen mit anderen Gebern allgemeine Budget­hilfe als finanzielle Unter­stützung zur Umsetzung der nationalen Entwicklungs­agenda. Ziel ist, dass Staat und Bürger bestehende Probleme zunehmend eigen­verantwortlich über­winden und die Entwicklung aus eigenen Kräften voran­treiben. Die Höhe der Auszahlung der Mittel hängt auch von der Erreichung gemeinsam verein­barter Fort­schritte (zum Beispiel Steigerung der Schul­abschluss­raten und der professionell begleiteten Geburten, Fortschritte in der Korrup­tions­bekämpfung) ab.

Begleitet wird die Budgethilfe durch Maßnahmen zur Ver­besse­rung der finanziellen Regierungs­führung, die das öffentliche Finanz­wesen, die inländische Rechen­schafts­legung und die parla­men­ta­ri­sche Kontroll­funktion stärken. Bei den Regierungs­ver­hand­lungen 2011 wurde zudem ver­einbart, dass Deutsch­land die sambische Regierung verstärkt darin unter­stützen wird, eigene Ressourcen für die Entwicklung zu mobilisieren, etwa über eine Kooperation mit der sambischen Steuer­behörde. Eine enge Zu­sammen­arbeit mit zivil­gesell­schaft­lichen Organisationen sowie ein intensiver Politik­dialog vervoll­ständigen das Engagement.

Wasser

Frau in einem Wasserkiosk in Sambia. Urheberrecht: GIZSambia verfügt über die größten Wasser­ressourcen aller Länder im süd­lichen Afrika. Trotzdem haben in länd­lichen Gebieten nur rund die Hälfte der Menschen Zugang zu sauberem Trink­wasser und weniger als ein Drittel zu sani­tären Ein­rich­tungen. Auch in den stark an­wach­sen­den Stadt­rand­gebieten, wo ein Groß­teil der Be­völ­ke­rung in Armut lebt, ist die Ver­sorgung schlecht.

Um diese Situation zu ver­bessern, hat die sambische Regierung schon 1993 mit der Reform des Wasser­sektors begonnen. Bei der Um­setzung hat Deutsch­land die sambi­schen Institutionen von Beginn an unter­stützt. Unter anderem wurden die un­ab­hängige Regu­lie­rungs­behörde (National Water Supply and Sanitation Council, NWASCO) und die neu ge­grün­de­ten kommer­ziellen Wasser­gesell­schaften beraten. Schwer­punkte sind dabei ein besseres Manage­ment, die Deckung der Betriebs­kosten und die Aus­weitung der Ver­sorgung auf bisher ver­nach­lässigte Gebiete.

Um auch die Versorgung der ärmsten Bevölkerungs­teile in den Stadt­rand­gebieten zu gewähr­leisten, wurde mit deutscher Hilfe ein Armuts­fonds (Devolution Trust Fund, DTF) auf­ge­baut. Aus dessen Mitteln wurden zum Beispiel sogenannte Wasser­kioske errichtet. Über diese privat betriebenen Ausgabe­stellen haben bereits mehr als 800.000 Ein­wohner Zugang zu sauberem Trink­wasser erhalten.

Seit 2010 berät Deutsch­land die sambischen Partner ver­stärkt bei der eigen­ver­antwort­lichen Umsetzung und Weiter­entwicklung der landes­weiten Investitions­programme zur Ver­besserung der städtischen und länd­lichen Wasser- und Sanitär­versorgung (National Urban Water Supply and Sanitation Programme und National Rural Water Supply and Sanitation Programme). Das länd­liche Programm befindet sich bereits in einer Pilot­phase in zunächst drei Distrikten und soll anschließend mit Unter­stützung weiterer Geber landes­weit ausgedehnt werden.

Im Bereich Wasser­ressourcen­management unter­stützt Deutsch­land Sambia bei der Umsetzung eines neuen Gesetzes für den Schutz der Wasser­ressourcen sowie bei der Karto­graphierung von Grund­wasser­vorkommen. Die Unter­stützung wird zukünftig auch die Bedeutung des Klimawandels für die Bewirtschaftung der Wasserressourcen berücksichtigen.

Gute Regierungsführung

Ein Junge arbeitet in einem Steinbruch in Sambia. Urheberrecht: Manoocher Deghati/IRINUm die soziale und wirt­schaft­liche Ent­wick­lung des Landes zu fördern, setzt die sambische Regierung auf eine Politik der De­zen­tra­li­sie­rung, die den unteren politischen Ebenen mehr Entscheidungs­befugnisse und eine bessere Ressourcen­aus­stat­tung sichern soll. Durch die Ver­lage­rung von zentral­staat­lichen Funk­tionen auf die kommu­nale Ebene soll die Qualität der öffent­lichen Dienst­leistungen ver­bessert und die poli­ti­sche Beteiligung der Bevölkerung gestärkt werden.

Deutschland unter­stützt diesen Dezen­tra­li­sie­rungs­pro­zess. Die Maß­nahmen der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit kon­zen­trier­ten sich in den letzten Jahren auf die Beratung der zu­stän­digen Ministerien sowie aus­gewählter Distrikte in Themen wie Haushalts­planung, Finanz­management, Rechnungs­prüfung und Dienst­leistungs­orientierung.

Im Vorder­grund für die kommenden Jahre steht die weitere Verbesserung der politischen, insti­tu­tio­nellen und recht­lichen Rahmen­bedingungen für die De­zen­tra­li­sie­rung. Die Mit­arbeite­rinnen und Mit­arbeiter von Provinz- und Distrikt­verwaltungen sollen geschult werden, um bedarfs­gerechte Dienst­leistungen – etwa in den Bereichen Straßen­bau, Gesundheits­versorgung und Bildung – erbringen zu können. Weiterer Ansatz­punkt ist der Ausbau der öffentlichen Infrastruktur.

Ein zweites Handlungs­feld im Bereich gute Regierungs­führung liegt in der Förderung von Bürger­beteiligung. Hier geht es darum, die Rolle der sambischen Bevölkerung bei der Mit­gestaltung von Governance-Reformen und Armuts­minderung durch staat­liche wie nicht­staat­liche Institutionen zu stärken. Im Mittel­punkt steht dabei, die Trans­pa­renz und die Rechen­schafts­pflicht staat­lichen Handelns und die Teil­habe der Bürger zu erhöhen. Deutsch­land unter­stützt den Aufbau parla­men­ta­ri­scher Strukturen und zivil­gesell­schaft­licher Netz­werke.

Seit der politischen Öffnung Anfang der 1990er Jahre ist in Sambia mehr Raum für das Engage­ment zivil­gesell­schaft­licher Orga­ni­sa­tionen entstanden. Kirchen, Frauen- und Bauern­orga­ni­sa­tionen repräsentieren einen sehr großen Teil der Bevölkerung Sambias und artikulieren die Bedürfnisse der Armen. Die deutsche Entwicklungs­zusammen­arbeit fördert Nicht­regierungs­orga­ni­sa­tio­nen (NROs), die zum Empowerment der Armen beitragen.

Entschuldung

Sambia hat sich 2005 und 2006 sowohl im Rahmen der HIPC-Initiative als auch der Multi­lateralen Ent­schuldungs­initiative (MDRI) für einen umfassenden Schulden­erlass quali­fi­ziert. Dadurch ist der finanzielle Handlungs­spiel­raum Sambias größer geworden, trotzdem ist der Staat weiterhin auf externe Hilfe angewiesen. Insgesamt wurden Sambia Schulden in Höhe von 6,65 Milliarden US-Dollar erlassen, wovon der bilaterale deutsche Anteil 1,17 Milliarden Euro betrug.

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