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Nigeria

Nigerianische Jungen schwimmen in einem Fluss in Kachia. Urheberrecht: Kate Holt/IRIN

Situation und Zusammenarbeit

Seit der Unabhängigkeit von der britischen Kolonial­herrschaft vor über 50 Jahren hat Nigeria zahlreiche politische Krisen durchlebt. Lange Phasen autoritärer Militärherrschaft und die einseitig auf der Erdölförderung basierende Wirtschaftsstruktur haben die be­ste­hen­den sozialen Un­gleich­heiten und ethnische und religiöse Aus­ein­ander­setzungen verschärft.

Trotz sehr großer Einnahmen aus der Rohstoffindustrie – die Öl­export­erlöse lagen 2008 bei rund 70 Milliarden US-Dollar – belegt Nigeria im Index der menschlichen Entwicklung (HDI 2010) nur Platz 142 von 169 Staaten. Mehr als die Hälfte der Menschen lebt in Armut. Die durch­schnitt­liche Lebens­er­wartung ist eine der nied­rigsten der Welt, sie beträgt nur 48,4 Jahre.

Die nigerianische Demokratie ist auch mehr als ein Jahr­zehnt nach dem Ende der Militär­diktatur noch sehr fragil. Gute Regie­rungs­führung, Kor­rup­tions­be­kämpfung, die Förderung zivilgesellschaftlicher Teil­habe und die nachhaltige und breiten­wirk­same Be­kämp­fung der Armut werden von der Politik ver­nach­lässigt. Der Öl­reich­tum des Landes wirkt sich auf die Lebens­situation der meisten Nigeria­nerinnen und Nigerianer negativ aus. Haupt­grund dafür sind Ver­tei­lungs­kämpfe um die Ein­nahmen. Vet­tern­wirt­schaft, Korruption und Gewalt gehören zum Alltag. Auf dem Kor­rup­tions­wahr­neh­mungs­index 2010 von Transparency International liegt das westafrikanische Land auf dem 134. Platz von 178 bewerteten Staaten. Die Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen im April 2011 haben jedoch gezeigt, dass das nigerianische Volk reif für die Demokratie ist und dass demokratische Wahlen – trotz weiterhin bestehender organisatorischer Schwachpunkte - auch in Nigeria möglich sind.

Eine Frau auf einem Reisfeld in Nigeria. Urheberrecht: Kate Holt/IRINDie enormen Un­gleich­heiten zeigen sich bei­spiel­haft in den beiden wich­tigsten Wirt­schafts­be­reichen Nige­rias, dem Agrar- und dem Öl­sektor. Mehr als die Hälfte der Be­völ­ke­rung ar­bei­tet im Bereich der Land­wirt­schaft. Im Öl­sek­tor hin­gegen ist nur ein Pro­zent der ein­hei­mischen Ar­beits­kräfte be­schäf­tigt. Trotz dieses ge­ringen An­teils am Arbeits­markt werden mit den Ein­nah­men aus der Öl­för­de­rung rund 80 Pro­zent des Staats­haus­halts finanziert.

Die wirtschaftliche Situation provo­ziert soziale Spannungen und trägt dazu bei, dass Nigeria immer wieder von gewalt­tätigen Konflikten erschüttert wird. In den Öl­för­der­ge­bieten des Niger-Deltas kommt es seit vielen Jahren zu Kämp­fen zwischen ver­schie­denen bewaffneten lokalen Gruppen, para­mili­tä­risch orga­ni­sierten kri­mi­nellen Banden und Sicher­heits­kräften. Zwar hat sich die Lage seit Anfang 2009 beruhigt, da die Mehr­zahl der Kämp­fer ein Amnes­tie­an­gebot der Re­gie­rung an­ge­nom­men hat. Die ver­schärften Sicher­heits­vor­keh­rungen von Polizei und Militär bleiben jedoch vorerst bestehen.

In ganz Nigeria besteht, ins­be­son­dere für west­liche Ausländer, ein hohes Risiko, Opfer einer Gewalttat zu werden. Die Krimi­na­li­täts­rate ist sehr hoch und vor allem in der Wirt­schafts­metro­pole Lagos kommt es immer wieder zu be­waffneten Über­fällen. Hinzu kommen religiös moti­vierte Kon­flikte wie etwa in der zentral­nigeria­nischen Stadt Jos. Hier sollen bei Aus­ein­ander­setzungen zwischen Christen und Muslimen allein Ende 2010 mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen sein. Auch rund um die Wahlen im April 2011 kam es zu Gewalt­aus­brüchen, bei denen nach Schätzungen von un­ab­hän­gigen Menschen­rechts­gruppen mehr als 500 Menschen starben und zehn­tausende vertrieben wurden.

Armut und Bevölkerungswachstum

Zwei nigerianische Kinder bei den Schulaufgaben. Urheberrecht: Kate Holt/IRINDie Bekämp­fung der Armut ist eine der größten Her­aus­for­de­rungen für die nach­hal­tige Ent­wick­lung Nige­rias. Ende 2010 hat die Re­gie­rung die Fünf-Jahres "Count­down-Stra­te­gie" vor­ge­stellt. Sie setzt die Be­mühungen des na­tio­nalen Ar­muts­be­kämp­fungs­pro­gramms (National Eco­no­mic Em­power­ment and De­vel­op­ment Stra­tegy, NEEDS) fort. Mehr Trans­pa­renz, eine bessere Ko­ordi­nie­rung zwischen Zen­tral­staat, Bun­des­staaten und Lokal­re­gie­rungen sowie die Ein­be­zie­hung der Millen­niums­ent­wick­lungs­ziele (MDGs) in alle Ent­wick­lungs­pläne und Stra­te­gien sol­len die so­zia­le Si­tua­tion der Be­völ­ke­rung bis 2015 deut­lich verbessern.

Die Armut in Nigeria hat viele Gesichter und viele Ursachen – die nicht innerhalb von fünf Jahren beseitigt werden können. Die Er­nährungs- und Gesundheits­situation vieler Menschen ist drama­tisch schlecht: Jedes vierte Kind unter fünf Jahren gilt als unter­er­nährt. 154 von 1.000 Kindern sterben, bevor sie fünf Jahre alt werden. Nur wenig mehr als die Hälfte der Be­völ­ke­rung hat Zugang zu sauberem Trink­wasser. Ähnlich deso­lat ist die Strom­ver­sor­gung: Nur zehn Prozent der länd­lichen Be­völ­ke­rung und 40 Pro­zent der Gesamt­be­völ­ke­rung sind an das Strom­netz an­ge­schlossen, das zudem kaum mo­der­ni­siert wird. An­ge­sichts der schlechten Infra­struk­tur, der in­ef­fi­zienten staat­lichen Dienst­leistungen, des man­gelnden Zu­gangs zu sozialer Grund­ver­sorgung und der all­gegen­wärtigen Kor­rup­tion haben die Menschen kaum Hoffnung darauf, dass sich ihre Situation schnell verbessert.

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Bevölkerung mehr als verdoppelt, von knapp 77 Millionen (1981) auf rund 155 Millionen (2009). Trotz eines soliden Wirtschaftswachstums seit dem Ende der Militärdiktatur 1998 gibt es gerade für die stetig wachsende junge Generation keine Aussichten auf geregelte Arbeitsverhältnisse, Wohnungen oder soziale Grunddienste.

Menschenrechte

Ein junges nigerianisches Mädchen trägt Wasser. Urheberecht: Kate Holt/IRINDie Men­schen­rechts­situa­tion hat sich seit Amts­an­tritt der Zivil­re­gie­rung 1999 deut­lich ver­bes­sert. Die Re­gie­rung be­kennt sich aus­drück­lich zum Schutz der Men­schen­rechte. Sie sind in der Ver­fas­sung als ein­klag­bar ver­an­kert. An­fang 2009 hat Nige­ria mehrere grund­le­gende Men­schen­rechts­kon­ven­tionen unter­zeichnet. Die Frei­lassung poli­tischer Ge­fan­gener, die Ein­füh­rung der Presse- und Mei­nungs­frei­heit sowie die Aus­set­zung der Voll­streckung der Todes­strafe waren weitere wichtige Schritte auf dem Weg in ein demo­kra­tischeres Nigeria.

Doch der Schutz von Leib und Leben der Bürger vor der Will­kür der Staats­macht oder anderer Gewalt­ak­teure ist nicht aus­rei­chend ge­sichert. Die Gefäng­nisse sind über­füllt, dort herrschen un­zu­mut­bare Haft­be­din­gungen. In zwölf der nörd­lichen Bundes­staaten gilt das isla­mische Scharia-Recht, das mit einer modernen Rechts­praxis nicht zu ver­ein­baren ist. Viele Frauen und Mädchen leiden unter der weit ver­brei­teten Praxis der Geni­tal­ver­stümmelung und unter ge­schlechts­spezi­fischer Diskriminierung.

Wirtschaft und regionale Stabilität

Nach Südafrika hat Nigeria mit Abstand die größte Volkswirtschaft Afrikas. Das Bruttoinlandsprodukt ist seit dem Ende der Militär­dikta­tur 1998, auch dank zahl­reicher Wirtschafts­reformen, stets ge­stie­gen. Für 2011 wird ein Zuwachs von 7,4 Prozent erwartet. Nigeria ver­fügt über die acht­größten Öl- und die siebt­größten Gas­vor­kommen der Welt. Auch in der Land­wirt­schaft, im Dienst­leis­tungs­sektor oder in der Tele­kom­mu­ni­ka­tions­branche hat Nigeria großes wirt­schaft­liches Potenzial.

Erfolge hatte die nigerianische Regierung in den vergangenen Jahren bei der Verbesserung der makro­öko­nomischen Rahmen­be­dingungen und in der Finanz­politik. Die Mehr­ein­nahmen aus dem Öl­export werden auf einem Sonder­konto der Zentral­bank hinter­legt, um damit eine stabilere Steuer­politik zu finanzieren, Inflation vor­zu­beu­gen und Reserven für schlechtere Zeiten anzulegen.

Der Bankensektor wurde ebenfalls stabi­lisiert. Inzwischen ist er einer der Wachstums­motoren der nigeria­nischen Wirt­schaft. Auch die Tele­kom­mu­ni­ka­tions­branche hat von den Re­for­men der ver­gan­genen Jahre pro­fi­tiert. Nigeria ver­fügt über 70 Mil­lionen Tele­fon­an­schlüsse, fast aus­schließ­lich Mobil­te­le­fone. Mehrere pri­vate An­bie­ter teilen sich den Markt mit dem ehe­ma­ligen Staats­unter­nehmen Nitel.

Zwei Frauen waschen ihre Wäsche in einem Fluss in Nigeria. Urheberrecht: Kate Holt/IRINEs gibt je­doch wei­ter­hin zahl­reiche Hin­der­nisse für nach­hal­tiges und armuts­orien­tiertes Wachs­tum. Größtes Prob­lem bleibt die Ab­hän­gig­keit von den Öl­ein­nah­men – über 90 Pro­zent der Ex­port­er­löse, 80 Pro­zent der staat­lichen Ein­nah­men und rund ein Drit­tel des Brutto­in­lands­pro­dukts ent­fal­len auf diesen Be­reich. Die Er­löse kom­men nur einer kleinen Elite zu­gute. Seit Jahr­zehnten ver­hin­dern Kor­rup­tion und Vet­tern­wirt­schaft not­wen­dige In­vesti­tionen in die öf­fent­liche Infra­struk­tur. Da­durch wird die po­ten­ziell mög­liche Ent­wick­lung anderer Wirt­schafts­zweige blockiert. Vor allem der Pri­vat­sektor kann sich kaum entfalten.

Dennoch ist Nigeria wirtschaftlich und politisch das domi­nierende Land in West­afrika. Über 50 Prozent des gesamten Brutto­in­lands­produkts der 15 Mitglieds­staaten der Westafri­ka­nischen Wirt­schafts­gemein­schaft (Economic Community of West African States, ECOWAS) ent­fällt auf Nigeria. Der Anteil am regio­nalen Handel in der ECOWAS-Zone betrug 2008 rund 62 Prozent. Die nigeria­nische Haupt­stadt Abuja ist Sitz von Kom­mission und Parlament der ECOWAS.

Seine heraus­ge­hobene Stellung nimmt Nigeria vor allem sicher­heits­politisch sehr ernst. Das Land stellt das größte Truppen­kon­tin­gent bei Mili­tär­ein­sätzen der Vereinten Nationen. Als Mittler in regionalen Kon­flikten hat Nigeria in den ver­gan­genen Jah­ren zu einer ge­wissen Stabi­li­tät in West­afrika bei­ge­tragen. Gleich­zeitig gilt Nigeria selbst bisher noch als fragiler Staat, in dem die staat­lichen Struk­turen und Insti­tu­tionen nicht aus­reichend trans­pa­rent und belastbar sind.

Entwicklungspotenziale

Die immensen Öl- und Gasvorkommen werden weiterhin die Entwicklung Nigerias bestimmen. Vor allem die Förderung von Erdgas bietet dabei große Chancen. Über 40 Jahre lang wurde die Ressource Erdgas bei der Ölförderung einfach abgefackelt – neben den wirtschaftlichen Verlusten hatte diese Praxis auch negative Folgen für die Umwelt und das Klima. Die Regierung plant nun, parallel zur Förderung des Gassektors, das Abfackeln von Gas zu verbieten. Der nigerianische Gassektor soll erheblich ausgeweitet werden, unter anderem durch den Bau einer Westafrika-Pipeline nach Ghana und einer Trans-Sahara-Pipeline über Niger nach Algerien, um damit den europäischen Markt zu erreichen.

Durch die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls hat die Regierung deutlich gemacht, dass sie den Ausbau der erneuerbaren Energien als wichtige Aufgabe betrachtet. Bis 2025 sollen zehn Prozent des Energiebedarfs aus diesem Bereich kommen.

Eine Neuausrichtung der Energie­politik bietet positive Perspek­tiven für Umwelt­schutz und nach­haltige Entwicklung in Nigeria. Die enor­me Luft­ver­schmut­zung – zur Hälfte ver­ur­sacht durch das Ab­fackeln von Gas – sowie andere Umwelt­prob­leme wie Wasser­ver­schmut­zung, ab­neh­mende Boden­qua­li­tät oder Ent­wal­dung erhalten mehr Auf­merk­sam­keit. Gesund­heit und Lebens­quali­tät der Menschen könnten durch eine kon­se­quente Umwelt­politik deut­lich ver­bessert werden.

Dazu beitragen kann auch die Bekämpfung von Korruption und Miss­wirtschaft auf allen gesell­schaft­lichen Ebenen. Bei der Kor­rup­tions­be­kämpfung sind seit 2007 durch die Ein­richtung der Economic and Financial Crimes Commission (EFCC) und der Independent Corrupt Practices Commission (ICPC) deut­liche Fort­schritte zu erkennen. Her­vor­zu­heben ist auch die zügige Um­setzung der Auf­lagen der Trans­pa­renz­ini­tiative in der Roh­stoff­industrie (Extractive Industries Transparency Initiative, EITI). Nigeria hat als eines der ersten afri­ka­nischen Länder die EITI-Validierung erhalten.

Gesetzesvorhaben zur Verbesserung von Haus­halts­planung, Aus­gaben­kon­trolle und finan­zieller Trans­pa­renz staat­licher Akteure wurden auf den Weg ge­bracht. Führt die Re­gie­rung ihre Reform­politik kon­se­quent weiter, bieten sich Nigeria an­ge­sichts seiner enormen natür­lichen, wirt­schaft­lichen und kul­tu­rellen Ressourcen unzählige Chancen für eine nach­haltige Entwicklung.

In Nigeria gibt es zudem eine sehr aktive Zivil­gesell­schaft und eine lebendige und inter­natio­nal ver­netzte Kul­tur­szene. Schrift­steller wie der Nobel­preis­träger Wole Soyinka oder der Bürger­rechtler Ken Saro-Wiwa, die Musiker­familie Kuti oder die als "Nolly­wood" bekannte Film­industrie Nigerias sind Beispiele für das enorme künstlerische und kreative Potenzial des Landes.

Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Nigeria

Eine Großmutter und ihre Urenkelin schälen Erdnüsse in einem Dorf in Nigeria. Urheberrecht: Kate Holt/IRINDie ent­wick­lungs­poli­tische Zu­sam­men­arbeit zwi­schen Nigeria und Deutsch­land besteht seit der Unabhän­gig­keit des Landes im Jahre 1960. Während der Militär­diktatur von Sani Abacha (1993–1998) wurde die bilaterale Zusammen­arbeit größten­teils ein­ge­stellt. Seit dem demo­kra­tischen Neu­be­ginn 1999 kon­zen­triert sich die deutsche Ent­wick­lungs­politik nun darauf, die Reform­be­mühungen der Re­gie­rung im Hin­blick auf Armuts­bekämpfung, breites wirt­schaft­liches Wachs­tum und regionale Stabi­lität zu unter­stützen. Dazu ist Deutsch­land vor allem im Schwer­punkt nach­haltige Wirt­schafts­ent­wicklung (Förderung des Privat­sektors und Finanz­sektor­entwicklung) aktiv.

Ein neuer Schwerpunkt soll im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz geschaffen werden, um die Bemühungen der nigerianischen Regierung für eine nachhaltige Energiepolitik zu fördern. Die Basis dafür bildet eine bereits bestehende nigerianisch-deutsche Energiepartnerschaft. Sie geht auf eine Initiative von Bundeskanzlerin Merkel und ihres damaligen nigerianischen Amtskollegen Yar'Adua aus dem Jahr 2007 zurück.

Weitere Projekte der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit unter­stützen die Stärkung der Rechte von Frauen sowie Impf­pro­gramme zur Bekämpfung der Kinderlähmung.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Trotz des konstanten Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre bleibt die Armut das größte Problem Nigerias. Die Konzentration auf die Ölförderung bringt zwar enorme Einnahmen, aber schafft kaum neue Arbeitsplätze. Nur ein Prozent der Beschäftigten in Nigeria arbeitet in der Ölbranche.

Der Privatsektor, der auch in Nigeria viele Arbeitsplätze bieten könnte, ist bisher nur sehr schwach entwickelt. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich daher auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliches Handeln.

So unterstützte die Gesellschaft für Inter­nationale Zusammen­arbeit (GIZ) bis­lang im Rahmen des Vor­habens "Beschäf­ti­gungs­orien­tierte Wirt­schafts­för­derung in Nigeria" kleinere und mittlere Unter­nehmen in den drei Bundes­staaten Nassarawa, Niger und Plateau. Sie wurden beraten, er­hielten leichteren Zugang zu Kre­diten und konnten da­durch ihre Einkommens- und Beschäfti­gungs­mög­lich­keiten aus eigener Kraft ver­bessern. Das deutsche Engage­ment umfasst zudem Investi­tions- und Export­för­derung für in­län­dische Unter­nehmen, den Ausbau der beruf­lichen Bildung sowie die Unter­stützung eines nach­hal­tigen Dialogs zwischen öffent­lichem und pri­vatem Sek­tor. Im Rah­men des Nach­folge­vor­habens "Breiten­wirk­same Wachstums- und Beschäfti­gungs­för­derung" sollen unter anderem die insti­tu­tionellen und recht­lichen Rah­men­be­dingungen für privat­wirtschaft­liches Handeln in Nigeria ver­bessert werden. Zudem soll die ni­ge­ria­nische Re­gie­rung bei der Um­setzung der "Financial System Strategy 2020" zur Stär­kung des Finanz­sektors und bei der re­gio­nalen Inte­gra­tion in die West­afri­ka­nische Wirt­schafts­gemein­schaft ECOWAS unterstützt werden.

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Noch hat sich in Nigeria nicht die Einsicht durch­ge­setzt, dass die Öl- und Gas­reser­ven des Landes zwar groß, aber den­noch nicht un­end­lich sind. Der Öl­reich­tum hat dazu ge­führt, dass immer mehr Diesel­gene­ra­toren zur Strom­er­zeu­gung ge­nutzt werden – mit negativen Folgen für die Umwelt. Die vor­han­denen Wasser- und Gas­kraft­werke sind ver­altet und werden kaum ge­nutzt. Das Strom­netz be­fin­det sich in einem schlechten Zustand, in weiten Teilen des Landes gibt es nur stun­den­weise Elek­tri­zi­tät. Wartung und In­stand­haltung der Infra­struk­tur sind sehr man­gel­haft, da der Ener­gie­sektor von Miss­wirt­schaft und Ver­un­treuung be­stimmt wird. Trotz mas­siver Inves­ti­tionen – seit 2000 hat die Re­gie­rung offi­ziell rund 10 Mil­liarden US-Dollar inves­tiert – bleibt die desolate Strom­ver­sorgung daher eines der größten Ent­wick­lungs­hemm­nisse des Landes.

Die nigerianische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, ver­stärkt er­neuer­bare Ener­gien zu fördern. Bis 2025 sollen sie 10 Pro­zent des Ener­gie­be­darfs decken. Das deutsche Engage­ment in diesem Bereich bietet gute Mög­lich­keiten, ver­schiedene Aspekte nach­hal­tiger Ent­wick­lung zu kom­bi­nieren. Zum einen leisten Inves­ti­tionen in er­neuer­bare Ener­gien und Ener­gie­effi­zienz einen wichtigen Bei­trag zum Klima- und Umwelt­schutz. Zum anderen stehen sie im Ein­klang mit der nigeria­nischen Armuts­be­kämp­fungs­stra­tegie und können gerade der armen Bevölkerung eine de­zen­trale, sichere und be­zahl­bare Strom­ver­sorgung ermöglichen.

Die Zusammenarbeit im Energie­bereich wird von beiden Seiten als zu­kunfts­weisend be­trachtet. Seit 2010 gibt es Ge­spräche zur Pla­nung kon­kreter Pro­jekte, wie Unter­stüt­zung beim Bau und der Instand­setzung von Was­ser­kraft­werken. Die künftige Zu­sam­men­arbeit im neuen Schwer­punkt­bereich kann sich auf die bereits be­ste­hende nigerianisch-deutsche Energie­partner­schaft stützen. Diese wurde 2007 von Bundes­kanzlerin Merkel und dem damaligen nigeria­nischen Staats­prä­si­denten Yar'Adua ge­grün­det und kon­zen­triert sich auf die Unter­stützung deutschen privat­wirt­schaft­lichen Engage­ments sowohl im Erdgas- als auch im Stromsektor.

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