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Mosambik

Situation und Zusammenarbeit

Ansicht von Maputo, Mosambik. Urheberrecht: photothek.netMosambiks Wirt­schaft gehört zu den am schnell­sten wachsenden Volks­wirt­schaften Afrikas: Trotz der weltweiten Wirt­schafts- und Finanz­krise hat das Land in den vergangenen Jahren stets ein Wachstum zwischen sieben und acht Prozent erzielt. Für 2011 wird ein Wachstum von 7,5 Prozent erwartet. Die Wirtschaftsreformen der Regierung wurden durch ein Programm zur Strukturanpassung des Internationalen Währungs­fonds (IWF) und der Weltbank begleitet. Das Programm sah unter anderem die Privatisierung der staatlichen Betriebe vor. Mehr als 1.200 überwiegend kleine Staatsbetriebe wurden inzwischen privatisiert.

Verschiedene Großprojekte – vor allem im Bergbausektor – werden der Wirtschaft Mosambiks auch in den kommenden Jahren Dynamik verleihen. Für sie hat die Regierung bürokratische Hemmnisse weitgehend abgebaut. Für kleinere Investitionen gilt das Land aber noch immer als schwieriger Markt: Kleine und mittelständische Unternehmen leiden unter ineffizienten Behörden, Korruption, einer schlechten Infrastruktur und einem mangelnden Zugang zu Krediten.

Die Mehrheit der Bevölkerung profitiert noch nicht ausreichend von den hohen Wachstumsraten der Wirtschaft. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der nationalen Armuts­grenze. Die Armut in den Städten ist dabei ebenso groß wie die Armut auf dem Land. Im September 2010 kam es zu Unruhen in Maputo und anderen Städten. Anlass waren Preiserhöhungen für Nahrungsmittel, Energie und Transport. Viele Bürger protestierten gegen die mangelnden Anstrengungen der Regierung zur Bekämpfung der Armut und Inflation sowie gegen den wachsen­den Wohlstand der politiknahen Elite.

Fortschritte

Ein Mädchen macht eine Pause vom Schwimmen im Sambesi-Fluss in Mosambik. Urheberrecht: David Gough/IRINTrotz dieser Probleme hat die Reform- und Entwicklungs­orientierung der Regierung schon zu wichtigen Fortschritten auf dem Weg zur Verwirklichung der Millenniums­entwicklungs­ziele (MDG) geführt. So konnte die Kinder­sterblichkeit deutlich reduziert werden: 1990 starben noch 235 von 1.000 lebend geborenen Kindern vor ihrem fünften Geburtstag, bis 2009 ging diese Zahl auf 142 zurück. Die Mütter­sterblich­keits­rate ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Dennoch ist die Zahl der Mütter, die während der Schwanger­schaft oder bei der Geburt eines Kindes sterben, mit 550 bei 100.000 Geburten immer noch eine der höchsten weltweit. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Geburten – vor allem in ländlichen Regionen – nicht von einer ausgebildeten Hebamme, einer Krankenschwester oder einem Arzt betreut werden.

Erfreulich ist die Entwicklung der Einschulungsrate bei den Sechsjährigen: Sie stieg von 29,6 Prozent im Jahr 2000 auf 80 Prozent im Jahr 2008 an. Die Förderung der Grundbildung bleibt jedoch ein wichtiges Aufgabengebiet der Entwicklungs­zusammen­arbeit. Noch immer können rund 660.000 Kinder in Mosambik keine Schule besuchen.

Rückschläge

Frauen bei einer Flut-Simulationsübung. Urheberrecht: David Gough/IRINVor allem Natur­katas­tro­phen führen immer wieder zu Rück­schlägen in der Ent­wick­lung des Landes. Zyklone und Über­schwem­mungen entlang der in der Regen­zeit von Novem­ber bis April über die Ufer tretenden Flüsse führen jedes Jahr zu erheblichen Schäden. So verloren im Jahr 2000 rund eine Million Menschen durch eine Über­schwemmung ihre Lebens­grundlage. Große Teile der land­wirt­schaft­lichen Anbau­flächen und der Infra­struktur wurden durch das Wasser zerstört und mussten mühevoll und unter hohen Kosten wieder aufgebaut werden.

Ein chronisches Problem stellt die in vielen Landesteilen vor­herrschende Trockenheit dar. Niederschläge werden zunehmend unberechenbarer – mit erheblichen negativen Auswirkungen auf den vorherrschenden Regenfeldbau. Dies alles führt dazu, dass einige Hunderttausend Mosambikaner dauerhaft von Nahrungs­mittel­hilfe abhängig sind.

Die Lebenserwartung der Mosambikanerinnen und Mosambikaner bleibt mit 48,4 Jahren eine der niedrigsten der Welt. Rund 40 Prozent der Gesamtbevölkerung gelten als unterernährt. Schon mit der Geburt beginnt für viele Kinder der Kampf ums Überleben. Die Zahl der chronisch unterernährten Kinder ist von 41 Prozent im Jahr 2003 auf mehr als 46 Prozent 2006 angestiegen. Experten machen dafür auch den schwachen Land­wirt­schafts­sektor verantwortlich.

Die mangelnde Produktivität der einheimischen Landwirtschaft, schlechte Ernten als Folge von Naturkatastrophen sowie der weltweite Anstieg der Nahrungsmittelpreise haben wiederholt zu Versorgungsengpässen und Unruhen in der Bevölkerung geführt. Die Regierung bewilligte nach den gewalttätigen Ausschreitungen im September 2010 Finanzhilfen von rund zehn Millionen Euro zur Subventionierung der Preise. Die strukturellen Defizite in Landwirtschaft und Produktion bestehen jedoch fort.

Import und Export des Landes hängen stark von der Situation in den Nachbarländern ab. Die unsichere politische Lage im benachbarten Simbabwe belastet die mosambikanische Wirtschaft zum Beispiel sehr, weil viel weniger Waren des Nachbarlandes in mosambikanischen Häfen verschifft werden.

Entwicklungspotenziale

Ein Fischer macht sich bei Sonnenuntergang auf den Weg zurück in sein Dorf in Mosambik. Urheberrecht: David Gough/IRINDas Land am Indischen Ozean hat gegenüber den Nachbar­staaten den geographi­schen Vorteil, am Meer zu liegen. Für Malawi, Sambia und Simbabwe ist Mosambik tradi­tio­nell ein Transit­land. Zahlreiche aus­ländische Unter­nehmen haben dieses Poten­zial erkannt, bis 2015 sollen umfang­reiche Investi­tionen von bis zu 800 Millionen US-Dollar in den Hafen der Haupt­stadt Maputo fließen.

Mosambik exportiert Elektrizität aus dem Cahora-Bassa-Wasserkraftwerk nach Südafrika, Malawi und Swasiland. Der staatliche Stromversorger Electricidade de Mocambique (EDM) plant, den Energieexport auszuweiten und ein Kraftwerk am Sambesi-Fluss zu errichten. Der Bau des 700 Meter langen und 90 Meter hohen Staudamms wurde 2010 von der Regierung genehmigt. Allerdings ergeben sich bei der Finanzierung – die Kosten des Projekts werden auf bis zu drei Milliarden US-Dollar geschätzt – noch erhebliche Schwierigkeiten.

Mosambiks wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienst­leistungs­sektor. Grund dafür ist vor allem der expandierende Tourismus­sektor. Touristen schätzen vor allem die mehr als 2.400 Kilometer lange Küste am Indischen Ozean. Mit seinem großen Tier- und Pflanzenreichtum könnte aber auch das Inland in Zukunft viele Besucher anlocken. Deshalb unterstützt Deutschland ein Erfolg versprechendes Projekt: Im Länderdreieck Südafrika, Mosambik und Simbabwe werden sich der südafrikanische Krüger-Nationalpark, der mosambikanische Limpopo-Park und der Gonarezhou-Nationalpark in Simbabwe zu einem grenz­über­greifenden Nationalpark zusammenschließen. Der so entstehende Great Limpopo Transfrontier Park wird eines Tages eine Fläche von 100.000 Quadratkilometern umfassen. Er wird sowohl auf dem Gebiet des Naturschutzes als auch für den Tourismus große Chancen bieten.

Zweitwichtigster Wirtschaftszweig ist die Industrie. Umfangreiche Privatisierungen, unter anderem in den Bereichen Tele­kommu­ni­kation, Wasser und Energie, haben in den letzten Jahren zu Investitionen aus dem Ausland geführt. Dadurch entstehen Arbeitsplätze und es besteht die Hoffnung, dass der formale Arbeitsmarkt ausgebaut werden kann. Zurzeit sind weniger als fünf Prozent der Bevölkerung im formalen Sektor beschäftigt. Wenn die Wirtschaft sich erfolgreich entwickelt, könnten auch landwirtschaftliche Produkte wie Cashewnüsse, Mais oder Baumwolle besser exportiert werden. Für eine positive Entwicklung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, aber auch für eine Ausdehnung kommerzieller Farmen ist ausreichend fruchtbarer Boden vorhanden.

Weitere Chancen für wirtschaftliches Wachstum liegen in der Gewinnung von Bodenschätzen wie Kupfer, Erdgas oder Kohle. Die Ressourcen sind so reichhaltig, dass Mosambik mittelfristig von externer Finanzierung unabhängig werden und die Bekämpfung der Armut aus eigenen Mitteln finanzieren könnte. Das größte Bergbauprojekt Mosambiks ist die geplante Wiederaufnahme der Kohleförderung nahe Moatize in der Tete-Provinz. Im Herbst 2008 hat die Regierung den Beitritts­prozess zur Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft (EITI) begonnen. Mit diesem Schritt ist die Hoffnung verbunden, Korruption und Vetternwirtschaft in diesem sensiblen Bereich begrenzen zu können.

Für die Regierung hat sich der finanzielle Spielraum zur Umsetzung ihres Entwicklungsprogramms durch den Schulden­erlass im Rahmen der HIPC-Initiative und der Multilateralen Entschuldungsinitiative (MDRI) erweitert. Dennoch ist Mosambik weiterhin eines der am stärksten von ausländischen Zahlungen abhängigen Länder. Der Anteil der Gebermittel am Staats­haushalt liegt schon seit längerer Zeit bei rund 50 Prozent.

Außenpolitik

Mosambik ist ein engagiertes Mitglied der südafrikanischen Regionalorganisation SADC (Southern African Development Community). Die SADC ist der bedeutendste Wirtschaftsraum in Afrika südlich der Sahara. Wichtigster Handelspartner von Mosambik ist Südafrika, zwischen beiden Ländern existiert ein reger Handels-, Besucher- und Meinungsaustausch. Zu vielen Staaten weltweit unterhält Mosambik diplomatische Beziehungen. Auch das Verhältnis zur ehemaligen Kolonialmacht Portugal ist inzwischen freundschaftlich, zudem beteiligt sich Mosambik an einer Vielzahl von Aktivitäten der Gemeinschaft portugiesisch­sprachiger Länder (CPLP).

Mosambik ist Mitglied in der Afrikanischen Union. Auch der NEPAD-Initiative (New Partnership for Africa's Development), die es sich zum Ziel gesetzt hat, mehr Eigenverantwortung für Frieden, Demokratie und die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents zu übernehmen, gehört Mosambik an. Ende 2006 wurde mit dem Prozess der gegenseitigen Bewertung der Regierungsführung, dem Peer Review, in Mosambik begonnen. Inzwischen liegt der Abschlussbericht vor und wurde vom mosambikanischen Kabinett gebilligt.

Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Mosambik

Deutschland gehört zu den größten bilateralen Gebern Mosambiks. Die Bundesrepublik hat sich nach dem Ende des Bürgerkriegs vor allem beim Wiederaufbau, der Reintegration von Flüchtlingen und der Räumung von Minen engagiert. Während der Überschwemmung 2000 stand die Nothilfe im Vordergrund. Heute konzentriert sich die Zusammenarbeit zwischen Mosambik und Deutschland besonders auf die Umsetzung der nationalen Armutsbekämpfungsstrategie (PARP) und auf die Stärkung mosambikanischer Institutionen und ihre Beratung, zum Beispiel durch die Unterstützung des nationalen AIDS-Rates. Die Bekämpfung von HIV/AIDS ist ein übergreifendes Thema des deutschen Engagement in Mosambik, da elf Prozent der Menschen zwischen 15 und 49 Jahren infiziert sind.

Mit der Regierung von Mosambik wurden darüber hinaus folgende Schwerpunkte für die Zusammenarbeit vereinbart und zuletzt bei Regierungsverhandlungen im Mai 2009 bestätigt:

  • Grundbildung und Berufsbildung

  • Dezentralisierung für ländliche Entwicklung

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Die Bundesrepublik hat Mosambik für die Jahre 2009 bis 2011 Mittel in Höhe von 155 Millionen Euro zugesagt, darunter 38 Millionen Euro im Rahmen der allgemeinen Budgethilfe. Die Auszahlung der Budgethilfe erfolgt in Abhängigkeit von Indikatoren, die die Regierungsführung Mosambiks bewerten.

Budgethilfe

Mosambik ist eines der ersten Länder der Welt, das im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine direkte und ungebundene Budgethilfe zum Staatshaushalt erhält. Budgethilfe erfolgt immer in Absprache mit den anderen Gebern eines Landes, sie ist eine programmorientierte Gemeinschafts­finanzierung.

Voraussetzungen dafür sind gute Regierungsführung Gute Regierungsführung (Good Governance) und der Reformwille des Partnerlandes. Budgethilfe harmonisiert die Unterstützungsmaßnahmen der verschiedenen Geber mit dem Ziel, die Reformstrategien und die Eigen­verantwortlichkeit des Partnerlandes zu stärken. Sie schafft positive Anreize zur Umsetzung der Reformen und ermöglicht dem Partnerland eine hinreichende Planbarkeit von externen Finanzzuflüssen.

Voraussetzung für das Gelingen ist ein intensiver politischer Dialog aller Beteiligten. Im Rahmen dieses Dialogs werden die Grundprinzipien der Budgethilfe in einer Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zwischen dem Partnerland und den Gebern festgelegt. Falls sich die politischen Rahmen­bedingungen verschlechtern, verfügen die Geber über ver­schie­dene politische und finanzielle Reaktionsmechanismen wie verzögerte Auszahlungen, graduelles oder vollständiges Aus­setzen, Ausstieg, Umprogrammierungen oder Rückforderungen.

In Mosambik soll die Budgethilfe einen wirksamen und koordinierten Beitrag zur Umsetzung der nationalen Armuts­bekämpfungs­strategie (PARP) leisten. 2004 wurde zwischen Mosambik und den damaligen Budgethilfe-Gebern ein entsprechendes Memorandum of Understanding unterzeichnet, 2009 wurde es aktualisiert. Seit 2007 unterstützen insgesamt 16 bilaterale und drei multilaterale Geber (G19) die mosambikanische Regierung durch allgemeine Budgethilfe.

Zur Kontrolle der Budgethilfe wurde ein Überprüfungs­mecha­nis­mus entwickelt, das Performance Assessment Framework (PAF): Zu jedem Schwerpunkt der Armuts­bekämpfungs­strategie wurden von der mosambikanischen Regierung gemeinsam mit den G19 Ziele, Aktionen und Indikatoren festgelegt, deren Erreichung jährlich überprüft wird. So kann anhand des PAF festgestellt werden, ob die Budgethilfe einen effektiven Beitrag zur Armutsbekämpfung leistet.

Nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vom Oktober 2009 forderten die 19 Budgethilfe-Geber die mosambikanische Regierung zu einem vertieften Dialog über Fragen der guten Regierungsführung auf. Als Ergebnis verpflichtete sich die Regierung zu umfangreichen Reformmaßnahmen in den Bereichen Wahlgesetzgebung, Transparenz im Verhältnis Staat/Wirtschaft ("Economic Governance") und Korruptionsbekämpfung. Seitdem wird ein Teil des deutschen Beitrags zur allgemeinen Budgethilfe unmittelbar von der Umsetzung dieser Reformmaßnahmen abhängig gemacht.

Grundbildung und Berufsausbildung

Die Regierung von Mosambik will im Bildungsbereich die Millenniumsziele erreichen. Schon 1998 hat sie einen strategischen Bildungsplan verabschiedet, der 2006 aktualisiert wurde. Die Bundesrepublik unterstützt diesen Plan. Ziel ist, den Zugang zur Bildung für alle Kinder zu ermöglichen, die Qualität der Ausbildung sicherzustellen und die Institutionen zu fördern. Dies ist wichtig, denn noch immer können fast 50 Prozent der Erwachsenen nicht lesen und schreiben, etwa 300.000 Kindern bleibt der Schulbesuch verwehrt.

Deutschland unterstützt Mosambik unter anderem durch ein bilaterales Schulbauprogramm: Der Bau und Wiederaufbau von Schulgebäuden und Lehrerhäusern, verbunden mit Sensi­bili­sie­rungs­maßnahmen für Eltern, verbessert den Zugang zu Bildung in Mosambik. Durch eine bessere Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer und ein integriertes Fortbildungs- und Beratungssystem soll zudem die Qualität des Unterrichts verbessert werden.

Die meisten Lehrpläne gingen bisher an den Bedürfnissen der Schüler vorbei. Im neuen Bildungsprogramm ist vorgesehen, dass ein Fünftel des Unterrichtsstoffes vor Ort bestimmt werden kann. Außerdem sollen Gesundheits- und Friedenserziehung sowie Vorbeugung gegen HIV/AIDS in die Lehrpläne aufgenommen werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Zusammenarbeit ist der Aufbau von institutionellen Kapazitäten in der Bildungs­verwaltung. In diesem Zusammenhang werden auch die mosambikanischen Anstrengungen zur Reform der Berufsbildung unterstützt, um mehr Menschen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Ein grundlegendes Strukturproblem im Bildungssektor bleibt das relativ niedrige Bildungsniveau. Mittel- bis langfristig sind selbst durch den Abschluss der siebenjährigen Grundschule und eine verbesserte berufliche Bildung nur geringe Fortschritte zu erwarten. Der Mangel an Sekundarschulen und weitergehenden Bildungsangeboten soll daher zukünftig stärker in den Blickpunkt der deutschen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit rücken.

Dezentralisierung für ländliche Entwicklung

Die Entwicklung auf dem Land steht im Mittelpunkt der Armuts­bekämpfung in Mosambik. Fast zwei Drittel der rund 23 Millionen Einwohner leben außerhalb der Städte. Sie bewirtschaften das Land mit einfachsten Werkzeugen und Anbaumethoden. Die Erträge reichen den Familien nur zur Sicherung des Existenz­minimums. Auf dem Land gibt es zudem nur schlecht ausgebaute Verkehrswege: Ein Austausch zwischen den ländlichen Bereichen und den wenigen Wirtschaftszentren ist daher kaum möglich.

Reformen des Regierungs- und Verwaltungssystems sind darum zentraler Bestandteil von entwicklungspolitischen Maßnahmen. Ziel ist, durch lokale und regionale Selbstverwaltung die Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit sozialen Grund­diensten zu verbessern. Deutschland unterstützt diese Dezentralisierungsmaßnahmen. Gemeinsam mit anderen Gebern wie der Weltbank und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat die Bundesrepublik sich für ein gemein­sames nationales Programm zur dezentralisierten Planung und Finanzierung eingesetzt.

Das neue Programm hat das übergreifende Ziel, in den 128 Distrikten des Landes den Zugang zu staatlichen Dienst­leistungen und deren Qualität und Effizienz zu verbessern. Außerdem sollen die Beteiligung der Bevölkerung, die Rechenschaftspflicht und die Verantwortlichkeit der Behörden verbessert werden. Auch auf regionaler und lokaler Ebene unterstützt Deutschland die dezentrale ländliche Entwicklung. Durch mehr Beteiligungsmöglichkeiten für die Bevölkerung soll die Demokratieentwicklung gestärkt werden. Eine engagierte Zivilgesellschaft stärkt die Menschen vor Ort, vor allem die benachteiligten Gruppen. Sie können sich besser für ihre Belange einsetzen und das dörfliche Leben bereichern.

Im Bereich der Katastrophenvorsorge unterstützt Deutschland unter anderem die nationale Behörde INGC sowie die Einrichtung lokaler Katastrophenvorsorgekomitees. Diese mit Unterstützung der Technischen Zusammenarbeit gegründeten Komitees bereiten die Bevölkerung auf Katastrophenereignisse vor und haben wesentlichen Anteil an der Schadensbegrenzung. Die Abhängigkeit von externer Hilfe im Naturkatastrophenfall nimmt dadurch ab. Für die Bevölkerung fielen bei den letzten Naturkatastrophen die Opfer und wirtschaftlichen Schäden bereits weitaus geringer aus als früher. Distriktadministratoren am Limpopo-Fluss berichteten, dass ihnen in diesem Jahr der Wert der Katastrophenvorsorgekomitees besonders bewusst geworden sei, weil sie ohne deren Hilfe die Menschen nicht alleine hätte evakuieren können.

2007 wurde während des Zyklons Favio am Búzi-Fluss erstmals das im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit entwickelte Katastrophenvorsorgesystem erprobt. Es findet inzwischen als sogenanntes "Modell Búzi" nationale und internationale Anerkennung . Zurzeit wird es in anderen Landesteilen an den Flüssen Save, Chire und Licungo eingeführt, außerdem wurde es 2010 auch erstmalig auf den urbanen Raum der Stadt Beira übertragen. Auch dort basiert das bewährte einfache Konzept vor allem auf einer frühzeitigen Warnung der Bevölkerung und deren Vorbereitung auf den Notfall. Dadurch können die Menschen sich selbst und ihr Hab und Gut rechtzeitig in Sicherheit bringen. Hinzu kommt in städtischen Siedlungen wie Beira die jährliche Reinigung der Entwässerungskanäle und eine verbesserte Müllentsorgung, um ein besseres Abfließen der Wassermassen zu gewährleisten und der Ausbreitung von Krankheiten vorzubeugen.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Die positive Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre wurde vor allem durch eine Reihe von Großprojekten ausgelöst. Sie sind in der Hauptstadt und ihrem Umfeld angesiedelt. Kleine Unternehmen sind meist im informellen Sektor tätig und tragen wesentlich zur Arbeitsplatzschaffung bei. Dennoch wurde ihnen in den letzten Jahren von Seiten der mosambikanischen Regierung nur wenig Beachtung geschenkt.

Die Bundesrepublik fördert den Aufbau der Marktwirtschaft im gesamten Land. Um ein positives Investitionsklima zu schaffen, unterstützt Deutschland die Verbesserung der rechtlichen, politischen und institutionellen Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Mosambik. Ein wesentlicher Bereich ist dabei die Entwicklung und Stärkung des Finanz­sektors. Mosambikanische Geschäftsbanken vergeben nur sehr vorsichtig Kredite, die Geschäftspartner müssen finanzstark und bekannt sein. Dadurch fehlt in den Kleinst- und Kleinbetrieben Kapital für Investitionen. Mit Hilfe des deutschen Beitrags soll der Zugang zu Mikrokrediten und Krediten für kleinere und mittlere Unternehmen, insbesondere auch in ländlichen Regionen, verbessert werden. Die mit Unterstützung der KfW Entwicklungsbank aufgebaute Mikrofinanzbank Pro Credit hat sich inzwischen mit mehr als 36.000 Kunden landesweit zur größten und innovativsten Einrichtung in diesem Bereich entwickelt.

Auch die Regierung Mosambiks hat die Schwierigkeiten für Kleinunternehmer erkannt. Sie hat daher eine Reihe von Strukturreformen auf den Weg gebracht, die die Kosten für Unternehmen senken. Mit deutscher Unterstützung wird zudem seit 2009 ein Monitoring-System aufgebaut, dass die Umsetzung der nationalen Strategie zur Verbesserung des Geschäfts- und Investitonsklimas unterstützt. Acht Ministerien sowie die Zentral­bank nutzen dieses System inzwischen, um ihre Bemühungen in diesem Bereich besser aufeinander abzustimmen.

Das deutsche Engagement in diesem Bereich wird mit den beiden anderen Schwerpunkten der Zusammenarbeit von Mosambik und Deutschland – Bildung und ländliche Entwicklung – eng verzahnt. So wurde mit deutscher Beteiligung beispielsweise die Banco Terra gegründet. Sie ist die erste Bank in Mosambik, die sich zum Ziel gesetzt hat, Finanzdienstleistungen für die Menschen auf dem Land zu schaffen.

Entschuldung

Mosambik hat 2001 als eines der ersten Länder vom Schuldenerlass profitiert, der im Rahmen der HIPC-Initiative beschlossen wurde. Dem Land werden insgesamt nominell 4,3 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden erlassen. Deutschland hat im Rahmen der HIPC-Initiative bilaterale Schulden Mosambiks in Höhe von 128 Millionen US-Dollar vollständig gestrichen. Die Reduzierung des Schuldendienstes hat Mosambik in den letzten Jahren eine deutliche Erhöhung der armutsreduzierenden Ausgaben ermöglicht.

Im Rahmen der 2005 von den Finanzministern der G8-Staaten beschlossenen Multilateralen Entschuldungsinitiative (MDRI) für erfolgreiche HIPC-Länder wurden dem Land von Seiten des Internationalen Währungsfonds, der Weltbanktochter IDA und dem Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF) weitere Auslands­schulden in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar gestrichen.

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