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Malawi

Situation und Zusammenarbeit

Fischer am Malawi-See. Urheberrecht: BMZMalawi ist ein Agrarland. 80 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft. Diese hat offiziell einen Anteil von rund 40 Prozent am Bruttoinlandsprodukt, tatsächlich dürfte der Wert aufgrund der ausgeprägten Subsistenzwirtschaft deutlich höher liegen. Die meisten Devisen erwirtschaftet das Land durch den Export von Tabak und – in geringerem Umfang – auch von Tee und Zucker. Die große Abhängigkeit von wenigen landwirtschaftlichen Exportprodukten macht die Wirt­schaft anfällig für äußere Einflüsse wie Dürreperioden oder Preis­schwankungen auf dem Weltmarkt. Hinzu kommt, dass Malawi keinen Zugang zum Meer hat und bei Ex- und Importen auf die umliegenden Transitländer angewiesen ist – der nächste größere Hafen in der tansanischen Metropole Dar-Es-Salaam ist rund 2.000 Kilometer entfernt. Dadurch entstehen erhebliche Zusatzkosten, die das Land im inter­nationalen Wettbewerb benachteiligen.

Die malawische Wirtschaft wuchs in den letzten Jahren beachtlich. Diese ökonomische Entwicklung hat jedoch nicht ausgereicht, um die Armut in Malawi zu überwinden. Auch für die kommenden Jahre wird trotz der internationalen Finanzkrise ein Wirtschafts­wachstum von etwa fünf Prozent pro Jahr erwartet. Wichtige Voraussetzung dafür sind jedoch eine gute Ernte und der Erfolg geplanter Bergbauprojekte.

Mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 325 US-Dollar gehört Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Armut trifft vor allem die Menschen auf dem Land. Viele von ihnen sind unterernährt. Dürreperioden führten in der Vergangenheit immer wieder zu Nahrungsmittelknappheit. Es bedarf weiterer Reformen, um die in den vergangenen Jahren erreichten Fortschritte in der Nahrungsmittelsicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten.

Die politischen Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Aufschwung werden seit 1994 von einer Regierung gestaltet, die sich der Demokratie, den Menschenrechten und der Markt­wirtschaft verpflichtet hat. Sie will die Armut überwinden und die Demokratie in der Gesellschaft verankern. Dazu soll ein Teil der politischen Entscheidungsgewalt und der Verwaltung auf die kommunale Ebene verlagert werden. Von dieser Strategie sind bisher allerdings große Teile der Bevölkerung und der nationalen Eliten noch nicht überzeugt. Damit die Dezentralisierung gelingt, ist also nicht nur finanzielle, sondern auch politische Unterstützung notwendig.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Mai 2009 trugen zur Festigung der noch jungen Demokratie bei. Nach Ein­schätzung internationaler Wahlbeobachter wurden die grund­legenden demokratischen Prinzipien gewahrt. Staatspräsident Bingu wa Mutharika, gleichzeitig Regierungschef Malawis, wurde mit eindeutiger Mehrheit wiedergewählt und kann sich auf eine komfortable Mehrheit im Parlament stützen.

In den vergangenen Jahren hat sich die malawische Regierung verstärkt darum bemüht, die Korruption im Land einzudämmen. Das Bewusstsein der Bevölkerung für die Problematik wurde deutlich geschärft. Mit Erfolg: Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International konnte Malawi sich von Rang 115 im Jahr 2008 auf Rang 85 von 178 Ländern im Jahr 2010 verbessern.

Große Defizite bei Bildung und Gesundheit

Die Lebenserwartung beträgt in Malawi nur 54 Jahre. Wegen der Ausbreitung des HI-Virus wird sie in den kommenden Jahren wohl nicht weiter steigen: Etwa zwölf Prozent der 15- bis 49-Jährigen sind infiziert. Auch Malaria, Atemwegsinfektionen und Durchfall führen in Malawi häufig zum Tod. Andererseits ist das Bevölkerungswachstum sehr hoch und droht Entwicklungserfolge zunichte zu machen. Da die finanziellen Mittel nicht ausreichen und nicht genug qualifiziertes Personal vorhanden ist, kann das nationale Gesundheitssystem diesen Problemen nicht aus­reichend entgegenwirken.

Im Bildungssektor wurden in den vergangenen Jahren zwar große Fortschritte erzielt. Die Situation bleibt jedoch prekär. Etwa die Hälfte aller Kinder in Malawi erreicht nicht den achtjährigen Schulabschluss; die Qualität des Unterrichts ist mangelhaft. Es fehlt vor allem gut ausgebildetes Lehrpersonal. Etwa 30 Prozent der Menschen im Land können nicht lesen und schreiben.

Malawi versucht seit einiger Zeit, mit umfassenden Reformen und steigenden Ausgaben für Gesundheit und Bildung, die Situation maßgeblich zu verbessern. Deutschland unterstützt die mala­wische Regierung bei diesen Reformen.

Entwicklungspotenziale

Frau an modernem Kochherd in Malawi. Urheberrecht: GIZ, Andreas MichelViele Menschen in Malawi zeigen großes Interesse an Bildungs­möglichkeiten und große Fähigkeiten zur Selbsthilfe. Das gilt besonders für Frauen im informellen Sektor der Wirtschaft und für die Organisa­tionen der Zivilgesellschaft. Sie können zu wichtigen Partnern bei der Entwicklung werden.

In der Landwirtschaft, im Tourismus sowie dem Bergbau sieht der Inter­nationale Währungsfonds (IWF) Potenziale für eine positive wirt­schaftliche Entwicklung. So bemüht sich die Regierung darum, Bewässe­rungssysteme zu installie­ren, um die Landwirtschaft unabhängig vom Regen und besser planbar zu machen.

Steigende ausländische Investitionen sind im Bergbau zu erwarten. Seit 2008 wurden mehrere Minen eröffnet, die vor allem Bauxit, Uran, Silizium und Kohle liefern. Größtes Investitionsprojekt seit der Unabhängigkeit 1964 ist die Uranmine Kayelekera im Norden Malawis. Sie soll dem Land jährliche Exporterlöse in Höhe von rund 120 Millionen US-Dollar einbringen. Uran wäre dann nach Tabak das zweitwichtigste Exportprodukt.

Auch der expandierende Telekommunikationsbereich – vor allem der Mobilfunk – setzt Impulse für die Wirtschaft. Mit jährlichen Steigerungen von siebzig Prozent ist er in den vergangenen Jahren zu einem dynamischen Wachstumssektor geworden, der auch ausländische Investoren anzieht. Der Bausektor wächst ebenfalls, unter anderem profitiert die Branche von umfang­reichen Infrastrukturprojekten in den Bereichen Energie und Transport.

Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Malawi

Deutschland ist neben Großbritannien, den USA, Japan, Norwegen und Irland ein wichtiger bilateraler Geber Malawis. Die Bundesrepublik hat sich in der Vergangenheit sowohl auf bi- als auch auf multilateraler Ebene mit vielfältigen Maßnahmen für Malawi engagiert. Wichtige Arbeitsfelder waren die Bereiche Landwirtschaft und Umwelt, Bildung, Demokratisierung, Gesund­heit sowie die Verkehrsinfrastruktur, Wasserversorgung und Energiegewinnung. Um die entwicklungspolitische Zusammen­arbeit wirksamer und effizienter zu gestalten, vereinbarten Deutschland und Malawi 2002 eine Konzentration auf die Schwerpunkte Grundbildung, Gesundheit und Demokratische Dezentralisierung.

2002 hat Malawi eine eigene Armutsminderungsstrategie (PRSP) vorgelegt. 2007 wurde diese zu der langfristigen und entwicklungsorientierten "Malawi Growth and Development Strategy" (MGDS) weiterentwickelt. An diesem Programm orientieren sich die deutschen Entwicklungsbeiträge, die eng mit den Leistungen der anderen Geber abgestimmt werden.

Malawis Strategie zur Reduzierung der Armut setzt vor allem auf nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Entwicklung von Infrastruktur. Darüber hinaus genießen die Bereiche soziale Sicherung, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Bildung sowie gute Regierungsführung besondere Priorität. 28 Nichtregierungsorganisationen haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das an diesem Prozess mitwirken will.

Bei Regierungsverhandlungen über die malawisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit im Dezember 2011 wurden Malawi für die Jahre 2011 und 2012 insgesamt 41 Millionen Euro zugesagt. Die Zusammen­arbeit erfolgt in drei Schwerpunkt­bereichen:

  • Grundbildung

  • Gesundheit

  • Demokratische Dezentralisierung

Gender und HIV/AIDS sind Querschnittsthemen der Zusammenarbeit.

Grundbildung

Junge vor einer Schule in Malawi. Urheberrecht: GTZDie Regierung Malawis hat 1994 den freien Zugang zur Grundschule eingeführt. Seitdem hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler deut­lich erhöht – 79 Prozent der Jungen und Mädchen werden inzwischen eingeschult. Die Abbrecherquote ist jedoch weiterhin sehr hoch: Nur etwa die Hälfte der Kinder schließt die Grundschule nach der achten Klasse erfolgreich ab. Unter den Schulabbrechern ist der Anteil der Mädchen besonders hoch.

Ein beträchtliches Problem ist die Qualität der Bildung. Es fehlen Schulräume, Lehr- und Lern­materialien sowie qualifizierte Lehrkräfte. Im Jahr 2009 belief sich das durchschnittliche Lehrer-Schüler-Verhältnis auf 1:81.

Die Regierung Malawis hat Ende 2008 einen langfristigen nationalen Plan für den Bildungssektor (National Education Sector Plan, NESP 2008–2017) verabschiedet. Der NESP dient als Grundlage für das deutsche Engagement im Bildungsbereich. Gemeinsam sollen Zugang, Qualität, Effizienz und Management der Grundbildung in Malawi verbessert werden.

Ein wichtiger Schwerpunkt der deutschen Unterstützung ist der Aufbau von Kapazitäten im Bildungsministerium, um die Umsetzung des NESP voranzutreiben. Über eine Korbfinanzie­rung, an der sich neben Deutschland auch andere Geber beteiligen, werden Mittel für die Lehrerausbildung, die Beschaffung von Lehr- und Lernmaterialien, die Entwicklung von Lehrplänen, die Primarschulinfrastruktur sowie für innovative Bildungsangebote für Nicht-Schulgänger bereitgestellt.

Gleichzeitig werden mit deutscher Unterstützung auch auf lokaler Distriktebene die Voraussetzungen für die Umsetzung der Bildungsstrategie geschaffen. Die Lehrerausbildung konnte deutlich verbessert werden. Ein neu entwickeltes Ausbildungs­system mit theoretischen und praktischen Ausbildungsphasen wurde an allen staatlichen Lehrerausbildungsstätten eingeführt. Der Ansatz zur nachholenden Grundbildung für Kinder ohne Zugang zur formalen Schule hat inzwischen mehreren tausend Kindern einen Abschluss verschafft, der ihnen den Zugang in eine höhere Klasse des formalen Schulsystems ermöglicht.

Gesundheit

Der Gesundheitssektor wird den großen Problemen und Bedürfnissen der überwiegend armen Bevölkerung Malawis nicht gerecht. Ein besonders schwerwiegendes Problem ist die un­verändert hohe Zahl von Todesfällen von Frauen im Zusammen­hang mit Schwangerschaft und Geburt.

Vor allem in ländlichen Gebieten ist der Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten mangelhaft. Das liegt nicht nur an fehlendem Geld, sondern auch an einer schlechten Verteilung der Mittel, mangelhaftem Management und Personalmangel auf allen Ebenen. Weil die Gehälter gering und die Arbeitsbedingungen schlecht sind, gehen viele Fachkräfte ins Ausland.

Deutschland unterstützt das malawische Gesundheitsministerium bei der Reform des Gesundheitswesens im Rahmen eines sektor­weiten Ansatzes. Deutsche Experten beraten das Ministerium dabei, Konzepte für die Gesundheitspolitik zu entwickeln und umzusetzen. Die malawisch-deutsche Zusammen­arbeit setzt sich besonders dafür ein, die Säuglings- und Müttersterblichkeit deutlich zu reduzieren (Millenniums­entwicklungs­ziele 4 und 5). Ein weiterer Schwerpunkt der Reform ist die Dezentralisierung des Gesundheitssystems, um der Bevölkerung einen besseren Zugang zu Basisgesundheitsleistungen zu ermöglichen. Entsprechend wird auch auf Distriktebene das Management gestärkt und die Qualifizierung verbessert.

Die Umsetzung der Gesundheitspolitik führte bereits zu beachtlichen Erfolgen. Das Angebot von Gesundheits­dienst­leistungen konnte seit Beginn der Umsetzung des Programms deutlich ausgeweitet werden. Das Basispaket an essentiellen Gesundheitsdienstleistungen (Essential Health Package) wurde 2009 von fast drei Vierteln der öffentlichen Gesundheits­einrichtungen angeboten, 2006 waren es nur 15 Prozent. An den medizinischen Fakultäten der Universitäten hat sich die Zahl der Absolventinnen und Absolventen zwischen 2002 und 2008 verdreifacht. Ähnliches gilt für Krankenschwestern, Hebammen und anderes medizinisches Personal.

Demokratische Dezentralisierung

Die Demokratisierung Malawis wird durch einen Dezentrali­sie­rungs­prozess begleitet: Malawis Verfassung von 1995 sieht lokale Parlamente in 40 überwiegend ländlichen Bezirken vor; im Jahr 2000 wurde zum ersten Mal auf dieser Ebene gewählt. Die Beteiligung war jedoch sehr gering. Nach drei Jahrzehnten Einparteienherrschaft, während der politische Initiativen der Bevölkerung eher unterdrückt wurden, muss die Bereitschaft zur politischen Teilhabe erst aufgebaut werden. Für 2005 waren verfassungsmäßig die zweiten Kommunalwahlen vorgesehen. Sie wurden jedoch nicht abgehalten, weil die Dürre andere Staatsaufgaben dringlicher machte. Die nächsten Lokalwahlen sollen im April 2011 stattfinden. Mit ihnen wird die Hoffnung verbunden, dass der ins Stocken geratene Dezentralisierungs­prozess wieder neuen Schwung erhält.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit leistet ihren Beitrag unter anderem durch Unterstützung des "Nationalen Programms Dezentralisierung" (National Decentralization Programme II, 2008–2013). Über Bildungs- und Aktionsprogramme fördert Deutschland sowohl die Dezentralisierung politischer Strukturen als auch das Verständnis dafür in der Bevölkerung. Ansätze guter lokaler Regierungsführung werden gestärkt, etwa die enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Organisationen der Zivilgesellschaft. Diese werden gezielt angesprochen und beraten, damit sie sich stärker in den politischen Prozess einbringen können.

Die Bezirke werden bei der Mobilisierung von Eigeneinnahmen zur Finanzierung eigener Investitionen und beim dazu nötigen Finanzmanagement unterstützt. Kommunale Regierungen erhalten Hilfe bei der lokalen Entwicklungsplanung und dem Aufbau von Verwaltungsstrukturen. Die Bezirke konnten so mit deutscher Unterstützung die lokal erwirtschafteten Einnahmen steigern und verwenden nun einen größeren Anteil ihres Haushalts für konkrete Dienstleistungen, die der Bevölkerung zugutekommen.

Entschuldung

Im August 2000 legte Malawi als einer der ersten afrikanischen Staaten eine vorläufige Armutsbekämpfungsstragie (Poverty Reduction Strategy Paper, PRSP) vor. Bis 2006 hat sich Malawi sowohl im Rahmen der HIPC- als auch der MDRI-Initiative für einen umfassenden Schuldenerlass qualifiziert. Insgesamt wurden Malawi Schulden in Höhe von 3,19 Milliarden US-Dollar erlassen, wovon der bilaterale deutsche Anteil 45,6 Millionen Euro betrug.

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