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Madagaskar
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Situation und Zusammenarbeit
Als Madagaskar 1960 seine Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich erlangte, zählte der Inselstaat zu den Ländern mit mittlerem Einkommen. Ab 1972 richtete sich das Land sozialistisch aus, große Unternehmen wurden verstaatlicht. Madagaskar schottete sich gegen die westliche Welt ab – der wirtschaftliche und soziale Abstieg des Landes begann. Heute zählt es zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI 2010) nimmt Madagaskar den 135. Platz von 169 Staaten ein.
Nach dem Militärputsch im März 2009 hat sich die Armut der Bevölkerung verschärft, unter anderem durch die politische Isolation des Landes und den Rückzug der internationalen Geber aus verschiedenen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit.
Rund 90 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen, besonders hoch ist der Anteil der Armen in den ländlichen Regionen. Etwa 38 Prozent der Bevölkerung gelten als unterernährt, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 60 Jahren. Die Einkünfte aus Fischerei, Edelsteingewinnung, Tropenholzwirtschaft und Vanilleexport sind ungleich verteilt: Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verfügen über etwa die Hälfte des Volkseinkommens.
Die Wirtschaft Madagaskars wird vom Agrarsektor dominiert. Drei Viertel der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, sie trägt jedoch nur etwa ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Auf 87 Prozent der Agrarflächen wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Ein großes Problem sind die Bodenerosion und die Versandung der Felder. Konnte Madagaskar in den 1970er Jahren noch Reis exportieren, reichen die Erträge heute nicht mehr zur Selbstversorgung der Bevölkerung aus. Die Vermarktung scheitert zudem häufig an Transportproblemen: Die Infrastruktur ist, vor allem in den ländlichen Gebieten, in einem sehr schlechtem Zustand. Ganze Regionen sind während der Regenzeit von Verkehrswegen und Kommunikationsnetzen abgeschnitten. Auch die Energieversorgung muss dringend ausgebaut werden.
Herausforderung Umweltschutz
Eine der größten Herausforderungen des Landes ist der Umweltschutz. Madagaskars Natur ist von einer einzigartigen biologischen Vielfalt geprägt mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Doch ein starkes Bevölkerungswachstum, die große Armut und unangepasste traditionelle Bewirtschaftungsmethoden bedrohen die natürlichen Ressourcen des Landes. Immer mehr Regenwälder werden abgeholzt oder brandgerodet, um Feuerholz und neue Ackerflächen zu gewinnen.
Der Umweltschutz ist laut madagassischer Verfassung Staatsziel. Eine nachhaltige Nutzung und Bewirtschaftung der Regenwälder soll zugleich zum Schutz der Artenvielfalt und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung beitragen.
Entwicklungspotenziale
Die Schönheit und Vielfalt der Natur zählt zu den großen Schätzen Madagaskars. Der Tourismus ist bereits heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und kann – auf nachhaltiger Basis – weiter ausgebaut werden. Vor allem der Ökotourismus bietet der Bevölkerung neue Einkommenschancen. Zugleich ergeben sich Chancen durch die Erforschung und Nutzung von Arznei- und Heilpflanzen.
Zu den Wachstumsmotoren gehört außerdem der Bergbau (Nickel/Kobalt, Mineralsand). Diese Entwicklungspotenziale können sich jedoch nur auf der Grundlage einer stabilen politischen Lage entfalten.
Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Madagaskar begann 1962. Aufgrund des demokratisch nicht legitimierten Regierungswechsels wurde sie 2009 vorläufig ausgesetzt.
Die madagassisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich gegenwärtig auf laufende Kleinprojekte im Schwerpunkt
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Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
Außerdem unterstützt Deutschland regierungsferne Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Bekämpfung von HIV/AIDS auf lokaler Ebene. Zusätzlich werden die Kommunen im Bereich "Gute Regierungsführung/Reform der öffentlichen Finanzen" beraten. Sie sind die letzten autonomen und demokratisch legitimierten Gebietskörperschaften in Madagaskar.
Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
Madagaskars natürliche Schätze sind durch Abholzung und Brandrodung akut gefährdet. Die Folge sind Bodenerosion, eine Verschlechterung des Wasserhaushalts und damit eine sinkende Produktivität der Landwirtschaft und eine steigende Armut in den ländlichen Regionen.
Im Zentrum der madagassisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit stand daher bislang die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen durch eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Die Regierung wurde dabei unterstützt, ihre Umwelt- und Forstpolitik zu reformieren und das Nationalparknetz weiter auszubauen. Im Rahmen von Kleinprojekten wird diese Arbeit weitergeführt: In den Dörfern werden Bauern mit Erosionsschutzmaßnahmen und ökologischen Anbaumethoden vertraut gemacht und Wiederaufforstungen begleitet. Mit privaten Unternehmern entwickelt Deutschland Konzepte zur touristischen Nutzung der Nationalparks. In den Schulen werden Jugendliche für das Thema Umweltschutz sensibilisiert. Auch den Ausbau erneuerbarer Energien fördert die Bundesrepublik, unter anderem durch einen Kredit zur Finanzierung eines Wasserkraftwerks. Aufgrund der politischen Lage wurde der Kredit jedoch eingefroren.
Entschuldung
Madagaskar qualifizierte sich im Jahr 2000 für die Teilnahme an der Entschuldungsinitiative für hoch verschuldete arme Länder (HIPC-Initiative). Vier Jahre später erreichte das Land den Vollendungszeitpunkt und konnte auch von der Multilateralen Entschuldungsinitiative (MDRI) profitieren. Insgesamt wurden dem Land bis Juli 2007 4,2 Milliarden US-Dollar an Schulden erlassen.
Auch Deutschland unterstützte Madagaskar dabei, die Schuldenlast auf ein ökonomisch verträgliches Niveau zu senken, und erließ dem Land Schulden in Höhe von knapp 230 Millionen Euro. Durch die wegfallenden Zinszahlungen werden im madagassischen Haushalt Mittel frei, die der Armutsbekämpfung und dem Umweltschutz zugute kommen können.
Informationen

Publikationen

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Biologische Vielfalt
BMZ Konzepte 164
(PDF 504 KB, barrierefrei) -
Entwicklung ländlicher Räume und ihr Beitrag zur Ernährungssicherung
BMZ-Strategiepapier
(PDF 201 KB, barrierefrei) -
Der Beitrag des Tourismus zur nachhaltigen Entwicklung und zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele
(PDF 275 KB, barrierefrei)





