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Kamerun

Situation und Zusammenarbeit

Zwei Männer sitzen vor einem Versammlungshaus in Kamerun. Urheberrecht: BMZ Nach den Wirt­schafts­kri­sen En­de der 1980er Jahre hat Ka­me­runs Re­gie­rung um­fang­rei­che Re­for­men ein­ge­lei­tet. Seit­dem hat sich die Wirt­schaft deut­lich er­holt. Trotz­dem ha­ben sich die Le­bens­be­din­gun­gen der Be­völ­ke­rung noch nicht grund­le­gend ver­bes­sert. Be­son­ders in den Städ­ten ist die Ar­beits­lo­sig­keit groß; rund ein Vier­tel der Be­völ­ke­rung – vor al­lem im Nor­den des Lan­des – ist un­ter­er­nährt. Etwa 40 Pro­zent der Menschen le­ben un­ter­halb der na­tio­na­len Armuts­grenze. Auf dem Index der mensch­lichen Ent­wick­lung (HDI 2010) be­legt Ka­me­run die 131. von 169 Positionen.

Defizite der zentralistischen Regierungsführung hemmen noch immer die Entwicklung des Landes. Dazu gehören Verstöße gegen die Men­schen­rechte, Ein­schrän­kun­gen im demokratischen Prozess, un­zu­rei­chen­de Trans­parenz und Effizienz bei der Ver­wen­dung öf­fent­licher Mittel, politischer Klien­te­lismus, Kor­rup­tion und man­geln­de Rechts­sicher­heit. Den­noch sind ins­be­son­dere im De­zen­tra­li­sie­rungs­pro­zess Fortschritte zu verzeichnen.

Die Regierungsarbeit ist noch zu wenig auf die Reduzierung der Armut ausgerichtet. Außerdem lässt sie der Bevölkerung nur wenige Möglichkeiten, am Entwicklungsprozess teilzunehmen. Zwar en­ga­gieren sich immer mehr Bürgerinnen und Bürger in Initiativen und sozialen Bewegungen, doch diese vielfältige Zivilgesellschaft muss sich ihren Einfluss erst noch erkämpfen.

Im Prinzip ist das Land für in- und ausländische Investoren attraktiv, zum Beispiel durch den relativ guten Ausbildungsstand seiner Be­völ­ke­rung, die vielen vorhandenen Rohstoffe und die an den Euro ge­kop­pel­te Gemeinschaftswährung CFA-Franc. Doch die un­zu­rei­chen­de Rechts­sicher­heit, die schwache Verwaltung, eine man­gel­haf­te In­fra­struk­tur und büro­kra­tische Will­kür halten poten­zielle Investoren fern. Im "Doing Business 2010"-Bericht der Weltbank, der das Ge­schäfts­klima in 183 Ländern analysiert, erreicht Kamerun lediglich Rang 171.

Beim ersten Bericht dieser Art im Jahr 2005 hatte Kamerun noch den 147. Platz ein­ge­nom­men und ist seitdem Jahr für Jahr weiter zu­rück­ge­fal­len. Der Bericht erklärt dies vor allem mit erfolg­reichen Reformen in anderen afri­ka­nischen Län­dern. Sie seien an Kamerun vor­bei­ge­zo­gen, weil es der Regierung in Jaunde nicht ge­lun­gen sei, not­wen­di­ge Re­for­men umzusetzen.

Blick auf die Hauptstadt Yaoundé, Urheberrecht: Klaus DallmerDie In­dus­tria­li­sie­rung ist in Ka­me­run bisher wenig vor­an­ge­schrit­ten. Den größten Wirt­schafts­zweig bil­det der pri­mä­re Sek­tor (Land­wirt­schaft, Forst­wirt­schaft, Fische­rei), der oft nur der Selbst­ver­sor­gung dient. Er trägt etwa 44 Pro­zent zum Brutto­in­lands­pro­dukt (BIP) bei. Auf den Dienst­leis­tungs­sek­tor ent­fal­len 39 Pro­zent des BIP, auf die In­dus­trie nur 17 Pro­zent. Schätzungs­wei­se 35 Pro­zent des BIP wer­den im in­for­mel­len Sektor er­wirt­schaf­tet, vor allem in den Städten.

Wichtigste Einnahmequelle ist der Export von Erdölprodukten und Tropenholz. Kamerun hat in den vergangenen Jahren große An­stren­gun­gen unter­nommen, die Nutzung seiner Waldflächen auf eine nachhaltige und legale Grund­lage zu stellen. So ist die na­tio­na­le Forst- und Umwelt­strategie in der Region vorbildlich. Die Heraus­for­de­run­gen bei der U­mset­zung dieser Strategie bleiben aller­dings groß. Hier setzt die deutsche Entwicklungs­zusammen­arbeit an.

Die Gesundheitsversorgung in Kamerun ist mangelhaft. Ein großes Problem für das Land ist vor allem die hohe HIV-Infektionsrate. Etwa fünf Prozent der Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren sind in­fi­ziert. Die Kinder- und Mütter­sterb­lich­keit ist hoch und in den ver­gan­ge­nen Jahren nicht we­sent­lich ge­sun­ken: Laut Statistiken der Welt­bank starben 2008 155 von 1.000 lebend geborenen Kindern, bevor sie fünf Jahre alt waren. Um­ge­rech­net auf 100.000 Le­bend­ge­bur­ten starben 600 Frauen an Kom­pli­ka­tio­nen wäh­rend der Schwan­ger­schaft oder bei der Geburt. Ein Ziel der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ist daher, zur Ver­bes­se­rung der kamerunischen Gesund­heits­ve­rsor­gung beizutragen.

Entwicklungspotenziale

Vor allem in den Zentral- und Südregionen von Kamerun sind die landwirtschaftlichen Bedingungen für den Anbau von Früchten jeder Art ideal. Darüber hinaus verfügt Kamerun über ein großes Was­ser­kraft­po­ten­zial und eine Reihe von Bodenschätzen wie Bauxit, Kobalt, Nickel, Erdöl und Diamanten. Durch effektiveres Management in diesen Bereichen könnte die Bevölkerung von neuen Arbeitsplätzen profitieren.

Waldlandschaft. Urheberrecht: BMZRegenwälder machen rund 40 Pro­zent der Lan­des­fläche aus. Durch eine nach­hal­ti­ge Nut­zung könn­ten sich die Ein­kom­men der Be­woh­ner ver­bes­sern, gleich­zeitig bliebe der Wald mit sei­nen Reich­tü­mern er­hal­ten. Seit ei­ni­gen Jah­ren en­ga­giert sich das Land aktiv in re­gio­na­len Ini­tia­ti­ven und Pro­zes­sen, zum Bei­spiel bei der Ent­wick­lung eines auf Schutz und Nach­hal­tig­keit aus­ge­rich­te­ten Wald­ak­tions­plans in Zentral­afrika. Chancen für eine positive Ent­wick­lung des Landes bietet auch die hohe Anzahl qualifizierter Ar­beits­kräfte. Durch die Verbesserung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit stieg der Ex­port land- und forst­wirt­schaft­licher Güter wie Holz, Kaffee, Baum­wolle und Natur­kaut­schuk in den ver­gan­ge­nen Jahren stark an.

Als Mitglied der Zentralafrikanischen Wirt­schafts­gemein­schaft (CEEAC) und der Zentral­afri­ka­nischen Wirtschafts- und Wäh­rungs­gemein­schaft (CEMAC) unter­stützt Ka­me­run die regio­nale Inte­gra­tion. Das Sekre­ta­riat der Zentral­afri­ka­nischen Forst­kommission (COMIFAC), einem Zusammen­schluss zehn zentral­afri­ka­nischer Staaten, ist in der Hauptstadt Jaunde angesiedelt.

Im Dezember 2007 schlossen die Europäische Union und Kamerun ein bilaterales Interims-Wirtschafts­partner­schafts­ab­kom­men (WPA). Auf Grundlage dieses WPA gewährt die EU Kamerun seit Januar 2008 vollständig freien Marktzugang. Kamerun soll innerhalb der nächsten 15 Jahre etwa 80 Prozent seiner Einfuhren aus der Europäischen Union von Zöllen befreien. Für besonders sensible Produkte gelten Übergangsfristen von bis zu 25 Jahren. Ein wichtiger Bestand­teil des WPA-Prozesses ist die be­glei­ten­de han­dels­be­zo­ge­ne Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit (Aid by Trade). Die EU unterstützt das afrikanische Land bei der Ver­bes­se­rung der Pro­duk­ti­vi­tät und Wett­be­werbs­fä­hig­keit seiner In­dus­trie. Das bi­la­te­ra­le Ab­kom­men wird als Zwischen­schritt hin zu einem regionalen WPA zwischen Zentral­afrika und der EU angesehen.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Deutschland ist ein wichtiger bilateraler Geber Kameruns. Anlässlich der Regierungsverhandlungen im September 2010 in Bonn wurden Kamerun für die kommenden drei Jahre insgesamt 77 Millionen Euro zugesagt. Davon entfallen 40 Millionen Euro auf die Finanzielle und 37 Millionen Euro auf die Technische Zusammenarbeit. Die kamerunisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf drei gemeinsam festgelegte Schwerpunkte:

  • Gesundheit und HIV/AIDS

  • Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

  • Dezentralisierung, lokale Entwicklung und gute Regierungsführung

Auf Wunsch der kamerunischen Regierung wird derzeit im Schwer­punkt De­zen­tra­li­sierung ein Be­ra­tungs­vor­haben zur Um­set­zung der Er­klä­rung von Paris zur Ver­bes­se­rung der Wirk­sam­keit der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit durchgeführt. In Umsetzung der Prinzipien der Erklärung von Paris arbeitet Deutsch­land in allen drei Schwer­punk­ten eng mit den beiden anderen großen Gebern in Kamerun, der Welt­bank und Frankreich, zusammen.

Gesundheit und HIV/AIDS

Junge Frau hält in Kamerun ein Kleinkind auf dem Schoß. Urheberrecht: GTZDie Er­näh­rungs­si­tua­tion in Kamerun ist im Ver­gleich mit den Nach­bar­sta­aten gut, den­noch sind vie­le Frauen und Kin­der un­ter­er­nährt. Im­mer noch ster­ben viele Müt­ter und Säug­linge auf­grund einer un­zu­rei­chen­den Ge­sund­heits­ver­sor­gung. Es gibt zu we­ni­ge Ärztin­nen und Ärzte, und in den staat­lichen Kran­ken­häu­sern kommt es im­mer wieder zu Eng­päs­sen bei der Ver­sor­gung mit Me­di­ka­men­ten und me­di­zi­nischem Ma­te­rial. Die öf­fent­lichen Ge­sund­heits­aus­ga­ben sind im Ver­hält­nis zum Brut­to­in­lands­pro­dukt sehr gering.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt das Land bei der Entwicklung eines dezentralen Kranken­versicherungs­systems. Ein weiteres Ziel der Zusammenarbeit ist die Verbesserung des Zustands und der Ausstattung von Krankenhäusern und Gesundheitsstationen. Nichtstaatliche Einrichtungen werden dabei besonders unterstützt.

In Kamerun sind etwa fünf Prozent der Erwachsenen zwischen 15 und 49 Jahren mit dem HI-Virus infiziert. Programme zur AIDS-Aufklärung werden daher besonders gefördert, ebenso lokale Selbsthilfegruppen von Infizierten. Die Bundesrepublik unterstützt darüber hinaus Familienplanungsprogramme und Maßnahmen zur Bekämpfung von Tuberkulose und Cholera.

Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Die ausgedehnten und artenreichen Tropenwälder Kameruns sind von großer Bedeutung: Lokal ist der Wald eine wichtige Nahrungs- und Einnahmequelle – allein der Holzexport hat einen Anteil von mehr als zehn Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Global sind die Wälder in Kamerun wichtig für die Stabilisierung des Klimas. Die Schäden, die durch eine unkontrollierte Abholzung entstehen, sind teilweise irreparabel.

Ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungs­zusam­men­arbeit mit Kamerun ist des­halb die För­de­rung einer nach­hal­ti­gen Be­wirt­schaf­tung des Tro­pen­wal­des. Die Behörden werden bei der Konzeption und Umsetzung geeigneter Strategien beraten. So wird bei In­ves­ti­tio­nen und Ent­wick­lungs­ak­ti­vi­tä­ten in den Wald­ge­bie­ten ge­nau ge­prüft, ob sie um­welt­ver­träg­lich sind, und es wird sicher­ge­stellt, dass die ört­liche Be­völ­ke­rung einen Teil der Einnahmen erhält. Im Ge­gen­zug soll die Bevölkerung stärker für den Schutz des Waldes sen­si­bi­li­siert wer­den, damit sich nach­hal­ti­ge Nut­zungs­for­men wei­ter ver­brei­ten. Drei Na­tio­nal­parks wur­den ein­ge­rich­tet, um die ein­zig­ar­ti­ge Natur Kameruns in besonderer Weise zu schützen.

Dezentralisierung, lokale Entwicklung und gute Regierungsführung

Der laufende Prozess der Dezentralisierung der kamerunischen Verwaltung ist eine wichtige Voraussetzung für eine effektivere Armutsbekämpfung. Er fördert demokratische Strukturen und Mechanismen und schafft dadurch vor allem für die ländliche Bevölkerung die Basis für eine Entwicklung aus eigener Kraft.

Deutschland fördert diesen Prozess, indem es unter anderem die Kommunen bei der Wahrnehmung ihrer neuen Aufgaben unterstützt. Bisher haben die Gemeinden jedoch weder ausreichenden Hand­lungs- noch Finanz­spiel­raum. Deshalb werden Bürger­meister­in­nen und Bür­ger­meis­ter sowie Mit­ar­bei­ter­in­nen und Mit­ar­bei­ter fort­ge­bil­det und qua­li­fi­zier­te kom­mu­nale Strukturen aufgebaut. Ein weiteres Ziel der Zu­sam­men­arbeit mit Kamerun ist die Stär­kung zi­vil­ge­sellschaftlicher Organisationen. Gewerkschaften, Frauenverbände oder Menschenrechtsgruppen sollen sich in Zukunft aktiver am Entwicklungsprozess beteiligen können.

Entschuldung

Kamerun zählte vor dem Schuldenerlass zu den am höchsten ver­schuldeten Ländern Afrikas. Die Auslandsschulden lagen 2005 noch bei rund 9,3 Milliarden US-Dollar. Durch den HIPC- und MDRI-Schuldenerlass konnte das Land jedoch im Jahr 2006 weit­gehend entschuldet werden. Die Bundesregierung hat Kamerun Schulden in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro erlassen.

Die durch die Entschuldung frei werdenden Haushaltsmittel – etwa 200 Millionen Euro pro Jahr bis 2015 – sollen ausschließlich zur Armutsbekämpfung verwendet werden. Die Möglichkeiten für ent­sprechende, dringend nötige Investitionen und Ausgaben sind so­mit stark gewachsen, und die Erwartungen der Bevölkerung sind groß.

2003 wurde ein erstes Strategiepapier zur Armutsbekämpfung (PRSP) vorgelegt. Im Rahmen der Fortschreibung dieses Pro­gramms präsentierte die kamerunische Regierung Anfang 2010 das "Strategiedokument für Wachstum und Beschäftigung". Darin lässt sie erkennen, dass sie künftig verstärkt auf Wirt­schafts­wachs­tum und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit setzt und sich nicht scheut, die Qualität ihrer Regierungspolitik an äußerst ehr­gei­zi­gen Zielen messen zu lassen.

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