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Ghana

Situation und Zusammenarbeit

Menschen in Ghana. Urheberrecht: bpaGhana hat in den vergangenen Jahren einen vor­bild­lichen Demo­kra­ti­sierungs­pro­zess durch­laufen und wirtschafts­politische Refor­men wirksam umgesetzt. Um diese positiven Ent­wicklungen weiter zu unterstützen, sind viele Geber umfang­reich in Ghana engagiert. Ghanas Abhängig­keit von Geber­mitteln ist dadurch jedoch hoch, gut ein Drittel des Staats­haushaltes ist geber­finanziert.

Die Verminderung der Armut sowie die Förderung des Wirt­schafts­wachstums sind die Hauptziele der Regierung. Seit 2003 orientiert sich die Politik an einem nationalen Strategie­papier zur Armutsbekämpfung (PRSP). Im November 2005 verabschiedete die Regierung ein Nachfolgepapier: die ghanaische Wachstums- und Armutsbekämpfungsstrategie II (Growth and Poverty Reduction Strategy II, GPRS II). Leitbild der Strategie ist ein agrarbasiertes, breitenwirksames Wachstum. Die Modernisierung der Landwirtschaft und die Verbesserung der Infrastruktur, der sozialen Dienstleistungen und der Qualifizierung von Arbeits­kräften sollen in Ghana die Armut reduzieren. Außerdem soll die Regierungsführung verbessert (Good Governance) und die Privatwirtschaft gefördert werden. Die aktuelle Fortschreibung der nationalen Strategie als Ghana Shared Growth and Development Agenda (GSGDA) für den Zeitraum 2010-2013 legt zusätzlich besonderes Gewicht auf die gerechte und armuts­wirksame Verteilung des wirtschaftlichen Wachstums.

Die Wirtschaft Ghanas profitiert von den hohen Weltmarktpreisen für Kakao und Gold. Ghana gehört zu den wichtigsten Gold­produzent weltweit; mit Gold erzielt das Land mehr als ein Drittel seiner gesamten Exporterlöse. Danach folgen Kakao und Edelhölzer.

Ghana ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen arbeiten im Agrarsektor. Die Produktivität der Landwirtschaft ist aber immer noch sehr gering. Fast die Hälfte der ghanaischen Wirtschaftsleistung erbringt der informelle Sektor.

Ausländische Investoren werden zum Teil noch durch büro­kratische Hürden und Unsicherheit bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen abgeschreckt. Auch fehlende Kommunikations­verbindungen und die unzureichende Ausbildung der Arbeits­kräfte hemmen Auslands­investitionen. Etwa 35 Prozent der Erwachsenen in Ghana können nicht lesen und schreiben.

Die Regierung bemüht sich, die Rahmenbedingungen für Investoren zu verbessern. Mit dem Ghana Investment Promotion Centre hat sie eine erste Anlaufstelle für Investoren geschaffen. Außerdem plant Ghana zahlreiche Projekte im Infra­struktur­bereich. Im Weltbank-Bericht "Doing Business 2010", der das Investitionsklima in 183 Ländern misst, konnte sich Ghana in den letzten Jahren stetig verbessern. Im internationalen Vergleich liegt das Land auf Platz 92, unter den afrikanischen Staaten südlich der Sahara auf Platz sieben.

Doch von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung profitieren noch nicht alle Einwohner Ghanas. Mehr als die Hälfte der Be­völ­kerung hat weniger als umgerechnet zwei US-Dollar pro Tag zur Verfügung. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) von 2009 steht Ghana auf dem 152. Platz von 182 Ländern.

Die Bevölkerung wächst jährlich um rund zwei Prozent. Das hohe Wachstum hat zu einer zu intensiven Nutzung der Ackerflächen geführt. Brandrodungen und illegale Abholzungen bedrohen die Waldbestände. Nach Schätzungen der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund For Nature) sind bis zu 60 Prozent des Holz­einschlages widerrechtlich. Um diesem Problem zu begegnen, hat Ghana unter anderem im Februar 2010 ein Abkommen mit der EU zum nachhaltigen Holzexport abgeschlossen. Die Umwelt leidet außerdem unter Schäden durch den Bergbau und die Industrie.

Ein weiteres Problem des Landes ist die Versorgung mit Wasser. Nur 80 Prozent der Bevölkerung haben gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Entwicklungspotenziale

Baobab-Baum im Norden Ghanas. Urheberrecht: GIZ GhanaGhanas Berg­bau­sektor befindet sich im Auf­schwung, der hohe Gold­preis und neue Investitionen wirken sich günstig auf die Produktion aus. Er wird jedoch von inter­nationalen Unter­nehmen dominiert. Seit 2003 ist Ghana Mitglied der 2002 in Johannes­burg ins Leben gerufenen Initiative zur Verbesserung der Transparenz in der Rohstoff­industrie (Extractive Industries Transparency Initiative, EITI).

Ein wichtiger Wachstumsmarkt ist zudem die Erdöl- und Erdgas­förderung. 2007 wurden im Golf von Guinea vor der ghanaischen Küste bedeutende Ölvorkommen entdeckt. Der Beginn der kommerziellen Förderung ist Ende 2010 / Anfang 2011 geplant. Die neue ghanaische Regierung hat mehrfach versichert, sich an hohe Standards der Transparenz bei der Zusammenarbeit mit Ölfirmen zu halten und die Einnahmen für die nachhaltige Entwicklung des Landes und die Reduzierung der Armut einzu­setzen. Bislang ist jedoch keine einheitliche Ölgesetzgebung in Sicht.

Neben dem Bergbau sind auch Landwirtschaft, Fischerei, Forst­wirtschaft und die Nutzung der Wasserkraft Wirtschafts­zweige, die in Zukunft zur Entwicklung Ghanas beitragen können. Auch der Tourismus entwickelt sich gut. Eine der Voraus­setzungen für die positive Entwicklung dieser Bereiche ist jedoch die nach­haltige Nutzung der natürlichen Ressourcen.

Die Zivilgesellschaft in Ghana nutzt ihre Freiheiten zunehmend und trägt somit zur weiteren Demokratisierung des Landes bei. Die politischen Verhältnisse sind inzwischen stabil. Die Strategie zur Armutsbekämpfung wird von der Bevölkerung mitgetragen. Die Regierung von John Atta Mills, die seit Januar 2009 im Amt ist, stellte im ersten Jahr ihrer Amtszeit ihre Strategie für die Zusammenarbeit mit internationalen Gebern öffentlich zur Diskussion und ermöglichte dadurch eine aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

In Ghana gibt es viele qualifizierte Arbeits- und Führungskräfte, das Land unternimmt weitere Anstrengungen, um die Bedingungen für ein gutes Investitionsklima zu schaffen. Wenn es gelingt, eine größere Rechtssicherheit für Investoren herzu­stellen, könnten viele vermögende Auslands-Ghanaer in ihre Heimat zurückkehren und in die dortige Wirtschaft investieren.

Außenpolitik

Ghana betreibt seit Jahren erfolgreich eine Politik guter Nachbarschaft und setzt sich für eine regionale Zusammenarbeit ein. Das Land gehört zu den aktivsten Mitgliedsstaaten der Afrikanischen Union (AU). Von Anfang 2007 bis Januar 2008 hat Ghana die AU-Präsidentschaft übernommen. Das Land engagiert sich im Rahmen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Economic Community of West African States, ECOWAS) für eine intensive Zusammenarbeit in der Region und unterstützt das wirtschaftliche Entwicklungsprogramm NEPAD (Neue Partner­schaft für Afrikas Entwicklung). Ghana ist das erste afrikanische Land, das den "African Peer Review Mechanism" (APRM) der NEPAD erfolgreich abgeschlossen hat. Der APRM ist ein freiwilliges System zur Überprüfung der Regierungsführung in den afrikanischen Ländern.

Ghana setzt sich in der Region für die friedliche Lösung von Konflikten ein; im Sommer 2003 hat das Land beispielsweise erfolgreich im liberianischen Bürgerkrieg vermittelt.

Im Dezember 2007 hat Ghana mit der Europäischen Union ein Interims-Abkommen im Rahmen der geplanten Wirtschafts­partner­schafts­abkommen mit den AKP-Staaten (Economic Partnership Agreements, EPA) unterzeichnet. Es räumt ghanaischen Exporten weiterhin freien Zugang zu europäischen Märkten ein und liberalisiert teilweise den Marktzugang für europäische Produkte in Ghana. Ghana sieht die EU als Vorbild für die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (ECOWAS).

Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit

Deutschland gehört neben Großbritannien, den USA, Dänemark, Kanada und den Niederlanden zu den wichtigsten Gebern Ghanas.

Am 1. März 2007 wurde von allen 16 in Ghana tätigen OECD/DAC-Gebern die Gemeinsame Geberstrategie Ghana (Ghana Joint Assistance Strategy, G-JAS) unterzeichnet. Sie bildet den Rahmen für die Unterstützung der ghanaischen Wachstums- und Armutsbekämpfungsstrategie II und des APRM-Aktionsplans. Die Laufzeit der Gemeinsamen Geberstrategie beträgt vier Jahre (2007 bis 2010).

Das Bundesentwicklungsministerium sagte Ghana für die Jahre 2009 bis 2011 Mittel in Höhe von insgesamt 130 Millionen Euro zu. Dies entspricht einer Erhöhung von bisher 26,5 Millionen Euro auf 43,33 Millionen Euro pro Jahr und einem Zuwachs von über 60 Prozent. Hierin kommt das Ziel der Bundesregierung zum Ausdruck, Partnerländer mit guter Regierungsführung besonders zu unterstützen.

Die Regierungen von Ghana und Deutschland haben für ihre Zusammenarbeit die folgenden Schwerpunkte vereinbart, die an der ghanaischen Armutsstrategie ausgerichtet sind und einen Beitrag zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele leisten:

  • Landwirtschaft und Sicherung der Ernährung

  • Dezentralisierung

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Landwirtschaft und Sicherung der Ernährung

Damit die Armut in Ghana bekämpft und die Ernährung gesichert werden kann, engagiert sich Deutschland für die Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft. Zurzeit werden ihre Potenziale nur schlecht genutzt; technische, institutionelle und wirtschaftspolitische Defizite führen dazu, dass die Wert­schöpfung der Landwirtschaft in Ghana nur sehr gering ist. Besonders die Kleinbauern haben es schwer, ihre Produkte zu vermarkten.

Ziel des deutschen Engagements in diesem Schwerpunktbereicht ist, dass die Bäuerinnen und Bauern in Zukunft nicht mehr nur für ihren Eigenbedarf produzieren, sondern durch ihre Waren ein Einkommen erzielen können. Um das zu erreichen, werden die Bauern beraten, um die Herstellung und Vermarktung ihrer Produkte zu verbessern.

Darüber hinaus wird eine ländliche Infrastruktur aufgebaut. Außerdem wird die Integration von Wertschöpfungsketten, also das abgestimmte Zusammenwirken von Landwirtinnen und Landwirten, Händlerinnen und Händlern und den Verarbeitungs­betrieben unterstützt.

Durch langfristige Abnahmeverträge zwischen Kleinbauern und Händlern von Rohprodukten, erhalten die Bauern ein sicheres Einkommen und können langfristiger planen und investieren.

Dezentralisierung

Die Dezentralisierung ist ein wichtiges Ziel, das sich Ghana in seinem Strategiepapier zur Armutsbekämpfung gesetzt hat. Die Regierung des Landes engagiert sich mit Nachdruck für den Aufbau demokratischer Strukturen und für die Verbesserung der Staatsführung. Durch den Aufbau nationaler, regionaler und lokaler Verwaltungsstrukturen versucht sie, die Grundlagen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert diese Anstrengungen Ghanas. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf die folgenden Aspekte: Unterstützung bei der Umsetzung der Strategie zur Armutsbekämpfung, armutsorientierte Dezentralisierung und kommunale Entwicklung, Erhöhung der Rechtssicherheit durch Rechtsreformen, zum Beispiel durch Unterstützung der Bodenverwaltung, Förderung der Zivil­gesellschaft und Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Verwaltungseinrichtungen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Arbeit verschiedener politischer Stiftungen in Ghana. Auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), verschiedene Nichtregierungsorganisationen und die Kirchen engagieren sich für die Demokratisierung und den Aufbau der Zivilgesellschaft in Ghana.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Die Regierung von Ghana setzt gemeinsam mit der inter­nationalen Gebergemeinschaft des Landes große Hoffungen in den privaten Wirtschaftssektor. Ein Regierungsprogramm, das die Privatwirtschaft zum Motor des Wachstums machen soll, trägt den verheißungsvollen Titel "Golden age of business". Damit es zu einem solchen "goldenen Zeitalter" für die Wirtschaft in Ghana kommen kann, müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Privatsektor dazu motivieren, deutlich mehr als bisher zu investieren.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Ghana fördert darum die Entwicklung der Märkte, der Produkte und der Dienstleistungen in Ghana. Sie trägt dazu bei, strukturelle Schwächen abzubauen und Kapazitäten zur Unterstützung der Entwicklung von Kleinst-, Klein- und mittleren Unternehmen (KKMU) zu schaffen. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Unternehmensverbänden, Ministerien und Distriktverwaltungen. Auch der verbesserte Zugang zu Finanzdienstleistungen – zum Beispiel in Form von Mikrokrediten – ist ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit.

Unter Beachtung der Kernarbeitsnormen soll die Wett­bewerbs­fähigkeit der Betriebe steigen, damit sie den Menschen Arbeitsplätze und Einkommen bieten können. Mit diesem Ziel engagiert sich eine große Zahl deutscher Organisationen in Ghana. Durch Technische Zusammenarbeit und durch die Entsendung von Fachkräften soll die Wirtschaft und die Entwicklung von Absatzmärkten gefördert werden. Behörden, die für die Wirtschaft zuständig sind, werden ebenso beraten und unterstützt, wie Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich des privaten Sektors arbeiten.

Entschuldung

Ghana war eines der am höchsten verschuldeten Länder Afrikas. Im Jahr 2000 legte das Land ein vorläufiges Strategiepapier zur Reduzierung der Armut (PRSP) vor und erreichte im Februar 2002 den Entscheidungszeitpunkt der HIPC-II-Initiative. Das vollständige PRSP legte Ghana im Februar 2003 vor. Im Juli 2004 hat Ghana den Vollendungszeitpunkt erreicht.

Ghana hat sich mit Erreichen des Vollendungszeitpunkts außerdem für die Multilaterale Schuldenerlass-Initiative (MDRI) qualifiziert, die im Juni 2005 von den G8-Staaten in Gleneagles beschlossen wurde. Dem Land werden alle Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF), bei der Weltbanktochter IDA (International Development Association) und dem Afrikanischen Entwicklungsfonds (AfDF) erlassen. Die Gesamt­entlastung Ghanas im Rahmen der beiden Entschuldungs­initiativen betrug 7,4 Milliarden US-Dollar. Deutschland hat Ghana sämtliche Schulden in Höhe von rund 494 Millionen Euro erlassen.

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