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Marokko

Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei einem Gespräch während ihrer Reise nach Marokko im Juni 2011. Urheberrecht: BMZ

Situation und Zusammenarbeit

Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie, zen­tra­le poli­tische Fi­gur ist der König. Mo­ham­med VI. ist seit 1999 Staats­ober­haupt und gleich­zei­tig welt­licher Herrscher und geist­licher Füh­rer. Er unter­stützt ak­tiv not­wen­dige Re­form­pro­zesse und setzt sich für Pro­gramme der mensch­lichen Ent­wick­lung und poli­tischen Li­be­ra­li­sierung ein. So in­ves­tierte der Staat in den ver­gan­genen Jah­ren zum Bei­spiel er­heb­lich in die Be­reiche Bil­dung, Ge­sund­heit und so­zia­ler Woh­nungs­bau. Ma­rok­ko hebt sich unter den Staaten des Nahen Ostens und Nord­afrikas durch seine poli­tische Öffnung und deut­liche Fort­schritte bei Re­for­men im so­zia­len und wirt­schaft­lichen Be­reich und in Bezug auf Bür­ger­rechte hervor.

Wirtschaftliche Situation

Kinder in Marokko. Urheberrecht: BMZDerzeit befindet sich Marokko in einem tief­grei­fenden Wand­lungs­prozess vom Agrar­land zum Industrie- und Dienst­leistungs­land. Pro­gramme zur Struktur­an­passung haben zu einer er­heb­lichen Ver­bes­se­rung der öko­no­mischen Rah­men­be­dingungen und des In­vesti­tions­klimas ge­führt. Zwar unter­liegt die wirt­schaft­liche Ent­wick­lung – etwa durch wet­ter­be­dingte Ernte­aus­fälle – großen Schwankungen. Doch in den ver­gan­genen Jah­ren wur­den Wachs­tums­raten zwischen zwei und sieben Prozent erreicht.

Da das marokkanische Finanzsystem kaum in die internationalen Kapitalmärkte eingebunden ist, hat sich die globale Finanz- und Wirtschaftskrise eher indirekt ausgewirkt. Einschneidende Rück­gänge gab es vor allem bei den Über­weisungen der im Aus­land lebenden Marokkaner, bei den Tou­ris­mus­ein­nahmen und den aus­ländischen Direktinvestitionen.

Die marokkanische Wirtschaft leidet unter zu geringer Pro­duk­ti­vi­tät, sie ist im Welt­handel nicht wett­be­werbs­fähig. Da­für sind unter anderem die geringe Qualität der Indus­trie­güter, ein be­schränk­tes An­ge­bot an Fertig­waren und ein Man­gel an quali­fi­ziertem Per­so­nal ver­ant­wort­lich. Auch die Kor­rup­tion muss ent­schie­dener bekämpft werden. Auf dem Index von Trans­parency International, einer Organisation, die sich weltweit für die Be­kämp­fung der Kor­rup­tion einsetzt, erreichte Marokko 2010 nur 3,4 von 10 möglichen Punkten und landete damit auf Platz 85 von 178 bewerteten Staaten.

Die Analphabetenrate ist noch sehr hoch: Nur etwa 58 Prozent der Erwachsenen über 15 Jahre können lesen und schreiben. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung von 2010 (HDI) liegt Marokko auf Platz 114 von 169 Ländern. Zur Behebung dieser Missstände hat die marokkanische Regierung eine Bildungsreform verabschiedet.

Noch ist fast die Hälfte aller Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig, die zunehmend unter extremen Wetterereignissen als Folge des globalen Klimawandels leidet. Die Wasserressourcen werden knapper und in weiten Gebieten verschlechtert sich die Qualität der Böden durch Übernutzung.

Nach Schätzungen lebt rund ein Viertel der Bevölkerung in Armut oder an der Schwelle zur Armut. Besonders problematisch ist die Lage in den ländlichen Regionen, wo der Zugang zu Bildung, Gesundheitsdiensten, sauberem Wasser und Strom deutlich schlechter ist als in den Städten. Viele Landbewohner wandern deshalb in die Städte ab, dadurch verschärfen sich dort die Probleme. Besonders unter Jugendlichen und Akademikern herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Folgen sind soziale Konflikte, illegale Migration nach Europa sowie die Gefahr der Radikalisierung einzelner Bevölkerungsgruppen.

Eine wichtige Rolle für die marokkanische Wirtschaft spielt der informelle Sektor: Fast die Hälfte aller Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft sind dort zu finden. Auch die Geld­über­wei­sungen der vielen Marokkanerinnen und Marokkaner, die im Ausland ansässig sind, unterstützen die heimische Wirtschaft. Allein in Deutschland leben mehr als 130.000 Menschen marokkanischer Abstammung.

Ein Problem ist der illegale Drogenanbau: Marokko ist der welt­größte Produzent und Ex­por­teur von Can­na­bis. Vor allem in den sehr armen Nord­pro­vinzen lebt ein großer Teil der Be­völ­ke­rung vom Drogen­anbau und -handel. Das Ein­kom­men dieser Familien ist we­sent­lich höher als das von Fami­lien, die andere land­wirt­schaft­liche Pro­duk­te an­bauen. Der il­le­ga­le Cannabis-Anbau zieht Schmug­gel nach sich, der auch Aus­wirkungen auf die Sicher­heits­situa­tion in Marokko hat. Zudem er­folgt der An­bau der Drogen über­wiegend in Mono­kul­turen – mit negativen Folgen für das Ökosystem.

Entwicklungspotenziale

Große Entwicklungschancen liegen vor allem im Ausbau der er­neuer­baren Energien. Marokko ist für die Versorgung mit Primär­energie­roh­stoffen bislang fast voll­ständig auf Importe an­ge­wiesen und damit extrem ab­hängig von den Welt­markt­preisen für Erdöl, Kohle und Gas. Gleich­zeitig führt das Wirtschafts- und Be­völ­ke­rungs­wachstum zu einem wachsenden Energie­bedarf. Doch das König­reich verfügt über enorme Potenziale an erneuer­baren Energien. Die Voraus­setzungen für die Nutzung von Son­nen­ener­gie und Wind­kraft sind so gut, dass Marokko bei Er­schließung dieser Po­ten­ziale nicht nur den eigenen Energie­bedarf decken, sondern auch Strom nach Europa exportieren könnte.

Marokko (c) BMZEin bedeutender Wirtschaftszweig ist der Tourismus, er bietet schät­zungs­weise eine Million Arbeits­plätze. Die Re­gierung unter­nimmt große An­streng­ungen, um ihn zu einem der führenden Wirt­schafts­sek­toren aus­zu­bauen. Mit ihrem "Plan Azur" hat sie sich zum Ziel ge­setzt, die tou­ris­tische Infra­struk­tur stark aus­zu­bauen. Bis 2010 sollte die Zahl der jähr­lichen Besucher auf rund zehn Mil­lio­nen steigen. Nach of­fi­ziel­len An­gaben wurde dieses Ziel fast erreicht: 2010 besuchten demnach knapp 9,3 Mil­lio­nen Tou­risten das Land. Obwohl die Devi­sen­ein­nahmen aus dem Tou­ris­mus­geschäft zuletzt zurück­gingen und mehrere aus­län­dische In­ves­toren absprangen, hält die Regierung an ihrem Programm fest.

Entwicklungs- und Beschäftigungschancen birgt außerdem die Zulieferindustrie für die Automobil- und die Informationstechnik-Branche sowie für die Luftfahrt. Künftig sollen besonders die Qualität und der Service in diesem Bereich weiter verbessert werden. Durch eine nachhaltige Bewirtschaftung der reichen Fischvorkommen kann auch die Fischereiwirtschaft wachsen, Devisen erwirtschaften und mehr Menschen beschäftigen.

Um die Integration des Landes in den Welthandel vor­an­zu­treiben, hat die marokkanische Regierung mit dem Bau des Tief­see­hafens Tanger-Med be­gonnen. Auch en­ga­giert sich das Land für die Ein­rich­tung von Frei­han­dels­zonen, um die eigenen Ex­port­chancen zu erhöhen. Ent­sprechende Ab­kom­men wurden mit den EFTA-Ländern (2000), mit den USA (2006) und mit der EU (ab 2012) geschlossen. Auch die 2004 mit Ägypten, Jordanien und Tunesien ab­ge­schlossenen re­gio­nalen Frei­han­dels­ab­kommen (Agadir-Abkommen), die von der EU unter­stützt wurden, sind inzwischen in Kraft getreten.

Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit

Die Bundesrepublik hat Marokko für die Jahre 2010 und 2011 insgesamt 131 Millionen Euro zugesagt. Davon entfallen 119,5 Millionen Euro auf die Finanzielle Zusammenarbeit (größtenteils in Form von Darlehen) und 11,5 Millionen auf die Technische Zusammenarbeit.

Die Regierungen von Marokko und Deutschland haben folgende Schwerpunkte der Zusammenarbeit vereinbart:

  • Umwelt und Klimawandel, einschließlich Förderung erneuerbarer Energien

  • Nutzung und Management von Wasserressourcen

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Zusätzlich zu den Maßnahmen in diesen Arbeits­schwer­punkten besteht eine Quer­schnitts­förderung in den Bereichen Gender und Unter­stützung der na­tio­na­len Armuts­be­kämp­fungs­initiative INDH. Auf regionaler Ebene wurde das Programm "Gute Regie­rungs­führung – Maghreb" ein­ge­richtet. Es soll staat­liche Ein­richtungen und Or­ga­ni­sa­tionen der Zivilgesellschaft in Algerien, Marokko, Mauretanien und Tunesien zu einem Gedanken­austausch über die Gestaltung aus­ge­wählter Poli­tik­be­reiche sowie zu ver­ant­wor­tungs­voller und trans­pa­renter Re­gie­rungs­führung motivieren.

Umwelt und Klimawandel

Windpark in Marokko. Urheberrecht: BMZIndustrialisierung und Verstädterung belasten die Umwelt in Marokko stark. Wachsende Müll­berge erfordern eine geordnete Abfall­wirt­schaft, die auf Ver­mei­dung und Recycling setzt. In­dus­trie­ab­wässer fließen un­ge­klärt in die Um­welt. Sie bedrohen die Grund­was­ser­res­sourcen und ver­schmutzen die für den Tou­ris­mus wichtigen Küsten. Un­ge­fil­terte In­dus­trie­ab­gase ge­fährden die Ge­sund­heit der Menschen in den Bal­lungs­zentren. Die Nut­zung fos­siler Brenn­stoffe zur Energie- und Wärme­er­zeugung führt zu er­heb­lichen Umweltbelastungen.

Verschlimmert wird die Situation durch noch nicht ausreichende Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten der Verwaltung und das sehr gering ausgeprägte Umweltbewusstsein der Menschen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit nimmt in Marokko im Umwelt- und Naturschutz eine Vorreiterrolle ein. Die Unter­stüt­zung im Umweltmanagement konzentriert sich besonders auf die Förderung der marok­ka­nischen Insti­tu­tionen, zum Bei­spiel bei der Er­ar­bei­tung von ent­sprechenden Ge­setzen oder von Um­welt­stan­dards für In­dus­trie­be­triebe. So wurde zum Bei­spiel mit deutscher Unter­stützung ein rich­tungs­weisendes Ab­fall­gesetz erarbeitet. Die Unter­stützung im Bereich des Klima­schutzes wird zu­neh­mend von den ma­rok­ka­nischen Partnern nach­ge­fragt. Unter anderem wurde die ma­rok­ka­nische De­le­ga­tion zum Klima­gipfel in Cancún 2010 beraten und ge­mein­sam mit den Partner­be­hörden werden finan­ziel­le An­reiz­systeme ge­prüft, um eine umwelt- und klima­orien­tierte Wirt­schafts­politik in Marokko zu verstärken.

Im Zuge der Technischen Zusammenarbeit werden gemeinsam mit Gewerbe und Industrie Pilotmaßnahmen zur Verbesserung der Abfall­ent­sorgung und zur Ver­rin­ge­rung der Umwelt­be­lastung rea­li­siert. Dazu gehören Maß­nah­men zur Ver­mei­dung, Ver­min­de­rung und Ver­wer­tung von Abfällen. Außer­dem unter­stützt Deutsch­land Pro­gram­me gegen die Wüsten­aus­deh­nung sowie zur Ein­richtung und Be­wirt­schaftung von Schutz­ge­bieten. Die Po­ten­ziale Ma­rok­kos sind in diesem Bereich be­son­ders groß: Das Land hat – nach der Türkei – die zweit­höchste Bio­di­ver­si­tät in der Mittelmeerregion.

Im Rahmen der Politikberatung wird der Klimaschutz immer wichtiger. So unterstützen deutsche Experten marokkanische Ministerien beim Aufbau wirkungsvoller institutioneller Strukturen, um den neuen Herausforderungen durch den Klimawandel zu begegnen. Auch wird die Regierung bei der Ausarbeitung einer ökologischen Steuerreform beraten. Die Sensibilisierung der Be­völ­ke­rung und der politischen Ent­scheidungs­träger ist eben­falls ein wichtiges Ziel der Zusammenarbeit.

Solaranlage auf einem Haus in Douar Slatna, im Norden Marokkos. Urheberrecht: BMZMarokko ist fast vollständig von Energieimporten abhängig. Die 2009 von der marokkanischen Regierung vor­ge­stellte Energie­stra­te­gie sieht unter anderem den ge­zielten Aus­bau der Strom­pro­duktion durch erneuer­bare Energien vor. Das Po­ten­zial für die Nutzung von Wind- und Sonnen­kraft ist auf­grund der geo­gra­phischen Lage des Landes zwischen At­lan­tik und Sahara enorm. Nach Plänen der Re­gie­rung sol­len die er­neuer­baren Ener­gien im Jahr 2015 18 Pro­zent der Strom­er­zeu­gung stel­len. Deutsch­land berät Ma­rok­ko seit An­fang 2008 er­folg­reich bei der Ge­setz­ge­bung und dem Auf­bau insti­tu­tio­nel­ler und fach­licher Kapa­zi­täten im Be­reich Erneuer­bare Ener­gien und Energieeffizienz.

Im Bereich der Windkraft hat die marokkanisch-deutsche Zu­sam­men­arbeit Pionier­arbeit geleistet: Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit hat vor gut zehn Jahren den ersten Wind­park der Region fi­nan­ziert. Nach dem Bau einer Pi­lot­an­lage wurden Wind­kraft­an­lagen in Essaouira und Tanger von deutscher Seite mit­fi­nan­ziert. Auch der Auf- und Aus­bau von Solar­an­lagen und Was­ser­kraft­werken wird von der Bun­des­republik unterstützt.

Nutzung und Management von Wasserressourcen

In den ländlichen Regionen Marokkos haben etwa sechs Millionen Einwohner – das sind fast 20 Prozent der Gesamt­bevöl­kerung – keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In den Städten ist die Ent­sorgung der häuslichen und gewerblichen Abwässer ein großes Problem. Die öffentlichen Abwasser­systeme reichen nicht aus und sind oft in einem sehr schlechten Zustand; die Zahl der Klär­an­lagen ist viel zu gering. Die Folge sind gesund­heit­liche Risiken und eine massive Ver­schmut­zung der Trink­wasser­ressour­cen in den Ballungs­gebieten.

Der Schutz der Wasser­ressour­cen ist deshalb ein wichtiger Be­stand­teil der marokka­nisch-deut­schen Zusammenarbeit. Im Bereich Wasser­ressour­cen­manage­ment konzen­trieren sich die Maß­nahmen der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit auf die Verbesserung der Planungs­effizienz, der Monitoring- und Kontrollsysteme der Wasser­bewirtschaftung sowie des partizipativen Grund­wasser­managements. In den vergangenen zwölf Jahren wurde mit Hilfe der deutschen Zusammenarbeit der Anschlussgrad der städtischen Bevölkerung von 80 auf 95 Prozent sowie der ländlichen Bevölkerung von 10 auf 80 Prozent erhöht.

Im Bereich Abwasser­management und ländliche Trink­wasser­versorgung hat die deutsch-ma­rokka­nische Zusamme­narbeit Pionier­arbeit geleistet. Von derzeit insgesamt 45 realisierten Kläranlagen hat die deutsche Seite immerhin 20 Kläranlagen mitfinanziert.

Auf­klärungs­arbeit hilft, der Bevöl­kerung die Bedeutung hygienischer Lebens­verhältnisse bewusst zu machen. So wird nicht nur die natürliche Ressource Wasser geschützt, sondern auch die Kinder- und Mütter­sterb­lich­keit reduziert und die allgemeine Gesund­heits­situation der Menschen verbessert. Im Mittel­punkt der Entwicklungs­programme stehen besonders die Frauen. Sie sind traditionell für die Versorgung der Familien mit Trink­wasser zuständig.

Einen Un­sicherheits­faktor bildet der globale Klima­wandel für das Land, das mittelfristig mit veränderten Nieder­schlags- und Grundwasser­verhältnissen rechnen muss. Die Landwirtschaft verbraucht heute noch fast 90 Prozent des verfügbaren Wassers. Da es nur unregelmäßig regnet, müssen die Felder in vielen Regionen künstlich bewässert werden. Bei der Einführung moderner Bewässerungs­systeme beteiligen sich die Nutzer schon bei der Vorbereitung und Planung. So wird gewährleistet, dass die neuen Anlagen ihren Bedürfnissen und Wünschen gerecht werden. Gleichzeitig wird mit weniger Wasser mehr Fläche effektiver bewässert.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Marokko hat 1996 einen Assoziierungsvertrag mit der Euro­pä­ischen Union abgeschlossen. Bis 2012 soll eine Frei­handels­zone ge­schaf­fen wer­den. Die marok­ka­nische In­dus­trie ist auf diese Ver­än­de­rung ihrer Rah­men­be­dingungen noch nicht aus­reichend vor­be­reitet. Um ohne wirt­schaft­liche Schutz­maß­nahmen in einer euro-mediterranen Frei­han­dels­zone be­ste­hen zu kön­nen, muss die Wett­be­werbs­fähig­keit der Unter­neh­men be­trächt­lich ge­steigert werden.

Die Regierung fördert deshalb den Privatsektor und wird in ihrer Reformtätigkeit durch die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit unter­stützt. So wurden zahlreiche ehe­malige Staats­be­triebe pri­va­ti­siert, zum Bei­spiel in den Bereichen Energie, Tele­kom­mu­ni­ka­tion und Luft­fahrt. Der Staats­ap­pa­rat wurde struk­tu­rell ver­bes­sert – durch Zoll­re­form, Kon­so­li­dierung des Finanz­sektors sowie Mo­der­ni­sierung des öf­fent­lichen Sek­tors. Die Berufs­ver­bände werden bei der Ent­wick­lung von Dienst­leistungen be­ra­ten, durch die vor al­lem kleine und mittlere Unter­neh­men (KMU) ihre inter­na­tio­nale Wett­be­werbs­fähig­keit stärken können.

Durch die von Deutschland geförderte Einrichtung eines Re­finan­zie­rungs­fonds können marokkanische Finanz­insti­tu­tionen mehr Mikro­kre­dite vergeben. Davon profi­tieren vor allem Kleinst­unter­nehmen des in­for­mel­len Sektors. Ein wichtiges Ziel des deutschen Enga­ge­ments ist es, Wachs­tum und Be­schäf­ti­gung jen­seits der großen in­dus­triellen Bal­lungs­räume zu fördern. Es werden daher gezielt KMU in den Pro­vinzen unterstützt.

Damit Marokko in Zukunft über mehr gut ausgebildete Be­schäf­tigte verfügt, hat sich die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit auch für eine bessere beruf­liche Bildung ein­ge­setzt. Ein inner­be­trieb­liches Berufs­aus­bil­dungs­system wurde ge­för­dert und in Be­trieben und Ver­bänden ver­ankert. Erprobte Modelle beruf­licher Quali­fi­zierung wurden an marok­ka­nische Ver­hält­nisse an­ge­passt und in die na­tio­na­le Be­rufs­bil­dungs­reform in­te­griert. Die Re­form soll dazu bei­tragen, bisher be­nach­tei­ligten Ju­gend­lichen und vor allem jungen Frauen, be­son­ders in der Textil- und Be­klei­dungs­industrie sowie im Tou­ris­mus, einen gesicherten Arbeits­platz und Auf­stiegs­chancen zu bieten. Die ent­wickelten An­sätze wurden in­zwischen in das Sek­tor­pro­gramm der EU überführt.

Gender

Frauen sind in Marokko sozial und rechtlich schlechter gestellt als Männer. Das führt dazu, dass sie auch von Armut besonders stark betroffen sind. 2004 wurde mit der Reform des Fami­lien­rechts die Stellung der Frau auf­ge­wer­tet, den­noch gelten viele Men­schen­rechte für Frauen häufig nicht, wie das Recht auf Bil­dung, auf Eigen­tum und auf ein Leben frei von Ge­walt. Bis vor kurzem waren sie auch von politischen Ent­schei­dungs­pro­zessen weit­gehend ausgeschlossen.

Deutschland unterstützt Marokko bei seinen Anstrengungen, den Gender-Ansatz im öffentlichen und im Privatsektor sowie in der Zivilgesellschaft zu verankern. Mit einem umfassenden Programm der Technischen Zusammenarbeit bietet die Bundesrepublik ihren Partnern in Behörden, Unternehmerverbänden, Universitäten und Nichtregierungsorganisationen Beratung, Koordination, Fort­bildung und Vernetzung an.

Mit Erfolg: Im Jahr 2007 legte die marokkanische Regierung eine nationale Gender-Strategie vor, zu deren Formulierung deutsche Fachleute beigetragen hatten. 2009 wurde eine Ethik-Charta der politischen Parteien verabschiedet und eine Frauenquote ein­ge­führt, die den Anteil der Frauen bei den Kommunalwahlen 2009 von 0,56 auf 12 Prozent ansteigen ließ.

50 der von Deutschland unterstützten Nicht­re­gie­rungs­orga­ni­sa­tionen haben Gender-Indikatoren für die Planung, Umsetzung und Evaluierung ihrer Projekte eingeführt. Elf Großunternehmen und 20 kleine und mittelständische Unternehmen erfüllen in­zwi­schen die Kriterien zur beruf­lichen Gleich­stellung der Ge­schlechter des Corporate Social Responsability (CSR)-Labels, das sozial ver­ant­wor­tungs­volle Unter­neh­mens­führung be­stätigt. Deutsch­land hat­te den Un­ter­neh­mer­ver­band bei der För­de­rung des Güte­siegels unterstützt.

Auf Initiative des Projektes hin wurde an der Universität Mo­ham­med V. in Rabat ein Master­studien­gang ein­ge­richtet, um dem Fach­kräfte­mangel auf dem Ge­biet Gender und Po­li­tik ent­gegen­zu­wirken. In­hal­te des Stu­dien­gangs be­ruhen auf Vor­schlägen des deutschen Gender-Projekts, die in Zu­sam­men­arbeit mit der kanadischen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit und dem Ent­wick­lungs­fonds der Vereinten Nationen für Frauen (UNIFEM) entwickelt wurden.

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