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Länder

Diese Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.

Brücken bauen zwischen Europa und der arabischen Welt

Naher Osten und Nordafrika

Straßenszene aus der Altstadt von Kairo/Ägypten. Urheberrecht: phalanx, ImoDer Nahe Osten und Nord­afrika (Middle East and North Africa, MENA) sind aufgrund ihrer welt­politischen Be­deu­tung und ihrer räum­lichen Nähe zu Europa wich­tige Regionen für die deutsche Ent­wick­lungs­po­li­tik. Das Gebiet erstreckt sich südlich des Mittel­meeres von Marokko bis Ägypten und östlich des Mittel­meeres vom Jemen über die Länder der arabischen Halb­insel bis nach Syrien und den Irak.

Nach Angaben der Welt­bank lebten 2010 rund 331 Millionen Menschen in dieser Region. Das hohe Bevölke­rungs­wachs­tum von durch­schnitt­lich 1,7 Prozent (2010) stellt eine große He­raus­for­de­rung für die Ent­wick­lung der Länder dar. Zu den Folgen zählt eine steigende Arbeits­losig­keit, vor allem unter den jungen Menschen. Jugend­liche und junge Erwachsene stellen in der Region bis zu 70 Prozent der Be­völ­ke­rung. Ihre For­de­rungen nach demo­kra­ti­scher Teil­habe bei den Pro­testen Anfang 2011 führten zu einem politischen Wandel in Nord­afrika ("Arabischer Frühling").

Protest gegen autoritäre Herrschaftssysteme

In den meisten Staaten der Region existieren auto­ri­täre Herr­schafts­systeme. Viele Staaten haben in der Ver­gan­gen­heit lange Phasen des Kriegs­rechts oder des Ausnahme­zustands durch­laufen. Aus vor­läu­fi­gen Maß­nahmen wurde dann oft ein Dauer­zustand, die Grund­rechte wurden und werden dort beschnitten.

Die Möglichkeit der politischen Mit­wir­kung der Bürgerinnen und Bürger ist noch gering. Sie wird durch staatlich eingeschränkte Medien- und Organisations­freiheit sowie durch Infor­ma­tions­mangel, in­effek­tive Ver­wal­tungen und mangelnde Trans­pa­renz von Ent­schei­dungen behindert. Ein weiteres Problem ist die über­wiegend patriar­cha­lische Gesell­schafts­struk­tur in den ara­bi­schen Ländern. Sie führt zur Be­nach­tei­li­gung der Frauen in sozialer, wirt­schaft­licher und poli­tischer Hinsicht.

Doch seit Dezember 2010 erlebt die Region einen durch­greifenden poli­ti­schen Wandel. Millionen Men­schen fordern öffent­lich mehr Demo­kra­tie und mehr poli­ti­sche Betei­li­gung ein. In Tunesien, Ägypten und Libyen wurden 2011 die Macht­haber gestürzt. In Tune­sien wählte das Volk im Oktober 2011 eine ver­fassungs­gebende Ver­samm­lung, in Ägypten fanden von November 2011 bis Januar 2012 in mehreren Etappen Par­la­ments­wahlen statt. Mehr zum demo­kra­ti­schen Auf­bruch in Nord­afrika und im Nahen Osten lesen Sie hier.

Große wirt­schaft­liche und soziale Unterschiede

Kinder in den palästinensischen Gebieten. Urheberrecht: bpa, FaßbenderDas Wachstum der meisten ara­bi­schen Volks­wirt­schaf­ten wird vom Erd­öl ge­tra­gen. Die Wirt­schaft ist nur wenig di­ver­si­fi­ziert. Die Land­wirt­schaft und die ver­arbeitende Industrie tragen nur wenig zum Brutto­in­lands­pro­dukt bei. Ins­gesamt waren die ara­bi­schen Staaten zu Beginn des neuen Jahr­tau­sends weniger indus­tria­li­siert als noch 1970. Die Privat­wirt­schaft ist in vielen Ländern nur gering entwickelt.

Insbesondere der Maghreb gilt als eine der wirt­schaft­lich am wenigsten inte­grier­ten Welt­regionen: Die Exporte sind ein­seitig auf Europa aus­ge­rich­tet; unter­einander treiben die nord­afri­ka­nischen Staaten kaum Handel. Eine für 1992 geplante Frei­handels­zone zwischen Algerien, Libyen, Maure­ta­nien, Marokko und Tune­sien ist auf­grund poli­ti­scher Diffe­renzen bislang nicht um­gesetzt worden. Damit bleiben wichtige Chancen für die wirt­schaft­liche Ent­wick­lung der Region ungenutzt.

Die Einkommens­unter­schiede in den einzelnen Ländern der MENA-Region sind groß. Während die reichen Golf­staaten voraus­sicht­lich die meisten Ent­wick­lungs­ziele der Ver­einten Nationen erreichen werden, gehören Länder wie der Jemen und Maure­ta­nien (das oft auch dieser Region zu­geordnet wird) zu den am wenigsten ent­wickel­ten Ländern der Welt.

Konflikte

Neben den großen Konflikten in Israel und den Palästi­nen­si­schen Gebieten sowie im Irak ist die Ent­wick­lung der Region insgesamt in­stabil. Vieler­orts gibt es offene oder latente inner­staatliche Aus­ein­an­der­set­zun­gen, etwa um Minder­heiten­rechte und die Selbst­bestimmung einzelner Be­völ­ke­rungs­gruppen. Sowohl inner­halb einiger Staaten wie auch zwischen­staat­lich gibt es Kontro­versen um die Nutzung von Wasser, Öl und Erdgas.

Sicherheits­risiken gehen aber auch zunehmend von nicht staat­lichen Akteuren und Bewegungen in der Region aus: Ver­armung und Unter­drückung haben den Zulauf zu Gruppen wie der "Al-Qaida des Isla­mi­schen Maghreb" verstärkt, die unter Miss­brauch reli­giöser Be­grün­dungen Gewalt und Terror­akte im eigenen Land und auch im Aus­land recht­fertigen. Sie bedrohen die regionale und welt­weite Sicherheit.

Wassermangel

Der Nahe Osten und Nord­afrika gehören zu den wasser­ärmsten Gebieten der Welt. Die Region ist durch geringe und unregel­mäßig auf­tre­tende Nieder­schläge sowie eine hohe Ver­dunstungs­rate ge­kenn­zeichnet. Schon heute werden die knappen Wasser­ressourcen zu intensiv genutzt. Der Grund­wasser­spiegel ist dadurch in der gesamten Region gesunken. Schon jetzt reichen die Wasser­vor­räte einiger Länder nicht mehr für die Ver­sor­gung der Be­völ­ke­rung, die Land­wirt­schaft und die In­dus­trie. Auch der Klima­wandel macht sich bereits be­merk­bar: Die Menge und Häufig­keit der Nieder­schläge ist zurück­gegangen. Die Wüsten­bildung schreitet voran und bedroht ein Fünf­tel der Gesamt­fläche der ara­bi­schen Länder.

Oberirdische Gewässer wie Flüsse und Seen machen den Groß­teil der ver­füg­baren Wasser­ressourcen aus. Nur etwa 43 Pro­zent dieser Ge­wässer haben ihren Ursprung in der Region. Etwa 57 Pro­zent des zur Ver­fügung stehenden Wassers stammt aus Vor­kommen, die mit Anrainer­staaten außer­halb der Region geteilt werden müssen. Mit zunehmender Wasser­knapp­heit steigt die Gefahr von inner­staat­lichen und zwischen­staat­lichen Kon­flikten um die Ver­tei­lung der wert­vollen Ressource.

Schwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit

Deutsch­land genießt großes Ver­trauen in der ara­bi­schen Welt. Die Bun­des­re­pu­blik ist ein gefragter poli­ti­scher Partner und wichtiger Akteur in Handel, Wirt­schaft und Ent­wick­lung.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit der Region ist ein Beitrag zur lang­fristig an­ge­legten Friedens­politik der Bun­des­re­gie­rung. Die Schwer­punkte der Zu­sam­men­ar­beit sind auf die Kern­probleme und wichtig­sten Ent­wick­lungs­poten­ziale der Region ausgerichtet:

  • Wasser, Abwasser und Klimaschutz

  • Erneuerbare Energien und Ener­gie­ef­fi­zienz

  • Nachhaltige Wirt­schafts­ent­wick­lung

  • Berufs- und Hochschulbildung



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