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Länder
Naher Osten und Nordafrika
Der Nahe Osten und Nordafrika (Middle East and North Africa, MENA) sind aufgrund ihrer weltpolitischen Bedeutung und ihrer räumlichen Nähe zu Europa wichtige Regionen für die deutsche Entwicklungspolitik. Das Gebiet – oft auch arabische Welt genannt – erstreckt sich südlich des Mittelmeeres von Mauretanien bis Ägypten und östlich des Mittelmeeres von Jemen über die Länder der arabischen Halbinsel bis nach Syrien und Irak.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden 2015 rund 395 Millionen Menschen in dieser Region leben, 2009 waren es nach Angaben der Weltbank knapp 331 Millionen. Das hohe Bevölkerungswachstum ist eine große Herausforderung für die Entwicklung der Länder.
Wassermangel
Der Nahe Osten und Nordafrika gehören zu den wasserärmsten Gebieten der Welt. Schon heute werden dort die knappen Wasserressourcen zu intensiv genutzt; der Grundwasserspiegel ist dadurch in der gesamten Region gesunken. Geht diese Entwicklung unverändert weiter, werden die Wasservorräte einiger Länder schon bald nicht mehr für die Versorgung der Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie ausreichen. In der arabischen Region werden bereits jetzt fast 60 Prozent des Wasserbedarfs aus oberirdischen Wasserressourcen gedeckt, auf die Nachbarländer der Region ebenfalls Anspruch haben.
Auch der Klimawandel macht sich bemerkbar. Die Menge der Niederschläge ist gesunken und es regnet nicht mehr so häufig wie früher. Mit zunehmender Wasserknappheit steigt die Gefahr von innerstaatlichen und zwischenstaatlichen Konflikten um die Verteilung von Wasser. Die Wüstenbildung schreitet fort und bedroht ein Fünftel der Gesamtfläche der arabischen Länder.
Große wirtschaftliche und soziale Unterschiede
Viele Menschen wandern in die Städte ab. Im Jahr 2020 werden dort vermutlich etwa 60 Prozent der arabischen Bevölkerung leben. Die Infrastruktur der Städte ist dem schnellen Zuwachs nicht gewachsen, die städtischen Lebensbedingungen sind oft ungesund und unsicher.
Das Wachstum der meisten arabischen Volkswirtschaften wird vom Erdöl getragen. Die Wirtschaft der Länder ist nur wenig diversifiziert. Die Landwirtschaft oder die verarbeitende Industrie tragen in den meisten Ländern nur wenig zum Bruttoinlandsprodukt bei. Insgesamt waren die arabischen Länder zu Beginn des neuen Jahrtausends weniger industrialisiert als noch 1970. Die Privatwirtschaft ist in vielen Ländern nur gering entwickelt.
Durch die Wirtschaftskrise und den damit verbundenen Verfall der Ölpreise haben sich die Wachstumsaussichten der Region verschlechtert.
Die Zahl der Arbeitslosen steigt. In allen Ländern der Region ist besonders die steigende Jugendarbeitslosigkeit ein Problem. Sehr viele arbeitslose Jugendliche und jungen Erwachsene sind nur unzureichend qualifiziert, dadurch bleibt ihr Potenzial für das wirtschaftliche Wachstum ungenutzt.
Die Einkommensunterschiede in den einzelnen Ländern der Region sind groß. Während die reichen Golfstaaten voraussichtlich die meisten Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreichen werden, stieg die Armut in Ländern wie Jemen oder in den Palästinensischen Gebieten. Schätzungen zufolge leben etwa 65 Millionen Araberinnen und Araber unterhalb der nationalen Armutsgrenze.
Autoritäre Herrschaftssysteme
In den meisten Staaten der Region existieren autoritäre Herrschaftssysteme. Viele Staaten haben in der Vergangenheit lange Phasen des Kriegsrechts oder des Ausnahmezustands durchlaufen. Aus vorläufigen Maßnahmen wurde dann oft ein Dauerzustand, die Grundrechte wurden und werden dort beeinträchtigt.
Die Möglichkeit der politischen Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger ist noch gering. Sie wird durch staatlich eingeschränkte Medien- und Organisationsfreiheit sowie durch Informationsmangel, ineffektive Verwaltungen und mangelnde Transparenz von Entscheidungen behindert.
Ein weiteres Problem ist die überwiegend patriarchalische Gesellschaftsstruktur in den arabischen Ländern. Sie führt zur Benachteiligung der Frauen in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht.
Konflikte
Neben den großen Konflikten in Israel und den Palästinensischen Gebieten und im Irak ist die Entwicklung der Region auch durch zwischenstaatliche Konflikte um die Nutzung von Wasser, Öl und Erdgas bedroht. Hinzu kommen innerstaatliche Konflikte, etwa um Minderheitenrechte und die Selbstbestimmung von Bevölkerungsgruppen.
Sicherheitsrisiken gehen aber auch zunehmend von nicht-staatlichen Akteuren und Bewegungen in der Region aus: Verarmung und Unterdrückung haben den Zulauf zu Gruppen verstärkt, die unter Missbrauch religiöser Begründungen Gewalt und Terrorakte im eigenen Land und auch im Ausland rechtfertigen. Sie bedrohen die regionale und weltweite Sicherheit.
Schwerpunkte der Zusammenarbeit
Deutschland genießt großes Vertrauen in der arabischen Welt. Die Bundesrepublik ist dort ein gefragter politischer Partner und wichtiger Akteur in Handel, Wirtschaft und Entwicklung.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit der Region ist ein Beitrag zur langfristig angelegten Friedenspolitik der Bundesregierung. Die Glaubwürdigkeit der deutschen Politik wird daran gemessen, mit welchen Mitteln und Ergebnissen sie zu einer friedlichen Lösung der internationalisierten Konflikte in der Region beiträgt.
Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind auf die Kernprobleme der Region ausgerichtet:
Die Bundesrepublik engagiert sich entwicklungspolitisch in neun Ländern der Region. Ziel der Zusammenarbeit ist es, gemeinsam die Grundlagen für eine tragfähige Entwicklung zu verbessern, um die Kluft zwischen Europa und der arabischen Welt zu überwinden.





