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Naher Osten und Nordafrika

Demonstration gegen Korruption in Kairo (Aufnahme von 2006). Urheberrecht: Ben Hubbard/IRIN

Demokratischer Aufbruch in Nordafrika und im Nahen Osten

Das BMZ unterstützt demokratische und reform­orientierte Kräfte

Mit der "Jasminrevolution" in Tunesien begann im Dezember 2010 der demo­kra­tische Auf­bruch in der ara­bi­schen Welt. Es folgten poli­ti­sche Um­stürze in Ägypten und Libyen. Auch im Jemen, in Syrien, Algerien, Marokko, Jordanien und Bahrain macht die Be­völ­ke­rung ihren Willen zu poli­ti­schem Wandel deut­lich. Millionen Menschen in der Region fordern mit Nach­druck mehr Demo­kra­tie und mehr Mit­sprache­rechte.

Deutsch­land hat schnell auf die neue welt­politische Situation reagiert: "Die Bundes­regierung steht bereit, demo­kratischen und reform­orientierten Kräften in Ägypten und der Region beratend zur Seite zu stehen", erklärte Bundes­ent­wick­lungs­minister Dirk Niebel im Februar 2011. Der Minister betonte: "Wir werden kein Land von außen demo­kra­ti­sieren. Aber wir helfen gerne, wenn wir gefragt werden."

Auch wenn die Länder im Nahen Osten und in Nord­afrika sich stark von­einander unter­scheiden, stehen sie doch vor ähn­lichen Pro­blemen und Heraus­forderungen. Demo­kra­ti­sche Struk­turen müssen neu ent­wickelt und behut­sam auf­ge­baut werden. Das Bundes­ministerium für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) wird den Trans­for­ma­tions­pro­zess in der Region intensiv und lang­fristig begleiten. Es kon­zen­triert sich dabei vor allem auf folgende Bereiche:

  • Gute Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit

  • Bildung und Ausbildung

  • Medien- und Meinungsfreiheit

  • Beschäftigung

  • Sozial- und marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftstransformation

Auch bei der Gestaltung der EU-Aktivitäten zur Un­ter­stüt­zung der Trans­for­ma­tions­pro­zesse über­nimmt Deutsch­land eine führende Rolle. Unter anderem wurde im Herbst 2011 die Initiative "SPRING" (Support to Partner­ship, Reform and Inclusive Growth) auf den Weg gebracht. Mit diesem Pro­gramm, das mit 350 Mil­lio­nen Euro aus­ge­stattet ist, fördert die EU den demo­kra­ti­schen Wandel und das wirt­schaft­liche Wachs­tum in Nord­afrika und im Nahen Osten.

Sofortmaßnahmen des BMZ

Als Reaktion auf die politischen Umwälzungen in Tunesien und Ägypten hat das BMZ für die Länder Nord­afrikas und des Nahen Ostens drei Fonds eingerichtet.

  • Wirtschaftsfonds
    Der Regionalfonds für Kleinst-, Klein- und mittlere Unter­nehmen dient der Re­finan­zie­rung von Mikro­finanz­insti­tu­tio­nen und hat ein Volumen von derzeit 52 Millionen Euro. Damit sollen neue Arbeits­plätze im Bereich der Kleinst- und Klein­unter­nehmen entstehen. Den offiziellen Start­schuss für den Fonds namens SANAD (arabisch für Hilfe) gab Bun­des­mi­nis­ter Dirk Niebel am 11. August 2011 in Frankfurt am Main. Der Fonds ist offen für Zustiftungen anderer Geber.

  • Demokratieförderungsfonds
    Zur demokratischen Gestaltung des Wandels hat das BMZ einen struktur- und ordnungs­politischen Beratungs­fonds eingerichtet. Mehr als sechs Millionen Euro stehen für Sonder­maßnahmen der politischen Stiftungen, kirch­lichen Hilfs­werke sowie der Deutsche Welle Akademie vor Ort bereit. Sie sollen die Zivil­gesellschaft unter anderem dabei unter­stützen, sich zu organisieren und ein un­ab­hän­gi­ges Parteien- und Medien­system auf­zu­bauen. In Tunesien und Ägypten werden ent­sprechende Maß­nahmen bereits aktiv umgesetzt.

  • Bildungsfonds
    Das BMZ unterstützt ein Regional­vorhaben der Deutschen Gesell­schaft für In­ter­na­ti­o­nale Zu­sam­men­ar­beit (GIZ) zur Qua­li­fi­zie­rung und Beschäf­ti­gung junger Menschen mit acht Millionen Euro. Ziel ist, der jungen Gene­ra­tion Bildungs- und Ent­wick­lungs­perspek­tiven zu eröffnen. Das Vor­haben umfasst unter anderem arbeits­markt­orientierte Aus- und Weiter­bildungs­angebote sowie Existenz­gründungs­pro­gramme für Jugendliche.

Darüber hinaus werden Menschen­rechts­aktivisten durch Fach­kräfte des Zivilen Friedens­dienstes unter­stützt und Trainings­maßnahmen für lokale Menschen­rechts­organisationen gefördert. Die BMZ-Menschen­rechts­fazilität für Nicht­regierungs­orga­ni­sa­tio­nen reservierte 2011 bis zu 40 Prozent ihrer Mittel (drei Mil­lio­nen Euro) für Projekte zur Stärkung der Men­schen­rech­te in der Region. Die regionalen Zusagen im Rahmen der Un­ter­stüt­zung des "Ara­bi­schen Früh­lings" erstrecken sich momentan nicht auf den Jemen und auf Syrien.

Durch gezielte Fortbildungs­angebote der Deutsche Welle Aka­de­mie für Jour­nalisten, Blogger, Journalistik­studenten und Nutzer von sozialen Netz­werken soll die Presse- und Meinungs­freiheit in der Region gefördert werden.

In Kooperation mit dem Bundes­wirtschafts­ministerium vermittelt das BMZ so genannte Trans­for­ma­tions­teams nach Nord­afrika und in den Nahen Osten. Pensionierte Beamte der beiden Ministerien sollen die Länder beim Aufbau wirt­schaft­licher Ver­wal­tungs­struk­turen beraten. Im Zentrum der Initiative stehen die Förderung kleiner und mittel­ständischer Unter­nehmen und der Kampf gegen die hohe Jugend­arbeits­losig­keit. Zunächst sollen die Experten in Ägypten tätig werden.

Mittelfristige Maßnahmen

Mittelfristig wird das BMZ den Demo­kra­ti­sie­rungs­pro­zess in der Region durch folgende Maß­nahmen unterstützen:

Im Bereich der gesell­schafts­politischen Bildung werden die Vor­haben der poli­ti­schen Stiftungen angepasst und aus­geweitet. Unter anderem werden sie die poli­ti­sche Partizipation ins­be­son­dere junger Menschen stärken und un­abhängigen Jour­na­lis­mus und freie Medien fördern. Auch die Beratung neu ent­stehender poli­ti­scher Parteien und die Begleitung anstehender Wahlen sind wichtige Arbeits­bereiche der politischen Stiftungen.

Im Rahmen eines bereits bestehenden Regional­vorhabens zur Förderung der wirt­schaft­lichen Inte­gra­tion von Frauen soll ein Netz­werk der Unter­nehmerinnen­verbände aufgebaut werden.

Zur Stabilisierung der lokalen Wirt­schaft und als Anreiz für aus­län­di­sche Investoren wird für die Region eine Sonder­fazi­li­tät für Ent­wick­lungs­partner­schaften mit der Wirt­schaft (Public Private Partner­ships, PPP) eingerichtet. Sie entsteht durch Auf­stockung der bestehenden Afrika-Fazilität um zwei Millionen Euro jährlich.

Durch ein Sonder­programm zur Hoch­schul­förderung werden ent­wick­lungs­bezogene Studien­gänge und Stipen­dien­pro­gramme auf­gebaut. Außer­dem wird die Qualität der bereits bestehenden Ko­opera­tions­hoch­schulen in Tunesien, Ägypten, Syrien und Jorda­nien gesichert. Die Umsetzung des Pro­gramms über­nimmt der Deutsche Aka­de­mi­sche Aus­tausch­dienst (DAAD).

Auch die Förderung der nationalen Menschen­rechts­institu­tionen in der Region wird inten­si­viert. In Ägypten, Marokko, Maure­ta­nien, Jordanien, Katar und in den Paläs­ti­nen­si­schen Gebieten gibt es bereits akkre­di­tierte nationale Menschen­rechts­institu­tionen. Der weitere Auf­bau von Kapa­zi­täten und die Bildung von Netz­werken soll durch die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit unter­stützt werden.

Aussetzung der Zusammenarbeit mit Syrien

In Syrien gehen Militär und Sicher­heits­kräfte mit Gewalt und großer Bru­ta­li­tät gegen die Demo­kra­tie­bewegung vor. Es wird befürchtet, dass dadurch mehrere Tau­send Menschen ums Leben gekommen sind; Zehn­tausende sind auf der Flucht.

Aufgrund dieser Situation beschloss das BMZ im Mai 2011, die staat­liche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit Syrien weitest­gehend aus­zu­setzen. Alle deutschen Experten haben Syrien verlassen.

Unterstützung des Transformationsprozesses im Jemen

Die Sicherheits­lage im Jemen bedingte im März 2011 den Abzug des ent­sandten Personals, lediglich ein Kern­team konnte Anfang 2012 die Arbeit wieder auf­nehmen. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit unter­stützt den Trans­for­ma­tions­pro­zess und leis­tet umfang­reiche Hilfe, ins­be­son­dere in Bereichen, die ärme­ren Menschen un­mittel­bar zugutekommen (Bildung, Wasser, Ge­sund­heit, Nahrungsmittelhilfe).

Informationen

Siehe auch

Externer Link

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Lexikon der Entwicklungspolitik
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