Hauptinhalt

Peru

Situation und Zusammenarbeit

Kinder in Peru. Urheberrecht: Jürgen KernDie peruanische Wirtschaft pro­fi­tiert von den Liberalisierungs- und Privatisie­rungs­maßnahmen der letzten Jahre und von dem veränderten politischen Klima im Land. Nach Jahren sehr hohen Wachstums ging das Wirtschafts­wachstum im Krisenjahr 2009 auf 0,9 Prozent zurück. Aber schon ein Jahr später erholte sich die peruanische Wirtschaft und für die Jahre 2010 und 2011 werden Wachstumsraten von 6,3 und 6,0 Prozent vorausgesagt. Damit liegt Peru an der Spitze Lateinamerikas. Hauptverantwortlich für die insgesamt gute wirtschaftliche Entwicklung ist der Außenhandel: Sogar im Krisenjahr 2009 wurden Waren im Wert von 26,5 Milliarden US-Dollar ins Ausland exportiert – trotz eines Exportrückgangs von 14 Prozent gegen­über 2008. Für 2010 wird mit Gesamtausfuhren von mehr als 30 Milliarden US-Dollar gerechnet. Hauptexportprodukte sind Kupfer, Zink, Blei, Fischprodukte, Textilien und landwirtschaftliche Produkte wie Kaffee, Spargel und Paprika.

Allerdings können nach wie vor große Teile der Bevölkerung nicht ausreichend von der guten wirtschaftlichen Entwicklung profitieren. Die Agrarproduzenten haben zwar in den ländlichen Gebieten der Küstenregion neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen, im Andenhochland und im Amazonasbecken ist die Armut jedoch nach wie vor weit verbreitet. Während in den städtischen Gebieten die Armutsrate unter 25 Prozent sank, leben in den ländlichen Gebieten immer noch fast 60 Prozent der Peruanerinnen und Peruaner unterhalb der Armutsgrenze. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung von 2009 (HDI) nimmt Peru Rang 78 von 182 Ländern ein.

Die extreme soziale Ungleichheit bleibt für die peruanische Regierung eine zentrale politische Herausforderung. So leidet insbesondere die arme Landbevölkerung unter den großen Defiziten in der öffentlichen Gesundheits- und Wasserversorgung. Zur Lösung dieser und anderer Entwicklungshemmnisse soll das Zukunftsprogramm "Plan Perú 2021" beitragen, das im März 2010 vorgestellt wurde. 2008 wurde zudem ein staatliches Kranken­versicherungssystem eingerichtet, das armen Bevölkerungs­gruppen die Nutzung kostenloser Gesundheits­dienstleistungen ermöglicht und bereits rund 50 Prozent der Bevölkerung erreicht.

Straßenszene in Lima, Peru. Urheberrecht: bpa, BienertEin spezielles Pro­blem Perus ist der Drogenanbau, ein straff organi­sier­tes und äußerst produktives Ge­schäfts­feld unter der Kontrolle inter­nationaler Drogen­kartelle. Das Land ist neben Kolumbien und Bolivien einer der größten Koka­produzenten der Welt. Der Anbau von Kokasträuchern ist für viele Bauern die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Die Anbauflächen haben nach vorübergehendem Rückgang in den letzten Jahren wieder zugenommen. Problematisch ist auch der illegale Goldbergbau, der durch den rapide steigenden Goldpreis auf dem Weltmarkt befeuert wird und vor allem im Amazonas­gebiet verheerende Konsequenzen für die Natur und die dort lebenden Menschen hat. Solange keine alternativen Einkommens­quellen zur Verfügung stehen, spielen die hoch­produktiven illegalen Wirtschafts­zweige, wie Drogen­produktion und -handel, Holzeinschlag oder Goldbergbau, weiterhin eine wichtige Rolle.

Viele ländliche Entwicklungsvorhaben konzentrieren sich deshalb darauf, die Produktion und Vermarktung legaler landwirt­schaft­licher Produkte zu fördern.

Fortschritte beim Umweltschutz

Bei der Umweltschutzgesetzgebung wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. Fast 15 Prozent der Fläche des Landes sind mittlerweile als Schutzgebiete ausgewiesen; der Holzeinschlag wurde durch Konzessionsvergabe rechtlich geregelt. Außerhalb der Schutzgebiete schreitet die Zerstörung der natürlichen Ressourcen jedoch voran, denn illegaler Holzeinschlag und Drogenanbau versprechen hohe Gewinne. Zudem hat die armutsbedingte Ausdehnung von landwirtschaft­lichen Flächen auf dafür nicht geeignete Böden im Andenhochland zu einem Kreislauf aus Flächendegradierung, dadurch erzwungener Migration und Erschließung weiterer bislang ungenutzter Flächen geführt. Die sogenannte Agrarfront hat sich bis in das Gebiet des Ostabhangs der Anden und in das Amazonastiefland ausgedehnt. Da es keine funktionierende Landnutzungsplanung und -verwaltung gibt, kann dem Voranschreiten der Agrarfront nur wenig entgegengesetzt werden.

Das Interesse der Bevölkerung an Umweltfragen nimmt jedoch zu. Im Mai 2008 wurde – auch mit deutscher Unterstützung – ein Umweltministerium eingerichtet. Bei der Abwägung von wirt­schaftlichen und ökologischen Interessen wird die Position des Umweltministers mehr und mehr von einer breiten Öffentlichkeit unterstützt, etwa bei der Bekämpfung umweltschädlicher Praktiken im Bergbau. Den Menschen wird bewusst, dass Peru eines der am schwersten vom Klimawandel betroffenen Länder der Region ist. Durch das Abschmelzen der Andengletscher ist die Wasserversorgung in den Küstenregionen gefährdet.

Peru hat unter anderem das Kyoto-Protokoll, die Biodiversitäts­konvention und das Protokoll von Montreal unterzeichnet.

Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Peru

Bei Regierungsverhandlungen im Juli 2010 erhielt Peru für den Zeitraum 2010 bis 2011 Zusagen in Höhe von insgesamt 200,8 Millionen Euro, davon 183 Millionen Euro für Finanzielle und 17,8 Millionen Euro für Technische Zusammenarbeit.

Insgesamt hat die Bundesregierung Peru seit Beginn der Zusammenarbeit in den 1950er Jahren etwa zwei Milliarden Euro im Rahmen der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung gestellt. Außerdem wurden Rückzahlungs­verpflichtungen aus der Finanziellen Zusammenarbeit in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro umgeschuldet und teils erlassen. Die peruanische Regierung hat die Gegenwertmittel der Schulden­umwandlung zu Gunsten von armutsorientierten Maßnahmen eingesetzt.

Deutschland ist mit den USA und Japan einer der wichtigsten bilateralen Geber des Landes. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf drei Schwerpunktbereiche, die zwischen den Regierungen vereinbart wurden:

  • Demokratie, Zivilgesellschaft, öffentliche Verwaltung

  • Trinkwasser und Abwasser

  • Nachhaltige ländliche Entwicklung einschließlich Schutz und nachhaltiger Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen

Zusätzlich wird im Rahmen des Klimaschutzes ein Vorhaben im Bereich Regenerative Energie/Energieeffizienz gefördert und beim grenzüberschreitenden Regenwaldschutz in Form einer Dreieckskooperation mit Brasilien zusammengearbeitet. Deutschland unterstützt zudem den Wiederaufbau nach dem Erdbeben 2007 südlich von Lima und fördert im Rahmen einer Kofinanzierung mit den Niederlanden den Zugang armer Familien zu Energie.

Peru nimmt aktiv an internationalen und regionalen Maßnahmen im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit teil, die sich auf globale Zukunftsthemen beziehen, wie Steuerreform, regionale politische und wirtschaftliche Integration, erneuerbare Energien, innovative Technologien und Klimawandel.

Demokratie, Zivilgesellschaft, öffentliche Verwaltung

Im Schwerpunktbereich Demokratie, Zivilgesellschaft und öffentliche Verwaltung hat die deutsche Entwicklungs­zusammenarbeit nach dem Ende der autoritären Regierung von Präsident Fujimori (2000) dazu beigetragen, die traumatischen Erlebnisse terroristischer und staatlicher Gewaltherrschaft aufzuarbeiten und demokratische und rechtsstaatliche Strukturen wiederherzustellen. Mit verschiedenen Programmen und Projekten wurden zum Beispiel die Defensoría del Pueblo (Ombudsmann), die Wahrheits- und Versöhnungskommission, der Rechnungshof, die Einwohnermeldebehörde und die Strafjustiz­reform unterstützt. Ziel war, die Transparenz in der öffentlichen Verwaltung zu erhöhen und die Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft zu stärken. Auch wurden Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen für indigene Gruppen und Jugendliche sowie Projekte im Bereich Erinnerungsarbeit gefördert. Auf diese Weise hat Deutschland in den letzten Jahren einen wirksamen Beitrag zur Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Peru geleistet.

Die Dezentralisierung wird durch Politikberatung und im Rahmen einer programmorientierten Gemeinschaftsfinanzierung mit der Weltbank unterstützt. Die Auszahlung der Mittel ist an die Umsetzung der mit der peruanischen Regierung verbindlich vereinbarten Reformen im Staatswesen geknüpft.

Auf kommunaler Ebene werden die Gemeinden bei der Planung und Finanzierung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur beraten.

Wegen des großen Engagements Deutschlands im Bereich Staatsmodernisierung und Dezentralisierung wurde der Bundesrepublik die Leitung der internationalen Geberrunde für diesen Bereich übertragen.

Trinkwasser und Abwasser

Peruanische Kinder an einer Wasserzapfstelle. Urheberrecht: Jürgen KernNach Angaben der Weltbank haben in den Städten 92 Prozent der Perua­nerinnen und Peruaner Zugang zu sauberem Trink­wasser, auf dem Land sind es hingegen nur 63 Prozent. Es wird angesichts erheblicher Anstrengungen der Regierung jedoch erwartet, dass die Millenniumsziele in diesem Bereich erreicht werden können. Abwassersysteme und vor allem Kläranlagen sind nicht überall vorhanden. Den kommunalen Ver- und Entsorgungsunternehmen fehlt das Geld, um ihre Netze auszubauen oder instandzuhalten.

Deutschland unterstützt die peruanische Regierung bei der Entwicklung eines angemessenen gesetzlichen Rahmens zur Regulierung des Sektors und mit Investitionen in den Ausbau und die Wiederherstellung von Wasserversorgungs- und Abwasser­entsorgungssystemen. Außerdem werden Wasserversorgungs­unternehmen bei technischen Verbesserungen, der Einführung eines effizienteren Managements und bei der Reform des Tarifsystems unterstützt. Darüber hinaus werden über verschiedene Ausbildungsprogramme die institutionellen und personellen Kapazitäten der Unternehmen gestärkt.

Gleichzeitig soll die Bevölkerung für die Probleme, die von verschmutztem Wasser ausgehen, sensibilisiert werden. Sie soll an den Kosten für die Ver- und Entsorgung beteiligt werden, zugleich aber auch von einer sozial verträglichen Preisgestaltung profitieren. Die Anschlussrate der Bevölkerung an unbedenkliches Trinkwasser, die Dauer der täglichen Wasserversorgung sowie der Anteil des Abwassers, das entsorgt und geklärt wird, konnten schon erheblich erhöht werden. Durch Maßnahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wurde der Zugang zu Wasser­versorgung und Abwasserentsorgung für bislang rund 3 Millionen Menschen verbessert.

Nachhaltige ländliche Entwicklung, Schutz und nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen

Am offenen Feuer bereiten Frauen in typischer Kleidung Essen zu.Die armuts­bedingte und unkontrollierte Ausdehnung der Landwirtschaft und des Holz­einschlags gefährdet die natürlichen Ressourcen in Peru. Im Schwer­punktbereich "Nachhaltige ländliche Entwicklung" konzentriert sich die deutsche Zusammenarbeit deshalb auf die Förderung nachhaltiger Wertschöpfung aus natürlichen Ressourcen, den Naturressourcenschutz und den Erhalt der Biodiversität.

Produktion, Vermarktung und Exporte von Agrarprodukten werden gefördert und kleine Bewässerungssysteme gebaut, um den Bauern höhere Erträge und damit ein höheres Einkommen zu ermöglichen. Außerdem wird der Zugang zu Krediten für kleine ländliche Betriebe verbessert. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Maßnahmen ist unter anderem eine Landnutzungs­planung, die sowohl die Interessen der Nutzer wie auch den Schutz der Natur berücksichtigt.

Rund 15 Prozent der peruanischen Landesfläche sind mittlerweile als Schutzgebiete ausgewiesen. Deutschland unterstützt Peru beim Management der Schutzgebiete, Pufferzonen und Wasser­einzugsgebiete. Auch das Katastrophenrisikomanagement im ländlichen Raum ist Teil der Zusammenarbeit in diesem Schwerpunktbereich.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert außerdem die Entwicklung einer effizienten und umweltschonenden Waldwirtschaft in den Tropenwaldregionen des Landes.

Deutschland unterstützt Peru zudem bei Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Beide Länder führen einen intensiven Dialog zur Umsetzung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) und kooperieren dabei unter anderem im Bereich Integriertes Wasserressourcenmanagement.

Ziviler Friedensdienst

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat durch den Zivilen Friedensdienst in Peru dazu beigetragen, die traumatischen Erlebnisse terroristischer und staatlicher Gewalt der 1980er und 1990er Jahre aufzuarbeiten. Der Zivile Friedensdienst dient der Konflikttransformation und der Förderung von Frieden schaffenden und Frieden erhaltenden Maßnahmen für die Menschen, die unter der politischen Gewalt besonders gelitten haben. Die Zusammenarbeit mit ausgewählten staatlichen und zivilgesellschaftlichen Institutionen dient der Festigung des Rechtsstaats in Bezug auf Menschenrechte. Ein Schwerpunkt ist die Beratung bei der Umsetzung des staatlichen Reparations­plans in der Region Ayacucho.

Darüber hinaus leistet der Zivile Friedensdienst im Rahmen der zivilen Konfliktbearbeitung und Friedensförderung durch die Beratung staatlicher und privater Partnerorganisationen wichtige Beiträge zur Verhinderung beziehungsweise Lösung von Umwelt- und Ressourcenkonflikten zwischen betroffenen Dorf­gemein­schaften und Bergbauunternehmen, Erdöl- und Erdgas­gesellschaften oder der Holzwirtschaft.

Service-Links & Inhaltsverzeichnis

Lexikon der Entwicklungspolitik
Fenster schließen