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Lateinamerika und Karibik
Kolumbien hat zwei Gesichter: Auf der einen Seite ist es ein Land mit stabiler Demokratie, fortschrittlicher Verfassung, dynamischem Wachstum und hohem Bildungsniveau. Im nationalen Durchschnitt werden die meisten der Millenniumsentwicklungsziele erreicht. Auf der anderen Seite wird Kolumbien seit Jahrzehnten von einem bewaffneten Konflikt zermürbt, gilt als größter Kokainproduzent der Welt und ist durch Menschenrechtsverletzungen, große Armut und extreme soziale Ungleichheit geprägt.
Knapp die Hälfte der kolumbianischen Bevölkerung ist arm. Trotz der guten Wirtschaftsentwicklung hat sich dieser Anteil in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert. Vor allem die ländliche Bevölkerung konnte vom Wirtschaftswachstum wenig profitieren. Der bewaffnete Konflikt zwischen staatlichen Sicherheitskräften, den Guerillagruppen FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und ELN (Ejército de Liberación Nacional) und anderen illegalen Gewaltgruppen, der seit mehr als 40 Jahren andauert, hemmt die Entwicklung des Landes. Schätzungsweise 3,5 Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer leben als Vertriebene im eigenen Land (sogenannte "Binnenflüchtlinge"), rund 400.000 Menschen sind in die Nachbarländer geflohen. Der Anteil von Vertriebenen an der kolumbianischen Gesamtbevölkerung beträgt annähernd zehn Prozent. Viele Gebiete sind durch Landminen unbewohnbar geworden: 2009 wurden über 1.000 Menschen durch Minen getötet – damit hat Kolumbien weltweit die meisten Minenopfer zu beklagen.
Die "Politik der demokratischen Sicherheit" des bis Mitte 2010 amtierenden Staatspräsidenten Álvaro Uribe hat insgesamt zu einer Verbesserung der Sicherheitslage in Kolumbien geführt. Die Aktivitäten linksgerichteter Guerillagruppen wurden eingedämmt, und rund 36.000 Paramilitärs haben seit 2005 an Demobilisierungsprogrammen teilgenommen. Schwere Verbrechen wie Mord und Entführung sind zurückgegangen. Doch die Ursachen des Konflikts bestehen fort. Noch immer sind viele Regionen außerhalb staatlicher Kontrolle und die enge Verzahnung von politischem Kampf, Drogenhandel und organisiertem Verbrechen engen die politischen Gestaltungsmöglichkeiten weiterhin ein.
Die seit August 2010 amtierende Regierung von Staatspräsident Juan Manuel Santos setzt die "Politik der demokratischen Sicherheit" fort. Zusätzlich kündigte die neue Regierung weitreichende Reformen in den Bereichen Menschenrechte, Stärkung der Gewaltenteilung, institutioneller Transparenz, Landverteilung und regionaler Integration an.
Beziehungen zu Deutschland
Deutschland und Kolumbien pflegen enge politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Seit über 50 Jahren arbeitet die Bundesrepublik entwicklungspolitisch mit dem lateinamerikanischen Partner zusammen. Schwerpunkte der kolumbianisch-deutschen Zusammenarbeit sind Friedensentwicklung und Krisenprävention sowie Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.
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