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Länder

Diese Kartendarstellung gibt nicht in jedem Einzelfall die völkerrechtliche Position der Bundesregierung wieder.

Bekämpfung der Armut durch Unterstützung guter Regierungsführung

Lateinamerika und Karibik

Zwei Mädchen in der Landlosen-Siedlung Nossa Esperanca essen Wassereis. Urheberrecht: Photothek.netViele Staaten Lateinamerikas und der Karibik haben nach der Jahrtausendwende ein kontinuierliches Wirt­schafts­wachs­tum erlebt. Auch die weltweite Wirt­schafts- und Finanzkrise konnten diesen Trend nicht stoppen. Nach Angaben der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) ist die Wirt­schaft in der Region im Jahr 2011 um 4,3 Prozent ge­wach­sen, für 2012 wird eine Steigerung von 3,7 Prozent erwartet (Stand: Dezember 2011). Das öko­no­mische Wachstum und umfassende wirtschafts- und sozial­po­li­tische Maßnahmen haben in vielen Ländern der Region die Lebensverhältnisse deutlich verbessert. So ist die offizielle Arbeitslosenquote im städtischen Raum laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 2011 auf einen historischen Tiefstand von unter sieben Prozent gefallen.

Trotz dieser positiven Entwicklungen ist die Region weiterhin von extremen Gegensätzen geprägt. Aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien und Mexiko sind zu wichtigen globalen Akteuren geworden. Ent­wick­lungs­länder wie Honduras, Guatemala und Nicaragua kämpfen hingegen fortwährend mit schwacher Staatlichkeit und großer Armut.

Armut

In keiner anderen Weltregion sind die Unterschiede von Einkommen und Vermögen so groß. Zwar sank die Zahl der Armen 2011 auf den niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren, doch noch immer gelten rund 174 Millionen Menschen – annähernd ein Drittel der Gesamtbevölkerung – als arm. Eine Studie von CEPAL und dem Kinderhilfswerk UNICEF geht davon aus, dass rund 45 Prozent der unter 18-Jährigen in Armut leben.

Armut betrifft vor allem ohnehin schwächere Gruppen wie die indigene Bevölkerung, Frauen und alte Menschen. Ihr Recht auf Selbstbestimmung und Teilhabe wird häufig missachtet.

Regierungsführung

Viele staatliche In­sti­tu­tionen arbeiten ineffizient und sind anfällig gegenüber Kor­rup­tion. In einigen Ländern sind sie zudem für die Einschränkung von bürgerlichen und politischen Rechten wie Presse- und Versammlungsfreiheit verantwortlich. Organisierte Kriminalität, die Willkür von Sicherheitsorganen und von nichtstaatlichen Gewaltakteuren wie den Drogenkartellen haben dazu geführt, dass die Bevölkerung vor allem Zentralamerikas fehlende Sicherheit als das zentrale gesellschaftliche Problem wahrnimmt.

Die Unzufriedenheit mit der Quantität und Qualität staatlicher Leistungen ist in vielen Ländern groß, die Skepsis gegenüber der Demokratie und ihren In­sti­tu­tionen ist entsprechend ausgeprägt.

Entwicklungschancen

Die Chancen und Risiken einer fortschreitenden wirt­schaftlichen Ent­wick­lung Lateinamerikas und der Karibik liegen eng beieinander.

Ein Dorf in hügeliger Landschaft, im Hintergrund ein Berg. Urheberrecht: phalanxEinerseits verfügt die Region über die größten Natur­res­sour­cen weltweit. Sie zählt bei Erzeugnissen aus dem Agrar- und Forstsektor, bei mineralischen Rohstoffen – wie zum Beispiel Kupfer (Chile, Peru) oder Zinn (Bolivien, Brasilien) – sowie bei Erdöl und Erdgas (Mexiko, Vene­zu­ela) zu den wichtigsten Produzenten. Trotz schwan­ken­der Weltmarktpreise ist die Vermarktung von Roh­stof­fen für viele Länder die wichtigste Einnahmequelle.

Andererseits bedroht die Ausbeutung dieser Res­sour­cen die Lebensgrundlagen der Bevölkerung. In vielen Fällen ist nicht sichergestellt, dass die Einnahmen aus dem Rohstoffhandel den Menschen zugute­kom­men und für ein breiten­wirk­sames und nachhaltiges Wirt­schafts­wachs­tum eingesetzt werden. Der zunehmende Res­sour­cen­verbrauch durch das anhaltende Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum verstärkt diese Problematik. Der verantwortungsvolle Umgang mit Rohstoffen, der Schutz der Umwelt und der Erhalt der biologischen Vielfalt sind daher zentrale Zukunftsaufgaben in der Region.

Ähnlich zwiespältig ist die Situation im Bereich der Klimapolitik: Viele lateinamerikanische Länder nehmen in Sachen Klima- und Waldschutz eine Vorreiterrolle ein und entwickeln beispielhafte Ansätze. Gleichzeitig sind sie jedoch verantwortlich für einen hohen Kohlendioxidausstoß und großflächige Ent­waldung. Als Folge des Klimawandels sind ins­be­son­dere die Andenländer und Zentralamerika zuneh­mend von Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürmen betroffen.

Die lateinamerikanischen und karibischen Staaten haben erkannt, dass sie für eine nach­hal­tige soziale und wirt­schaft­liche Ent­wick­lung ihre Abhängigkeit von Rohstoffexporten überwinden und ihre Wirtschaft diversifizieren müssen. Ein entscheidender Beitrag zu mehr politischer und wirtschaftlicher Stabilität ist die Herausbildung einer leistungsfähigen Mittelschicht; dieser Prozess ist gegenwärtig in Ländern wie Brasilien, Chile, Costa Rica oder Mexiko zu beobachten. Dadurch steigt auch der Druck auf die Eliten, mehr gesellschaftspolitische Ver­ant­wor­tung zu übernehmen.

Fortschritte sind vereinzelt bei der Reform der staatlichen In­sti­tu­tionen und fiskalpolitischen Reformen erkennbar: Gute Regierungsführung, ein gerechtes Steuersystem und der Ausbau der öffentlichen Infra­struk­tur leisten wichtige Beiträge zur Verbesserung von Basisdienstleistungen in Bereichen wie Bildung, Gesundheit oder Energieversorgung. Die in­ter­na­ti­o­nale Ent­wick­lungs­po­li­tik kann die Regie­rungen der Länder Lateinamerikas und der Karibik auf diesem Weg begleiten und unterstützen.

Regionale Integration und globaler Einfluss

Vom Weltmarkt abhängig - kleine Kaffeebauern in Bolivien. Urheberrecht: BMZIn Lateinamerika und der Karibik nimmt das Bewusstsein dafür zu, dass regionale Integration und Kooperation politisch und wirtschaftlich sinnvoll sind, um die Globalisierung mitzugestalten.

Mehr Freizügigkeit im Personen- und Warenverkehr, die grenz­über­schrei­tende Vernetzung von Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie der Ausbau regionaler Verkehrswege und die Zu­sam­men­ar­beit von Unternehmen leisten wichtige Beiträge zu Frieden, Stabilität und wirtschaftlicher Ent­wicklung. 

Nach dem Scheitern einer gesamtamerikanischen Freihandelszone sind das zentralamerikanische Integrationssystem (Sistema de la Integración Centroamericana, SICA), der karibische Markt (Caribbean Community, CARICOM), die Andengemeinschaft (Comunidad Andina de Naciones, CAN) und der gemeinsame Markt des Südens (Mercado Comun del Sur, Mercosur) für die politische und wirt­schaft­liche Integration der Region von Bedeutung. In den vergangenen Jahren wurden sie durch neue regionale Zusammenschlüsse wie die Union Südamerikanischer Staaten (UNASUR) und die Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC) ergänzt.

Seit dem Jahr 2000 führt die Europäische Union Assoziierungsverhandlungen mit dem Mercosur als wichtigstem Wirtschaftszusammenschluss der Region. Die Gespräche wurden jedoch 2004 wegen grundlegender Differenzen ausgesetzt und erst im Mai 2010 wieder aufgenommen. Meinungs­ver­schie­den­heiten bestehen zum Beispiel bei den Zugangsregelungen zum europäischen Markt für Agrar­pro­duk­te aus den Mercosur-Ländern, beim Zugang zu den Märkten der Mercosur-Länder für Industrie­produkte aus Europa und beim Schutz von Urheberrechten.

Die EU führt zudem Verhandlungen mit den Ländern der Andengemeinschaft und Zentralamerikas und konnte 2010 mit Kolumbien und Peru verbindliche Regelungen schaffen. Ende 2008 wurden auch mit den Staaten der Karibik (CARIFORUM) Wirt­schafts­partner­schafts­abkommen im Rahmen der Verein­ba­rungen zwischen der EU und den AKP-Staaten unterzeichnet, die in den Folgejahren umgesetzt werden sollen.

Auf die Lösung gemeinsamer globaler Zukunftsaufgaben – Klima- und Biodiversitätsschutz, Sicher­heits­politik, Welthandel, und viele weitere Themen – wird sich eine bessere Zu­sam­men­ar­beit innerhalb des Subkontinents positiv auswirken. Viele Länder intensivieren zudem schon heute die Süd-Süd-Bezie­hun­gen: Die verstärkte Kooperation mit asiatischen und afrikanischen Staaten zeugt von einem neuen Selbstverständnis des Subkontinents.

Der zunehmende weltpolitische Gestaltungswille Lateinamerikas zeigt sich darüber hinaus auch im Rahmen der Vereinten Nationen, etwa bei den Bemühungen um eine Reform des UN-Sicherheitsrats, und bei den G20-Treffen der wichtigsten Wirtschaftsmächte. Argentinien, Brasilien und Mexiko sind daran als gleichberechtigte Partner beteiligt.

Brasilien und Mexiko zählen – gemeinsam mit Indien, Indonesien und Südafrika – zur Gruppe der globalen Entwicklungspartner der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit. Die fünf Länder gelten als zukünftige regionale Großmächte und haben eine Schlüsselrolle bei der Lösung von globalen Ent­wick­lungs­fragen. Die Kooperation des BMZ mit den globalen Entwicklungspartnern umfasst sowohl Projekte und Programme im jeweiligen Land, als auch eine länderübergreifende Zu­sam­men­ar­beit zur Gestaltung der regionalen und globalen Ent­wick­lung.

Schwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit mit Lateinamerika und der Karibik

In den vergangenen Jahren haben sich die Länder Lateinamerikas und der Karibik in vielfältiger Weise gewandelt und sowohl wirtschaftlich als auch politisch an Gewicht gewonnen. Deutsch­land hat darauf reagiert und im August 2010 das neue ressortübergreifende Lateinamerika- und Karibik-Konzept der Bun­des­re­gie­rung (abrufbar auf der Website des Auswärtigen Amtes hier) vorgestellt. Es berücksichtigt die wachsende Bedeutung des Subkontinents, bestätigt die Stabilität der bisherigen Beziehungen und unterstreicht das langfristig angelegte partnerschaftliche und nach­hal­tige En­gage­ment Deutsch­lands.

Das Konzept der Bun­des­re­gie­rung nennt drei Schwerpunkte des gemeinsamen Handelns:

  • Die Zu­sam­men­ar­beit bei globalen He­raus­for­de­run­gen (zum Beispiel Umwelt- und Klimaschutz, Kampf gegen organisierte Kriminalität und Drogen, Umbau der globalen Finanzarchitektur),

  • den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen und die Förderung von In­ves­ti­tio­nen in beide Richtungen und

  • die grenzüberschreitende Vernetzung von Wissenschaft, Forschung, Bildung und Kultur.

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) hat darauf auf­bau­end das Regionalkonzept "Deutsche Ent­wick­lungs­po­li­tik in Lateinamerika und in der Karibik" (PDF, 3,5 MB, barrierefrei, abrufbar hier) erarbeitet und die entwicklungspolitischen Komponenten der Beziehungen konkretisiert. Folgende Schwerpunkte der Zu­sam­men­ar­beit Deutsch­lands mit den Staaten Lateinamerikas und der Karibik wurden definiert:

  • Good Governance

  • Klima- und Ressourcenschutz

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Ein zentrales Anliegen der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik besteht zudem darin, Bildung und Wirtschaft als Querschnittsthemen im Rahmen der genannten Schwerpunkte stärker zu fördern. Dazu werden die vielseitigen Erfahrungen aus der bisherigen Zu­sam­men­ar­beit mit den Ländern Lateinamerikas und der Karibik genutzt. Das neue Regionalkonzept des BMZ ergänzt die bereits bestehenden Länderstrategien und dient gleichzeitig als Leitlinie für deren Weiterentwicklung.

Das neue Konzept dient aber nicht nur als strategischer Rahmen für die deutsche staatliche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit, sondern erleichtert auch die Abstimmung mit anderen Akteuren. Dazu zählen die in­ter­na­ti­o­nal tätigen Bundesministerien genauso wie alle Organisationen, die mit finanzieller Förderung des BMZ in der Region tätig sind. Darüber hinaus versteht sich das Konzept als Diskussions­grund­lage für die deutsche Öffentlichkeit, Zivil­ge­sell­schaft und Wirtschaft.

Deutsch­land setzt sich für die Länder Lateinamerikas und der Karibik ein. Das betrifft die deutsche und europäische Außenpolitik, die Gestaltung internationaler Handelsbeziehungen (zum Beispiel EU-Agrar­markt­fragen, WTO-Verhandlungen) und die Strategien wichtiger globaler Akteure wie Weltbank und EU-Kommission.

Auf der internationalen Ebene engagiert sich Deutsch­land durch seine bedeutenden Beiträge zur Weltbank, zur Inter-Amerikanische Entwicklungsbank (IDB) und zur Karibischen Entwicklungsbank (CDB) für Lateinamerika und die Karibik. Die Bun­des­re­pu­blik ist zudem ein wichtiger Geber der europäischen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit und auch als bilateraler Geber in ausgewählten latein­amerikanischen Ländern präsent.



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