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Honduras

Situation und Zusammenarbeit

Viehwirtschaft in Honduras (c) Victor NeyHonduras' Ent­wick­lung wird durch schwie­rige poli­tische und ge­sell­schaft­liche Ver­hält­nisse ge­hemmt. For­mal ist Hon­du­ras ein demo­kra­tischer Rechts­staat. Die seit 2010 am­tie­rende Re­gie­rung von Prä­si­dent Porfirio Lobo Sosa ver­folgt offi­ziell eine ent­wick­lungs­orien­tierte Poli­tik. Kurz nach ihrem Amts­an­tritt legte sie einen staat­lichen Ent­wick­lungs­plan für die nächsten 28 Jahre vor. Das Land lei­det je­doch unter er­heb­lichen Demo­kra­tie- und Regie­rungs­führungs­defi­ziten. Maß­geb­liche Ak­teure in Re­gie­rung, Par­la­ment und Justiz­wesen ver­hin­dern durch eine in­for­melle Klien­tel­poli­tik, dass die poli­tischen, sozia­len und wirt­schaft­lichen Rah­men­be­dingungen ver­ändert werden.

Die eigentliche Macht liegt bei einer tradi­tio­nellen politisch-wirt­schaft­lichen Elite. Viele einfluss­reiche Politiker sind zu­gleich Unter­nehmer, Groß­grund­be­sitzer, Bankiers oder Besitzer von Medien­häusern. Sie verfolgen ihre eigenen Interessen, so dass Reformen zum Teil jahre­lang blockiert werden. Das System ist durch Macht­miss­brauch, Vettern­wirt­schaft, eine un­zu­rei­chende Gewal­ten­teilung, ein mangel­haftes Rechts­system, Kor­rup­tion und Ver­flech­tungen mit der orga­ni­sierten Kri­mi­na­li­tät ge­prägt. Die staat­lichen Insti­tu­tionen sind wenig leistungs- und durch­setzungs­fähig. Das Per­sonal ist schlecht aus­ge­bildet, es mangelt an finan­ziellen Mitteln und pro­fes­sioneller Aus­stattung. Die zivilgesellschaftlichen Organi­sa­tionen sind zu schwach, um Kontroll­funk­tionen aus­zu­üben und ihre Ein­bin­dung in staat­liche Ent­schei­dungs­prozesse (Partizipation) durchzusetzen.

Menschenrechte und Sicherheit

Die Menschenrechte werden in Honduras zwar formal anerkannt, aber in der Realität oft nicht durchgesetzt. Zu zahlreichen Menschen­rechts­ver­letzungen kam es nach dem Staats­streich im Jahr 2009. Unter anderem wurden Men­schen­rechts­ver­teidiger und Mit­glieder von Frauen­orga­ni­sa­tionen be­droht. Die Presse- und Ver­samm­lungs­frei­heit war ein­ge­schränkt. Die meisten Straf­taten sind bis heute nicht aufgeklärt worden.

Die öffentliche Sicherheit hat sich in den vergangenen Jahren ver­schlechtert. Besonders die Banden­kri­mi­na­lität in den Groß­städten und das or­ga­ni­sierte Ver­brechen (Drogen-, Waffen-, Men­schen­handel) haben zu­ge­nommen. Im Ver­hält­nis zur Ein­woh­ner­zahl ver­zeichnet Hon­du­ras eine der höchsten Mord­raten der Welt. Eine wachsende Her­aus­for­de­rung stellen ge­walt­tätige Jugend­banden dar, denen sich nach Weltbank-Berichten mittlerweile mehr als 40.000 Jugend­liche an­ge­schlossen haben. Die Kapa­zi­täten zum Er­mitteln, Ver­folgen und Ver­ur­teilen von Ver­brechen sind nicht ausreichend.

Frauen und Indigene sind zwar laut Verfassung recht­lich gleich­ge­stellt. In der Rea­li­tät sind sie je­doch häu­fig Dis­kri­mi­nie­rungen aus­ge­setzt, etwa beim Zu­gang zu Ge­sund­heits­diensten und Bildung.

Armut

Honduras zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern Latein­amerikas. Zwar ist die Zahl der Armen in den ver­gan­genen 20 Jah­ren deut­lich zurück­ge­gangen. Doch eine Er­hebung des hon­du­ra­nischen Statis­tischen Amtes im Mai 2010 ergab, dass 60 Prozent aller Haus­halte als arm oder extrem arm an­zu­sehen sind. 43 Prozent der 3,4 Millionen Er­werbs­tätigen sind arbeits­los oder unter­be­schäf­tigt. Besonders von Armut und Arbeits­losig­keit betroffen sind die ländlichen Regionen.

Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI 2010) belegt Honduras den 106. von 169 Plätzen. Eines der Probleme ist das insgesamt geringe Bildungsniveau, das auch ein Grund für die geringe Produktivität der honduranischen Unternehmen ist. Jedes Jahr verlassen Zehntausende junge Honduranerinnen und Hon­du­raner ihr Land, um legal oder illegal in den USA zu arbeiten.

Wirtschaft

Die Folgen der globalen Wirtschafts­krise treffen Honduras, das stark von den Auslands­märkten ab­hän­gig ist, schwer. Die Wachs­tums­prog­nosen für 2011 bieten mit vor­aus­sicht­lich 3,5 Pro­zent eine positive Perspek­tive. Haupt­export­märkte sind die USA, Zentral­amerika und Europa. Wichtigste Export­güter sind Tex­ti­lien, Kaf­fee, Bananen, Meeres­früchte und Zucht­fisch, tropische Hölzer und Palm­öl. Die wirt­schaft­liche Ent­wick­lung des Landes hängt stark von der Nach­frage und den Welt­markt­preisen für diese Produkte ab. Weitere wichtige Ein­nahme­quellen sind der Touris­mus und die Geld­über­weisungen von im Ausland lebenden Hon­du­ranern. Im Jahr 2009 schickten sie 2,5 Milliarden US-Dollar an ihre Familien in der Heimat – diese Summe entsprach dem Haus­halt der hon­du­ranischen Zentralregierung.

Der industrielle Sektor ist in Hon­du­ras un­zu­rei­chend ent­wick­elt. Die Wirt­schaft wird weit­gehend vom Agrar­sektor be­stimmt. Die Pro­duk­tion von Grund­nah­rungs­mitteln wird je­doch zu­gunsten der Ex­port­pro­dukte ver­nach­lässigt. Seinen Eigen­bedarf kann Hon­du­ras daher nur mit Hilfe von Im­porten – zu in jüngster Zeit stark stei­genden Preisen – decken. Zwölf Pro­zent der Be­völ­ke­rung sind unter­er­nährt. An­ge­sichts des hohen Be­völ­ke­rungs­wachstums haben die Ver­einten Na­tionen Hon­du­ras An­fang 2011 vor einer drohenden Er­näh­rungs­krise gewarnt.

Umwelt

Honduras ist eines der Länder des amerikanischen Kontinents mit der der größten Biodiversität. Ein Großteil des Landes ist mit Regen­wald bedeckt. Korallen­riffe um die Karibik­inseln, die dem hondu­ranischen Festland vorgelagert sind, bergen eine große Vielfalt an Meeres­lebe­wesen. Doch die Öko­systeme sind in Gefahr: Jedes Jahr werden rund drei Prozent der Wald­fläche ab­ge­holzt, ein großer Teil davon un­kon­trolliert und il­le­gal. Über­fischung, Meeres­ver­schmut­zung und ein zunehmender Tauch­tourismus tragen zur Zer­störung der Korallen bei.

Auf den Agrarflächen führen die extensive Vieh­haltung und der hohe Einsatz von Düngern und Pesti­ziden zu einer dauer­haften Schädi­gung der Böden. Im Tage­berg­bau ein­ge­setzte Chemi­ka­lien ge­fährden zudem die Trink­wasser­reserven. Der größte Binnen­see von Hon­du­ras wird durch die un­kon­trolliert aus­ge­weitete Fisch­zucht verschmutzt.

Auch die Situation in den großen Städten von Honduras ist besorg­nis­er­regend: Eine weit­gehend un­ge­regelte Bau­tätig­keit, die fehlende Abfall- und Abwas­ser­ent­sorgung sowie die An­sied­lung Luft und Wasser ver­schmutzender Industrie­be­triebe belasten die Umwelt und die Ge­sund­heit der Bevölkerung erheblich.

Entwicklungspotenziale

Wachstumsmöglichkeiten bestehen insbesondere in der Land­wirt­schaft – die diversifiziert und moderni­siert werden muss – und in der Lohn­ver­edelungs­industrie (Weiter­ver­arbeitung von Waren gegen Ent­loh­nung). Durch Frei­hafen­rege­lungen, freien Kapital­transfer und Zoll- und Steuer­ver­günstigungen hat Hon­du­ras Investoren aus den USA, Taiwan und Korea ins Land geholt.

Auch der Tourismus hat in einigen Landes­teilen noch Ent­wick­lungs­potenzial, ebenso wie die Gewinnung von erneuer­baren Energien. Bisher werden zwei Drittel des Stroms in Kraft­werken produ­ziert, die mit impor­tiertem Erd­öl betrieben werden. Nur etwa ein Drittel der Energie wird in Wasser­kraft­werken gewonnen.

Honduras ist reich an natürlichen Ressourcen, die nachhaltig genutzt werden könnten. Die für die un­mit­tel­bare Armuts­be­kämp­fung äußerst wichtige bäuer­liche Land­wirt­schaft könnte ihr großes Poten­zial ent­fal­ten, wenn die Land­rechts­fragen geklärt würden. Vor allem indi­gene Ge­mein­schaften werden bei den Land­rechten be­nach­tei­ligt und können auf­grund des mangel­haften Rechts­systems ihre tradi­tio­nellen Nutzungs­rechte nur selten durchsetzen.

Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Neben Spanien und den USA gehört die Bundesrepublik Deutsch­land zu den wichtigen bi­la­te­ralen Gebern von Hon­du­ras. Bei Regie­rungs­ver­hand­lungen im Januar 2011 wurden dem Land 30 Millionen Euro für die Jahre 2011 und 2012 zu­ge­sagt, davon 20 Millionen Euro für die Finanzielle und 10 Millionen Euro für die Technische Zusammenarbeit.

Deutschland trägt außerdem zur Entwicklungszusammenarbeit internationaler Organisationen (Weltbank, Inter-Amerikanische Entwicklungsbank) und der Europäischen Union bei. Die meisten Geber in Honduras haben sich zur Gruppe "G16" zu­sam­men­ge­schlossen, um ihre Akti­vi­täten zu koordinieren.

Folgende Schwer­punkte der Zusammen­arbeit wurden zwischen Hondu­ras und Deutschland festgelegt:

  • Umwelt- und Ressourcenschutz

  • Bildung

Darüber hinaus wurde ein Vorhaben zum öffentlichen Finanz­ma­nage­ment ver­ein­bart. Es soll dazu bei­tragen, Hon­du­ras' Ver­wal­tungs­struk­turen zu stärken und die Steuer­ein­nahme­quoten zu erhöhen.

Gemeinsam mit zentralamerikanischen Nachbarn ist Honduras außerdem in regionale Vorhaben in den Bereichen nachhaltige Wirt­schafts­ent­wicklung, Umwelt- und Res­sour­cen­schutz, er­neuer­bare Energien/Energieeffizienz, Jugend­gewalt­prävention und HIV/AIDS-Prävention eingebunden.

Umwelt- und Ressourcenschutz

Mehr als 40 Prozent der Landes­fläche von Hon­du­ras sind be­wal­det, vor­wie­gend mit Nadel­hölzern. Der Wald be­ein­flusst das Mikro­klima und den Was­ser­haus­halt der Region und damit auch die Trink­wasser­ver­sorgung der Be­völ­ke­rung. Doch in den ver­gangenen 30 Jahren wurde rund ein Drit­tel der Wald­fläche zer­stört. Die Gründe für den ille­galen Holz­ein­schlag sind viel­fältig: Kurz­fristige unter­neh­merische Inte­ressen spielen ebenso eine Rolle wie die Aus­brei­tung von Vieh­zucht und Land­wirt­schaft, die ver­brei­tete Armut und die Schwäche der staatlichen Kontrollbehörden.

Der Ressourcenschutz muss mit den Nutzungs­interessen der Be­völ­ke­rung in Ein­klang gebracht werden. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit be­rät Hon­du­ras bei der Ent­wick­lung einer nach­hal­tigen Forst­wirt­schaft. Außer­dem unter­stützt die Bun­des­repub­lik das Land beim Management von Wasser­ein­zugs­ge­bieten und Natur­schutz­ge­bieten sowie bei der Ent­wick­lung von Kon­zepten für die kom­mu­nale Wald­wirt­schaft und eine regionale ländliche Entwicklung.

Das Parlament in Honduras hat 2007 ein neues Forstgesetz zum Schutz des Tropenwalds verabschiedet. Es stärkt die Rolle der staatlichen Waldaufsichtsbehörde und stellt ihre Finanzierung auf eine sichere Grundlage. Gemeinden sollen mehr Mitsprache bei der Kontrolle der Wälder erhalten, und es sollen Landrechte indigener Gemeinschaften festgelegt werden. Illegaler Holzeinschlag wird zukünftig hart bestraft. Deutschland hat an der Formulierung des Gesetzes intensiv mitgewirkt und begleitet nun die Umsetzung.

Bildung

Kinder, Jugend­liche und junge Erwachsene stellen die Hälfte der hondu­ra­nischen Be­völ­ke­rung. Ver­bes­serungen im Be­reich der Bil­dung, ins­be­son­dere der Grund­bil­dung, spielen für die künf­tige Ent­wick­lung des Landes eine Schlüs­sel­rolle. Das Schul­system weist viele Män­gel auf: Die Schulen sind in sehr schlechtem Zu­stand, die Leh­rer oft un­zu­rei­chend aus­ge­bildet. Immer wieder gibt es Dis­kus­sionen um die Lehrer­ge­hälter. Unter den häufigen Streiks leidet das Bildungswesen.

Das geringe Bildungsniveau schränkt die Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät und das Ent­wick­lungs­poten­zial der Menschen und somit auch des Landes ein: Die Ver­wal­tung findet keine aus­ge­bil­deten Beamten, die Unter­nehmen finden keine Füh­rungs­kräfte und quali­fi­zierten Fach­ar­beiter. Das Erziehungs­minis­terium hat des­halb eine Reform des Grund­bil­dungs­systems ein­ge­leitet, die von der Bundes­republik unter­stützt wird. Schwer­punkte sind dabei die Ver­bes­serung der Leh­rer­aus­bildung und der Lehrpläne.

Deutschland ist auch an einer internationalen Initiative im Grund­bil­dungs­bereich beteiligt. Der 2002 gestartete Plan "Education for All – Fast Track Initiative" will das Bil­dungs­system bis 2015 so aus­bauen, dass alle Kinder in Hon­du­ras mindes­tens sechs Jahre zur Schule gehen können. Dazu zahlt Deutsch­land ge­mein­sam mit anderen Gebern in einen Fonds ein, führt Bera­tungs­maß­nahmen durch und ver­bessert die schulische Infrastruktur.

Entschuldung

Honduras war hoch ver­schuldet. Das Land nahm an der er­wei­terten HIPC-Initiative teil. Im März 2000 legte Hon­du­ras ein vor­läu­figes Stra­te­gie­papier zur Armuts­be­kämpfung (PRSP) vor. Das end­gültige PRSP wurde im Sep­tember 2001 fertig­ge­stellt und von Welt­bank und IWF akzep­tiert. Das Land erreichte im April 2005 den Voll­endungs­punkt ("Completion Point"). Bisher wurden Hon­du­ras Schulden in Höhe von ins­ge­samt 3,7 Milliarden US-Dollar er­lassen. Deutsch­land ist an diesem Erlass mit etwa 116 Millionen Euro be­tei­ligt. Da­durch konnte die staat­liche Ver­schuldung Honduras' von 68 Pro­zent des Brutto­inlands­produkts (2004) auf 24 Prozent (2009) re­du­ziert werden. Die durch den Schul­den­erlass frei wer­denden Mittel sollen für eine nach­hal­tige Armuts­be­kämp­fung verwendet werden.

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