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Lateinamerika und Karibik
Ecuador ist – im Verhältnis zu seiner Oberfläche – das Land mit der größten Artenvielfalt der Welt. Schätzungsweise kommen rund zehn Prozent aller weltweit existierenden Pflanzen- und Tierarten in dem kleinen Andenstaat am Äquator vor – von den Mangrovensümpfen an der Küste über die Bergwälder der Anden bis zum tropischen Regenwald des Amazonasgebiets. Die außergewöhnliche Tierwelt des Galapagos-Archipels ist weltberühmt. Im Vergleich zu anderen Ländern verfügt Ecuador über eine herausragende Dichte an Naturschutzgebieten; der Umweltschutz wurde 1995 als Staatsziel in der Verfassung verankert. Doch die staatlichen Behörden sind oftmals nicht in der Lage, die Umsetzung der Umweltgesetze und eine Kontrolle der Schutzgebiete zu gewährleisten.
Akut bedroht werden die wertvollen Naturräume durch den wichtigsten Wirtschaftssektor des Landes, die Erdölindustrie. Die ecuadorianische Regierung hat in diesem Zusammenhang einen innovativen Vorschlag gemacht und eine weltweite Kampagne gestartet: Sie will auf die Erdölförderung in einem Ölfeld im Biosphärenreservat und Nationalpark Yasuní verzichten, wenn die internationale Gemeinschaft einen finanziellen Ausgleich der Einnahmeausfälle leistet.
Eine weitere Gefahr für die natürliche Vielfalt des Landes ist die Umwandlung von Wald in Ackerland. Fast zwei Drittel der ländlichen Bevölkerung Ecuadors leben in Armut. Viele dieser Menschen versuchen zu überleben, indem sie Wald abholzen oder abbrennen, um die Flächen als Weideland oder für die Landwirtschaft zu nutzen. 150.000 Hektar Urwald – eine Fläche zweimal so groß wie Hamburg – gehen jedes Jahr auf diese Weise verloren. Nur eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen kann verhindern, dass Verarmung und Umweltzerstörung weiter fortschreiten.
Die Entwicklung Ecuadors wurde bislang durch ausgeprägte Mängel bei der Regierungsführung gehemmt. Das Land galt stets als innenpolitisch instabil – so waren von 1997 bis 2007 sieben verschiedene Präsidenten an der Macht. Seit dem Amtsantritt des Wirtschaftswissenschaftlers Rafael Correa Anfang 2007 scheint sich die Lage zu verbessern. Im September 2008 wurde per Volksentscheid eine neue Verfassung angenommen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes wurde im April 2009 ein Präsident wiedergewählt.
Grundlegende strukturelle Probleme wie schwache staatliche Institutionen, Korruption, fehlende Unabhängigkeit der Justiz, Zersplitterung der Gesellschaft und die starke Einflussnahme der reichen Oberschicht bleiben jedoch bestehen. Die neue Regierung muss daher ihre Politik der "Bürgerrevolution" an konkreten Verbesserungen der politischen Kultur des Landes und der Situation der armen und benachteiligten Bevölkerungsschichten messen lassen.
Beziehungen zu Deutschland
Deutschland und Ecuador arbeiten seit rund 50 Jahren entwicklungspolitisch zusammen. Die Beziehungen sind traditionell freundschaftlich und eng. In der Entwicklungszusammenarbeit liegt ein besonderes Augenmerk auf dem Umwelt- und Ressourcenschutz. Angesichts des globalen Klimawandels liegt der Erhalt der Tropenwaldbestände im Interesse der internationalen Gemeinschaft und damit auch Deutschlands. Außerdem wird das lateinamerikanische Land bei der Modernisierung des Staates und der Dezentralisierung unterstützt.
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