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Lateinamerika und Karibik
Nach Fläche, Bevölkerung und Wirtschaftskraft ist Brasilien das bedeutendste Land Südamerikas. Auch weltweit hat der Einfluss des Landes in den vergangenen Jahren zugenommen – Brasilien gilt als achtgrößte Wirtschaftsmacht und beteiligt sich aktiv an der Gestaltung der internationalen Politik. Seit der Durchsetzung der Demokratie 1988 musste Brasilien zwar einige Krisen überwinden, alles in allem verläuft die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung jedoch positiv: Das Land wandelt sich umfassend vom Entwicklungs- zum Industriestaat.
Brasilien ist inzwischen einer der wichtigen Akteure im internationalen Politikdialog – etwa im Rahmen der Vereinten Nationen und der G20, im Welthandelssystem und bei den internationalen Bemühungen um Klima- und Umweltschutz. Aufgrund seiner zentralen Rolle für die politische und wirtschaftliche Entwicklung Lateinamerikas ist Brasilien eines der Ankerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Die Einkommen der verschiedenen brasilianischen Bevölkerungsgruppen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In der Amtszeit von Präsident Lula da Silva (2003 bis 2010) wurden 14 Millionen neue sozialversicherte Stellen geschaffen und umfangreiche Wirtschafts- und Sozialprogramme aufgelegt. Das Pro-Kopf-Einkommen hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als verdreifacht. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Menschen, die in absoluter Armut leben, von fünfzehn auf fünf Prozent zurückgegangen. Die neue Präsidentin Dilma Rousseff, zuvor Präsidialamtsministerin in der Regierung Lula da Silva und, wie er, Mitglied der Arbeiterpartei (Partido dos Trabalhadores, PT), will diese Politik fortsetzen.
Dennoch bleiben die regionalen und sozialen Ungleichheiten extrem. Der Süden und Südosten des Landes ähneln einem Industriestaat, die Lebensbedingungen im Norden (Amazonasgebiet) und Nordosten entsprechen hingegen in vielen Bereichen einem Entwicklungsland. Die Einkommensunterschiede zählen zu den größten weltweit, zudem konzentriert sich der Landbesitz auf einige wenige Großgrundbesitzer. Korruption, Bürokratie und Ineffizienz der öffentlichen Institutionen sind weitere Hindernisse für eine nachhaltige Entwicklung Brasiliens. Das Ansehen der politischen Klasse ist in weiten Teilen der Bevölkerung äußerst gering.
Das wirtschaftliche Wachstum weiter anzukurbeln und zugleich die zunehmende Umweltzerstörung aufzuhalten, ist eine der großen Herausforderungen für Brasilien, aber auch für die internationale Gemeinschaft. Denn der bedrohte Regenwald am Amazonas ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde und wichtig für den globalen Klimahaushalt.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit
Deutschland und Brasilien arbeiten seit beinahe 50 Jahren entwicklungspolitisch zusammen. 2006 wurde diese Zusammenarbeit neu ausgerichtet, um dem Entwicklungsstand und der gewachsenen globalen und regionalen Bedeutung Brasiliens besser gerecht zu werden. Übergeordnete Ziele der Kooperation sind die Bekämpfung des Klimawandels und der Schutz der Biodiversität. Als Schwerpunkte der Zusammenarbeit wurden der Schutz des Tropenwaldes und die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz vereinbart. Ziel der Bundesregierung ist es, die entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Brasilien zu einer strategischen Partnerschaft weiterzuentwickeln. Im Mai 2008 vereinbarten beide Länder einen entsprechenden Aktionsplan. Zunehmend wichtiger werden in diesem Kontext entwicklungspolitische Dreieckskooperationen von Deutschland, Brasilien und Drittländern in Südamerika und Afrika.
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