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Lateinamerika und Karibik
Das Gebiet des heutigen Bolivien war einst Teil des Imperiums der Inka-Könige. Doch im 16. Jahrhundert zerstörten spanische Eroberer das Inka-Reich und beuteten das Land rücksichtslos aus. Vom legendären Silberreichtum und den großen Gewinnen aus dem Abbau anderer Bodenschätze blieb fast nichts – heute zählt Bolivien zu den ärmsten Ländern Südamerikas.
Auch nach der Unabhängigkeit (1825) bestimmten Unterentwicklung und politische Krisen den Alltag in Bolivien. Jahrzehntelange Militärdiktaturen haben Staat und Gesellschaft deutlich negativ geprägt. Seit 1982 hat sich das Land eine politisch und ökonomisch stabilisiert. Vor allem die Tieflandregion um die Stadt Santa Cruz hat sich zum Motor der bolivianischen Wirtschaft entwickelt. Doch für die Mehrheit der Bevölkerung haben sich die Lebensverhältnisse nicht dauerhaft gebessert. Zwar konnte die extreme Armut im letzten Jahrzehnt von 45 Prozent (2000) auf 33 Prozent (2008) gesenkt werden. Im lateinamerikanischen Vergleich sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich in Bolivien jedoch weiterhin am stärksten ausgeprägt.
Bei den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2005 wurde mit Evo Morales zum ersten Mal ein Vertreter der indigenen Bevölkerung mit überraschend deutlicher Mehrheit von 54 Prozent zum Staatspräsidenten gewählt. Bei seiner Wiederwahl im Dezember 2009 konnte Morales sein Ergebnis sogar verbessern: Die Regierungspartei MAS (Movimiento al Socialismo) erhielt 64 Prozent der Stimmen und erreichte damit in beiden Kammern des Parlaments eine Zweidrittelmehrheit. Sein Regierungsprogramm sieht einen umfassenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel vor. Erklärtes Ziel ist die stärkere Einbindung der indigenen Bevölkerung, die bislang häufig von politischen Entscheidungen ausgegrenzt war. Am 7. Februar 2009 trat eine neue Verfassung in Kraft. Sie wurde von einer Mehrheit der Bolivianerinnen und Bolivianer per Referendum angenommen und soll nach Willen der Regierung Morales ein neues Staats- und Gesellschaftsmodell ermöglichen.
Beziehungen zu Deutschland
Bolivien gehört zu den Kooperationsländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, mit denen die Bundesrepublik auf Basis zwischenstaatlich vereinbarter Verträge eng zusammenarbeitet. Deutschland zählt damit seit vielen Jahren zu den wichtigsten bilateralen Partnern Boliviens. Die Entwicklungszusammenarbeit von Bolivien und Deutschland konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und stellt die Armutsbekämpfung in den Mittelpunkt. Die Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen in den drei Sektoren Staat und Demokratie, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung.
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