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Albanien
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Situation und Zusammenarbeit
Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems Ende der 1980er Jahre durchlief Albanien innerhalb von kurzer Zeit eine umfassende Transformation des politischen und wirtschaftlichen Systems: Ein demokratischer Rechtsstaat musste institutionell aufgebaut und eine freie Marktwirtschaft etabliert werden. Seit 2000 begann eine durchgreifende wirtschaftliche Entwicklung mit einem durchschnittlichen jährlichen Wirtschaftswachstum von etwa fünf Prozent.
Als es 1999 im benachbarten Kosovo zu einer Krise kam, leistete Albanien einen international geschätzten Beitrag zur Stabilität in der Region. Das Land engagierte sich auf verantwortungsvolle Weise im Friedensdialog und nahm Tausende von Flüchtlingen auf. Albanien pflegt gute Beziehungen zu seinen Nachbarländern und ist Teilnehmer des Mitteleuropäischen Freihandelsabkommens (CEFTA).
Europäische Perspektive
Heute sieht die albanische Bevölkerung ihre Zukunft in Europa. Seit 1991 unterstützt die Europäische Union (EU) die umfassenden strukturellen Reformen in Albanien. 2003 nahm das Land Verhandlungen über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der Europäischen Union auf, das im April 2009 in Kraft getreten ist. Angestrebt wird eine sich schrittweise weiterentwickelnde Partnerschaft. Albanien wird dabei von der EU durch das Instrument für Heranführungshilfe (Instrument for Pre-Accession Assistance, IPA) unterstützt. IPA setzt sich aus fünf Komponenten zusammen: Übergangshilfe und Aufbau von Institutionen, grenzübergreifende Zusammenarbeit, regionale Entwicklung, Entwicklung der Humanressourcen sowie ländliche Entwicklung.
Die Unterstützung der Europäischen Union in Form verschiedener Partnerschaftsprogramme beträgt seit 1991 insgesamt über 1,5 Milliarden Euro. Die Annäherung Albaniens an die EU erfordert weitere Anpassungen in fast allen Bereichen und stellt das Land noch vor große Herausforderungen.
Entwicklungspotenziale
Laut Index der menschlichen Entwicklung belegt Albanien inzwischen Platz 64 von 169 Ländern (HDI 2010) und konnte sich somit in den letzten Jahren stetig verbessern. Während viele der Millenniumsentwicklungsziele als weitgehend erfüllt angesehen werden können, hat Albanien sich in seiner Nationalen Strategie für Entwicklung und Integration 2007-2013 die Messlatte gesetzt, die EU-Standards zu erreichen.
Der Anteil der Menschen, die unter der nationalen Armutsgrenze leben, hat sich in den letzten Jahren von 25,4 Prozent (2002) auf 12,4 Prozent (2008) halbiert. Dennoch bleibt Albanien wirtschaftlich und sozial hinter seinen europäischen Nachbarn zurück. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag 2009 bei nur knapp 3.800 US-Dollar. Die offizielle Arbeitslosenrate beträgt fast 14 Prozent. Allerdings ist informelle Beschäftigung weit verbreitet. Gleichzeitig fehlen im albanischen Arbeitsmarkt qualifizierte Arbeitskräfte. Das formale berufliche Bildungsangebot wird reformiert, um soziale Aspekte und Arbeitsmarkterfordernisse zu berücksichtigen.
Noch fast 50 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, produzieren jedoch weniger als 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Viele Betriebe sind auf Selbstversorgung ausgerichtet, die Produktivität des albanischen Agrarsektors ist gering. Die meisten Höfe sind zu klein, um in Europa wettbewerbsfähig zu sein. Es fehlt an Zugang zu Märkten und Kapital für Investitionen im Agrarsektor. Die Entwicklung des ländlichen Raums genießt bei der albanischen Regierung daher hohe Priorität. Daneben sollen weitere Investitionen in der Wasserver- und Abwasserentsorgung und im Energiesektor zu einer besseren Versorgung der albanischen Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser und Energie führen. Der Investitionsbedarf in die Verbesserung der Infrastruktur ist noch erheblich.
Im Boden Albaniens lagern Chrom, Kupfer, Nickel, Eisen, Kohle sowie Erdgas und Erdöl. Der Abbau dieser Bodenschätze hat in der Vergangenheit zu erheblichen Altlasten geführt, die die menschliche Gesundheit und die Umwelt belasten. Eine umweltgerechte Abfallentsorgung gibt es noch nicht. Albanien hat ein erhebliches Potenzial an regenerativen Energien aus Wasserkraft, das bisher nur zu rund einem Drittel genutzt wird. Die Ernährungswirtschaft, die Entwicklung des ländlichen Raums und der Dienstleistungssektor (zum Beispiel der Tourismus) könnten stärker zu Wirtschaftsentwicklung und Beschäftigung beitragen.
Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit
Für die Entwicklungszusammenarbeit hat die Bundesrepublik für die Jahre 2010/2011 rund 100 Millionen Euro an Darlehen und Zuschüssen für die Finanzielle Zusammenarbeit und rund acht Millionen Euro für die Technische Zusammenarbeit bereitgestellt. Seit vielen Jahren haben beide Seiten folgende Schwerpunkte der Zusammenarbeit vereinbart:
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Trinkwasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung
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Energie
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Nachhaltige und soziale Wirtschaftsentwicklung
Ein übergreifendes Ziel der bilateralen Zusammenarbeit ist neben den Beiträgen zur Armutsbekämpfung die Unterstützung Albaniens bei der Annäherung an die Europäische Union. Ein konkretes Beispiel der Technischen Zusammenarbeit ist ein Vorhaben, welches das albanische Ministerium für EU-Integration bei der Steuerung und Koordinierung des Beitrittsprozesses unterstützt. Es wird von der EU und der Bundesregierung gefördert.
Trinkwasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung
Die Bundesrepublik unterstützt Albanien bei der Reform des Wassersektors. Mit deutscher Unterstützung wurde erstmalig in einigen Städten Albaniens eine 24-stündige Wasserversorgung sichergestellt, indem neue Wasserwerke gebaut, Versorgungsnetze repariert und Verantwortliche im Management beraten wurden. In Kavaja wurde 2007 die erste Kläranlage Albaniens in Betrieb genommen, die zweite wurde Anfang 2009 in Pogradec fertiggestellt. Weitere Programme zur Abwasserentsorgung werden in Zusammenarbeit mit der Schweiz und Österreich verwirklicht.
Neben dem Ausbau und der Modernisierung der Infrastruktur im Wassersektor ist es ein weiteres Ziel der Entwicklungszusammenarbeit, hohe Wasserverluste einzudämmen und die Tarife auf ein kostendeckendes Niveau anzuheben. Denn nur so ist langfristig eine gesicherte Wasserver- und Abwasserentsorgung möglich.
Die bereitgestellte Infrastruktur soll Anreize für die Ansiedlung von Unternehmen und die Entwicklung von Sektoren schaffen, die wiederum langfristig Arbeitsplätze für die albanische Bevölkerung bieten. Dazu gehört zum Beispiel der Tourismus. Eine gesicherte Wasserversorgung kommt allen zugute, insbesondere ärmeren Bevölkerungsschichten, die sich sauberes Wasser oft zu höheren Kosten anderweitig beschaffen müssen.
Energie
Das bilaterale Engagement in diesem Schwerpunkt zielt auf die Verbesserung und umweltfreundliche Gestaltung des Energiesektors im Einklang mit der albanischen Entwicklungsstrategie. Damit soll zu einer stabilen, nachhaltigen und sicheren Energieversorgung in Albanien und zum globalen Klimaschutz beigetragen werden.
Das Engagement umfasst den Ausbau und die Modernisierung von Übertragungsnetzen, die Förderung von erneuerbaren Energien (insbesondere Wasserkraft), die Steigerung der Energieeffizienz, die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie die effiziente Nutzung der regionalen Übertragungssysteme. Daneben sollen durch Refinanzierung von Bankkrediten an private Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oder auch an Kommunen Energieeffizienzmaßnahmen gefördert werden.
Mit Mitteln der Finanziellen Zusammenarbeit wurden die Wasserkraftwerke Bistrica rehabilitiert und die Umspannstation Saranda wurde erneuert. Dadurch konnte die Stromversorgung im Süden Albaniens erheblich verbessert werden. Der Ausbau des 110-Kilovolt-Übertragungsnetzes in Südalbanien wird die Stromversorgung stabiler und energieeffizienter machen. Der Bau der grenzüberschreitenden 400-Kilovolt-Übertragungsleitung zwischen Albanien und Montenegro trägt zur Verbesserung der Stromversorgung beider Länder und zur Integration in das europäische Stromverbundnetz ENTSO-E bei. Die Leitung wurde im Frühling 2011 in Betrieb genommen.
Auch das Vorhaben der grenzüberschreitenden Übertragungsleitung zwischen Albanien und Kosovo und das in 2010 vereinbarte Projekt "400-kV-Übertragungsleitung Albanien-Mazedonien" sollen zum regionalen Stromaustausch und zu höherer Energieeffizienz beitragen.
Begleitend wird in der Technischen Zusammenarbeit mit dem Offenen Regionalfonds Energieeffizienz die regionale Zusammenarbeit gefördert.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
In diesem Schwerpunkt ist Ziel der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit, nachhaltige und breitenwirksame Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten zu unterstützen. Dadurch sollen sich die Lebensbedingungen für breite Bevölkerungsschichten verbessern und es soll zum Millenniumsentwicklungsziel 1 (Armutsbekämpfung) beigetragen werden.
In der Technischen Zusammenarbeit unterstützt das Programm Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung eine ausgeglichene, wirtschaftliche Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung des ländlichen Raums und kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Das Programm Berufliche Bildung fördert die Qualifizierung junger Menschen für den Arbeitsmarkt: Bildungsangebote und Reformen, die auf eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft setzen, werden verbessert.
Mit der Finanziellen Zusammenarbeit werden die weitere Entwicklung des Bankensektors zur Förderung von KMU und die wirtschaftliche Anbindung des ländlichen Raums unterstützt. Aufgrund des kleinen Binnenmarktes ist Unterstützung bei der Exportförderung und der regionalen Zusammenarbeit erforderlich. Dem trägt die Entwicklungszusammenarbeit unter anderem über die Förderung der regionalen Zusammenarbeit in Südosteuropa Rechnung.
Informationen

Siehe auch
- Meldung 05.08.2011:
Dirk Niebel besucht Projekte in Albanien - Meldung 04.08.2011:
Dirk Niebel zu Albanienreise aufgebrochen - Meldung 24.06.2010:
EU-Integration durch Berufspraktika in Deutschland – BMZ unterstützt junge Südosteuropäer - Regionalkonzept Mittel-, Ost- und Südosteuropa
- Thema: Wasser
- Thema: Energie
- Thema: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
- Thema: Berufliche Bildung






