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Vietnam

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Situation und Zusammenarbeit
Vietnam ist eine sozialistische Republik, in der die Kommunistische Partei als Einheitspartei die Führung von Staat und Gesellschaft beansprucht. Eine organisierte Opposition gibt es ebenso wenig wie eine rechtsstaatliche Gewaltenteilung: Regierung, Parlament und Rechtsprechung werden von der Parteiführung kontrolliert. Die Menschenrechtssituation ist aus internationaler Perspektive noch nicht befriedigend. Vor allem auf dem Gebiet der Presse- und Meinungsfreiheit bestehen deutliche Defizite.
Wirtschaftlich hat sich das Land seit Mitte der 1980er Jahre stark geöffnet. Die vietnamesische Volkswirtschaft entwickelt sich schrittweise von einer Plan- zur Marktwirtschaft. Die umfassenden Reformbemühungen und die beharrlichen Investitionen in Infrastruktur, Institutionen und Qualifizierungsmaßnahmen zahlen sich inzwischen aus. Seit Jahren hat Vietnam eine der dynamischsten und am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Das Land hat gute Chancen, alle Millenniumsziele bis 2015 zu erreichen.
So kann die auf wirtschaftliche und soziale Entwicklung ausgerichtete Regierungsarbeit bei der Armutsbekämpfung beachtliche Fortschritte vorweisen. Es gelang, den Anteil der extrem armen Menschen von 58 Prozent im Jahr 1993 auf 13 Prozent im Jahr 2008 zu senken. 2010 wurde die Schwelle von 1.000 US-Dollar Jahreseinkommen pro Kopf überschritten. Vietnam wird nun von der Weltbank den sogenannten "Ländern mit mittlerem Einkommen" (Middle Income Countries) zugerechnet.
Doch nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren gleichermaßen vom wirtschaftlichen Aufschwung. Experten nennen Vietnam deshalb "Land der zwei Geschwindigkeiten": Wenige aufstrebende Stadtregionen auf der einen Seite, starke Armut vor allem in den entlegenen ländlichen Gebieten mit vielen ethnischen Minderheiten auf der anderen Seite. Hier gelten drei Viertel aller Haushalte als extrem arm. Viele Menschen ziehen daher in die Städte, weil sie sich dort einen höheren Lebensstandard erhoffen. Zurzeit lebt etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung in der Stadt, 2020 soll es schon die Hälfte sein. Um die Situation der Landbevölkerung zu verbessern, hat die vietnamesische Regierung 2009 ein spezielles Armutsbekämpfungsprogramm für die 61 ärmsten Distrikte des Landes verabschiedet.
Mit einem Anteil von sieben Prozent der über 15-Jährigen ist die Analphabetenrate Vietnams vergleichsweise niedrig. Das Bildungswesen kann mit der schnellen wirtschaftlichen Entwicklung jedoch nicht mithalten. Es fehlt an ausreichenden und bedarfsgerechten Berufsbildungsmöglichkeiten. Obwohl jährlich etwa eine Million junge Menschen die Schulen beenden, besteht in Vietnam ein erheblicher Fachkräftemangel. Um den Problemen zu begegnen, hat das Erziehungsministerium eine Bildungsoffensive gestartet. Das deutsche Berufsbildungs- und Fachhochschulsystem dient dabei als Vorbild.
Dynamische Wirtschaftsentwicklung
Das vietnamesische Wirtschaftswachstum lag jahrelang stetig über sieben Prozent. Bedingt durch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise brach die Wirtschaft 2008 auch in Vietnam ein. Doch bereits im Folgejahr wurden wieder deutliche Wachstumsraten verzeichnet. Dazu beigetragen haben verschiedene Konjunkturpakete der Regierung. Sie bietet zum Beispiel lokalen Unternehmen zinssubventionierte Kredite und Steuererleichterungen und hat ein Programm zum Ausbau der Infrastruktur gestartet.
Vietnam verfügt über reiche Bodenschätze, die erst ansatzweise erschlossen sind, wie Erdöl, Gas, Bauxit, Kohle und Eisenerz. Die landwirtschaftliche Produktion umfasst ein breites Spektrum von Produkten. Bei Reis, Kaffee, Pfeffer und Cashew-Nüssen gehört Vietnam zu den größten Exporteuren der Welt.
Die Privatwirtschaft hat jedoch mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Ausufernde Bürokratie und verbreitete Korruption behindern wirtschaftliche Aktivitäten. Die bislang unzureichenden rechtsstaatlichen Strukturen müssen ausgebaut und die Leistungsfähigkeit der Verwaltung muss gesteigert werden. Auch die Privatisierungsanstrengungen der Regierung, die aufgrund der globalen Finanzkrise ins Stocken geraten sind, müssen wiederbelebt werden. Große Teile der vietnamesischen Wirtschaft sind weiterhin in staatlicher Hand. Die Betriebe arbeiten jedoch ineffizient und zu wenig gewinnorientiert.
Schwächen der Infrastruktur
Das starke Wirtschaftswachstum hat in Vietnam zu einigen Engpässen geführt. So bestehen erhebliche Defizite bei der Energieversorgung. Die Netze der vietnamesischen Stromversorger weisen momentan Verluste von durchschnittlich 30 Prozent auf. 40 Prozent des Stroms werden aus Wasserkraft gewonnen. Während der Trockenzeit von Januar bis Mai kommt es jedoch immer wieder zu Stromausfällen, die die Industrieproduktion und das tägliche Leben stören. In Großstädten wie Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt fällt der Strom oft bis zu zwölf Stunden aus.
Ein weiteres Problem sind die noch unzureichenden Verkehrswege. Nur etwa ein Drittel der Straßen ist asphaltiert, viele Kommunen sind auch heute noch nicht mit dem Auto zu erreichen. Bisher wurden hauptsächlich Hauptstraßen modernisiert, obwohl diese nur ein Zehntel des Straßennetzes ausmachen. Zwar transportiert die Eisenbahn immer mehr Passagiere und Waren, doch ein Viertel der vorhandenen Wagen ist nicht mehr einsatzfähig, ein weiteres Viertel völlig überaltert. Um die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern, will die Regierung mit Hilfe der Geberländer neue See- und Flughäfen bauen sowie das Straßen- und Eisenbahnnetz erweitern.
Umwelt
Vietnam hat jahrzehntelang unter Kriegen und Armut gelitten. Entwaldung, Verschlechterung der Bodenqualität und Bodenvergiftung sowie die Verringerung der Artenvielfalt sind ein Erbe dieser Zeit. Darüber hinaus hat die rasante wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zu immer größeren Umweltbelastungen geführt. Die Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden sowie die ungeregelte Entsorgung von Abfällen haben ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Aufgrund der zunehmenden Abwanderung aus den ländlichen Gebieten in die urbanen Zentren ist die Lage vor allem in den Ballungsgebieten kritisch.
Vietnam ist den Auswirkungen des Klimawandels besonders ausgesetzt. Die Regierung hat daher verschiedene Programme und Aktionspläne entwickelt, um den Folgen der globalen Klimaerwärmung wirksam zu begegnen. In ihren Anstrengungen wird sie von der deutschen "Initiative für den Klima- und Umweltschutz" (IKLU) unterstützt. Mit deren Hilfe werden Projekte zur Verbesserung der Energieeffizienz und zum Ausbau erneuerbarer Energien gefördert. Zusätzliche Unterstützung erfolgt durch das Bundesumweltministerium im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Hieraus werden beispielsweise Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel für die Küstenbewohner sowie Waldschutzmaßnahmen zur Kohlenstoffspeicherung finanziert.
Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Vietnam
Bereits vor der Wiedervereinigung Vietnams im Jahr 1976 existierten Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Republik Südvietnam sowie zwischen der DDR und Nordvietnam. Von der DDR wurden die Kontakte nach der Gründung der sozialistischen Republik Vietnam aufrechterhalten. Das wiedervereinigte Deutschland nahm die Entwicklungszusammenarbeit mit Vietnam im Jahre 1990 auf. Mit der vietnamesischen Regierung wurden folgende Kooperationsschwerpunkte vereinbart:
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Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
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Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen
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Verbesserung der dezentralen Gesundheitsversorgung
Bei vietnamesisch-deutschen Regierungsverhandlungen im Dezember 2011 wurden Mittel in Höhe von insgesamt 288,2 Millionen Euro für die Fortsetzung der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit in den nächsten zwei Jahren und 1 Million Euro zur Behebung von Flutschäden und Vorbeugung von Flutkatastrophen im Mekong Delta zugesagt. Darüber hinaus wird Vietnam erstmalig von Mitteln aus dem Sondervermögen des Energie- und Klimafonds profitieren.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Die Bundesrepublik unterstützt Vietnam bei der Fortsetzung der eingeleiteten wirtschaftlichen Reformen und beim Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft. Dabei engagiert sich Deutschland vorwiegend in den Kernbereichen "Wirtschafts- und Sozialpolitik" sowie "Berufliche Bildung". Seit 2010 werden auch Beratungsleistungen zum Thema "Grundsicherung" angeboten.
Im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik unterstützt Deutschland die vietnamesische Regierung bei der Umsetzung des "Sozio-ökonomischen Entwicklungsplans 2011-2015" (Socio-Economic Development Plan, SEDP). Die Bundesrepublik trägt dazu bei, dass der wirtschaftliche Wachstumsprozess sozial- und umweltverträglicher ausgestaltet wird. Der Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt auf der Förderung von marktwirtschaftlichen Prinzipien und Reformen. Beraten werden zum Beispiel die Zentralbank und die Bankenaufsicht.
Für ein nachhaltiges und sozial ausgewogenes Wirtschaftswachstum benötigt die expandierende Wirtschaft dringend qualifizierte Arbeitskräfte. Nur etwa 12 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung haben eine Facharbeiterausbildung abgeschlossen, und jedes Jahr drängen eine Million neue Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt.
Im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit fördert die Bundesrepublik deshalb unter anderem den Aufbau von elf Modellschulen, die jährlich rund 10.000 Facharbeiterinnen und Facharbeiter ausbilden. Die Berufsschulen werden dabei unterstützt, ihre Lehrpläne nach einheitlichen Standards zu gestalten und durch stärkere Kooperation mit der Wirtschaft an den Bedarf des Arbeitsmarktes anzupassen. Für das Lehrpersonal werden Aus- und Fortbildungskonzepte entwickelt. Besonders Frauen werden unterstützt, an den Lehrgängen teilzunehmen. In die Förderung der beruflichen Bildung Vietnams werden zukünftig auch private Berufsbildungseinrichtungen und Kollegs mit aufgenommen.
Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen
Ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Umweltschutz liegt auf der Entsorgung von Abwasser und Abfall. Nur etwa 30 Prozent der vietnamesischen Industriezonen verfügen über zentrale Kläranlagen. In der Provinz ist die Schmutzwasserentsorgung vielerorts ungeregelt. Abwasserleitungen sind – sofern sie überhaupt existieren – alt und marode. In den Städten haben drei Viertel der Haushalte keinen Anschluss an die Kanalisation. Ein großer Teil des Abwassers fließt ungeklärt in Flüsse, Seen und Kanäle. Dies führt zur Verbreitung von Infektionskrankheiten, vor allem bei Kindern. Die Menschen, die an diesen Gewässern leben, sind auf das Wasser angewiesen. Obwohl sie sich über die Verschmutzung bewusst sind, nutzen sie es weiter.
Konzepte der nachhaltigen Stadtentwicklung und der Ausbau der kommunalen und industriellen Abwasser- und Abfallentsorgung spielen daher in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige Rolle. Unter anderem werden in acht ausgewählten Provinzstädten moderne Abwassersysteme und Abfalldeponien gebaut, Entsorgungsfirmen umfangreich beraten und ihre Mitarbeiter geschult. Das Programm soll in Kürze auf vier weitere Städte ausgeweitet werden.
Vor allem in den Küstenregionen ist Vietnam mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. In Südvietnam geht jährlich ein Streifen Mangrovenwald von zehn bis zwölf Metern Breite durch Erosion verloren. Die verlängerte Taifunsaison führt zu häufigeren Überschwemmungen und Sturmschäden in Süd- und Mittelvietnam. Verschiedene Klimaszenarien lassen erwarten, dass Zahl und Intensität von Überschwemmungen, tropischen Stürmen und Sturmfluten schon in naher Zukunft steigen werden. Im Mekongdelta treffen solche Ereignisse auf ein Gebiet mit hoher Bevölkerungsdichte und haben sofort einschneidende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen. Der Küstenschutz und der Schutz und die Wiederherstellung der Mangrovenwälder im Mekongdelta bilden daher einen Schwerpunkt der vietnamesisch-deutschen Zusammenarbeit.
Erheblicher Handlungsbedarf besteht auch im Bereich Naturwaldbewirtschaftung, Wiederaufforstung und Schutz der Biodiversität. In dem einst sehr waldreichen Land sind heute nicht einmal mehr 20 Prozent der früheren Waldfläche erhalten geblieben. Dieser rasante Rückgang ist nicht nur mit der aus den Kriegen resultierenden Entwaldung und Bodenvergiftung, sondern auch mit illegalem Holzeinschlag und Brandrodung zu erklären. Vor allem die ärmere Bevölkerung Vietnams ist aufgrund fehlender Alternativen sehr stark von den Waldressourcen abhängig. Deutschland unterstützt die Verteilung von Forstland an die lokale Bevölkerung, die Einrichtung von kommerziellen, nachhaltig wirtschaftenden Forstbetrieben sowie den Schutz und das Management von Nationalparks.
Gesundheitswesen
Die gesundheitliche Situation in Vietnam hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Lebenserwartung, Geburtenraten und Bevölkerungswachstum liegen statistisch betrachtet auf dem Niveau vergleichbarer Länder mit mittlerem Pro-Kopf-Einkommen. Doch die arme Bevölkerung und Angehörige ethnischer Minderheiten in abgelegenen Regionen konnten an dieser positiven Entwicklung bisher nicht in gleichem Maße teilhaben. Vor allem in ländlichen Gebieten sind die Gesundheitseinrichtungen unzureichend mit Geräten und Material ausgestattet. Die medizinische Versorgung auf Provinzebene ist von geringer Qualität und für ärmere Menschen zu teuer.
Ein wichtiges Ziel der seit 1993 bestehenden vietnamesisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Gesundheitssektor ist es daher, den Gesundheitszustand der armen ländlichen Bevölkerung in ausgewählten Provinzen zu verbessern. Zur Förderung der dezentralen Versorgung werden Krankenstationen gebaut, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsbereich geschult sowie Ärztinnen, Ärzte und Krankenschwestern weitergebildet. Ausbildungs- und Regulierungsinstitutionen auf Provinz- und zentralstaatlicher Ebene werden so qualifiziert, dass sie ihren Aufgaben besser gerecht werden können.
Der Schwerpunkt der Förderung liegt in den Bereichen Mutter-Kind-Gesundheit und Notfallversorgung. Jährlich wird rückblickend analysiert, wie die Maßnahmen gewirkt haben und wo noch weiterer Bedarf an Kräften oder Einrichtungen besteht. Von deutscher Seite wurden bislang 25 Provinz- und Distriktkrankenhäuser sowie eine Reihe von Krankenstationen in fünf Provinzen finanziell unterstützt.
Informationen

Siehe auch
- Meldung 15.12.2011: Regierungsverhandlungen mit Vietnam erfolgreich abgeschlossen
- Meldung 08.11.2011: Vietnam wird bei der Überwindung schwerer Flutschäden vom BMZ mit 1,4 Millionen Euro für Nothilfe und Wiederaufbau unterstützt
- Meldung 11.10.2011: Abkommen über Finanzielle Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und Vietnam unterschrieben
- Thema: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
- Thema: Umwelt
- Thema: Wasser
- Thema: Klimaschutz
- Initiative für Klima und Umweltschutz (IKLU)
- Thema: Gesundheit
Externe Links
Publikationen

-
Vietnam
Aufschwung und Wandel
(PDF 311 KB, barrierefrei) -
Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Siedlungshygiene und Abwassermanagement
(PDF 522 KB, barrierefrei) -
Klimawandel und Entwicklung
BMZ Informationsbroschüre
(PDF 6,2 MB, barrierefrei) -
Deutsche Entwicklungspolitik in Asien
BMZ-Strategiepapier
(PDF 406 KB, barrierefrei)





