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Usbekistan

Situation und Zusammenarbeit

Unvollendet gebliebenes Minarett Kalta Minor (kurzes Minarett) in Chiwa, Usbekistan. Urheberrecht: BMZAuch fast 20 Jah­re nach Er­lan­gung der Un­ab­hän­gig­keit be­fin­det sich Us­be­kis­tan noch im Über­gang von einer sow­je­tisch-zen­tra­lis­tischen Plan­wirt­schaft zu ei­nem markt­wirt­schaft­lich orien­tier­ten Sys­tem. Wirt­schafts­li­be­ra­li­sie­rung, Pri­va­ti­sie­rung und Struk­tur­re­for­men kom­men nur lang­sam voran.

Probleme des Landes, die die Entwicklung hemmen, sind zum Bei­spiel die halb­her­zige Umsetzung von Reformen, der große staat­liche Ein­fluss auf die Wirt­schaft, die mangelnde Rechts­sicher­heit, die Schwäche des Banken­wesens und die große Büro­kra­tie bei Genehmi­gungs- und Zerti­fi­zierungs­verfahren. Korruption ist all­gegen­wärtig. 2010 belegte Usbekistan auf dem Korruptions­index von Transparency International Rang 172 von 178 Ländern. Die Privatwirtschaft entwickelt sich entsprechend langsam.

Blühendes Baumwollfeld unter Bewässerung im Amudarya-Becken, Usbekistan. Urheberrecht: BMZDen­noch wächst die Ge­samt­wirt­schaft: Nach of­fi­ziel­len An­ga­ben stieg das Brut­to­in­lands­pro­dukt in den ver­gan­ge­nen Jah­ren je­weils um min­des­tens sie­ben Pro­zent. Aus­län­dische Be­ob­ach­ter – aber auch us­be­kische Öko­no­men – schätzen es mit inter­na­tio­nal üb­lichen Be­wer­tungs­me­tho­den zwei bis drei Pro­zent­punk­te nied­riger ein. Das Wirt­schafts­wachs­tum ist vor al­lem auf die sta­bi­le Nach­fra­ge nach den Haupt­aus­fuhr­gütern Us­be­kis­tans (Gold, Erd­gas, Baum­wolle, Strom, Öl­pro­duk­te und Mi­ne­ral­dün­ger) zu­rück­zu­füh­ren. Auch die us­be­kischen Gast­ar­bei­ter im Aus­land tra­gen mit ihren Über­wei­sungen in die Hei­mat zum Auf­schwung in Usbe­kistan bei. An­ge­sichts der welt­weit schwierigen wirt­schaft­lichen Situa­tion hat die us­be­kische Re­gie­rung ein Anti­krisen­programm für die Jah­re 2009 bis 2012 auf­ge­legt, das ef­fek­tiv um­ge­setzt wird und die eigene Wirt­schaft stützt.

Von der positiven ökonomischen Entwicklung profitiert jedoch nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Die offiziell gemeldeten Zuwächse bei den Reallöhnen und im Einzel­handels­umsatz spiegeln die tatsächliche soziale Lage im Land nicht wider. Etwa die Hälfte der Beschäf­tigten geht zumindest zeitweise einer Tätig­keit im informellen Sektor nach, wird also von der Einkommens- und Arbeits­markt­statistik nicht er­fasst. Vor allem auf dem Land, wo etwa 64 Prozent der Bevöl­ke­rung leben, nehmen Arbeits­losig­keit und Ar­mut zu und füh­ren zu sozialen Spannungen. Die Jugend­ar­beits­losig­keit und die damit verbundene Perspek­tiv­losig­keit bergen zu­sätz­liche Risiken. Die so­zia­len Grund­dienste, ins­be­son­dere im Ge­sund­heits­bereich und bei der Alters­sicherung, sind ungenügend.

Die Landwirtschaft ist nach der Industrie der zweitwichtigste Wirtschaftszweig Usbekistans. Sie ist jedoch kaum diversifiziert und konzentriert sich auf den Anbau von Baumwolle in Mono­kul­tu­ren. Weil ein großer Teil der Landes­fläche von Usbekistan aus Wüsten besteht, ist Ackerbau nur durch intensive künstliche Bewässerung möglich. Aus den beiden großen Flüssen des Landes, Amurdarja und Syrdaja, die beide in den Aralsee münden, werden darum immense Wasser­mengen ent­nommen. Die Folge ist eine rasch fort­schrei­tende Aus­trock­nung und Ver­salzung des Aralsees. Der ehemals viertgrößte See der Welt – er war früher fast so groß wie Bayern – ist inzwischen fast völlig ver­schwunden. Weitere Probleme für die Umwelt ent­ste­hen durch den intensiven Ein­satz von Pesti­ziden, Insekti­ziden und Dünge­mitteln: In vielen Regionen sind die Böden und das Trink­wasser damit belastet.

Weder die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007 noch die Parlamentswahlen im Dezember 2009 entsprachen demo­kra­tischen Standards. Obwohl Islam Karimov die in der Ver­fassung festgelegte Höchst­grenze von zwei Amts­zeiten er­reicht hatte, trat er 2007 un­ge­hin­dert erneut zur Wahl an und wurde mit offiziell 88 Prozent wieder­ge­wählt. Die Un­ab­hän­gig­keit der Recht­sprechung ist in Usbekistan nicht gewähr­leistet. Gegen das Prinzip der Ge­wal­ten­tei­lung wird im poli­tischen All­tag häufig ver­stoßen. Die Menschen­rechts­lage und die Situation zivil­gesell­schaft­licher Organisationen im Land sind prekär.

Menschenrechte

Die Europäische Union hat im Mai 2007 mit Usbekistan als erstem Land in Zentralasien einen institutionalisierten Menschenrechtsdialog aufgenommen, der fortgesetzt wird.

Das Land hat wichtige Menschenrechtsverträge der Vereinten Nationen rati­fi­ziert, darunter den Internationalen Pakt über bür­ger­liche und politische Rechte und das Über­ein­kommen gegen Folter. Dem stehen jedoch in der Praxis weiter Menschen­rechts­ver­letzungen gegen­über. Zwar wurden verschiedene Reformen in Gesetzgebung und Justiz auf den Weg gebracht und der Menschen­rechts­dialog zwischen der Regierung und der inter­natio­na­len Gemein­schaft aus­ge­wei­tet. Doch führte dies laut der Nichtregierungsorganisation Amnesty International nicht zu grund­legenden und umfassenden Reformen des Systems. Religions-, Meinungs- und Versammlungs­freiheit unter­liegen massi­ven Ein­schränkungen. Auch wird von will­kür­lichen Ver­haf­tungen, un­fairen Gerichts­ver­fahren und von Folter berichtet.

Entwicklungspotenziale

Blick durch das Hauptportal auf Gur-e Amir, Grabmoschee von Timur in Samarkand, Usbekistan. Urheberrecht: BMZUs­be­kis­tan hat durch sei­ne zen­tra­le La­ge und sei­ne Bo­den­schätze (Gold, Kup­fer, Uran, Koh­le, Erd­gas) gu­te Ent­wick­lungs­chan­cen. Un­ter bis zu 60 Pro­zent der Lan­des­fläche gibt es Öl- und Gas­vor­kom­men, Us­be­kis­tan gilt heu­te als welt­weit acht­größ­ter Gas­för­de­rer Die Tex­til­in­dus­trie, die Mo­bil­funk­branche und der Tou­ris­mus ha­ben eben­falls Entwicklungs­potenzial.

Zu den Stärken des Landes kann auch seine junge Bevölkerung gezählt werden. Daraus ergibt sich ein großes Potenzial an freien Arbeitskräften mit relativ hohem Ausbildungsstand.

Trotz der schwierigen Rahmen­be­dingungen in­ves­tieren immer mehr ausländische Firmen in Usbe­kis­tan. Den Investoren winken Steuer- und Zoll­erlasse. Aber auch markt­stra­te­gische Über­legungen spielen eine Rolle. Usbekistan hat mit allen anderen GUS-Republiken Frei­handels­ab­kommen ge­schlossen. Die usbe­kische Regierung legt großen Wert auf den Bei­tritt zur Welt­handels­organi­sation (WTO), der einer der bedeu­tendsten Schritte auf dem Wege der Inte­gra­tion in die Welt­wirt­schafts­gemein­schaft werden soll.

Schwerpunkte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Bei Regierungsverhandlungen im Jahr 2011 hat die deutsche Regierung Usbekistan für die Jahre 2011 und 2012 insgesamt 15 Millionen Euro zugesagt. Folgende Arbeitsbereiche wurden festgelegt:

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

  • Gesundheit

Zusätzlich stellt Deutschland Mittel für regionale Programme zur Verfügung, die dazu dienen, das Engagement in den zentral­asia­tischen Staaten zu ver­netzen, Er­fah­rungen aus­zu­tauschen und die Ko­ope­ra­tion zu ver­stärken. Einen Schwer­punkt bildet das Pro­gramm zur Unter­stützung der Rechts- und Justiz­re­for­men in den Ländern Zen­tral­asiens. Weitere regio­nale Programme werden in den Be­reichen nach­hal­tige Wirt­schafts­ent­wick­lung, Gesund­heit, Bil­dung sowie nach­hal­tige Nutzung natür­licher Ressourcen gefördert.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Möbelherstellung in einem Betrieb in Usbekistan. Urheberrecht: KfW EntwicklungsbankUm zu einer nach­hal­ti­gen Wirt­schafts­ent­wick­lung in Us­be­kis­tan bei­zu­tra­gen, en­ga­giert sich Deutsch­land vor al­lem im Fi­nanz­sek­tor. Zum einen wer­den kleinste und kleine Unter­neh­men unter­stützt, die einen hohen Be­darf an Kre­di­ten haben. Zum ande­ren werden Pri­vat­haus­hal­te ge­för­dert, die Wohn­raum kau­fen, um­bauen oder re­no­vie­ren wollen.

Ein weiterer Ansatzpunkt ist die regionale Wirtschaftsförderung: In drei ländlichen Schwerpunktregionen wird der Dialog zwischen öffentlichem und privatem Sektor gefördert. Industrie- und Handelskammern, Provinzverwaltungen, Bauernverbände und Forschungsinstitute werden bei der Planung und Umsetzung von Projekten beraten.

Zu den Maßnahmen gehört außerdem die Unterstützung beim Aufbau eines arbeitsmarktbezogenen Berufsausbildungssystems im agroindustriellen Bereich.

Gesundheit

Die Gesundheitsversorgung hat sich in Usbekistan nach der Un­ab­hängig­keit von der Sow­jet­union stark ver­schlech­tert. Be­son­ders davon be­trof­fen sind ein­kom­mens­schwache Be­völ­ke­rungs­gruppen, armuts­be­zogene Krank­heiten haben deutlich zugenommen.

Die Unterstützung des Gesundheits­sektors ist deshalb ein Schwer­punkt der deutschen Entwicklungs­zusammen­arbeit. Wichtige Ziele sind die Be­kämp­fung der Tu­ber­ku­lose und die Ver­besserung der Mutter-Kind-Gesundheit.

Die Versorgung der Bevölkerung mit modernen Mitteln der Fa­mi­lien­planung und die Ein­füh­rung eines Mut­ter­passes sol­len den Ge­sund­heits­zustand der Frauen ver­bessern und zur Re­du­zie­rung der Ge­bur­ten­rate beitragen. Außerdem wird die medi­zinische Aus­stat­tung von Kli­ni­ken ver­bes­sert und das Personal durch Aus- und Fort­bildungs­maß­nahmen geschult.

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