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Sri Lanka

Situation und Zusammenarbeit

Zwei Ereignisse haben die Entwicklungs­zusammenarbeit Sri Lankas mit Deutsch­land in den ver­gan­genen Jahren geprägt: die Flut­katas­trophe vom 26. De­zem­ber 2004 und der 2006 wie­der auf­ge­flammte Bür­ger­krieg, der erst im Mai 2009 beendet wurde.

Seit 1983 kämpften tamilische Separa­tisten im Norden und Osten des Landes für einen un­ab­hän­gigen tami­lischen Staat. 2002 unter­zeichneten die Regierung und die Organisation "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) ein Waffen­still­stands­abkommen, infolge dessen sich die Lage zunächst merklich entspannte. Die Grund­probleme des Konflikts konnten jedoch nicht gelöst werden und der Friedens­prozess geriet immer mehr ins Stocken. 

Der Tsunami vom 26. De­zem­ber 2004 brachte zu­sätz­liches Leid und Zer­störung. Sri Lanka ge­hörte zu den von der Flut­katas­trophe be­son­ders schlimm be­trof­fenen Län­dern. Dort star­ben etwa 38.000 Menschen, Hundert­tau­sende mussten fliehen oder wurden obdachlos.

Die Kämpfe im Norden und Osten des Landes erschwerten zu­neh­mend die Umsetzung von Pro­jekten der deutschen Entwick­lungs­zusammen­arbeit. Die Kooperation wurde daher angepasst und auf den Bereich Konflikt­trans­formation ausgerichtet. Schwer­punkt der aktuellen Entwick­lungs­zusammen­arbeit bilden Maß­nah­men zur Friedens­erziehung und Konflikt­prävention. Zusätz­liche Vorhaben wurden nach Beendigung des Bürger­kriegs nur in einigen wenigen Fällen zugesagt. Dabei liegt der Fokus vor­nehm­lich auf Katas­trophen­vor­sorge, Minen­räumung und Flücht­lings­hilfe. Büro­kra­tische Hürden machen es noch immer schwer, Teile der länd­lichen Bevöl­kerung zu erreichen und die dortigen Pro­jekte best­möglich zu unterstützen.

Die 2005 begonnenen Vorhaben zum Wieder­aufbau nach dem Tsunami sind mittler­weile abge­schlossen. Die Bundes­regierung hatte nach der Flut­katas­trophe 74 Millionen Euro für staatliche Hilfs­maß­nahmen zugesagt. Gefördert wurden zum Bei­spiel der Wieder­aufbau von Wohn­raum und Infra­struktur, die Instand­setzung und Wieder­her­stellung der Wasser­ver­sorgung, das Klein­gewerbe und die berufliche Bildung.

Armut

Die Bevölkerung in Sri Lanka verfügte 2010 über ein durch­schnitt­liches jährliches Pro-Kopf-Einkommen von 2.240 US-Dollar. Laut der Klassi­fi­zierung der Weltbank ist das Land damit ein so­ge­nanntes "Lower Middle Income Country" (Land mit unterem mittlerem Ein­kommens­niveau). Im UN-Index der mensch­lichen Entwicklung (HDI) von 2011 belegt Sri Lanka Position 97 von 187 Ländern.

Neuere Erhe­bungen gehen von einer Armuts­rate von 23 Pro­zent aus. Die ehe­malige Kon­flikt­region ist dabei nicht be­rück­sich­tigt, da dort seit langem keine Daten mehr er­hoben wor­den sind. Durch Krieg, Ver­trei­bung, Not­ver­sorgung und Sub­sistenz­wirtschaft liegt die Armuts­rate in die­ser Region ver­mut­lich deut­lich höher. Über inter­natio­nale Orga­ni­sa­tionen und deutsche Nicht­regie­rungs­orga­ni­sa­tionen leistet Deutsch­land hier ent­wick­lungs­orien­tierte Not- und Übergangshilfe.

Die Einkommen sind sehr ungleich zwischen Stadt- und Land­be­völ­ke­rung ver­teilt. Etwa die Hälfte der gesamten Wirtschafts­leistung des Landes ist auf die Region um die Haupt­stadt Colombo kon­zen­triert. Viele Arbei­ter auf den Tee-, Kautschuk- und Tabak­plan­tagen leben dagegen am Existenzminimum.

Insgesamt hat Sri Lanka aber gute Chancen, die Mil­len­niums­ent­wick­lungs­ziele (MDG) bis 2015 zu erreichen. Die Alpha­be­ti­sie­rungs­rate liegt bei 91 Pro­zent. Das Land verfügt über eine flächen­deckende Schul­ver­sorgung und ein staat­liches Gesund­heits­wesen, das eine kosten­lose Grund­ver­sorgung der gesamten Bevölkerung gewährleistet.

Situation der Wirtschaft

Menschen vor ihrem Heim, Sri Lanka. Urheberrecht: GIZSri Lanka be­fin­det sich in einer Wie­der­auf­bau­phase und kann hohe Wachs­tums­raten ver­zeichnen. Das Brutto­inlands­produkt (BIP) stieg 2010 um acht Pro­zent – der höchste Wert seit 32 Jahren. Die Wachs­tums­prognose der Re­gie­rung für 2011 liegt bei 8,5 Pro­zent. Der wirt­schaft­liche Auf­schwung ist eng mit dem Ende des Bürger­kriegs ver­bunden. So kann jetzt im Norden und vor allem im Osten des Landes wieder mehr Land­wirt­schaft be­trie­ben werden. Der Staat inves­tiert in den Aus- und Wieder­aufbau der Infra­struktur, und auch der Touris­mus hat wieder stark zu­ge­nommen. Gestützt wird das BIP auch durch umfang­reiche Über­wei­sungen von Arbeits­migranten: 1,8 Mil­lionen Sri Lanker, mehr als ein Fünftel der Erwerbs­tätigen, arbeiten im Aus­land. 2010 über­wiesen sie 4,1 Mil­liarden US-Dollar in die Heimat.

Die Regierung hat sich vorgenommen, Sri Lanka zu einem regio­nalen Handels­stütz­punkt ("Hub") in Südasien auszu­bauen. Dazu wird in infra­struk­turelle Groß­projekte investiert, zum Bei­spiel in den Bau eines Tief­see­hafens im Süden des Landes, den Bau eines neuen inter­natio­nalen Flug­hafens sowie den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes.

Um mehr ausländische Investoren anzuziehen, müssen jedoch Regierungsführung und Trans­parenz verbessert, büro­kra­tische Hemmnisse beseitigt und regionale Unter­schiede abgebaut werden. Weiterhin hohe Militär­ausgaben verschwenden für die Entwicklung dringend benötigte finanzielle Ressourcen. Die Effi­zienz der öffent­lichen Ein­richtungen muss ebenso gesteigert werden wie die Wett­bewerbs­fähigkeit der srilankischen Unternehmen.

Sri Lanka ist Mitglied in der Südasiatischen Vereinigung für regio­nale Kooperation (SAARC). Regionale Zusammen­arbeit findet je­doch nur ansatz­weise statt. Sri Lanka befürchtet, bei Öffnung der eigenen Märkte von Indien über­vor­teilt zu werden. Aus der regio­nalen Ko­opera­tion ergeben sich daher kaum Ent­wick­lungs­impulse für Sri Lanka.

Menschenrechte

Sri Lanka hat alle wichtigen Menschenrechts­konventionen seit langem ratifiziert. Der Bürger­krieg setzte jedoch seit 1983 neue Rahmen­bedin­gungen: Durch Notstands- und Ausnahme­rege­lungen wurden systema­tische Menschen­rechts­ver­letzungen der Sicher­heits­kräfte lega­lisiert und Bürger­rechte einge­schränkt. Militär, Polizei und Sonder­ein­heiten wurden stark auf­ge­stockt und die Vertei­digungs­ausgaben erhöht. Tamilen wurden wahl­los ver­haftet, verschwanden ohne Anklage in unbekannten Gefäng­nissen. Das Schicksal Tausender Menschen ist weiter­hin unge­klärt. Menschen­rechts­verletzungen aus Zeiten des Bürger­kriegs werden bislang straf­recht­lich nicht verfolgt.

Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty Inter­national und Human Rights Watch sowie die inter­natio­nale Staaten­gemein­schaft haben wieder­holt eine Ver­bes­serung der Menschen­rechts­situa­tion in Sri Lanka ge­for­dert. Die Euro­päische Union hat im August 2010 Zoll­ver­günstigungen für Sri Lanka bis auf weiteres auf­ge­hoben, weil inter­natio­nal ver­ein­barte Menschen- und Arbeits­rechte nicht ausreichend geachtet wurden.

Entwicklungspotenziale

Teepflücker in Sri Lanka. Urheberrecht: GTZPoten­ziale für die Ent­wick­lung Sri Lankas sind die güns­tige geo­gra­phische Lage des Landes, der rela­tiv gute Aus­bil­dungs­stand der Be­völ­ke­rung und die Be­reit­schaft von Re­gie­rung, Wirt­schaft und Teilen der Be­völ­ke­rung, sich dem inter­natio­nalen Wett­be­werb zu stellen. Die für die Wirt­schafts­ent­wick­lung des Landes wich­tigen Branchen wie die Tee­pro­duk­tion, die Textil- und Leder­ver­ar­bei­tung und der Tou­ris­mus müs­sen weiter­ent­wickelt und neue Wirt­schafts­felder er­schlossen werden, damit das Land inter­natio­nal wett­bewerbs­fähig bleibt.

Grundvoraussetzung für eine positive Entwicklung ist jedoch ein Aus­söhnungs­prozess, der ein friedliches Zusammen­leben aller religiösen und ethnischen Gruppen ermög­licht. Es müssen lang­fristig wirk­same politische Lösungen gefunden werden, die die Inte­ressen aller Bevöl­kerungs­gruppen berück­sichtigen. Nur auf dem Weg des Dialogs und des Ausgleichs kann eine trag­fähige Perspek­tive für das Land entwickelt und ein dauer­haftes fried­liches Zusammen­leben der Menschen auf Sri Lanka erreicht werden.

Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Sri Lanka

Gemäß der OECD-Leitlinie für die Arbeit in Konflikt­situationen "stay engaged, but differently" konzen­triert sich die deutsche Entwicklungs­zu­sam­men­arbeit in Sri Lanka auf den Bereich Konflikt­prävention und Friedensförderung.

Zurzeit besteht eine Herausforderung der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit darin, die durch den Kon­flikt betrof­fenen Menschen und Binnen­flücht­linge im Norden und Osten des Landes dabei zu unter­stützen, rasch wieder in ihre Heimat­orte oder andere geeig­nete Gemeinden zurück­zu­kehren und ihre Existenz nach­haltig sichern zu können. Sie brauchen Unter­stützung dabei, ihre trau­ma­tischen Erleb­nisse zu ver­arbeiten, gesell­schaft­liche Strukturen wiederzubeleben, eine Erwerbs­tätig­keit aufzu­bauen und Wege des fried­lichen Zusammenlebens zu entwickeln.

Für die Fortsetzung laufender Vorhaben der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit in Sri Lanka hat das BMZ 2011 16,55 Millionen Euro zugesagt.

Konfliktprävention

Eine ehrenamtliche Lehrerin mit Schülern beim Unterricht in einem Flüchtlingslager. Urheberrecht: Brennon Jones/IRINIm Rahmen der an­ge­passten Stra­te­gie zur Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit mit Sri Lanka wer­den die Vor­haben im Land kon­flikt­sen­sibel ge­stal­tet und auf aus­ge­wie­sene Armuts­regionen kon­zen­triert. Die Themen­schwer­punkte der lau­fenden deutschen Koope­ra­tion sind:

  • Friedenserziehung (Lehreraus- und -fortbildung, psycho­soziale Betreu­ung in Schulen, Trauma­bear­bei­tung, Zweit­sprach­erziehung, Austauschprogramme)

  • Förderung von Initiativen für soziale Integration und Transformation (Stärkung der politischen und sozialen Teilhabe benachteiligter Bevölkerungsgruppen, Unter­stützung zivilgesell­schaftlicher Organisationen)

  • Verwaltungsförderung im Norden und Osten Sri Lankas (Quali­fizierungs­maßnahmen für Fach- und Führungs­kräfte der Provinz- und Kommunal­ver­waltungen, Förderung von Frauen­gruppen in ländlichen Gebieten)

  • Förderung von Mikrofinanzinstitutionen (Profes­sio­na­lisierung des Mikro­finanz­sektors, Aus­weitung des Angebots an Finanz­dienst­leistungen, gezielte Ein­bindung benach­tei­ligter und vom Krieg betroffener Gruppen)

  • Friedensförderung durch berufliche Ausbildung von Jugend­lichen im Osten Sri Lankas (Ver­bes­serung der beruf­lichen Bildung im lokalen Bau­ge­werbe im Distrikt Batti­caloa, Inte­gra­tion von friedens­fördernden Konzepten in staat­lich zerti­fi­zierte Qualifizierungsmaßnahmen)

  • Förderung der Reintegration rückkehrender Flüchtlinge (entwicklungsorientierte Not- und Übergangshilfe in der Nordprovinz Vanni, Wiederaufbau in den Sektoren Land­wirtschaft, Fischerei und Bildung, Stärkung staat­licher Struk­turen, Auf­arbei­tung von Kriegs­erleb­nissen bei Kindern und Jugendlichen)

Zudem befinden sich in Vorbereitung:

  • Aufbau eines Berufsbildungs­zentrums für koedukative Aus­bildung von Singhalesen und Tamilen im Norden Sri Lankas

  • Neubau einer Geburtsklinik

Internationale Geber

Die großen Geber für Sri Lanka sind tradi­tio­nell die Welt­bank, die Asiatische Ent­wick­lungs­bank und Japan. 2007 ist China hin­zu­ge­kommen, das durch um­fang­reiche Investi­tions­zusagen zum größten Geber des Landes ge­worden ist. Iran hat Sri Lanka eine Kredit­linie zur Ein­fuhr von Öl und zum Ausbau einer Raffi­nerie eröffnet. Viele der west­lichen Geber haben sich weit­gehend zurück­ge­zogen. Ledig­lich die USA, die Nieder­lande und Deutsch­land sind in Sri Lanka mit dem Schwer­punkt Konflikt­prä­vention und Friedens­förderung präsent.

Die Vereinten Nationen und die EU-Kommission enga­gieren sich gemein­sam mit zahl­reichen inter­natio­nalen Nicht­regie­rungs­orga­ni­sa­tionen in der huma­ni­tären Hilfe. Außerdem för­dern sie Über­gangs- und Stabilisierungsmaßnahmen.

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