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Philippinen

Situation und Zusammenarbeit

Straßenverkehr in der Hauptstadt Manila, Philippinen. Urheberrecht: photothek.netSeit der Jahr­tau­send­wende ist die philippinische Wirt­schaft durch­schnitt­lich um fünf bis sechs Prozent pro Jahr gewach­sen. Die Wirt­schafts­ent­wick­lung basiert hauptsächlich auf der Elek­tro­nik­industrie und dem Dienst­leistungs­sektor, der die Hälfte des Brutto­national­ein­kommens erwirtschaftet. Einer der stärksten Sektoren ist die Tele­kommuni­kation. Wegen der guten Englischkenntnisse vieler Filipinos gibt es im Land sehr viele Firmen, die telefonische Dienstleistungen für US-amerikanische Unternehmen anbieten (Call Center).

Zurzeit erholen sich die Philippinen von den Folgen der welt­weiten Finanzkrise. Sie hat das Land weniger stark betroffen als zunächst befürchtet. Der nur mäßige Erfolg des Landes beim Aufbau einer eigenen Export­industrie erwies sich in der Krise als unerwarteter Vorteil: Die Einbrüche der weltweiten Exportmärkte haben die Philippinen weniger belastet als die wirtschaftlich erfolgreicheren Staaten der Region wie Thailand, Singapur oder Malaysia. Experten rechnen für 2010 mit einem Wirtschaftswachstum von rund sechs Prozent.

Armut

Rund 33 Prozent der philippinischen Bevölkerung müssen mit weniger als umgerechnet 1,25 US-Dollar am Tag auskommen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft; die Produktivität des Agrarsektors ist jedoch gering, viele Landwirte sind Selbstversorger. Eine wirksame Landreform ist bisher nicht gelungen.

Für die Verminderung der Armut sind vor allem höhere Staats­einnahmen erforderlich, um dringend notwendige Sozial­aus­gaben finanzieren zu können. Aufgrund der weit verbreiteten Korruption und Vettern­wirtschaft halten sich in- und ausländische Unter­nehmen jedoch mit Investitionen zurück. 2010 belegten die Philippinen auf dem Korruptions­wahr­nehmungs­index von Transparency International Rang 134 von 178 Staaten.

Die philippinische Bevölkerung ist jung und wächst schnell – jährlich um mehr als 2 Prozent. Das Wirtschafts­wachstum kann nicht mithalten; dadurch stehen weder ausreichende Bildungs- und Sozial­systeme noch genügend Arbeits­plätze zur Verfügung.

Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei rund 7,5 Prozent (2009). Etwa 19 Prozent der Erwerbstätigen sind unterbeschäftigt. Rund eine Million Einwohner verlassen jedes Jahr ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten. So bleiben immer weniger qualifizierte Fachkräfte im Land. Die neue Regierung will dieser Entwicklung entgegenwirken und vor allem im ländlichen Raum Arbeitsplätze schaffen.

Menschenrechte

Seit dem Sturz des Präsidenten Marcos 1986 hat sich die Menschenrechtslage verbessert, trotzdem kommt es noch immer zu erheblichen Menschenrechtsverletzungen.

Umwelt

Die ökologische Vielfalt des philippi­nischen Insel­staates ist stark gefährdet. Abholzung, Dezimierung der Korallen­riffe und des Fisch­bestandes sowie eine große Luft- und Wasser­ver­schmut­zung sind die Folgen einer viel zu intensiven Nutzung der natürlichen Ressourcen bei gleichzeitig fehlenden Maßnahmen zum Umweltschutz. Das Land hat jedoch erkannt, welches Potenzial eine intakte Umwelt bietet – auch im Hinblick auf den zunehmenden Tourismus und die Nutzung erneuerbarer Energien. Deutschland unterstützt diese Bemühungen und fördert die Philippinen im Rahmen der Klimaschutz­initiative.

Konflikte

Seit Jahrzehnten kämpfen auf den Philippinen separatistische Gruppen für einen unabhängigen muslimischen Staat. 1996 wurde ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und einer der Rebellengruppen, der Moro National Liberation Front (MNLF) unterzeichnet. Die 1984 von der MNLF abgespaltene Moro Islamic Liberation Front (MILF) erkannte das Abkommen jedoch nicht an und setzte weiter auf eine gewaltsame Lösung. Ein weiterer Konflikt besteht zwischen der Regierung und der bewaffneten kommunistischen New People’s Army, die im ganzen Land auf Ebene der Provinzen aktiv ist.

Beide Konflikte haben seit den 1960er Jahren Zehntausende von Opfern gefordert und konnten bis heute nicht gelöst werden. Sie binden in hohem Maße staatliche Ressourcen, die sonst für die Entwicklung des Landes eingesetzt werden könnten und schrecken Touristen und Investoren ab.

Entwicklungspotenziale

Entwicklungschancen bieten unter anderem der Tele­kom­mu­ni­ka­tions­sektor – hier wird mit zweistelligen Wachs­tums­raten gerechnet – und der Bergbau. Die Philippinen verfügen über große Lagerstätten an Gold, Kupfer und Nickel. Auch eine Förderung des Tourismus kann die Wirtschaft weiter voranbringen.

Besonders große Potenziale liegen im Ausbau der Nutzung von erneuerbaren Energien. Hier stehen vor allem Erdwärme, Windenergie und Wasserkraft im Mittelpunkt. Die Philippinen wollen zu einem führenden Produzenten erneuerbarer Energie und zu einem wichtigen Produzenten von Solarzellen werden. Auch an der Konferenz zur Gründung der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) im Januar 2009 in Bonn haben die Philippinen teilgenommen.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Gemeinsam mit Japan, das mit weitem Abstand führend ist, den USA, Australien und Kanada gehört Deutschland zu den wichtigsten bilateralen Gebern der Philippinen. Die EU ist nach der Asiatischen Entwicklungsbank und der Weltbank der wichtigste multilaterale Partner des Landes.

2011 hat die Bundesregierung den Philippinen 3 Millionen Euro für die Entwicklungszusammenarbeit zugesagt.

Die Finanzielle Zusammenarbeit mit den Philippinen wurde Mitte 2009 ausgesetzt. Hintergrund: Ein hauptsächlich von einem deutschen Unternehmen finanzierter Terminal am Flughafen Manila wurde enteignet; die daraufhin geforderte Entschädigung nur teilweise gezahlt. Eine Wiederaufnahme der Finanziellen Zusammenarbeit kommt für die Bundesregierung erst dann in Frage, wenn mit der philippinischen Regierung eine Lösung gefunden ist.

Im Zuge der Konzentration der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­arbeit auf weniger Partnerländer und eine stärkere thematische und regionale Schwerpunktsetzung wird die deutsche Kooperation mit den Philippinen zukünftig auf Friedensförderung und Konflikttransformation fokussiert. Regional wird sich die Zusammenarbeit vor allem auf die Region Caraga auf der südlichen Insel Mindanao konzentrieren, wo die Bundesregierung bereits Projekte unterstützt.

Vorhaben der früheren Arbeitsschwerpunkte "Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung" sowie "Umweltschutz und nachhaltiges Ressourcenmanagement" werden noch bis 2012 gefördert. In verschiedenen Regionen der Philippinen wird zudem die Stärkung der lokalen Selbstverwaltung unter Berücksichtigung von Aspekten der Konfliktbearbeitung, Friedensentwicklung und Armutsbekämpfung unterstützt.

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