Hauptinhalt

Laos

Ein laotisches Schulmädchen. Urheberrecht: GIZ

Situation und Zusammenarbeit

Das Territorium von Laos ist sehr ungleichmäßig be­wohnt. Die größte Be­völ­ke­rungs­dich­te wei­sen die Ebe­nen am Me­kong auf, da­run­ter be­son­ders die Re­gion um die Haupt­stadt Vi­en­tiane. Die ber­gi­gen Gebiete im Osten und Norden sind schwer zu­gäng­lich und nur sehr dünn besiedelt.

Die Unzugänglichkeit der Bergregionen gehört zu den Haupt­ursachen der großen Armut in Laos. Das Land gehört zu den am we­nig­sten ent­wickelten Staaten der Welt. Etwa ein Viertel der fast sieben Millionen Einwohner lebt unterhalb der nationalen Ar­muts­grenze. Im Index der mensch­lichen Entwicklung (HDI 2011) nimmt Laos Platz 138 von 187 Staaten ein. Große Defizite be­ste­hen in den Bereichen Transport und Kom­mu­ni­ka­tion sowie im Bildungs- und Gesund­heits­wesen. Eine ineffiziente Verwaltung, mangelnde Rechts­sicherheit und verbreitete Korruption hemmen die Entwicklung des Landes.

Fast 70 Prozent der Laoten leben in ländlichen Gebieten, die Landwirtschaft trägt mehr als 30 Prozent zum Brutto­in­lands­pro­dukt (BIP) bei. In den vergangenen Jahren ist jedoch die Be­deu­tung des Agrar­sektors gesunken, der Dienst­leis­tungs­sektor (42 Prozent des BIP) sowie Industrie und Bergbau (25 Prozent des BIP) gewinnen an Bedeutung.

Lange war der Anbau von Schlafmohn und die Gewinnung von Rohopium vor allem für viele ethnische Minderheiten eine Haupt­ein­nah­me­quelle. Der Anbau konnte jedoch stark zurück­ge­drängt werden. Die Schaffung alternativer Be­schäf­ti­gungs­mög­lich­keiten in Land­wirt­schaft, Tourismus, Industrie und Dienst­leis­tungs­ge­wer­be wird von der laotischen Regierung und den inter­na­tio­na­len Partnern gemeinsam vorangetrieben.

Wirtschaftliche Öffnung

Seit Mitte der 1980er Jahre versucht die laotische Regierung im Rahmen des "New Economic Mechanism" (NEM) die Planwirtschaft des Landes in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. So wurden zum Beispiel Preisbindungen und Subventionen abgeschafft, ein Bankensystem nach westlichem Vorbild eingeführt und private Unternehmertätigkeit gefördert. Seit 1997 ist Laos Mitglied der südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN).

2004 hat Laos ein Armutsbekämpfungsprogramm (National Growth and Poverty Eradication Strategy, NGPES) verabschiedet. Es ergänzt den auf fünf Jahre angelegten Nationalen Sozio­öko­no­mi­schen Ent­wick­lungs­plan (National Social and Economic De­vel­op­ment Plan, NSEDP). Der siebte NSEDP für den Zeitraum 2011 bis 2015 wurde im Oktober 2010 vorgelegt. Er orientiert sich stark an den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs) und beinhaltet auch ausdrücklich Querschnittsthemen wie Gender, Umwelt und gute Regierungsführung. Auf dieser Grundlage will die Regierung bis 2015 die wichtigsten MDGs erreichen und Laos bis 2020 aus dem Kreis der am wenigsten entwickelten Länder herausführen.

Entwicklungspotenziale

Eine laotische Frau mit Kind auf dem Arm in traditioneller Kleidung. Urheberrecht: GTZGroße Chancen des Landes liegen in seiner jungen Bevölkerung. In­ves­ti­tio­nen in Bildung und Aus­bil­dung sind daher von besonderer Be­deu­tung. Zunehmend siedeln sich auch aus­län­dische Investoren an, zum Beispiel im Textil- und Dienst­leis­tungs­gewerbe. Zudem ist Laos reich an natürlichen Res­sour­cen. Das Land verfügt über Boden­schätze wie Gold, Kupfer, Bauxit und Zinn und ist wei­ter­hin dicht bewaldet, trotz starker Rodungen in den vergangenen Jahren. Die Regierung plant eine um­fang­reiche Wie­der­auf­forstung, um die schrump­fenden Wald­bestände (der­zeit knapp 40 Prozent der Lan­des­fläche) wieder deutlich zu erhöhen. Eine wichtige Rolle für die Zukunft spielen die enormen Wasser­kraft­reserven und auch der Öko­tourismus kann ausgebaut werden.

Entscheidend für eine erfolgreiche Entwicklung und Armuts­be­kämp­fung wird sein, in­wie­weit es Laos gelingt, das wirt­schaft­liche Wachs­tum in Einklang mit einer nach­hal­tigen Nutzung der Um­welt­res­sour­cen zu bringen. Die gesetz­lichen Grund­lagen dafür wurden in den vergangenen Jahren geschaffen. Dieser Anspruch wird jedoch durch die mangelnde Kontrolle und Durchsetzung von Gesetzen insbesondere in ländlichen Gebieten in Frage gestellt. Gefahr für eine nachhaltige soziale und ökologische Entwicklung droht zudem durch massiv vorangetriebene Staudammbauten zur Energiegewinnung, große Bergbauprojekte und durch die Ab­hol­zung von Wäldern, unter anderem für die Plantagenwirtschaft.

Laos bemüht sich intensiv um die verstärkte Teilhabe von Frauen am öffentlichen Leben. 25 Prozent der Parlamentsabgeordneten sind weiblich, das ist der höchste Wert in ganz Südostasien. Im aktuellen Fünfjahresplan der Regierung wird die Förderung von Frauen ausdrücklich als Querschnittsthema hervorgehoben. Die Umsetzung bleibt jedoch schwierig, denn weite Teile der lao­tischen Gesellschaft sind patriarchalisch geprägt.

Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Laos

Deutschland gehört zu den größten bilateralen Gebern von Laos und unterstützt außerdem spezielle Programme des Welt­er­näh­rungs­pro­gramms (WFP) und anderer inter­na­tio­naler Orga­ni­sa­tio­nen im Land. Bei Re­gie­rungs­ver­hand­lungen im Mai 2010 wurden Laos für die Jahre 2010 und 2011 insgesamt 31,3 Millionen Euro zugesagt – davon 11 Millionen Euro für die Finanzielle und 20,3 Millionen Euro für die Technische Zusammenarbeit. Zudem stell­te das BMZ 2009 zusätzlich 10,5 Millionen Euro für ein Pro­gramm zum klima­re­le­van­ten Umwelt- und Res­sour­cen­management zur Verfügung. Übergeordnetes Ziel der ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Zu­sam­men­arbeit ist die Armuts­bekämpfung. Dazu wurden folgende Schwerpunktbereiche vereinbart:

  • Ländliche Entwicklung

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Anfang 2011 haben Laos und die Bundesrepublik Deutschland für beide Bereiche jeweils ein gemeinsames Strategiepapier ver­öf­fent­licht, in dem die wichtigsten Ziele und Maßnahmen der Ko­operation dargelegt werden.

Ländliche Entwicklung

Eine laotische Frau telefoniert an einer Telefonzelle. Urheberrecht: KfWEin Groß­teil der Be­völ­ke­rung von Laos ist von Sub­sis­tenz­wirt­schaft ab­hän­gig. Die Infra­struk­tur in den Be­reichen Straßen­bau, Was­ser, Elek­tri­zi­tät und Tele­kom­mu­ni­kation ist vor allem in den länd­lichen Gebieten – in denen 70 Pro­zent der Menschen leben – stark unter­ent­wickelt. Viele Dörfer der nord­west­lich ge­legenen Pro­vinzen sind wegen der ber­gigen Um­gebung und der langen Regen­zeit für fünf bis sechs Monate im Jahr nicht er­reich­bar. Einige haben wegen feh­lender Straßen selbst in der Trocken­zeit keine Ver­kehrs­an­bin­dung. Wirt­schaft­liche Po­ten­ziale in Land­wirt­schaft und Klein­ge­werbe kön­nen daher nicht ge­nutzt wer­den, Armut bleibt weit ver­brei­tet, in einigen Berg­regionen gilt rund die Hälfte der Kinder als fehl- be­zie­hungs­weise unterernährt.

Die laotisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich darauf, die Lebens­bedingungen vor allem in den schwer zu­gänglichen Hoch­land­regionen zu verbessern. Der Ausbau der ländlichen Wege ermöglicht den Menschen den Zugang zu Märkten, Schulen und Gesund­heits­ein­richtungen. Dabei arbeitet die deutsche Entwicklungs­zusammenarbeit mit allen insti­tu­tio­nel­len Ebenen zusammen, von Dorf-, Distrikt- und Provinz­ver­wal­tun­gen bis hin zur Zentralregierung. Das laotisch-deutsche Stra­te­gie­papier zur ländlichen Entwicklung (2011) hebt hervor, dass auch die Bevölkerung und insbesondere Frauen und junge Men­schen aktiv an lokalen Entscheidungs­prozessen teilhaben sollen.

Deutschland engagiert sich ergänzend auch für mehr Rechts­sich­er­heit bei der Zuteilung von Land­nut­zungs­rechten. Sie ist Grund­vor­aus­set­zung für die Ausweitung und Diversifizierung der ländlichen Produktion – weg von der reinen Selbstversorgung.

Einen neuen Akzent setzt seit 2008 das Programm zum Klima­schutz durch Wald­erhalt. Das Vorhaben dient zwei Zielen: Zum einen soll durch verstärkte Schutz­maß­nahmen das große Po­ten­zial des zur Hälfte mit Wald bedeckten Landes für den globalen Klima­schutz erhalten bleiben und die Arten­viel­falt geschützt werden. Zum anderen soll besonders die ländliche Bevölkerung von dem Programm profitieren, indem Maßnahmen entwickelt werden, die die wirtschaftlichen und sozialen Lebens­be­din­gun­gen der Menschen durch die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen verbessern.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Laos durchläuft einen umfangreichen Reformprozess, um von der Plan- auf die Marktwirtschaft umzusteigen. Doch ein schwacher Finanzsektor, schlechte berufliche Ausbildungsmöglichkeiten, institutionelle Schwächen und mangelnde Rechtsgrundlagen stellen schwerwiegende Hemmnisse für die wirtschaftliche Ent­wick­lung des Landes dar.

Ein Silberschmied bei der Arbeit. Urheberrecht: GTZUm gerade der jungen Gene­ra­tion – rund 60 Pro­zent der Men­schen sind jünger als 25 Jahre – neue Be­schäf­ti­gungs­chancen zu eröffnen, leistet Deutsch­land dem Land um­fang­reiche Un­ter­stüt­zung. Dazu zählen der Bau von Berufs­schulen, die Ent­wick­lung einer lan­des­weiten Stra­te­gie zur dualen Berufs­bil­dung und die Fort­bil­dung von Berufs­schul­lehrern. Die Bun­des­repub­lik nimmt im Bereich Berufs­bil­dung unter den inter­natio­nalen Gebern eine füh­rende Rolle ein und ar­bei­tet in­halt­lich und finan­ziell eng mit der lao­tischen Regierung zusammen.

Außerdem werden staat­liche und privat­wirt­schaft­liche Akteure unter anderem darin unter­stützt, die Vor­aus­set­zungen für markt­wirt­schaft­liche Reformen, Investi­tionen und Unter­neh­mens­grün­dungen zu ver­bes­sern. Ziel ist es, die Zu­sam­men­arbeit zwischen staat­lichen Stel­len und dem Privat­sektor zu er­leich­tern und damit das Geschäfts­klima zu ver­bes­sern. Ein An­satz­punkt ist der Ab­bau büro­kra­tischer Hür­den für In­ves­ti­tionen und Firmen­grün­dungen. Auch die Ent­wick­lung kleiner und mittlerer Unter­nehmen wird vor­an­ge­trie­ben, unter anderem werden Unter­nehmer­verbände so­wie Industrie- und Handels­kammern in ihren Funktionen gestärkt.

Finanzdienstleistungen für den Privatsektor sind in Laos nur schwach entwickelt. 2009 hat vor diesem Hintergrund das neue laotisch-deutsche Vorhaben zum Thema Mikrokredite und Stär­kung der laotischen Zentral­bank für den Bereich Mikro­fi­nan­zie­rung seine Arbeit aufgenommen. Durch den Aufbau von Mikro­fi­nanz­in­sti­tu­tionen soll der Zugang zu Finanz­dienst­leistungen für die Bevölkerung und Kleinst- und Klein­unter­nehmen im ländlichen Raum verbessert werden. Dadurch haben viele der dort lebenden Familien erstmals Gelegenheit, Kredite für kleine und Kleinst­in­ves­ti­tionen aufzunehmen. Die Kredite werden auch verwendet, um Ein­kom­mens­ausfälle und Kosten im Krank­heits­fall kurzfristig zu überbrücken. Ohne diese Möglichkeit müssten wichtige Pro­duk­tions- und Besitzgüter, zum Beispiel Vieh, verkauft werden.

Service-Links & Inhaltsverzeichnis

Lexikon der Entwicklungspolitik
Fenster schließen