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Indien

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Situation und Zusammenarbeit
Indien hat eine der am stärksten wachsenden Volkswirtschaften. In einigen Bereichen gehört das Land inzwischen zur Weltspitze – zum Beispiel in der Informationstechnik, der Pharmazie, der Raumfahrt und der Biotechnologie. Doch trotz der guten Wirtschaftsentwicklung in den vergangenen 15 Jahren ist Indien noch immer das Land mit der weltweit größten Anzahl armer Menschen: Mehr als 80 Prozent der Gesamtbevölkerung leben von umgerechnet weniger als 2,50 US-Dollar pro Tag, fast 500 Millionen Menschen gelten sogar als extrem arm – das sind mehr als ein Drittel aller extrem armen Menschen weltweit. Etwa ein Fünftel der Inder sind unterernährt, mehr als ein Drittel können nicht lesen und schreiben. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) nimmt Indien nur Rang 119 der 169 aufgeführten Staaten ein (HDI 2010).
Aufgrund seines starken Wirtschaftswachstums und seiner großen Bevölkerung spielt Indien eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Millenniumsentwicklungsziele. Das Bevölkerungswachstum ging in den letzten 20 Jahren zwar deutlich zurück, die Bevölkerungszahl steigt aber dennoch in jedem Jahr um rund 15 Millionen.
Die indische Regierung hat sich in ihrem aktuellen Fünfjahresplan (2007 bis 2012) anspruchsvolle Entwicklungsziele gesetzt. Sie orientieren sich an den in der Millenniumserklärung verabredeten Vorgaben. Das Motto des Plans lautet "inclusive growth" (etwa: "breitenwirksames Wachstum"). Ziel ist es, bis 2012 nicht nur ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von mehr als zehn Prozent zu erreichen, sondern auch deutlich mehr Menschen als bisher von der günstigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung profitieren zu lassen.
Innenpolitisch gibt es im Vielvölkerstaat Indien immer wieder Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volksgruppen, Religionsgemeinschaften, Kasten und Bundesstaaten. Außenpolitisch trägt Indien seit Jahrzehnten Konflikte mit seinen Nachbarn aus, vor allem mit Pakistan und China. Zwar konnten in den vergangenen Jahren zum Teil bemerkenswerte Fortschritte bei der Normalisierung der Beziehungen erreicht werden. Die Region Südasien bleibt jedoch politisch unruhig.
Kernprobleme Indiens sind die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede innerhalb der Gesellschaft, die Benachteiligung der Frauen und die Entwicklungsunterschiede zwischen Stadt und Land sowie zwischen den einzelnen Bundesstaaten. Die Menschenrechtssituation bleibt in vielen Bereichen unbefriedigend. Bürokratische Hürden, mangelnde Transparenz, Korruption und schlechte Regierungsführung in einigen Bundesstaaten stellen nach wie vor gravierende Entwicklungshemmnisse dar.
Landwirtschaft – vor allem Selbstversorgung
Rund zwei Drittel der Menschen leben auf dem Land und profitieren bisher gar nicht oder nur wenig vom Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre. Weit mehr als die Hälfte der indischen Arbeitskräfte sind von der Landwirtschaft abhängig, deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt aber kontinuierlich sinkt. Er liegt inzwischen bei nur noch knapp 15 Prozent. Der indische Agrarsektor ist zu einem Großteil auf Selbstversorgung ausgerichtet. In vielen Regionen werden die Betriebsflächen immer kleiner; immer mehr Menschen sind landlos und besitzen keine eigenen Anbauflächen mehr. Viele Landwirte sind überschuldet.
Konfliktpotenzial liegt auch in der zunehmenden Zerstörung der Böden und im Klimawandel. Nach Angaben der Welternährungsorganisation sind bereits ein Drittel der Landoberfläche Indiens und 60 Prozent seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche von Bodenerosion und Desertifikation betroffen. Die vorliegenden Modellrechnungen zum weltweiten Klimawandel deuten auf größere Schwankungen von Temperaturen und Niederschlägen hin. Dürren und Überschwemmungen dürften weiter zunehmen und mit ihnen die Auseinandersetzungen um die knappen Ressourcen Wasser und Boden.
Der Agrarsektor soll laut Fünfjahresplan in Zukunft durchschnittlich um vier Prozent pro Jahr wachsen. Angestrebt werden landesweite Effizienzsteigerungen durch bessere Anbau- und Verarbeitungsmethoden. Außerdem sollen in den ländlichen Räumen neue Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft geschaffen werden. Die regionalen Einkommensunterschiede zwischen Stadt und Land sollen verringert werden und alle Menschen sollen Zugang zu Bildung und medizinischer Grundversorgung erhalten.
Wirtschaft – anhaltender Wachstumskurs
Das Wirtschaftswachstum war seit Beginn der wirtschaftspolitischen Liberalisierung 1990 durchweg hoch und stabil. Die Exportwirtschaft wuchs jährlich um etwa 20 Prozent, 2006 waren sogar 36 Prozent Steigerung zu verzeichnen. Von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zeigte sich jedoch auch Indien betroffen, wenn auch weniger stark als andere Länder. Die Wachstumsrate schwächte sich deutlich ab, erreicht jedoch bereits wieder rund sieben Prozent (Haushaltsjahr 2009/2010). 2009 gehörte Indien erneut zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt.
Indien ist inzwischen ein begehrter Partner der Industrienationen. Der Anteil des Subkontinents am Welthandel ist allerdings noch immer sehr gering. Die Regierung hat aber erkannt, welche Chancen die Globalisierung vielen indischen Firmen bietet. Die Außenwirtschaft soll daher verstärkt gefördert werden.
Umwelt – regionale und globale Auswirkungen
Die schnelle Wirtschaftsentwicklung und der hohe Rohstoffverbrauch belasten die Umwelt zunehmend. Den regionalen und globalen Auswirkungen muss begegnet werden. Zwar verfügt Indien über eine Umweltgesetzgebung, doch bei ihrer Anwendung fehlt es häufig an lokaler Fachkompetenz, an eindeutig definierten Zuständigkeiten und an finanziellen Mitteln. Es wird von entscheidender Bedeutung für die nachhaltige Entwicklung des Landes wie auch des globalen Klimas sein, inwieweit Indiens Wachstum energiesparend und umweltverträglich gestaltet werden kann.
Entwicklung aus eigener Kraft
Indiens Aussichten auf eine Fortsetzung der positiven Entwicklung sind gut. Das Land unternimmt erhebliche Eigenanstrengungen, um seine Entwicklung voranzutreiben. Die finanziellen Leistungen der bilateralen und multilateralen Geber sind – gemessen an diesen eigenen Investitionen – nur gering. Wichtiger als Geld ist der Transfer von Know-how: Durch ihn kann die Entwicklungszusammenarbeit eine sehr große "Hebelwirkung" entfalten, also mit vergleichsweise geringem Einsatz viel erreichen. Inzwischen engagiert sich Indien auch selbst in Drittländern und wird dadurch vom Nehmer- mehr und mehr zum Geberland.
Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Indien
Die indisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit verläuft sehr vertrauensvoll und erfolgreich. Ihr Ziel ist es, durch gemeinsame Programme und Initiativen zur Minderung der Armut in Indien, zur Lösung globaler Probleme und zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele beizutragen. Dazu unterstützt die Bundesregierung die Reformanstrengungen der indischen Regierung. Ein Hauptthema ist dabei der Umwelt- und Klimaschutz.
Die Zusammenarbeit hat sich nach und nach von reinen Investitionen und Technologietransfer zu einem anspruchsvollen Dialog zwischen gleichwertigen Partnern entwickelt. Ziel beider Länder ist es, gemeinsam die globalen Strukturen mitzugestalten.
Die Politik der indischen Regierung entspricht weitgehend dem entwicklungspolitischen Leitbild der Bundesregierung. Gleichzeitig fügen sich die Ziele der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit gut in die aktuellen Entwicklungsprogramme der indischen Regierung ein.
Im Jahr 2011 wurden Indien im Rahmen der indisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit Mittel in Höhe von rund 50,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Folgende Schwerpunkte wurden mit der indischen Regierung vereinbart:
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Umwelt
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Energie
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Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Umwelt
Indien steht vor massiven Herausforderungen hinsichtlich des städtischen und industriellen Umweltschutzes und des Managements der natürlichen Ressourcen. Der langfristige und nachhaltige Schutz der Böden-, des Wassers und der Luft sowie der Schutz der Artenvielfalt sind Fragen von globaler Bedeutung. Indien und Deutschland arbeiten gemeinsam daran, international vereinbarte Umweltziele zu erreichen.
Die Zusammenarbeit konzentriert sich besonders auf eine umweltfreundliche Stadtentwicklung. So sollen zum Beispiel Lösungen für Probleme der Abfall- und Abwasserentsorgung gefunden werden. Öffentliche Stellen werden zudem dabei unterstützt, zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur Partnerschaften mit privaten Unternehmen aufzubauen (PPP-Maßnahme).
Indien sieht sich auch mit der Notwendigkeit konfrontiert, Anpassungsstrategien für den Klimawandel zu erarbeiten. Deutschland fördert hierbei im Rahmen von Pilotprojekten vor allem den Nordosten des Landes durch Technische und Finanzielle Zusammenarbeit. Insbesondere die arme ländliche Bevölkerung soll dabei unterstützt werden, sich frühzeitig auf Folgen des Klimawandels wie Hochwasser oder ausbleibende Niederschläge einzustellen und das Land künftig nachhaltig und klimaschonend zu bewirtschaften.
Die Bundesrepublik wird im Umweltschutz als erfahrener und kompetenter Partner geschätzt. Deutsche Umwelttechnik und in Deutschland gesammelte Erfahrungen sind für die indischen Partner von großer Bedeutung.
Energie
Für das dynamische Wirtschaftswachstum ist die Energieversorgung Indiens nach wie vor unzureichend. Der Energieverbrauch steigt unaufhaltsam. Die vorhandenen Anlagen der Stromversorger sind jedoch zum Teil veraltet und ineffizient: viele Kraftwerke verheizen minderwertige Kohle und haben einen sehr schlechten Wirkungsgrad. Zugleich arbeiten viele staatliche Energiekonzerne mit Verlust und belasten den Staatshaushalt. Die Bevölkerung ist zudem noch immer stark unterversorgt: Mehr als 40 Prozent der indischen Haushalte – vor allem in den ländlichen Räumen – haben bis heute keinen Stromanschluss.
Indien ist gegenwärtig bereits einer der größten Kohlendioxid-Emittenten der Welt und tritt als zunehmend wichtiger Akteur auf internationalen Ölmärkten auf. Eine stabile und umweltverträgliche Energieversorgung ist Grundvoraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Aber auch für das Weltklima wird es entscheidend sein, inwieweit Indien langfristig eine klimafreundliche, auf Energieeffizienz ausgerichtete Wirtschaftspolitik verfolgen wird.
Vor diesem Hintergrund haben die Bundesrepublik und Indien 2006 das Deutsch-Indische Energieforum gegründet. Es dient dem umfassenden Austausch und der intensiven Zusammenarbeit beider Länder in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Handel von Emissionszertifikaten und Mechanismen für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism, CDM).
Bei den Regierungsverhandlungen 2010 wurde vereinbart, dass die Förderung der erneuerbaren Energien künftig im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen soll. In erster Linie geht es dabei um die verstärkte Nutzung von Sonnen- und Windenergie. Unterstützt werden außerdem innovative Biomasse-Projekte.
Ein wichtiges Ziel der indisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist zudem die Verbesserung der Effizienz bei der Energiegewinnung, bei der Stromübertragung und beim Stromverbrauch. So fördert Deutschland zum Beispiel Vorhaben zur Verbesserung der Energieeffizienz in Wärmekraftwerken und in öffentlichen Gebäuden. Auch kleinste, kleine und mittlere Unternehmen werden bei energetischen Modernisierungsmaßnahmen unterstützt.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Die Entwicklung eines sozialen Sicherungswesens für arme Menschen ist ein Schwerpunkt der indisch-deutschen Zusammenarbeit. Es geht vor allem darum, Lösungen zu finden, die breitenwirksam eingesetzt werden können. Rund 90 Prozent aller Beschäftigten sind in Indien im sogenannten informellen Sektor ohne jede soziale Sicherung tätig. Deutschland berät deshalb die indische Regierung bei ihren Bemühungen, diesen Menschen Zugang zu Programmen der Altersvorsorge, Kranken- und Arbeitsunfähigkeitsversicherung zu verschaffen.
Zur Stärkung einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung engagiert sich Deutschland außerdem im indischen Finanzsektor. Gefördert werden Programme zur Entwicklung finanzieller und anderer Förderinstrumente für kleine und mittlere Unternehmen, zur Reform ländlicher Genossenschaftsbanken sowie zur Unterstützung des Mikrokreditwesens.
Informationen

Siehe auch
- Meldung 03.11.2011:
Entwicklungszusammenarbeit mit Indien im Zeichen von Umwelt- und Klimaschutz - Meldung 20.10.2011:
Kopp sichert Indien weitere Unterstützung bei Reformanstrengungen zu - Meldung 31.03.2011:
BMZ fördert wegweisendes Energieprojekt in Indien - Thema: Armut
- Thema: Frauenrechte
- Thema: Umwelt
- Thema: Energie
- Thema: Klimaschutz
- Thema: Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Publikationen

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Konzept der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Globalen Entwicklungspartnern
(PDF 334 KB, barrierefrei) -
Klimawandel und Entwicklung
Die Entwicklungspolitik setzt Akzente
Faltblatt
(PDF 611 KB, barrierefrei) -
Deutsche Entwicklungspolitik in Asien
BMZ-Strategiepapier
(PDF 406 KB, barrierefrei) -
Sektorkonzept Soziale Sicherung
BMZ Konzepte 180
(PDF 579 KB, barrierefrei)





