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Afghanistan

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Situation und Zusammenarbeit
Afghanistan: Traumatisierte Menschen, fragile staatliche Strukturen, verwüstete Natur und Infrastruktur, Machtkämpfe und andauernde Gewalt, Korruption und Rechtlosigkeit stellen die Helfer des Landes vor große Herausforderungen.
Mehr als 50 internationale Geber und mehrere tausend Nichtregierungsorganisationen sind in Afghanistan aktiv. Dies macht die Abstimmung und Koordination zu einer besonderen Herausforderung. Die kritische Sicherheitslage und die dadurch eingeschränkte Bewegungsfreiheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort erschweren die Arbeit erheblich.
Internationale Unterstützung für Afghanistan
Der afghanische Staat ist von der internationalen Unterstützung abhängig. Drei Viertel des Staatshaushalts und rund 90 Prozent der öffentlichen Investitionen werden durch die Gebergemeinschaft finanziert. Ein Großteil der Investitionen wird dabei von den Gebern direkt, außerhalb des afghanischen Staatshaushalts, verwaltet. Allerdings ist der afghanische Staat mittlerweile in der Lage, zwei Drittel seiner laufenden Kosten im zivilen Bereich aus eigenen Einnahmen zu tragen.
Die Grundlagen für den politischen Wiederaufbau des Landes wurden Ende 2001 auf einer Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn festgelegt. Das Petersberg-Abkommen beruht auf einem Konsens der bedeutendsten politischen Gruppen in Afghanistan – mit Ausnahme der Taliban. Die Einigung wurde mit Unterstützung der Vereinten Nationen erzielt.
Wichtige Schritte waren seitdem die Einsetzung einer Übergangsverwaltung unter der Führung von Hamid Karzai Ende 2001, die Verabschiedung einer Verfassung durch eine große Ratsversammlung – die sogenannte Loya Jirga – im Januar 2004 sowie die erste demokratische Wahl eines Staatspräsidenten im Oktober 2004, die Hamid Karzai gewann. Mit den ersten Parlamentswahlen im September 2005 wurde der Petersberg-Prozess erfolgreich abgeschlossen. Bei den zweiten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 wurde Karzai im Amt bestätigt. 2010 wurde ein neues Parlament gewählt.
Auf internationalen Konferenzen wurden 2002 in Tokio, 2004 in Berlin, 2006 in London, 2008 in Paris, 2009 in Den Haag sowie 2010 in London und Kabul gemeinsam mit der politischen Führung Afghanistans die Schwerpunkte der internationalen Zusammenarbeit festgelegt und das Engagement der internationalen Gemeinschaft für Afghanistan bekräftigt.
Die Konferenzen von London und Kabul haben die Grundlage für den sogenannten "Kabul-Prozess" geschaffen. In dessen Rahmen hat die afghanische Regierung konkrete Umsetzungsschritte ihrer Reformagenda bei Entwicklungsplanung, Regierungsführung – insbesondere Korruptionsbekämpfung – und im Sicherheitssektor angekündigt. Es wurde ferner vereinbart, dass die internationale Gemeinschaft die Verantwortung für die Sicherheit Afghanistans schrittweise bis Ende 2014 an den afghanischen Staat übergibt.
Ziel der deutschen Bundesregierung ist es, dass in den nächsten drei Jahren die Voraussetzungen geschaffen werden, die militärische Präsenz kontinuierlich abzubauen. Die Unterstützung für zivilen Wiederaufbau und Entwicklung in Afghanistan wird jedoch wesentlich länger notwendig sein.
Erfolge sind spürbar
Die Wiederaufbau- und Entwicklungsbemühungen der vergangenen Jahre zeigen spürbare Erfolge im wirtschaftlichen und sozialen Bereich:
Zahlreiche Flüchtlinge sind in das Land zurückgekehrt – geschätzte fünf Millionen seit 2002.
Acht Millionen Mädchen und Jungen sind derzeit eingeschult. Über ein Drittel der eingeschulten Kinder sind Mädchen. Ein großer Erfolg, da ihnen während der Taliban-Herrschaft der Zugang zum Bildungssektor fast vollständig verwehrt geblieben war. Mehr als 100.000 Lehrer wurden eingestellt – viele weitere befinden sich in der Ausbildung. Die Provinzen Nordafghanistans, die Schwerpunktgebiet der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind, weisen die höchsten Einschulungsraten im Land auf. 200.000 Schülerinnen und Schüler lernen mit Unterstützung durch die deutsch-afghanische Entwicklungszusammenarbeit.
Über 80 Prozent der Menschen in Afghanistan haben inzwischen Zugang zu einer gesundheitlichen Basisversorgung. 900.000 Menschen erhielten – häufig zum ersten Mal in ihrem Leben – verlässlichen Zugang zu Strom beziehungsweise einer sicheren Versorgung mit Trinkwasser.
Die wirtschaftliche Entwicklung Afghanistans verlief in den letzten Jahren dynamisch, im Durchschnitt war die Wachstumsrate zweistellig. Nach einem außergewöhnlich starken Wachstum in den Jahren 2009/2010 von über 20 Prozent schwächte sich das afghanische Wirtschaftswachstum 2010/2011 auf 8,4 Prozent ab. Ursächlich für das außergewöhnlich starke Wachstum 2009/2010 waren eine Rekordernte dank besonders guter Niederschläge und die Steigerung der internationalen Transfers nach Afghanistan.
Anknüpfend an die bemerkenswerten Fortschritte der letzten Jahre konnte der afghanische Staat seine Eigeneinnahmen (ohne Geberbeiträge) 2010/2011 weiter steigern: von 1,22 Milliarden US-Dollar 2009/2010 auf nunmehr rund 1,7 Milliarden US-Dollar, was elf Prozent des afghanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht. Die Einnahmen im laufenden Haushaltsjahr 2011/2012 entwickeln sich nach Einschätzung des IWF ebenfalls positiv. Durch die fortgesetzte Steigerung seiner Eigeneinnahmen war der afghanische Staat 2010/2011 in der Lage, rund zwei Drittel seiner laufenden Ausgaben selbst zu tragen.
Im Verlauf der vergangenen Jahre hat sich allerdings die Sicherheitslage in einigen Landesteilen deutlich verschlechtert. Dies erschwert auch die dortige zivile Hilfe. In den meisten Gebieten Nordafghanistans, wo die Schwerpunktprovinzen des deutschen Engagements liegen, kann die Entwicklungszusammenarbeit jedoch ohne größere Einschränkungen fortgesetzt werden. Auch leistet die Entwicklungszusammenarbeit selbst wichtige Beiträge zur mittel- und langfristigen Stabilisierung des Landes: So wird zum Beispiel die Ausweitung der entwicklungspolitischen Aktivitäten in die ländlichen Gebiete Nordafghanistans fortgesetzt, vor allem um dort Arbeitsplätze für junge Menschen zu schaffen. Auf diese Weise sollen die Lebensverhältnisse der benachteiligten Bevölkerungsgruppen spürbar verbessert und der Rückhalt für die junge und noch zerbrechliche Demokratie in Afghanistan gestärkt werden.
Herausforderungen und Potenziale
Ein großes Potenzial Afghanistans ist das Selbstbewusstsein des Volkes und sein Wille, das Land wieder aufzubauen. Besonders die jungen Menschen sind motiviert, bildungshungrig und weltoffen.
Entwicklungschancen im wirtschaftlichen Bereich liegen beispielsweise in der Landwirtschaft und in der Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Etwa zwölf Prozent der Landesfläche wären landwirtschaftlich nutzbar, derzeit werden aber nur fünf Prozent bebaut. Traditionelle afghanische Exporte wie Trockenfrüchte, Teppiche und Felle nehmen wieder zu. Auch die Förderung von Kupfer, Eisenerz, Gas, Öl und Kohle ist möglich. Erste Verträge mit Investoren wurden bereits abgeschlossen. Voraussetzungen für die effektive Nutzung dieser wirtschaftlichen Potenziale sind neben einer Stabilisierung der Sicherheitslage die Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen und die Wiederherstellung beziehungsweise der Neubau von Infrastruktur.
Über die Entwicklung Afghanistans liegen nur sehr wenige verlässliche Daten vor. Auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (HDI 2011) der Vereinten Nationen nimmt Afghanistan Platz 172 von 187 bewerteten Ländern ein. Gleichzeitig belegt das National Risk and Vulnerability Assessment (NRVA) Afghanistans (ein "Mini-Zensus" zu Armut und Bevölkerungsstruktur) die zahlreichen Fortschritte im sozialen Bereich seit 2001. Zwar lebt immer noch mehr als ein Drittel der Bevölkerung in extremer Armut. Doch hat sich die Kindersterblichkeit (unter fünf Jahre) von mehr als 250 pro 1.000 Kinder im Jahr 2001 auf 161 pro 1.000 im Zeitraum 2007/2008 reduziert. Die Anzahl der Kinderheiraten (Mädchen unter 15 Jahren) hat von elf Prozent auf drei Prozent abgenommen. Umgerechnet in US-Dollar hat sich das durchschnittliche jährliche pro-Kopf-Einkommen in Afghanistan zwischen 2002 und 2011 von rund 175 auf rund 530 US-Dollar erhöht.
Die Anbaufläche von Schlafmohn, aus dem Opium hergestellt werden kann, stieg nach Angaben des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 wieder deutlich an (Zunahme von sieben Prozent der Anbaufläche). Dies resultierte vor allem aus dem erwarteten Wiederanstieg nach einem starken Einbruch der Produktion 2010 aufgrund einer Pflanzenkrankheit. Trotzdem ist die volkswirtschaftliche Bedeutung des Schlafmohnanbaus in Afghanistan über die letzten Jahre insgesamt gesunken: So wurden 2011 noch rund fünf Prozent des afghanischen Bruttoinlandsprodukts mit Schlafmohnanbau erwirtschaftet (nach 27 Prozent 2002); ein Vielfaches dieser Summe wird jedoch durch die Weiterverarbeitung des Rohopiums zu Heroin und den Schmuggel der Drogen in die Hauptabnehmerländer eingenommen. In den Provinzen fehlt eine ausreichend funktionsfähige Polizei und Justiz, um den Drogenhandel wirksam zu unterbinden. 2009 lag der Anteil Afghanistans an der weltweiten Opiumproduktion immer noch bei rund 90 Prozent.
Das deutsche Engagement
"Ein stabiles Afghanistan, das Terroristen keinen Rückzugsraum wie vor dem 11. September 2001 bietet, in dem die afghanische Verfassung Geltung besitzt, in dem staatliche Organe die Sicherheit und die grundlegenden staatlichen Dienstleistungen garantieren können, bedeutet für die ganze Region, aber auch für die Menschen in Deutschland und Europa einen Zugewinn an Sicherheit. Mit Beginn seines Engagements für Afghanistan hat Deutschland 2001 Verantwortung gegenüber all den Afghaninnen und Afghanen übernommen, die kein zurück zu den Schrecken der Taliban-Herrschaft mehr wollen."
(aus dem Afghanistan-Konzept der Bundesregierung)
Die Bundesregierung übernimmt bei Wiederaufbau und Entwicklung Afghanistans eine wichtige Rolle und engagiert sich auf verschiedenen Ebenen für das Land. Deutschland war Ausrichter der Petersberg-Konferenz 2001 sowie der Berliner Afghanistan-Konferenz 2004. Auch durch die organisatorische Unterstützung von zwei großen Ratsversammlungen (Emergency Loya Jirga 2002 und verfassungsgebende Loya Jirga 2003/2004) und durch Beiträge zur Durchführung der Präsidentschaftswahlen 2004 und 2009 sowie zu den Parlamentswahlen 2005 und 2010 hat Deutschland die politische Entwicklung Afghanistans begleitet.
Deutschland ist ferner Gastgeber der Internationalen Afghanistan-Konferenz in Bonn am 5. Dezember 2011 – der größten jemals in der Bundesrepublik organisierten Außenministerkonferenz. Die Themen langfristiges Engagement der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan, zivile Aspekte der Übergabe der Sicherheitsverantwortung ("transition") sowie der politische Prozess für eine Friedenslösung stehen im Mittelpunkt.
Auf den Konferenzen in Tokio (2002), Berlin (2004) und London (2006) hat Deutschland für den Zeitraum bis 2010 einen Grundbeitrag von 80 Millionen Euro pro Jahr für den zivilen Wiederaufbau und die Entwicklung Afghanistans zugesagt.
Seitdem ist der deutsche Beitrag kontinuierlich gestiegen: Im Jahr 2007 waren es schon rund 115 Millionen Euro (davon BMZ: 85 Millionen Euro), im Jahr 2008 rund 195 Millionen Euro (davon BMZ: 125 Millionen Euro) und im Jahr 2009 rund 252 Millionen Euro (davon BMZ: 144 Millionen Euro).
Im Januar 2010 hat die Bundesregierung im Kontext der internationalen Afghanistan-Konferenz in London angekündigt, die Mittel für den zivilen Wiederaufbau Afghanistans bis 2013 pro Jahr auf bis zu 430 Millionen Euro zu erhöhen (250 Millionen Euro BMZ, 180 Millionen Euro Auswärtiges Amt). Um zusätzliche Reformanreize zu setzen, hat das BMZ seine jährliche Zusage 2011 in zwei Tranchen aufgeteilt: Die zweite Tranche von 110 Millionen Euro wurde erst zugesagt, nachdem die afghanische Regierung die vereinbarten Reformschritte unter anderem im Bereich der Korruptionsbekämpfung umgesetzt hatte.
Die Umsetzung des von Präsident Karzai zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im November 2009 angekündigten Reformprogramms hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.
Das zivile Gesamtengagement Deutschlands in Afghanistan beläuft sich bis Ende 2011 auf rund 1,9 Milliarden Euro.
Die Bundesregierung hat Afghanistan außerdem bilaterale Schulden in Höhe von rund 65 Millionen Euro erlassen; der komplette Erlass der Restschulden von rund 10 Millionen Euro steht unmittelbar bevor, nachdem Afghanistan im Januar 2010 die multilaterale HIPC-Entschuldungsinitiative erfolgreich abgeschlossen hat.
Schwerpunkte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Afghanistan
Damit die Menschen in Afghanistan in Zukunft ein Leben in Frieden und Freiheit führen können, wird das Land noch für lange Zeit die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft benötigen. Gemeinsam mit anderen Staaten setzt sich die Bundesrepublik Deutschland dafür ein, die junge afghanische Demokratie zu sichern, Frauen und Männern gleiche Chancen zu eröffnen und Sicherheit zu schaffen.
Wichtige Ziele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind dabei, die Leistungsfähigkeit der Regierung, der Zivilgesellschaft und des Privatsektors zu erhöhen, die Infrastruktur wiederherzustellen und den Zugang zu Bildung zu verbessern.
Neben kurzfristig wirksamen Maßnahmen der entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe konzentriert sich die afghanisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf die folgenden Schwerpunkte:
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Gute Regierungsführung
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Energie (insbesondere erneuerbare Energien)
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Trinkwasserversorgung
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Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (vor allem Einkommensschaffung)
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Grundbildung
Regional konzentriert sich die bilaterale Entwicklungsarbeit der Bundesrepublik mit Afghanistan vor allem auf den Norden des Landes, wo Deutschland auch im Rahmen der internationalen Schutztruppe (ISAF) besondere Verantwortung übernommen hat.
Gute Regierungsführung
Über die Einrichtung neuer, dezentraler und besonders flexibler Unterstützungsmechanismen hat das BMZ im Jahr 2010 sein Engagement für die Stärkung der lokalen Regierungsstrukturen in Nordafghanistan intensiviert. Damit soll die afghanische Provinz- und Distriktadministration in die Lage versetzt werden, effektiver, gerechter und transparenter Leistungen für die örtliche Bevölkerung zu erbringen.
Der Bereich Gute Regierungsführung umfasst ferner die Förderung der Rechtsstaatlichkeit, insbesondere die Stärkung der Justiz, mit Schwerpunkten in den Feldern Rechtsaufklärung, Rechtshilfe und Zusammenarbeit zwischen Justiz und Polizei. Die Unterstützung hier wird in enger Zusammenarbeit mit der Polizeiausbildung des deutschen Polizeiprojektteams in den Distrikten Nordafghanistans geleistet.
Ein zentrales Ziel des deutschen Engagements im Bereich Gute Regierungsführung ist darüber hinaus die Bekämpfung der Korruption. Deutschland unterstützt die afghanische Regierung deshalb bei der Entwicklung und der Umsetzung von Anti-Korruptionsmaßnahmen, unter anderem über einen offenen Politikberatungsfonds.
Über den Zivilen Friedensdienst fördert das BMZ außerdem den Schutz der Menschenrechte, beispielsweise durch die Stärkung der Afghanischen Unabhängigen Menschenrechtskommission. Der Zivile Friedensdienst stärkt auch zivilgesellschaftliche Mechanismen der Friedensentwicklung in Afghanistan. Außerdem führt die deutsch-afghanische Entwicklungszusammenarbeit gezielt Maßnahmen zur Verbesserung der Lage von Frauen und Mädchen durch, so zum Beispiel zur besseren Berücksichtigung ihrer Belange in der afghanischen Regierungspolitik.
Das BMZ zahlt schließlich in den von der Weltbank geführten Afghanistan Wiederaufbaufonds (Afghanistan Reconstruction Trust Fund, ARTF) ein (2011: 60 Millionen Euro). Hiervon werden sowohl landesweite afghanische Entwicklungsprogramme finanziert, als auch laufende Kosten der Regierung. So können in allen Landesteilen Angestellte des öffentlichen Sektors – beispielsweise Lehrerinnen und Lehrer – bezahlt werden. Dies ist ein entscheidender Beitrag dazu, mehr Verantwortung in afghanische Hände zu übertragen und die Korrumpierbarkeit der Staatsangestellten zu reduzieren. Über den ARTF setzt das BMZ gemeinsam mit anderen Gebern auch gezielt Anreize für die Durchführung zentraler Reformvorhaben.
Energie (insbesondere erneuerbare Energien)
Im Rahmen dieses Schwerpunktbereichs hat Deutschland verschiedene Wiederaufbaumaßnahmen gefördert – zum Beispiel beim Stadtnetz in Kabul.
Um einen schnellen und nachhaltigen Beitrag zur Sicherstellung der Stromversorgung in Kabul zu leisten, hat die Bundesrepublik die Instandsetzung der Wasserkraftwerke Mahipar und Sarobi vorangetrieben. Sie decken den Strombedarf von rund 800.000 Personen im Großraum Kabul. Gemeinsam mit anderen Gebern hat Deutschland zudem in eine Übertragungsleitung investiert, die Kabul und die Ballungszentren des Nordens seit Anfang 2009 mit Strom aus Usbekistan versorgt.
Derzeit konzentriert sich Deutschland verstärkt auf die dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien. Dazu gehören Investitionen in die Wiederherstellung und in den Neubau von Kleinwasserkraftwerken, vor allem in den Nordprovinzen des Landes wie Kunduz, Takhar und Badakhshan.
Zudem berät Deutschland die afghanische Regierung in der Energiepolitik und fördert die Verbreitung erneuerbarer Energien in ländlichen Regionen. Ziel ist es, bessere Rahmenbedingungen für den Aufbau einer zuverlässigen Energieversorgung zu schaffen.
Trinkwasserversorgung
Bislang verfügen nur etwa 22 Prozent der Bevölkerung über einen Wasseranschluss. Ziel der afghanisch-deutschen Zusammenarbeit ist es daher, die Trinkwasserversorgung in Afghanistan schnell und deutlich zu verbessern.
Rund dreieinhalb Millionen Menschen werden von der Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung in Kabul profitieren. In den Provinzhauptstädten Herat und Kunduz erhalten weitere rund 450.000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In den Provinz- und Distrikthauptstädten Faizabad, Imam Saheb und Balkh im Norden Afghanistans unterstützt Deutschland seit Ende 2008 den Neubau und die Erweiterung der Wasserversorgungssysteme.
Neben solchen praktischen Vorhaben steht die Beratung des entsprechenden Ministeriums bei der Reform des Wassersektors und bei der Restrukturierung und Stärkung von Betreiberstrukturen der Wasserver- und Abwasserentsorgung im Mittelpunkt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan.
Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung
Die Wirtschaftsentwicklung Afghanistans wird durch verschiedene Faktoren gebremst: Vor allem in den ländlichen Regionen fehlt es an Rechtssicherheit, die Infrastruktur ist schwach ausgebaut, lokalen Produkten mangelt es an Qualität, die Bevölkerung hat große Bildungsdefizite. Die afghanisch-deutsche Zusammenarbeit in diesem Sektor zielt vor allem darauf ab, die Produktivität auf dem Land und damit die Einkommenschancen der Haushalte zu erhöhen.
Zum deutschen Engagement in diesem Bereich gehören der Aufbau der First Micro Finance Bank (FMFB) und die Einrichtung der Investitionsagentur AISA (Afghan Investment Support Agency). Die Mikrofinanzbank FMFB hat im Mai 2004 ihre Arbeit aufgenommen, verfügt landesweit inzwischen über 32 Zweigstellen und konnte allein seit Anfang 2011 37.000 Mikrokredite sowie 320 Darlehen an kleine und mittlere Unternehmen vergeben.
Bei der Investitionsagentur AISA waren 2008 14.562 Unternehmen mit einem Investitionsvolumen von über vier Milliarden US-Dollar registriert, die rund 628.000 Arbeitsplätze schaffen. 2007 hat zudem mit deutscher Unterstützung eine afghanische Exportförderagentur ihre Arbeit aufgenommen, die die afghanische Wirtschaft dabei unterstützt, in den letzten Jahrzehnten verloren gegangene Absatzmärkte zurück zu erobern.
Im "Doing-Business"-Report 2010 der Weltbank, der das Investitionsklima von 183 Ländern misst, nimmt Afghanistan Platz 160 ein. In der Kategorie "Starting a Business" (Firmengründung) liegt Afghanistan auf Platz 30.
Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) engagiert sich seit 2002 für die Förderung von Existenzgründungen, um dadurch den Privatsektor zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen.
Weitere Projekte zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konzentrieren sich auf die berufliche Qualifizierung, die Aus- und Fortbildung von Frauen, die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie auf die Verbesserung der Regierungsführung auf lokaler Ebene.
Grundbildung
Deutschland hat auf Wunsch der afghanischen Regierung Anfang 2007 die Führungsrolle bei der Konzeption der landesweiten Lehrerinnen- und Lehrerausbildung übernommen und seitdem sein Engagement im Grundbildungsbereich deutlich verstärkt.
Einen Schwerpunkt bildet die finanzielle und fachliche Unterstützung des Bildungsministeriums bei der Umsetzung des Nationalen Bildungsplans (National Education Strategic Plan, NESP). Er soll die Schulbildung der afghanischen Mädchen und Jungen vor allem durch den Bau von Schulen und Lehrerausbildungszentren sowie durch verbesserte Ansätze zur Ausbildung der Lehrkräfte vorantreiben. Das BMZ unterstützt fünf Lehrerausbildungszentren im Norden Afghanistans, indem neue Lehrgebäude und Wohnheime gebaut wurden und das Management sowie die Dozenten beraten beziehungsweise fortgebildet werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der Förderung von Mädchenschulen und der Ausbildung von Lehrerinnen. Frauen machen mittlerweile knapp 40 Prozent der Lehramtsstudierenden in Afghanistan aus.
Zunehmende Bedeutung gewinnt außerdem die Berufsbildung: Im April 2011 wurde die erste Ausbildungsakademie für Berufsschullehrer und –lehrerinnen in Afghanistan mit deutscher Unterstützung in Kabul eröffnet; weitere werden folgen. Der Bau und die Wiederherstellung von technischen Schulen in den Provinzen des Nordens Badakhshan, Takhar, Balkh und Kunduz ist in Vorbereitung, insbesondere zur Ausbildung von Öl- und Gastechnikern, um die afghanische Regierung im zunehmend wichtigen Rohstoffbereich zu unterstützen.
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Siehe auch
- Video: Gudrun Kopp in Afghanistan und Pakistan
- Entwicklungsoffensive – Videobericht über die deutsch-afghanische Entwicklungszusammenarbeit
- Meldung 04.10.2011:
Parlamentarische Staatssekretärin Kopp verbindet Zusage an die afghanische Regierung über weitere 110 Millionen Euro für Entwicklungsvorhaben mit Erwartung fortgesetzter Reformanstrengungen Kabuls - Meldung 02.10.2011:
Parlamentarische Staatssekretärin Kopp zu mehrtägiger Reise in Afghanistan eingetroffen - Meldung 30.06.2011:
Deutschland und die Niederlande unterzeichnen Kooperationsvereinbarung - Meldung 20.06.2011:
Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel in Nord-Afghanistan - Meldung 19.06.2011:
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Dirk Niebel beendet Afghanistanreise in Kundus - Meldung 01.04.2011:
Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel besucht Kundus - Meldung 31.03.2011: Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel führt entwicklungspolitische Gespräche in Kabul
- Meldung 29.03.2011: Dirk Niebel zu Besuch in Afghanistan eingetroffen
Externe Links:
- Informationen der Bundesregierung über das deutsche Engagement in Afghanistan
- Informationen des Auswärtigen Amts über das deutsche Engagement in Afghanistan
- Informationen der Durchführungsorganisationen über das deutsche Engagement in Afghanistan
- Informationen der Bundeswehr über die International Security Assistance Force (ISAF)
- Informationen des Bundesministeriums des Innern über die Polizeiliche Aufbauhilfe Afghanistan
- "Unsere Hilfe für Afghanistan kommt an" – Artikel von Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel im Magazin zur Entwicklungspolitik der Bundesregierung
- Die Bundesregierung: Fortschrittsbericht Afghanistan zur Unterrichtung des Deutschen Bundestages, Dezember 2011
- Evaluierungsbericht: Assessing the Impact of Development Cooperation in North East Afghanistan 2005–2009
(PDF1,7 MB, englisch) - Afghanistan National Development Strategy (Summary Report)
(PDF 1 MB, englisch) - Informationen über den Afghanistan Reconstruction Trust Funds (ARTF) auf der Website der Weltbank (englisch)
Publikationen

-
Der Wassersektor in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit
BMZ Materialien 154
(PDF 2,5 MB) -
Korruption vorbeugen – Transparenz fördern:
Was tut die deutsche Entwicklungspolitik?
(PDF 182 KB, barrierefrei) -
Sektorkonzept Nachhaltige Energie für Entwicklung
Strategiepapier des BMZ
BMZ Konzepte 145
(PDF 386 KB, barrierefrei) -
Krisenpräventive Wirkungen der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Zentralasien:
Aktuelle Debatten über Instrumente und Optionen
BMZ Spezial 143
(PDF 1,7 MB)





