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Afghanistan

Auch Frauen vertreten ihre Gemeinden bei den moderierten Treffen mit der Polizei. Urheberrecht: GIZ

Situation und Zusammenarbeit

Ältestenversammlung (Shura) in Sangab zur Projektvorbereitung.Urheberrecht: GIZAfghanistan: Traumatisierte Menschen, fra­gile staat­liche Struk­turen, ver­wüs­tete Natur und Infra­struk­tur, Macht­kämpfe und an­dau­ernde Ge­walt, Kor­rup­tion und Recht­losig­keit stel­len die Hel­fer des Landes vor große Herausforderungen.

Mehr als 50 inter­nationale Geber und mehrere tausend Nicht­regie­rungs­orga­ni­sa­tionen sind in Afgha­nistan aktiv. Dies macht die Ab­stim­mung und Ko­ordi­na­tion zu einer be­son­deren Her­aus­for­derung. Die kri­tische Sicher­heits­lage und die da­durch ein­ge­schränkte Be­we­gungs­frei­heit der Mit­arbeiter­innen und Mit­arbeiter vor Ort erschweren die Arbeit erheblich.

Internationale Unterstützung für Afghanistan

Der afghanische Staat ist von der internationalen Unter­stüt­zung ab­hän­gig. Drei Viertel des Staats­haus­halts und rund 90 Prozent der öffent­lichen In­ves­ti­tionen werden durch die Geber­gemein­schaft finan­ziert. Ein Groß­teil der In­ves­ti­tionen wird dabei von den Gebern direkt, außer­halb des afgha­nischen Staats­haus­halts, ver­waltet. Aller­dings ist der afgha­nische Staat mitt­ler­weile in der Lage, zwei Drittel seiner lau­fenden Kosten im zivilen Bereich aus eigenen Ein­nahmen zu tragen.

Die Grundlagen für den politischen Wieder­aufbau des Landes wurden Ende 2001 auf einer Konferenz auf dem Peters­berg bei Bonn festgelegt. Das Petersberg-Abkommen beruht auf einem Konsens der bedeutendsten politischen Gruppen in Afgha­nis­tan – mit Ausnahme der Taliban. Die Einigung wurde mit Unter­stützung der Vereinten Nationen erzielt.

Stimmabgabe bei einer Wahl in Afghanistan. Urheberrecht: GIZ/Michael PauloWichtige Schritte waren seit­dem die Ein­set­zung einer Über­gangs­ver­wal­tung unter der Füh­rung von Hamid Karzai Ende 2001, die Ver­ab­schie­dung einer Ver­fas­sung durch eine große Rats­ver­samm­lung – die so­ge­nannte Loya Jirga – im Januar 2004 sowie die erste demo­kra­tische Wahl eines Staats­prä­si­denten im Oktober 2004, die Hamid Karzai ge­wann. Mit den ersten Par­la­ments­wahlen im Sep­tember 2005 wurde der Peters­berg-Pro­zess er­folg­reich ab­ge­schlos­sen. Bei den zweiten Prä­si­dent­schafts­wahlen im Jahr 2009 wurde Karzai im Amt be­stä­tigt. 2010 wurde ein neues Par­la­ment gewählt.

Auf internationalen Konferenzen wurden 2002 in Tokio, 2004 in Berlin, 2006 in London, 2008 in Paris, 2009 in Den Haag sowie 2010 in London und Kabul gemein­sam mit der politischen Führung Afghanistans die Schwer­punkte der inter­natio­nalen Zu­sam­men­arbeit fest­ge­legt und das Enga­ge­ment der inter­natio­nalen Gemein­schaft für Afghanistan bekräftigt.

Die Konferenzen von London und Kabul haben die Grundlage für den sogenannten "Kabul-Prozess" geschaffen. In dessen Rah­men hat die afghanische Regierung konkrete Um­set­zungs­schritte ihrer Reform­agenda bei Ent­wick­lungs­planung, Regie­rungs­führung – ins­be­son­dere Kor­rup­tions­bekämpfung – und im Sicher­heits­sektor an­ge­kün­digt. Es wurde ferner ver­ein­bart, dass die inter­natio­nale Ge­mein­schaft die Ver­ant­wortung für die Sicher­heit Afgha­nis­tans schritt­weise bis Ende 2014 an den afghanischen Staat übergibt.

Ziel der deutschen Bundesregierung ist es, dass in den nächsten drei Jahren die Voraussetzungen geschaffen werden, die mili­tä­rische Präsenz kon­tinuier­lich abzubauen. Die Unterstützung für zivilen Wiederaufbau und Entwicklung in Afghanistan wird jedoch wesentlich länger notwendig sein.

Erfolge sind spürbar

Männer und Kinder holen Wasser von einer öffentlichen Zapfstelle in Afghanistan. Urheberrecht: FMFB Afghanistan.Die Wie­der­auf­bau- und Ent­wick­lungs­be­mühungen der ver­gan­genen Jahre zei­gen spür­bare Er­folge im wirt­schaft­lichen und so­zialen Bereich:

Zahl­reiche Flücht­linge sind in das Land zurück­ge­kehrt – ge­schätzte fünf Mil­lionen seit 2002.

Acht Mil­lionen Mädchen und Jun­gen sind der­zeit ein­ge­schult. Über ein Drit­tel der ein­ge­schulten Kin­der sind Mädchen. Ein großer Erfolg, da ihnen wäh­rend der Tali­ban-Herr­schaft der Zu­gang zum Bil­dungs­sektor fast voll­ständig ver­wehrt ge­blie­ben war. Mehr als 100.000 Lehrer wurden ein­ge­stellt – viele weitere befinden sich in der Ausbildung. Die Provinzen Nord­afgha­nistans, die Schwer­punkt­gebiet der deutschen Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit sind, weisen die höchsten Ein­schulungs­raten im Land auf. 200.000 Schüler­innen und Schüler lernen mit Unter­stützung durch die deutsch-afghanische Entwicklungszusammenarbeit.

Über 80 Prozent der Menschen in Afghanistan haben inzwischen Zugang zu einer gesundheitlichen Basisversorgung. 900.000 Menschen erhielten – häufig zum ersten Mal in ihrem Leben – verlässlichen Zugang zu Strom beziehungsweise einer sicheren Versorgung mit Trinkwasser.

Ein kreditfinanzierter Fotokopierer ist der Beginn eines eigenen Geschäfts, wenn auch vorerst auf der Straße. Urheberrecht: GIZDie wirt­schaft­liche Ent­wick­lung Afgha­nis­tans ver­lief in den letzten Jah­ren dyna­misch, im Durch­schnitt war die Wachs­tums­rate zwei­stel­lig. Nach einem außer­gewöhn­lich starken Wachs­tum in den Jahren 2009/2010 von über 20 Pro­zent schwächte sich das afgha­nische Wirt­schafts­wachs­tum 2010/2011 auf 8,4 Pro­zent ab. Ur­säch­lich für das außer­ge­wöhn­lich starke Wachs­tum 2009/2010 waren eine Rekord­ernte dank be­son­ders guter Nie­der­schläge und die Stei­gerung der inter­natio­nalen Trans­fers nach Afghanistan.

Anknüpfend an die be­mer­kens­werten Fort­schritte der letzten Jahre konnte der afgha­nische Staat seine Eigen­ein­nahmen (ohne Geber­bei­träge) 2010/2011 weiter stei­gern: von 1,22 Mil­liarden US-Dollar 2009/2010 auf nun­mehr rund 1,7 Mil­liarden US-Dollar, was elf Pro­zent des afgha­nischen Brutto­inlands­produkts ent­spricht. Die Ein­nahmen im lau­fenden Haus­halts­jahr 2011/2012 ent­wickeln sich nach Ein­schät­zung des IWF eben­falls positiv. Durch die fort­ge­setzte Stei­gerung seiner Eigen­ein­nahmen war der afgha­nische Staat 2010/2011 in der Lage, rund zwei Drittel seiner laufenden Aus­gaben selbst zu tragen.

Im Verlauf der vergangenen Jahre hat sich allerdings die Sicher­heits­lage in einigen Landes­teilen deutlich verschlechtert. Dies erschwert auch die dortige zivile Hilfe. In den meisten Gebieten Nord­afgha­nistans, wo die Schwer­punkt­pro­vinzen des deutschen Engage­ments liegen, kann die Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit jedoch ohne größere Ein­schrän­kungen fort­ge­setzt werden. Auch leistet die Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit selbst wichtige Bei­träge zur mittel- und lang­fristigen Stabi­li­sie­rung des Landes: So wird zum Bei­spiel die Aus­wei­tung der ent­wick­lungs­politischen Akti­vi­täten in die länd­lichen Gebiete Nord­afgha­nistans fort­ge­setzt, vor allem um dort Arbeits­plätze für junge Menschen zu schaffen. Auf diese Weise sollen die Lebens­ver­hält­nisse der be­nach­tei­ligten Be­völ­ke­rungs­gruppen spür­bar ver­bessert und der Rück­halt für die junge und noch zer­brech­liche Demo­kra­tie in Afgha­nis­tan gestärkt werden.

Herausforderungen und Potenziale

Ein großes Poten­zial Afgha­nis­tans ist das Selbst­bewusst­sein des Volkes und sein Wille, das Land wieder auf­zu­bauen. Be­son­ders die jun­gen Menschen sind mo­ti­viert, bil­dungs­hung­rig und weltoffen.

Frisörladen mit Solaranlage in Badakhshan. Urheberrecht: Oliver Haas / GTZEntwick­lungs­chancen im wirt­schaft­lichen Bereich lie­gen bei­spiels­weise in der Land­wirt­schaft und in der Weiter­ver­ar­bei­tung land­wirt­schaft­licher Pro­dukte. Etwa zwölf Pro­zent der Lan­des­fläche wären land­wirt­schaft­lich nutz­bar, der­zeit wer­den aber nur fünf Pro­zent be­baut. Tra­di­tio­nelle afgha­nische Ex­porte wie Trocken­früchte, Tep­piche und Felle neh­men wieder zu. Auch die För­derung von Kupfer, Eisen­erz, Gas, Öl und Kohle ist mög­lich. Erste Ver­träge mit Inves­toren wur­den bereits ab­ge­schlossen. Vor­aus­setzungen für die effek­tive Nut­zung dieser wirt­schaft­lichen Poten­ziale sind neben einer Stabi­li­sie­rung der Sicher­heits­lage die Ver­bes­serung der recht­lichen Rahmen­be­din­gungen und die Wie­der­her­stel­lung be­zie­hungs­weise der Neubau von Infrastruktur.

Über die Entwicklung Afghanistans liegen nur sehr wenige ver­läss­liche Daten vor. Auf dem aktuellen Index der mensch­lichen Ent­wick­lung (HDI 2011) der Ver­einten Nationen nimmt Afgha­nis­tan Platz 172 von 187 be­wer­teten Län­dern ein. Gleich­zei­tig be­legt das National Risk and Vul­nera­bility Assess­ment (NRVA) Afgha­nis­tans (ein "Mini-Zensus" zu Armut und Bevöl­ke­rungs­struktur) die zahl­reichen Fort­schritte im sozialen Bereich seit 2001. Zwar lebt immer noch mehr als ein Drittel der Bevölkerung in extremer Armut. Doch hat sich die Kindersterblichkeit (unter fünf Jahre) von mehr als 250 pro 1.000 Kinder im Jahr 2001 auf 161 pro 1.000 im Zeitraum 2007/2008 reduziert. Die Anzahl der Kinderheiraten (Mädchen unter 15 Jahren) hat von elf Prozent auf drei Prozent abgenommen. Umgerechnet in US-Dollar hat sich das durchschnittliche jährliche pro-Kopf-Einkommen in Afghanistan zwischen 2002 und 2011 von rund 175 auf rund 530 US-Dollar erhöht.

Die Anbaufläche von Schlafmohn, aus dem Opium hergestellt werden kann, stieg nach Angaben des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) im Jahr 2011 im Vergleich zu 2010 wieder deutlich an (Zunahme von sieben Prozent der Anbaufläche). Dies resultierte vor allem aus dem erwarteten Wieder­anstieg nach einem starken Ein­bruch der Produktion 2010 aufgrund einer Pflanzen­krankheit. Trotz­dem ist die volks­wirt­schaft­liche Bedeu­tung des Schlaf­mohn­anbaus in Afghanistan über die letzten Jahre insgesamt gesunken: So wurden 2011 noch rund fünf Prozent des afghanischen Brutto­inlands­produkts mit Schlaf­mohn­anbau erwirt­schaftet (nach 27 Prozent 2002); ein Vielfaches dieser Summe wird jedoch durch die Weiter­ver­arbei­tung des Roh­opiums zu Heroin und den Schmuggel der Drogen in die Haupt­abnehmer­länder ein­ge­nommen. In den Pro­vinzen fehlt eine aus­reichend funk­tions­fähige Polizei und Justiz, um den Drogen­handel wirksam zu unter­binden. 2009 lag der Anteil Afghanistans an der weltweiten Opiumproduktion immer noch bei rund 90 Prozent.

Das deutsche Engagement

"Ein stabiles Afghanistan, das Terroristen keinen Rück­zugs­raum wie vor dem 11. Sep­tem­ber 2001 bie­tet, in dem die afgha­nische Ver­fas­sung Gel­tung be­sitzt, in dem staat­liche Organe die Sicher­heit und die grund­legenden staat­lichen Dienst­leis­tungen garan­tieren kön­nen, be­deu­tet für die ganze Region, aber auch für die Menschen in Deutsch­land und Europa einen Zu­ge­winn an Sicher­heit. Mit Be­ginn seines Engage­ments für Afgha­nis­tan hat Deutsch­land 2001 Ver­ant­wor­tung gegen­über all den Afgha­ninnen und Afghanen über­nommen, die kein zurück zu den Schrecken der Taliban-Herr­schaft mehr wollen."
(aus dem Afghanistan-Konzept der Bundesregierung)

Die Bundesregierung übernimmt bei Wiederaufbau und Ent­wick­lung Afghanistans eine wichtige Rolle und engagiert sich auf ver­schie­denen Ebenen für das Land. Deutsch­land war Aus­richter der Peters­berg-Kon­ferenz 2001 sowie der Berliner Afgha­nis­tan-Kon­fe­renz 2004. Auch durch die orga­ni­sa­torische Unter­stützung von zwei großen Rats­ver­samm­lungen (Emergency Loya Jirga 2002 und ver­fassungs­gebende Loya Jirga 2003/2004) und durch Bei­träge zur Durch­füh­rung der Präsi­dent­schafts­wahlen 2004 und 2009 sowie zu den Par­la­ments­wahlen 2005 und 2010 hat Deutsch­land die poli­tische Ent­wick­lung Afghanistans begleitet.

Deutschland ist ferner Gast­geber der Inter­natio­nalen Afgha­nis­tan-Kon­ferenz in Bonn am 5. De­zem­ber 2011 – der größten je­mals in der Bundes­republik orga­ni­sierten Außen­minister­kon­ferenz. Die Themen lang­fristiges Engage­ment der inter­natio­nalen Ge­mein­schaft in Afgha­nistan, zivile Aspekte der Über­gabe der Sicher­heits­ver­ant­wortung ("transition") sowie der politische Pro­zess für eine Friedens­lösung stehen im Mittelpunkt.

Auf den Konferenzen in Tokio (2002), Berlin (2004) und London (2006) hat Deutschland für den Zeitraum bis 2010 einen Grund­beitrag von 80 Millionen Euro pro Jahr für den zivilen Wieder­auf­bau und die Entwicklung Afghanistans zugesagt.

Seitdem ist der deutsche Beitrag kontinuierlich gestiegen: Im Jahr 2007 waren es schon rund 115 Millionen Euro (davon BMZ: 85 Millionen Euro), im Jahr 2008 rund 195 Millionen Euro (davon BMZ: 125 Millionen Euro) und im Jahr 2009 rund 252 Millionen Euro (davon BMZ: 144 Millionen Euro).

Im Januar 2010 hat die Bundesregierung im Kontext der inter­natio­nalen Afgha­nistan-Konferenz in London an­ge­kündigt, die Mit­tel für den zivilen Wieder­aufbau Afgha­nis­tans bis 2013 pro Jahr auf bis zu 430 Mil­lionen Euro zu er­höhen (250 Millionen Euro BMZ, 180 Mil­lionen Euro Auswärtiges Amt). Um zusätz­liche Reform­an­reize zu setzen, hat das BMZ seine jährliche Zusage 2011 in zwei Tranchen auf­ge­teilt: Die zweite Tranche von 110 Millionen Euro wurde erst zu­ge­sagt, nach­dem die afgha­nische Regie­rung die ver­ein­barten Reform­schritte unter anderem im Bereich der Kor­rup­tions­bekämpfung umgesetzt hatte.

Die Umsetzung des von Präsident Karzai zu Beginn seiner zweiten Amts­zeit im November 2009 angekündigten Reform­programms hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.

Das zivile Gesamtengagement Deutschlands in Afghanistan beläuft sich bis Ende 2011 auf rund 1,9 Milliarden Euro.

Die Bundesregierung hat Afghanistan außerdem bilaterale Schulden in Höhe von rund 65 Millionen Euro erlassen; der komplette Erlass der Restschulden von rund 10 Millionen Euro steht unmittelbar bevor, nachdem Afghanistan im Januar 2010 die multilaterale HIPC-Entschuldungsinitiative erfolgreich abgeschlossen hat.

Schwerpunkte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Afghanistan

Damit die Menschen in Afghanistan in Zukunft ein Leben in Frieden und Freiheit führen können, wird das Land noch für lange Zeit die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft benötigen. Gemeinsam mit anderen Staaten setzt sich die Bundesrepublik Deutschland dafür ein, die junge afghanische Demokratie zu sichern, Frauen und Männern gleiche Chancen zu eröffnen und Sicherheit zu schaffen.

Wichtige Ziele der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind dabei, die Leistungs­fähig­keit der Regierung, der Zivil­gesellschaft und des Privatsektors zu erhöhen, die Infra­struktur wieder­her­zu­stellen und den Zugang zu Bildung zu verbessern.

Neben kurzfristig wirksamen Maßnahmen der ent­wick­lungs­orien­tierten Not- und Über­gangs­hilfe kon­zen­triert sich die afghanisch-deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­arbeit auf die folgenden Schwerpunkte:

  • Gute Regierungsführung

  • Energie (insbesondere erneuerbare Energien)

  • Trinkwasserversorgung

  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (vor allem Einkommensschaffung)

  • Grundbildung

Regional konzentriert sich die bilaterale Entwicklungsarbeit der Bundes­republik mit Afgha­nis­tan vor allem auf den Norden des Landes, wo Deutsch­land auch im Rahmen der internationalen Schutztruppe (ISAF) besondere Verantwortung übernommen hat.

Gute Regierungsführung

Ungewohntes Bild: Frauen beim Straßenbau. Urheberrecht: KfW EntwicklungsbankÜber die Ein­rich­tung neuer, de­zen­traler und be­son­ders fle­xibler Unter­stüt­zungs­mecha­nismen hat das BMZ im Jahr 2010 sein En­ga­ge­ment für die Stär­kung der lokalen Re­gie­rungs­struk­turen in Nord­afgha­nis­tan in­ten­si­viert. Damit soll die afgha­nische Pro­vinz- und Distrikt­ad­minis­tration in die Lage ver­setzt wer­den, effek­tiver, ge­rechter und trans­pa­renter Leis­tungen für die ört­liche Be­völ­kerung zu erbringen.

Der Bereich Gute Regierungsführung umfasst ferner die Förderung der Rechts­staat­lich­keit, ins­be­son­dere die Stärkung der Justiz, mit Schwer­punkten in den Fel­dern Rechts­auf­klärung, Rechts­hilfe und Zusammen­arbeit zwischen Justiz und Polizei. Die Unterstützung hier wird in enger Zusammen­arbeit mit der Polizei­ausbildung des deutschen Polizei­projekt­teams in den Distrikten Nordafghanistans geleistet.

Ein zentrales Ziel des deutschen Engagements im Bereich Gute Regierungsführung ist darüber hinaus die Bekämpfung der Korruption. Deutschland unterstützt die afghanische Regierung deshalb bei der Entwicklung und der Umsetzung von Anti-Korruptionsmaßnahmen, unter anderem über einen offenen Politikberatungsfonds.

Über den Zivilen Friedensdienst fördert das BMZ außerdem den Schutz der Menschen­rechte, beispiels­weise durch die Stärkung der Afghanischen Unabhängigen Menschen­rechts­kommission. Der Zivile Friedensdienst stärkt auch zivil­gesell­schaftliche Mecha­nismen der Friedens­entwicklung in Afghanistan. Außerdem führt die deutsch-afghanische Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit gezielt Maß­nahmen zur Ver­besserung der Lage von Frauen und Mädchen durch, so zum Beispiel zur besseren Berück­sich­tigung ihrer Belange in der afghanischen Regierungspolitik.

Das BMZ zahlt schließlich in den von der Weltbank geführten Afghanistan Wiederaufbaufonds (Afghanistan Reconstruction Trust Fund, ARTF) ein (2011: 60 Millionen Euro). Hiervon werden sowohl landesweite afghanische Entwick­lungs­programme finan­ziert, als auch laufende Kosten der Regierung. So können in allen Landes­teilen Angestellte des öffent­lichen Sektors – bei­spiels­weise Lehrer­innen und Lehrer – bezahlt werden. Dies ist ein ent­schei­dender Beitrag dazu, mehr Ver­ant­wortung in afgha­nische Hände zu über­tragen und die Kor­rum­pier­bar­keit der Staats­ange­stellten zu redu­zieren. Über den ARTF setzt das BMZ ge­mein­sam mit anderen Gebern auch ge­zielt Anreize für die Durch­führung zentraler Reformvorhaben.

Energie (insbesondere erneuerbare Energien)

Vorführung von Solarkochern vor dem Informationszentrum für Erneuerbare Energien in Faizabad. Urheberrecht: GIZIm Rahmen dieses Schwer­punkt­bereichs hat Deutsch­land ver­schie­dene Wie­der­auf­bau­maß­nahmen ge­för­dert – zum Bei­spiel beim Stadt­netz in Kabul.

Um einen schnellen und nach­hal­tigen Bei­trag zur Sicher­stel­lung der Strom­ver­sor­gung in Kabul zu leisten, hat die Bun­des­re­publik die In­stand­set­zung der Was­ser­kraft­werke Mahipar und Sarobi vor­an­ge­trieben. Sie decken den Strom­bedarf von rund 800.000 Per­sonen im Groß­raum Kabul. Gemein­sam mit anderen Gebern hat Deutsch­land zudem in eine Über­tra­gungs­leitung inves­tiert, die Kabul und die Bal­lungs­zentren des Nordens seit Anfang 2009 mit Strom aus Usbe­kistan versorgt.

Derzeit konzentriert sich Deutschland verstärkt auf die dezen­trale Versorgung mit erneuer­baren Energien. Dazu gehören In­ves­ti­tionen in die Wieder­her­stellung und in den Neubau von Klein­wasser­kraft­werken, vor allem in den Nordprovinzen des Landes wie Kunduz, Takhar und Badakhshan.

Zudem berät Deutschland die afghanische Regierung in der Energiepolitik und fördert die Verbreitung erneuerbarer Energien in ländlichen Regionen. Ziel ist es, bessere Rahmenbedingungen für den Aufbau einer zuverlässigen Energieversorgung zu schaffen.

Trinkwasserversorgung

Trinkwasserbrunnen mit Handpumpe in Afghanistan. Urheberrecht: FMFB Afghanistan.Bis­lang ver­fügen nur etwa 22 Pro­zent der Be­völ­ke­rung über einen Was­ser­an­schluss. Ziel der afgha­nisch-deutschen Zu­sam­men­arbeit ist es daher, die Trink­was­ser­ver­sor­gung in Afgha­nis­tan schnell und deut­lich zu verbessern.

Rund drei­ein­halb Mil­lionen Menschen werden von der Wie­der­her­stel­lung der Trink­wasser­ver­sorgung in Kabul pro­fi­tieren. In den Pro­vinz­haupt­städten Herat und Kunduz er­hal­ten wei­tere rund 450.000 Menschen Zugang zu sauberem Trink­wasser. In den Pro­vinz- und Distrikt­haupt­städten Faizabad, Imam Saheb und Balkh im Norden Afghanistans unterstützt Deutschland seit Ende 2008 den Neubau und die Erweiterung der Wasser­ver­sor­gungs­systeme.

Neben solchen praktischen Vorhaben steht die Beratung des ent­sprechenden Minis­teriums bei der Re­form des Was­ser­sek­tors und bei der Re­struk­tu­rierung und Stär­kung von Be­trei­ber­struk­turen der Wasser­ver- und Ab­was­ser­ent­sorgung im Mit­tel­punkt der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­arbeit mit Afghanistan.

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Händler in Afghanistan. Urheberrecht: FMFB AfghanistanDie Wirt­schafts­ent­wick­lung Afgha­nis­tans wird durch ver­schie­dene Fak­toren ge­bremst: Vor allem in den länd­lichen Re­gionen fehlt es an Rechts­sicher­heit, die Infra­struk­tur ist schwach aus­ge­baut, lokalen Pro­dukten man­gelt es an Qua­li­tät, die Be­völ­ke­rung hat große Bil­dungs­de­fi­zite. Die afgha­nisch-deutsche Zu­sam­men­arbeit in diesem Sek­tor zielt vor allem darauf ab, die Pro­duk­ti­vi­tät auf dem Land und damit die Ein­kommens­chancen der Haus­halte zu erhöhen.

Zum deutschen Engagement in diesem Bereich gehören der Aufbau der First Micro Finance Bank (FMFB) und die Einrichtung der Investi­tions­agentur AISA (Afghan Invest­ment Support Agency). Die Mikro­finanz­bank FMFB hat im Mai 2004 ihre Arbeit auf­ge­nommen, ver­fügt landes­weit inzwischen über 32 Zweig­stellen und konnte allein seit Anfang 2011 37.000 Mikro­kre­dite sowie 320 Dar­lehen an kleine und mittlere Unternehmen vergeben.

Bei der Investitions­agentur AISA waren 2008 14.562 Unter­nehmen mit einem Investi­tions­volumen von über vier Milliarden US-Dollar registriert, die rund 628.000 Arbeits­plätze schaffen. 2007 hat zudem mit deutscher Unter­stützung eine afghanische Export­förder­agentur ihre Arbeit aufgenommen, die die afgha­nische Wirtschaft dabei unter­stützt, in den letzten Jahr­zehnten verloren gegangene Absatz­märkte zurück zu erobern.

Im "Doing-Business"-Report 2010 der Weltbank, der das Investitionsklima von 183 Ländern misst, nimmt Afghanistan Platz 160 ein. In der Kategorie "Starting a Business" (Firmengründung) liegt Afghanistan auf Platz 30.

Die Deutsche Investitions- und Ent­wick­lungs­gesell­schaft (DEG) engagiert sich seit 2002 für die För­derung von Exis­tenz­grün­dungen, um dadurch den Privat­sektor zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen.

Weitere Projekte zur Verbesserung der wirtschaft­lichen Rahmen­be­din­gungen kon­zen­trieren sich auf die beruf­liche Qua­li­fi­zie­rung, die Aus- und Fort­bil­dung von Frauen, die För­derung kleiner und mitt­lerer Unter­nehmen sowie auf die Ver­bes­se­rung der Re­gie­rungs­führung auf lokaler Ebene.

Grundbildung

Erster Schultag für afghanische Mädchen. Urheberrecht: BMZDeutsch­land hat auf Wunsch der afgha­nischen Re­gie­rung An­fang 2007 die Füh­rungs­rolle bei der Kon­zep­tion der lan­des­weiten Leh­rer­innen- und Leh­rer­aus­bil­dung über­nom­men und seit­dem sein Enga­ge­ment im Grund­bil­dungs­be­reich deut­lich verstärkt.

Einen Schwer­punkt bildet die finan­zielle und fach­liche Unter­stützung des Bil­dungs­minis­teriums bei der Um­set­zung des Na­tio­nalen Bil­dungs­plans (Natio­nal Edu­ca­tion Stra­te­gic Plan, NESP). Er soll die Schul­bil­dung der afgha­nischen Mädchen und Jun­gen vor allem durch den Bau von Schulen und Leh­rer­aus­bil­dungs­zentren sowie durch ver­bes­serte An­sätze zur Aus­bil­dung der Lehr­kräfte vor­an­treiben. Das BMZ unter­stützt fünf Lehrer­aus­bil­dungs­zentren im Norden Afgha­nis­tans, indem neue Lehr­ge­bäude und Wohn­heime ge­baut wur­den und das Mana­ge­ment sowie die Dozen­ten be­raten be­zie­hungs­weise fort­ge­bil­det wer­den. Ein be­son­derer Schwer­punkt liegt hier auf der För­de­rung von Mädchen­schulen und der Aus­bil­dung von Leh­rer­innen. Frauen machen mittler­weile knapp 40 Pro­zent der Lehr­amts­studie­renden in Afghanistan aus.

Zunehmende Bedeutung gewinnt außerdem die Berufs­bildung: Im April 2011 wurde die erste Aus­bil­dungs­aka­demie für Berufs­schul­lehrer und –lehrer­innen in Afgha­nis­tan mit deutscher Unter­stüt­zung in Kabul eröff­net; weitere werden folgen. Der Bau und die Wieder­her­stellung von tech­nischen Schulen in den Pro­vinzen des Nor­dens Badakhshan, Takhar, Balkh und Kunduz ist in Vor­be­rei­tung, ins­be­son­dere zur Aus­bil­dung von Öl- und Gas­tech­nikern, um die afgha­nische Re­gie­rung im zu­neh­mend wich­tigen Roh­stoff­bereich zu unterstützen.

Informationen

Siehe auch

Externe Links:

Service-Links & Inhaltsverzeichnis

Lexikon der Entwicklungspolitik
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