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Asien
Afghanistan blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Unter dem Einfluss unterschiedlicher Kulturen und Religionen (Hellenismus, Buddhismus, Hinduismus, Islam) bildeten sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Reiche auf dem Gebiet des heutigen Staates aus. Als Teil der Seidenstraße war das Land schon früh in den internationalen Verkehr und Fernhandel eingebunden. Im 19. Jahrhundert entstand Afghanistan in den heutigen Grenzen als Nationalstaat. Nach einer Phase unter britischem Protektorat erlangte Afghanistan 1919 seine Unabhängigkeit. Moderne Staatsstrukturen entwickelten sich allerdings nur langsam und in Konkurrenz zu traditionellen Machtgefügen. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts hatte sich in den Städten eine urbane Gesellschaft und Wirtschaft herausgebildet und der afghanische Staat hatte seinen Herrschaftsanspruch landesweit gefestigt.
Ein gewaltsamer Umsturz – die sogenannte April-Revolution – löste 1978 einen Bürgerkrieg aus, in den die damalige Sowjetunion Ende 1979 durch einen Einmarsch auf Seiten der Regierung eingriff. Es folgte ein zehnjähriger Guerilla-Krieg afghanischer Widerstandskämpfer (Mudschaheddin), die vor allem von den USA und Pakistan unterstützt wurden, gegen die afghanische Regierung und die sowjetische Armee. Auch der Abzug der sowjetischen Truppen 1989 brachte keinen Frieden: Der Kampf der Mudschaheddin gegen die afghanische Regierung ging weiter.
1992 eroberten die Mudschaheddin Kabul und riefen einen islamischen Staat aus. Doch schon bald zerfiel Afghanistan in Einflusszonen unterschiedlicher Kriegsherren. In dieser Situation formierte sich eine neue Bewegung radikaler Islamisten, die Taliban. 1996 besetzten sie Kabul und begannen mit der Umsetzung ihrer Ordnungsvorstellungen. Das Taliban-Regime wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 durch eine internationale Allianz unter Führung der USA entmachtet.
Bilanz des 23 Jahre dauernden Krieges bis 2001: Hunderttausende Tote, rund sieben Millionen Flüchtlinge, eine völlig zerstörte Infrastruktur, extreme Armut.
Neuanfang 2001
Seit 2001 stehen die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft vor der schwierigen Aufgabe, in Afghanistan Frieden zu schaffen und ihn zu festigen. Wirtschaftliche, soziale und politische Strukturen müssen wiederhergestellt oder neu errichtet werden.
Der Grundstein für den politischen Wiederaufbau des Landes wurde Ende 2001 auf einer Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn gelegt. Seither wurden wesentliche demokratische Institutionen etabliert. Auch die politischen Rahmenbedingungen für Frauen haben sich erheblich verbessert. Afghanistan hat nun eine Verfassung, die den Frauen und Mädchen gleiche Rechte wie Männern und Jungen einräumt und auch die Vertretung von Frauen im Parlament sichert. Die afghanische Zivilgesellschaft und die Medien entwickelten sich dynamisch.
Gleichzeitig sind seit 2001 erhebliche Fortschritte im wirtschaftlichen und sozialen Bereich zu verzeichnen. Sorgen bereitet jedoch die schlechte Sicherheitslage, die es schwer macht, die erreichten Erfolge zu sichern, auszubauen und die landesweite Entwicklung weiter voranzutreiben.
Beziehungen zwischen Afghanistan und Deutschland
Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1919 arbeiten Deutschland und Afghanistan auf vielen Gebieten eng zusammen. Die Bundesrepublik ist heute für fast 90.000 Menschen afghanischer Abstammung zur zweiten Heimat geworden.
Afghanistan gehört zu den Kooperationsländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, mit denen die Bundesrepublik auf Basis zwischenstaatlich vereinbarter Verträge eng zusammenarbeitet. Deutschland engagiert sich mit zivilen und militärischen Mitteln für den Wiederaufbau Afghanistans. Derzeit beteiligen sich über 4.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten in der internationalen Sicherheitsbeistandstruppe (ISAF) daran, den Frieden in Afghanistan zu sichern und afghanische Sicherheitskräfte auszubilden. Sie tragen dazu bei, ein sicheres Umfeld für die Wiederaufbau- und Entwicklungsarbeit zu schaffen. Der Deutsche Bundestag hat das Mandat für den ISAF-Einsatz der Bundeswehr im Januar 2012 um ein weiteres Jahr verlängert. Die Personalobergrenze wurde dabei zum ersten Mal seit Beginn des Einsatzes gesenkt, von 5.350 auf 4.900 Soldatinnen und Soldaten.
Ende 2014 soll der ISAF-Einsatz beendet sein. Die Entwicklungszusammenarbeit ist dagegen deutlich langfristiger angelegt. Afghanistan wird wahrscheinlich noch über Jahrzehnte auf die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft angewiesen sein.
Die Entwicklungszusammenarbeit von Afghanistan und Deutschland konzentriert sich auf die Schwerpunkte Gute Regierungsführung, Energie, Trinkwasser, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung sowie Grund- und Berufsbildung. Zum Schwerpunkt Gute Regierungsführung zählt auch die Förderung der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenrechte – besonders die Verbesserung der Lage von Mädchen und Frauen – sowie die Förderung von Mechanismen der Friedensentwicklung.
Deutsche Botschaft

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Afghanistan
Wazir Akbar Khan
Mena 6
Kabul
Telefon: 00 93 / 20 / 210 15 12
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