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Welthandel

Hintergrund: Das Welthandelssystem

Containerschiff im Hafen von Freetown in Sierra Leone

Die Welthandelsordnung hat sich über die Jahrhunderte laufend verändert:

Im 17. und 18. Jahrhundert dominiert noch der sogenannte Merkantilismus. Ziel der Staaten ist, möglichst viele Waren ans Ausland zu verkaufen und möglichst wenige Waren einzuführen. Wirtschaftswachstum wird also durch die Abschottung der eigenen Märkte zu Lasten anderer Staaten erzielt.

Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt die erste Phase der Globalisierung. In der Wirtschaftspolitik setzt sich die Überzeugung durch, dass freier Handel für alle beteiligten Länder wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.

Im 20. Jahrhundert hebt der technische Fortschritt bei der Kommunikation und Produktion die Grenzen zwischen den Ländern auf, die Vernetzung der Welt nimmt zu. Besonders deutlich wird dies bei elektronisch "transportierbaren" Dienstleistungen wie der Entwicklung von Software. Ob Entwicklung, Buchhaltung, Marketing, Verkauf oder Produktion – fast jeder Ort der Welt wird nun als Produktionsstätte oder Absatzmarkt in Betracht gezogen. Die Verlagerung ganzer Unternehmen an neue Standorte oder die Auslagerung einzelner Bereiche ist heute alltäglich.

Zunehmende wirtschaftliche Integration

Die zunehmende Zusammenführung und Vereinheitlichung von Märkten weltweit ("wirtschaftliche Integration") geht mit einer Steigerung des Güter- und Dienstleistungshandels einher. Während das Volumen des weltweiten Handels 1948 bei 124 Milliarden US-Dollar lag, betrugen die realen Warenexporte 2014 etwa 19 Billionen US-Dollar.

Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Integration wurde aber auch deutlich, dass es internationale Regeln braucht, um den Welthandel frei und fair zu gestalten.


Trend zu regionalen Abkommen

Die Verhandlungen über ein weltweites Handelsabkommen, das die Märkte weiter öffnet und außerdem die Entwicklungsländer besser in das System des Welthandels einbindet ("Doha-Entwicklungsrunde"), sind jedoch ins Stocken geraten. Als Reaktion darauf sind Bestrebungen sichtbar, die Wirtschaft auf regionaler Ebene zu liberalisieren, also von Einschränkungen zu befreien.

Dazu werden regionale Zusammenschlüsse gegründet, beispielsweise die Transpazifische Partnerschaft (TPP), das Umfassende Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen Europa und Kanada (CETA) oder die Wirtschaftsgemeinschaft des Verbands Südostasiatischer Staaten (AEC). Solche regionalen Zusammenschlüsse stellen allerdings auch eine Herausforderung für das Welthandelssystem dar, weil Drittländer dadurch benachteiligt werden können.


Entwicklungsländer in schwieriger Position

Für die meisten Entwicklungsländer hat die Liberalisierung des Welthandels bislang nicht die erhofften Verbesserungen gebracht. Oftmals sind sie nicht in der Lage, qualitativ hochwertige Produkte kostengünstig zu produzieren. Unternehmen in Entwicklungsländern können nicht mit Wettbewerbern anderer Länder konkurrieren, weil sich in vielen Entwicklungsländern noch keine leistungsfähige Exportwirtschaft entwickeln konnte. Auch dass zunehmend Aspekte wie Nachhaltigkeit und Menschenrechte in den handelspolitischen Austausch aufgenommen werden, sehen viele Entwicklungsländer als Risiko für ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Daher bleiben kleine und arme Entwicklungsländer weitgehend vom wachsenden Handel ausgeschlossen. Um für Investoren attraktiv zu werden, sind sie im globalen Standortwettbewerb gezwungen, Zugeständnisse zu machen: Sie richten darum zum Beispiel Freihandelszonen ein oder senken die Steuern. Durch solche Maßnahmen entgehen den Regierungen jedoch Einnahmen, die dringend für Investitionen in Bildung, Gesundheit, Soziales und Infrastruktur benötigt würden.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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