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Welthandelssystem

Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT)

LKW-Hänger warten auf die Verladung im Frachthafen von Trelleborg

Nach der großen Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre und dem Zweiten Weltkrieg musste der Welthandel neu geordnet werden. Insbesondere in den Kriegsjahren hatten viele Länder Maßnahmen ergriffen, um ihre eigene Wirtschaft zu schützen. Kolonien wurden wirtschaftlich ausgenutzt und konnten ihre eigenen Import- und Exportpotenziale nicht ausschöpfen.

Gründung der Welthandelsorganisation

Die letzte abgeschlossene Zollsenkungsrunde, die sogenannte Uruguay-Runde (1986-1993), stellte einen geschichtlichen Wendepunkt für das Regelwerk des internationalen Handels dar: Als Ergebnis der Verhandlungsrunde wurde 1995 die Welthandelsorganisation (WTO) gegründet. Das WTO-System umfasst verschiedene Abkommen. Die wichtigsten sind das überarbeitete GATT, das Allgemeine Übereinkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS), das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums (TRIPS) und das Streitschlichtungsverfahren (Dispute Settlement Understanding, DSU).

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Neuordnung des Wirtschaftswesens

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs herrschte große Einigkeit darüber, dass eine weltwirtschaftliche Entwicklung nur über den Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen zu erreichen sei. Die neu gegründeten Vereinten Nationen beriefen daher mehrere internationale Konferenzen über Handel und Beschäftigung ein. Diese hatten unter anderem die Neuordnung des internationalen Wirtschaftswesens durch die Gründung einer Internationalen Handelsorganisation (International Trade Organization, ITO) zum Ziel.

Die ITO sollte neben der neu gegründeten Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die dritte Säule einer neuen Weltwirtschaftsordnung werden. Die Teilnehmerstaaten konnten sich jedoch nicht auf entsprechende umfassende Regelungen einigen. Stattdessen wurde nur ein Teil der vorgesehenen ITO realisiert und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT) beschlossen.


Abbau von Handelshemmnissen

Das GATT trat 1948 in Kraft und leistete fast 50 Jahre lang einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Abbau von Zöllen. Die Bundesrepublik Deutschland ist dem Abkommen 1951 beigetreten.

Ziel des multilateralen Vertragswerks war die Förderung der weltwirtschaftlichen Entwicklung und des Wohlstands durch den Abbau von Handelshemmnissen und die Schlichtung von Handelskonflikten. Außerdem sah es Prinzipien vor, um handelspolitischen Beschränkungen entgegenzuwirken. Diese Prinzipien wurden später in die Arbeit der Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) aufgenommen, die das GATT 1995 ablöste.

Für Entwicklungsländer enthielt das GATT einige Ausnahmeregelungen. So wurden ihnen zum Beispiel in bestimmten Bereichen längere Übergangsfristen gewährt.


Die Zollsenkungsrunden

Im GATT waren sogenannte Zollsenkungsrunden vorgesehen. Acht Verhandlungsrunden haben seit 1947 stattgefunden. Betrugen die Durchschnittszölle 1947 noch 40 Prozent für verarbeitete Güter, sanken diese bis 1993 auf fünf Prozent. Dieser schrittweise Abbau von Handelshemmnissen kurbelte die internationalen Handelsbeziehungen an.

Hatten viele Staaten zunächst noch Bedenken, dass der Freihandel ihrer Wirtschaft schaden könnte, stieg die Zahl der Teilnehmer an den Verhandlungsrunden ab den 1960er Jahren stark an: Viele Entwicklungsländer, die mittlerweile ihre staatliche Unabhängigkeit erlangt hatten, wollten dem GATT beitreten. Zudem gerieten neben den Zollsenkungen weitere Themen auf die Tagesordnung, zum Beispiel Subventionen, Antidumping und das öffentliche Auftragswesen. Seit den 1970er Jahren wird auch der Handel mit Dienstleistungen verhandelt, der mit der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung immer mehr an Bedeutung gewinnt.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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