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Wasser und Energie

Ein Wasserkraftwerk

Zwischen dem Wasser- und dem Energiesektor bestehen enge Verbindungen:

Wasser für Energie

Wasser ist für die Energieversorgung unerlässlich. Wasser erzeugt Energie, wenn es die Turbinen von Wasserkraftwerken antreibt. Es ist zur Kühlung von Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken erforderlich und zur Bewässerung von Pflanzen, aus denen Biodiesel oder Biogas gewonnen wird. Auch für die Herstellung von Solarzellen oder für den Betrieb solarthermischer Kraftwerke ist Wasser unverzichtbar. Bei der Gewinnung von fossilen Brennstoffen durch Bergbau wird es ebenfalls gebraucht.

Als erneuerbare Energie gewinnt die Wasserkraft zunehmend an Bedeutung. Allerdings müssen besonders bei großen Stauseen neben den wirtschaftlichen Interessen auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt werden. So haben Stauseen Auswirkungen auf die Biodiversität und können zur Umsiedlung ganzer Dörfer führen. Stauseen sind auch ein Grund für auftretende Nutzungskonflikte, selbst wenn das Wasser nicht im direkten Sinne verbraucht wird. Wasser steht grundsätzlich, nachdem es Turbinen erreicht und angetrieben hat, flussabwärts wieder zur Verfügung. Probleme entstehen vor allem durch nicht abgestimmte zeitliche Abläufe: Wenn das Wasser am Stausee für die Energieproduktion zurückgehalten wird, kann es flussabwärts zur Bewässerung der Felder fehlen.

Durch eine koordinierte gemeinsame Nutzung der Wasserressourcen können solche Konflikte minimiert werden. Das verbessert meistens auch die Effizienz der Wassernutzung. Beispielsweise können Staudämme so angelegt werden, dass die Interessen der Stromerzeuger und der Landwirte optimal aufeinander abgestimmt sind.

Durch die systematische Berücksichtigung der Nexus-Perspektive kann solchen Nutzungskonflikten entgegengewirkt werden. In der Region Naher Osten und Nordafrika entwirft die deutsche Entwicklungszusammenarbeit beispielsweise Pläne und Strategien, die eine gemeinsame Nutzung der Ressourcen ermöglichen. Beim Bau des ersten solarthermischen Großkraftwerks in Marokko wurde frühzeitig der Wasserbedarf analysiert und ein Dialog mit Vertretern aus dem Wassersektor und der Bewässerungslandwirtschaft eingeleitet.

Energie für Wasser

Mit Wasser gewinnen wir nicht nur Energie, wir verbrauchen sie auch für unsere Wasserversorgung: für die Aufbereitung, Entsalzung und den Transport des Wassers durch Pumpen, für die Entsorgung von Abwasser und besonders viel für die Bereitstellung von Warmwasser im Haushalt und in der Industrie.

Abwasser: Kläranlagen verbrauchen in Deutschland mehr Strom als die Straßenbeleuchtung oder die Schulen. Dies gilt auch für andere Länder. Moderne Klärwerke nutzen das Abwasser als Energieressource. Der Klärschlamm kann unter Ausschluss von Sauerstoff und Einsatz von Bakterien zu Faulschlamm und brennbarem Faulgas abgebaut werden. Statt das Faulgas abzufackeln, kann es in gereinigter Form zur Stromproduktion genutzt werden.

Trinkwasser: Ein großes Potenzial für die zukünftige Trinkwasserversorgung hat die Meer- oder Brackwasserentsalzung. Zurzeit benötigt diese Technik allerdings noch sehr viel Energie und führt damit zu einem hohen Kohlendioxidausstoß. Eine Kombination mit Solar- oder Windenergie könnte ein Schlüssel zur Lösung des Problems sein. Allerdings stellt die Entsorgung der konzentrierten Salzlauge häufig noch ein Problem dar.

Wechselwirkungen: Für die Wasserversorgung wird viel Energie benötigt, daher haben die Energiekosten einen großen Einfluss auf den Wasserverbrauch. Speziell in der Landwirtschaft, in der das Wasser selbst häufig nichts kostet, bestimmt der Energiepreis für den Betrieb der Pumpen fast vollständig die Kosten der Bewässerung. Wird die Energieversorgung subventioniert, steht Wasser preisgünstig zur Verfügung. Die Landwirte sind dann in der Lage, ihre Felder ganzjährig zu bewässern und dadurch mehr zu ernten. In vielen Ländern sind solche Subventionen darum ein Mittel zur Bekämpfung von Hunger und Armut sowie zur Förderung der Wirtschaft.

Allerdings fehlen bei kostenloser oder günstiger Energie häufig die Anreize, Wasserressourcen effizient und nachhaltig zu nutzen und bestenfalls einzusparen. Dies kann dazu führen, dass die Wasser- und Energieressourcen zu intensiv genutzt werden. Besonders in trockenen Gebieten und bei der Nutzung nicht erneuerbarer Grundwasserressourcen ist dies ein großes Problem.

Um die Energienutzung in der Landwirtschaft zukunftsorientiert zu gestalten, fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit beispielsweise solarbetriebene Bewässerungstechniken. Dies kann durch die preisgünstige Energie allerdings zu einer Übernutzung der Grundwasserressourcen führen, weshalb die Wassernutzung in solchen Fällen streng reguliert werden muss. Die Bauern können überschüssige gewonnene Sonnenenergie dann in die Stromnetze einspeisen.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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