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Integriertes Wasserressourcenmanagement und Nexus-Ansatz


Ingenieur eines Bewässerungsprojekts bei der Kontrolle eines Bewässerungskanals

Das weltweite Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, die Urbanisierung sowie der Klimawandel üben massiven Druck auf die Ökosysteme und die Verfügbarkeit von Wasserressourcen aus. Der Bedarf der Landwirtschaft, die der global größte Wasserverbraucher ist, wird weiter steigen. Zusätzlich wächst die Nachfrage nach Energie und damit auch nach Wasserkraft. In Regionen, in denen Wasser besonders knapp ist, wird der Bedarf die Verfügbarkeit schon bald erheblich übersteigen.

Leitbild der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Wassersektor ist das Konzept des integrierten Wasserressourcenmanagements (IWRM). Wesentlicher Aspekt des IWRM ist der faire Interessenausgleich zwischen den verschiedenen wassernutzenden Akteuren. Bei der Entwicklung von Konzepten für die Bewirtschaftung der Wasser- und Landressourcen werden die Perspektiven aller Nutzergruppen im Wassereinzugsgebiet berücksichtigt. Bei grenzüberschreitenden Wassereinzugsgebieten ist dies oft eine Herausforderung, aber das gemeinsame Vorgehen bietet auch Chancen zur Kooperation und kann zu regionaler Stabilität und Entwicklung beitragen.

Ein zweites wichtiges Leitbild für koordiniertes Vorgehen ist der Nexus-Ansatz. Er wurde durch die von der Bundesregierung ausgerichtete "Bonn 2011 Nexus-Konferenz" in die internationale Diskussion eingebracht. Bei diesem Ansatz werden Wechselwirkungen zwischen eng verbundenen Sektoren berücksichtigt (Nexus = lateinisch für Verbindung, Gefüge). Der Kerngedanke des Nexus-Ansatzes lautet: In Anbetracht von Ressourcenknappheit und unzureichender Versorgung müssen die Bewirtschaftung der Ressourcen Wasser, Energie und Land und die Sicherung der (Grund-)Versorgung durch die beteiligten Sektoren in Zusammenarbeit geplant und ausgeführt werden.

Alle drei Ressourcen sind stark voneinander abhängig: Ohne Land und Wasser ist keine Landwirtschaft möglich, ohne Wasser zur Energieumwandlung oder zum Kühlen kann keine Energie erzeugt werden. Ohne Energie zum Pumpen von Wasser, zur Lagerung oder Weiterverarbeitung kann es wiederum keine effiziente Landwirtschaft geben.

Mit einem gemeinschaftlichen Ressourcennutzungs- und Versorgungskonzept – dem Wasser-, Energie- und Ernährungssicherheits-Nexus – kann die Effizienz gesteigert und es können Synergien geschaffen und bei Engpässen faire Kompromisse ausgehandelt werden. Ganz im Sinne der Agenda 2030 soll dabei die Versorgungssicherheit in einem Sektor nicht auf Kosten anderer Sektoren erreicht werden. Der Nexus-Ansatz ist ein wichtiger Baustein für die Erreichung der international vereinbarten Nachhaltigkeitsziele.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit berücksichtigt den Nexus-Ansatz bereits in vielen Projekten. Zudem arbeitet sie mit Partnerländern, anderen Gebern und internationalen Organisationen zusammen und unterstützt den Informationsaustausch sowie Forschung und Veröffentlichungen zum Thema.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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