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Wasser und Flucht und Migration

Menschen waschen ihre Wäsche in einem Binnenflüchtlingslager in der südsudanesischen Hauptstadt Juba

Die Zahl der Menschen, die wegen Armut, Krieg, Naturkatastrophen oder Menschenrechtsverletzungen ihre Heimat verlassen, ist so hoch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr: Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks sind weltweit rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht; rund 84 Prozent von ihnen bleiben in ihrer Heimatregion und werden von Entwicklungsländern aufgenommen.

Akute Fluchtauslöser wie Krieg, Verfolgung oder Gewalt kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit ihren Instrumenten nicht direkt beeinflussen. Aber sie kann bei den Fluchtursachen ansetzen und so dazu beitragen, den weltweiten Migrationsdruck zu mindern. Häufige Fluchtursachen sind Armut, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit, ungenügende Regierungsführung und mangelnde politische Teilhabe. Auch Lebensbedingungen wie Wassermangel oder wiederkehrende Überflutungen spielen eine entscheidende Rolle und der Klimawandel verschärft die Lage weiter. Innerhalb der Länder wie auch zwischen den Staaten können Konflikte um Wasser zunehmen und gewaltsame Auseinandersetzungen und Migrationsbewegungen begünstigen.

Fluchtursachen bekämpfen

Dürren und Hungersnöte gefährden viele Menschen in Entwicklungsländern. Zusätzlich ist eine mangelnde Wasser- und Sanitärversorgung eine häufige Ursache für Armut und damit für Migration. Ein Mangel an Basisdienstleistungen kann zudem das Vertrauen in den Staat vermindern und Konflikte verursachen oder verschärfen.

Wo Wasser ein knappes Gut ist, entstehen oft Konflikte zwischen verschiedenen Nutzern auf lokaler, nationaler oder zwischenstaatlicher Ebene. Besonders in wasserarmen Ländern, etwa im Nahen Osten, spielt die Verteilung und Bewirtschaftung der Wasserressourcen eine wichtige Rolle, um Konflikten vorzubeugen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit arbeitet mit daran, in den Herkunfts- und Aufnahmeländern der Flüchtlinge die staatliche Wasser- und Sanitärversorgung sowie den Schutz der Wasserressourcen zu verbessern, um damit den Menschen eine Perspektive in ihrer Heimat zu schaffen.


Aufnahmeregionen stabilisieren, Perspektiven schaffen

Ausbildung von syrischen Flüchtlingen als Klempnerinnen in Jordanien

Die meisten Flüchtlinge bleiben in ihrer Region, suchen entweder in anderen Teilen ihres Landes oder in Nachbarstaaten Schutz. Die aufnehmenden Gemeinden stellt das zum Teil vor große Herausforderungen, weil Infrastruktur und Ressourcen häufig schon für die einheimische Bevölkerung nicht ausreichen und nun weiter unter Druck geraten. Dadurch können Konflikte um knappe Ressourcen entstehen, die weitere Flüchtlingsströme, auch in die Europäische Union, wahrscheinlicher machen.

Die Akzeptanz von Flüchtlingen in den Aufnahmeländern ist nur gegeben, wenn die dort lebenden Menschen selbst ausreichend mit Wasser und Basisdienstleistungen versorgt werden. Dies trägt dazu bei, die Aufnahmeländer zu stabilisieren. Deshalb investiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit verstärkt in die Wasser- und Sanitärinfrastruktur von Flüchtlingslagern und aufnehmenden Gemeinden. Außerdem bieten diese Maßnahmen Einheimischen und Flüchtlingen Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten. Der Wassersektor bietet gute Ansätze an der Schnittstelle von Wasser und Berufsbildung, etwa in Ausbildungsprogrammen zu Wasserfachkräften.

Mit Flüchtlingen und aufnehmenden Gemeinden gemeinsam zu arbeiten hilft, Konflikte zu vermeiden. Außerdem verzahnt Deutschland Not- und Übergangshilfe mit der Entwicklungszusammenarbeit, um die Menschen nahtlos und langfristig zu versorgen.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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