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Hintergrund

Ursachen für die Zerstörung der Waldbestände

Luftbild von Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas

Ein großer Teil der Waldzerstörung ist Folge des Bevölkerungswachstums und der weit verbreiteten Armut der Menschen in den waldreichen Ländern. Dadurch kommt es zum Beispiel zu Waldschäden durch nicht nachhaltige Formen der Landnutzung. Ungesicherte Eigentumsverhältnisse an Wald und Boden verschärfen in vielen Fällen die Probleme.

Bis 2030 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich auf 8,2 Milliarden Menschen anwachsen, bis 2050 auf 9,7 Milliarden. Die steigende weltweite Nachfrage nach mineralischen und biologischen Rohstoffen, Nahrungs- und Futtermitteln, Biokraftstoffen und anderen Agrarprodukten wird die Konkurrenz um nutzbare Flächen verstärken. Diesem Konkurrenzdruck sind besonders die Wälder ausgesetzt.

Regenwolken über tropischem Urwald

Als wichtigste konkrete Ursache für den Verlust von tropischen Wäldern gilt ihre Umwandlung in Acker- und Weideflächen. Die Ausweitung von Infrastruktur, etwa durch Bau von Straßen und Siedlungen, und die Holzgewinnung oder der Abbau von Rohstoffen sind weitere wichtige Faktoren. Oft kommen mehrere Ursachen zusammen oder bedingen einander: Erst werden Straßen gebaut, um – häufig illegal – Tropenholz einzuschlagen. Diese Straßen bilden dann den Grundstein für neue Ansiedlungen und ermöglichen den Transport und die Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten. Die Rodungsflächen wiederum werden in Äcker oder Weiden umgewandelt – der Wald ist endgültig verloren.

Konflikte, Naturkatastrophen und die Auswirkungen des Klimawandels verstärken diese Prozesse der Ressourcenzerstörung. Die Klimaerwärmung hat bereits dazu geführt, dass weltweit Waldbrände zugenommen haben und sich die Artenzusammensetzung in Wäldern verändert.


Mängel bei der Regierungsführung

Schwache oder fehlende staatliche Strukturen, zu wenig Geld und Fachpersonal und mangelnder politischer Wille tragen zur Waldzerstörung bei. Häufig sind die Verwaltungs- und Justizorgane nicht in der Lage, Aspekte des Waldschutzes ausreichend zu berücksichtigen und die Einhaltung geltender Gesetze durchzusetzen. In den wenigsten Staatshaushalten ist die Waldwirtschaft angemessen berücksichtigt. Auch der wirtschaftliche Nutzen von Ökosystemdienstleistungen, die der Wald erbringt, wird häufig nicht erkannt. Dazu gehören zum Beispiel der Klimaschutz und die Bereitstellung von Wasser, Nahrungs- und Heilmitteln.

Günstlingswirtschaft und Korruption tragen ebenfalls zu Ausbeutung und Zerstörung der Wälder bei. Häufig ist die Politik mit den Wirtschaftsunternehmen verflochten, die Wälder abholzen, um Rohstoffe abzubauen oder Plantagen anzulegen.

Positive Effekte können sich durch den Prozess der staatlichen Dezentralisierung ergeben. Die Verlagerung von Entscheidungsbefugnissen von der Zentralregierung auf Regionen und Gemeinden kann dazu beitragen, dass die lokale Bevölkerung stärker an der Waldbewirtschaftung beteiligt wird und mehr Mitspracherecht bei Landreformen erhält. Da Fehlentwicklungen nicht ausgeschlossen sind, bedarf dieser Prozess aufmerksamer Beobachtung und häufig umfassender Stärkung der lokalen Kapazitäten.


Illegaler Handel und kriminelle Methoden

Verladung von Holz im Hafen von Jakarta, Indonesien

Die Gewinnspannen beim Geschäft mit Tropenholz sind hoch. Dadurch sind illegaler Raubbau und Handel zu einem lukrativen internationalen Geschäft geworden. Der weltweite ökonomische Schaden der illegalen Holznutzung ist enorm, denn pro Jahr gehen den betroffenen Staaten mehrere Milliarden Euro an Steuereinnahmen und Abgaben verloren.

Laut Schätzungen werden mehr als 50 Prozent des Holzes, das aus dem Amazonasgebiet, Zentralafrika, Südostasien und der Russischen Föderation exportiert wird, illegal gewonnen. Nur wenige rücksichtslose Konzerne und korrupte Entscheidungsträger profitieren – zu Lasten der lokalen Bevölkerung. Nicht selten werden Bewohner von Waldgebieten enteignet und gewaltsam vertrieben.

Wenn wertvolle Rohstoffe im Boden lagern, wird der Wald oft als "Störfaktor" betrachtet. Im Kongobecken gibt es zum Beispiel wertvolle Coltanreserven. Das Erz wird als Rohstoff für die Herstellung von elektronischen Geräten wie Mobiltelefonen benötigt. Sein hoher Weltmarktpreis hat dazu geführt, dass große Regenwaldgebiete für den Erzabbau zerstört wurden.


Bewaffnete Konflikte

Um die Ressourcen des Waldes, wertvolle Bodenschätze und um Landflächen werden häufig bewaffnete Konflikte ausgetragen. Die Einnahmen aus den Wäldern werden in vielen Fällen auch dazu missbraucht, kriegerische Konflikte zu finanzieren. Das Militär ist in manchen Ländern ein Hauptakteur beim Holzeinschlag und -handel.

So wurden zum Beispiel in Liberia während des Taylor-Regimes (1997 bis 2003) Wälder gerodet, um mit den Einnahmen aus der Vermarktung des Holzes Waffen zu finanzieren. Naturwaldgebiete und Nationalparks in Ruanda und in der Demokratischen Republik Kongo waren Kriegsgebiete, Guerillatruppen ziehen sich bis heute dorthin zurück. Oft sind auch Kriegsflüchtlinge gezwungen, Waldgebiete zu nutzen und sie dadurch – ungewollt – zu schädigen.

Andererseits führen bewaffnete interne Konflikte oder Bürgerkriege durch Anwesenheit von Kombattanten, durch Verminung und anderes dazu, dass Wälder erhalten bleiben, da die wirtschaftliche Dynamik sie ausklammert. Dies ist zum Beispiel in einem Land wie Kolumbien der Fall. Nach Beendigung des Konflikts kann es dann zu verstärkter Umwandlung von Wäldern kommen, zum Beispiel in landwirtschaftliche Nutzflächen.


Fehlende Nachhaltigkeit, mangelnde Rechtssicherheit

Schwer geschädigte Waldfläche in Kamerun

Waldzerstörung bringt kurzfristig hohe Gewinne. Eine langfristige und nachhaltige Nutzung von tropischen Naturwäldern ist dagegen häufig zunächst weniger ertragreich als andere Formen der Landnutzung wie Landwirtschaft oder Bergbau. Dies führt dazu, dass viele Regierungen und Privatunternehmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung keine hohe Bedeutung beimessen.

Gemessen am tatsächlichen Wert des Waldes sind die Preise für tropische Hölzer insgesamt noch nicht hoch genug. Doch in den vergangenen Jahren hat ein Umdenken eingesetzt. Auf lokaler, nationaler und globaler Ebene werden tropische Naturwälder immer stärker als wertvolle Ressource wahrgenommen, vor allem aufgrund ihrer Bedeutung für den Klimaschutz. Um den Schutz der Regenwälder durchzusetzen, muss allerdings in vielen Teilen der Welt die Regierungsführung noch deutlich verbessert werden.

Ein grundlegendes Hindernis für die Nachhaltigkeit der Waldnutzung sind unklare Besitz- und Nutzungsrechte für Land und Waldprodukte. Auch ist in den meisten Ländern nicht geregelt, wem eigentlich der Kohlenstoff gehört, den Wälder einlagern, indem sie Kohlendioxid binden. Damit bleibt auch die Frage unbeantwortet, wer im wichtiger werdenden Emissionshandel das Recht hat, mit den entsprechenden Emissionszertifikaten zu handeln. Ohne eine langfristige Rechtssicherheit in diesen Bereichen ist es unwahrscheinlich, dass sich eine nachhaltige Waldbewirtschaftung durchsetzen kann.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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