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Wald

Vereinbarungen zum Schutz des Waldes

Waldgebiet nach der Brandrodung

In den vergangenen Jahren wurde eine Vielzahl von regionalen und globalen Konventionen, Resolutionen und Empfehlungen internationaler Organisationen und Konferenzen erarbeitet, die in ihrer Gesamtheit das "Internationale Waldregelwerk" bilden.

Waldgrundsatzerklärung

Bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wurde die Waldgrundsatzerklärung verabschiedet. Darin wird zwar betont, dass jeder Staat das Recht hat, seine Wälder im Rahmen der eigenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zu nutzen. Sie ruft jedoch auch dazu auf, ihre globale Bedeutung zu berücksichtigen und eine nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen zu gewährleisten.

Mit den international vereinbarten Aktionsvorschlägen und dem darauf aufbauenden Walddialog bildet die Waldgrundsatzerklärung die Grundlage der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Waldbereich.


Waldforum der Vereinten Nationen

Im Jahr 2000 wurde das Waldforum der Vereinten Nationen (United Nations Forum on Forests, UNFF) etabliert. Es dient als Dialogplattform, soll die bisherigen waldpolitischen Empfehlungen und Vorschläge umsetzen und prüfen, wie das internationale Waldregelwerk institutionell und rechtlich verankert werden kann.

Im Mai 2006 verabschiedete das Waldforum vier Ziele:

  • Stopp des Waldverlusts und der Waldverwüstung weltweit mittels nachhaltiger Waldbewirtschaftung
  • Verbesserung der ökologischen, sozialen und ökonomischen Wirkungen der Wälder
  • Ausweitung der Fläche geschützter Wälder
  • Erhöhung der Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit im Waldbereich

Im April 2007 wurden diese vier Ziele in einer neuen internationalen Waldübereinkunft (Non legally binding Instrument on all Types of Forests, NLBI) festgeschrieben. Diese legt erstmals eine weltweit gültige Definition nachhaltiger Waldbewirtschaftung fest, die deutlich über die reine Holznutzung hinausgeht:

"Die nachhaltige Waldbewirtschaftung als dynamisches und sich entwickelndes Konzept verfolgt das Ziel, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Werte aller Arten von Wäldern zum Wohle gegenwärtiger und künftiger Generationen zu erhalten und zu verbessern."

2013 veröffentlichte das Waldforum einen Bericht zu den erzielten Fortschritten. Demnach haben zahlreiche Länder Rechtsgrundlagen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern geschaffen oder verbessert und nationale Waldprogramme entworfen. Unter anderem aufgrund von Aufforstungen hat die Waldfläche vor allem in den gemäßigten und nördlichen Klimazonen wieder zugenommen. Bei den Primärwäldern in Südamerika und Afrika, warnt der Bericht, seien jedoch weiterhin große Verluste festzustellen.


Biodiversitätskonvention

Afrikanische Waldelefanten im Dzanga-Nationalpark in der Zentralafrikanischen Republik

Die Biodiversitätskonvention beschäftigt sich mit der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt. Außerdem enthält sie Regelungen für die gerechte Aufteilung der Gewinne aus der Nutzung genetischer Ressourcen zwischen denen, die diese Ressourcen bereitstellen und denen, die sie nutzen. Da die Zerstörung von Wäldern zu den Hauptursachen von Artenverlust gehört, haben die Vertragsstaaten 1998 ein Arbeitsprogramm zur Wald-Biodiversität aufgestellt. 2002 wurde ein erweitertes Arbeitsprogramm zur waldbiologischen Vielfalt verabschiedet.

Bei der 9. Vertragsstaatenkonferenz zur Biodiversitätskonvention im Mai 2008 in Bonn wurden weitere Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt im Wald getroffen. Dazu zählen die Ausweitung und verbesserte Finanzierung von Waldschutzgebieten, die Eindämmung illegalen Holzeinschlags und ein angemessener Umgang mit gentechnisch veränderten Bäumen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf dieser Konferenz zu, dass Deutschland ab 2013 500 Millionen Euro jährlich bereitstellt, um Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Umsetzung der Konventionsziele zu unterstützen.


Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung

Setzling auf einem Acker im Norden Kenias

Wald kann die Ausbreitung von Wüsten verhindern und das Klima positiv beeinflussen. Aufforstungen werden darum auch als Mittel zur Desertifikationsbekämpfung eingesetzt. Die Unterstützung waldarmer und von Wüstenausbreitung bedrohter Länder steht im Mittelpunkt der Desertifikationskonvention der Vereinten Nationen (United Nations Convention to Combat Desertification, UNCCD), die 1996 in Kraft trat.

Die Konvention hat dazu beigetragen, dass in den meisten Ländern klare Regelungen für die Bekämpfung der Desertifikation aufgestellt wurden. Es wurden nationale Aktionsprogramme erarbeitet, die alle Projekte zur Bekämpfung der Desertifikation koordinieren und auch zivilgesellschaftliches Engagement fördern.


REDD+

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21.03.2011 - Animationsfilm des BMZ über REDD – ein innovatives Modell zum Wald- und Klimaschutz.

21.03.2011

Animationsfilm des BMZ über REDD – ein innovatives Modell zum Wald- und Klimaschutz.

REDD steht für "Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern" (englisch: Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation). Dahinter steckt die Idee, die Regierung und die Bevölkerung eines Landes finanziell zu belohnen, wenn sie die Zerstörung von Wäldern nachweislich vermeiden. Mit REDD+ wurde der Ansatz noch erweitert. Neben dem Waldschutz bezieht er nun auch andere Maßnahmen mit ein, die die Funktion des Waldes als Kohlenstoffspeicher unterstützen, zum Beispiel eine verbesserte Waldbewirtschaftung oder gezielte Aufforstungen.

Zahlungen erfolgen erst dann, wenn die Auswirkungen der Schutzmaßnahmen messbar und überprüfbar sind. Dafür muss ein spezielles Kontrollsystem, also eine Art "Kohlenstoffbuchhaltung”, aufgebaut werden.

Um den Schutz von Wäldern um den Aspekt des Klimaschutzes zu ergänzen, einigte sich die 16. Vertragsstaatenkonferenz zur UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC Ende 2010 darauf, den sogenannten REDD-Mechanismus weiterzuentwickeln. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Pariser Klimakonferenz ist REDD+ nun ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen zur Begrenzung des globalen Temperaturanstieges.


Bonn Challenge

Im September 2011 wurde bei einem Ministertreffen in Bonn die weltweit größte Initiative zur Renaturierung ins Leben gerufen. Ziel der sogenannten Bonn Challenge ist es, bis zum Jahr 2020 insgesamt 150 Millionen Hektar und bis 2030 mindestens 350 Millionen Hektar degradierter und entwaldeter Landfläche wiederherzustellen. 150 Millionen Hektar entsprechen ungefähr der vierfachen Größe Deutschlands. Durch die Aufforstung dieser Fläche könnte nach Schätzungen rund eine Gigatonne Kohlendioxid gebunden werden.

Die praxisorientierte Plattform soll bereits existierende internationale Zusagen zur Wiederaufforstung von Wäldern bündeln und ihre Verwirklichung unterstützen. Dazu zählen zum Beispiel Vereinbarungen im Rahmen der Biodiversitätskonvention, dem REDD+-Ansatz und der UN-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung (Rio+20).

Ausgerichtet wurde das Ministertreffen zum Start der Bonn Challenge von der deutschen Bundesregierung gemeinsam mit den Umweltorganisationen IUCN (International Union for Conservation of Nature) und GPFLR (Global Partnership on Forest and Landscape Restoration). Die Initiative wird von zahlreichen Regierungen, Privatunternehmen und zivilgesellschaftlichen Gruppen unterstützt. Konkrete Zusagen liegen bereits für rund 60 Millionen Hektar vor (Stand: Mai 2015), unter anderem aus den USA, Äthiopien und der Demokratischen Republik Kongo.

Im März 2015 fand die Folgekonferenz Bonn Challenge 2.0 statt. Teilnehmer aus Zentralamerika, Afrika und Südostasien kündigten dort eine Reihe von Initiativen und Partnerschaften für den Wiederaufbau von Wäldern an.


Waldschutzinitiative des Klimagipfels 2014 (New York Declaration on Forests)

Eine Viehherde sucht Schatten unter einem Baum.

Auf dem UN-Sondergipfel zum Klimaschutz im September 2014 in New York verabschiedeten die teilnehmenden Staaten eine Waldschutzerklärung (New York Declaration on Forests). Sie zielt darauf ab, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Außerdem sollen "entwaldungsfreie" Lieferketten aufgebaut werden. Diese sollen gewährleisten, dass für die Herstellung von Produkten wie Soja, Palmöl, Papier oder Fleisch keine Wälder abgeholzt werden. Schließlich greift die Waldschutzerklärung auch das Ziel der Bonn Challenge auf, bis 2030 350 Millionen Hektar degradierter und entwaldeter Landfläche wiederherzustellen.

Initiiert wurde die New York Declaration von Deutschland, Großbritannien und Norwegen, den drei Industriestaaten, die sich am stärksten für Waldschutz als Beitrag zum Klimaschutz in Entwicklungsländern engagieren.


Wälder in der Agenda 2030

Im September 2015 hat die Staatengemeinschaft neue internationale Entwicklungsziele verabschiedet, die die Millenniumsentwicklungsziele ablösen und bis zum Jahr 2030 erreicht werden sollen (Agenda 2030). 17 Ziele sollen die nachhaltige Entwicklung befördern. Das Ziel 15 hält den Schutz der Wälder fest: Konkret wird angestrebt, weltweit bis 2020 die Entwaldung zu stoppen und alle Wälder nachhaltig zu bewirtschaften. Beschädigte Wälder sollen wiederhergestellt und Aufforstungen deutlich gesteigert werden. In Ziel 6 wird außerdem die Bedeutung der Wälder für die Trinkwasserversorgung betont. Auch wenn Wälder nicht direkt genannt werden, spielen sie natürlich auch eine große Rolle bei dem Ziel 13, das sich mit Klimawandel beschäftigt.


Weitere Informationen

Informationen

Siehe auch

Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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