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Übergangshilfe (ÜH)

Resilienz stärken – Übergänge schaffen

Bangladesch: Angepasste Anbaumethoden und verbessertes Saatgut stärken die Resilienz der Bevölkerung gegenüber extremen Naturereignissen.

Viele Länder konnten in den letzten 30 Jahren ihren Entwicklungsstand deutlich verbessern. Dennoch hat sich die Komplexität von Krisen, Katastrophen und gewaltsamen Konflikten in einigen Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit deutlich erhöht.

In Ländern, die fragile staatliche Strukturen aufweisen und Naturgefahren wie Erdbeben oder den Folgen des Klimawandels besonders ausgesetzt sind, ist die Bevölkerung oft nicht ausreichend vorbereitet und kann nicht angemessen reagieren. Auch der Staat ist oft entweder nicht willens oder nicht in der Lage, die Bevölkerung zu schützen und negative Folgen abzufedern.

Deshalb schränken sowohl chronische Belastungen wie strukturelle Armut und wiederkehrende Dürreperioden als auch Schocks wie extreme Naturereignisse und gewaltsame Konflikte die Entwicklungsperspektiven in vielen Ländern ein. Sie zerstören soziale Strukturen und erhöhen damit die Verwundbarkeit der Bevölkerung.

Hier setzt die Übergangshilfe (ÜH) an, um humanitäre Bedarfe langfristig zu verringern und Strukturen für nachhaltige Entwicklungsprozesse zu schaffen. Mit seiner Strategie möchte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) dazu beitragen, die Widerstandskraft (Resilienz) von Menschen und Institutionen zu stärken.

Resilienz ist die Fähigkeit von Menschen und Institutionen – seien es Individuen, Haushalte, Gemeinden oder Staaten –, akute Schocks oder chronische Belastungen (Stress) aufgrund von fragilen Situationen, Krisen, gewaltsamen Konflikten und extremen Naturereignissen zu bewältigen, sich anzupassen und sich rasch zu erholen, ohne mittel- und längerfristige Lebensperspektiven zu gefährden.

Konkret kann die Stärkung von Resilienz bedeuten, dass Anbaumethoden zum Beispiel durch verbessertes Saatgut an den Klimawandel angepasst werden. Ebenso können soziale Strukturen gestärkt werden, um einen friedlichen Umgang mit Konflikten zu fördern und eine gewaltsame Eskalation und ihre negativen Folgen zu verhindern.

Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit verzahnen

Indien: Partizipative Risikoanalyse in einer Dalit-Gemeinde.

Ziel der Übergangshilfe ist es darüber hinaus, Übergänge zu schaffen ("connectedness"), das heißt humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit besser zu verzahnen. Die ÜH setzt dynamisch zwischen der vom Auswärtigen Amt verantworteten humanitären Hilfe, die dem übergeordneten Ziel folgt, Überleben zu sichern, und der mittel- bis langfristigen Entwicklungszusammenarbeit des BMZ ein.

Durch die Verzahnung von Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass bereits bei kurzfristigen Hilfsleistungen langfristige Ziele berücksichtigt werden. Kurzfristige Maßnahmen sollen möglichst mit weiterführenden Maßnahmen der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit oder lokalen Prozessen und Programmen verknüpft werden, um so zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Damit wird dem international anerkannten Ansatz "Linking Relief, Rehabilitation and Development" (LRRD) Rechnung getragen. Weitere Informationen zur humanitären Hilfe des Auswärtigen Amtes finden Sie hier.

Das Auswärtige Amt und das BMZ haben im November 2011 eine Ressortvereinbarung getroffen, die in einem Kernpunkt auch die Zuständigkeiten der humanitären Hilfe der Bundesregierung regelt. Das Auswärtige Amt ist für den gesamten Bereich der humanitären Hilfe der Bundesregierung verantwortlich. Das BMZ ist für die Übergangshilfe zuständig. Weitere Informationen zur Arbeitsteilung zwischen Auswärtigem Amt und BMZ finden Sie hier (PDF 138 KB).

Die Maßnahmen der ÜH setzen explizit in Übergangssituationen an, um die bestehende Lücke zu schließen und einen konkreten Beitrag zur Stärkung von Resilienz und "connectedness" zu leisten. Um die aufgezeigten Ziele wirksam zu erreichen, fördert das BMZ im Rahmen der Übergangshilfe Projekte in den folgenden Bereichen:

  • Wiederaufbau von sozialer und produktiver Basisinfrastruktur
  • Katastrophenvorsorge
  • (Re-)Integration von Flüchtlingen
  • Ernährungssicherung

Katastrophenvorsorge

Um den vielfältigen Herausforderungen im Umgang mit extremen Naturereignissen zu begegnen, setzt die Übergangshilfe auf einen ganzheitlichen Katastrophenvorsorgeansatz. Dieser umfasst alle Bereiche der Vorbeugung ("mitigation and prevention") und der Vorbereitung ("preparedness"), sowie einen katastrophenresilienten Wiederaufbau.

Ausgangspunkt aller Maßnahmen ist eine fundierte Risikoanalyse, welche die Naturgefahren mit der Vulnerabilität der Menschen verknüpft, um potenzielle Schäden abzuschätzen und konkrete Vorsorgemaßnahmen identifizieren zu können. Die Katastrophenvorsorge berücksichtigt auch die negativen Auswirkungen des Klimawandels und entwickelt Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Weitere Informationen zur Katastrophenvorsorge finden Sie hier.


(Re-)Integration von Flüchtlingen

Südsudan: GIZ unterstützt bei der Integration von Rückkehrern aus dem Norden.

Übergangshilfe fördert die (Re-)Integration von Flüchtlingen und intern Vertriebenen in die Aufnahme- beziehungsweise Herkunftsgesellschaften und unterstützt Maßnahmen für die ansässige Bevölkerung in Gebieten, die von Flüchtlingsströmen betroffen sind. Insbesondere die soziale und wirtschaftliche Integration und die Schaffung von Einkommensperspektiven stehen dabei im Vordergrund, um den sozialen Zusammenhalt dauerhaft zu stärken. Zudem werden Kapazitäten zur friedlichen Konfliktbearbeitung aufgebaut.


Ernährungssicherung

Pweto, DR Kongo: Ein Übergangshilfe-Vorhaben
fördert den Anbau von Gemüsesorten zur Diversifizierung der
Nahrungsmittelproduktion.

Kurz- und mittelfristig setzen die Maßnahmen zur Ernährungssicherung im Rahmen der Übergangshilfe unter anderem darauf, den Zugang zu Nahrungsmitteln und ihre Verwertung zu verbessern, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln zu steigern – und damit die prekäre Ernährungssituation zu überwinden.

Gleichzeitig werden erste Schritte zur langfristigen und nachhaltigen Stabilisierung und Verbesserung der Lebensgrundlagen eingeleitet, die die strukturellen Ursachen von Hunger und Ernährungsunsicherheit abbauen.

Die Ernährungssicherung in der Übergangshilfe setzt daher auf drei Schwerpunkte:

  • den Einsatz temporärer sozialer Transfers (zum Beispiel Cash-for-Work Maßnahmen), die den Zugang zu ausreichender und angemessener Nahrung verbessern,
  • Programme, die Unter- und Mangelernährung bei Schwangeren und Kleinkindern reduzieren und ihnen vorbeugen sollen, sowie
  • Maßnahmen zum (Wieder-)Anschub der landwirtschaftlichen Produktion, die zur verbesserten Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln beitragen.

Weitere Informationen zur Ernährungssicherung finden Sie hier.

Alle Maßnahmen der Übergangshilfe werden in Übereinstimmung mit den international anerkannten Standards und Prinzipien der Entwicklungszusammenarbeit (insbesondere denen des OECD-DAC) geplant, durchgeführt und evaluiert. Dies beinhaltet unter anderem, dass die Angemessenheit und Relevanz des Vorgehens durch detaillierte Bedarfsanalysen und regelmäßige Wirkungsüberprüfungen sichergestellt wird. Zudem werden die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern systematisch berücksichtigt (gendersensibel), betroffene Menschen werden eingebunden (Partizipation) und alle Maßnahmen werden darauf überprüft, dass sie keinen Schaden anrichten ("Do No Harm").


Lexikon der Entwicklungspolitik

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