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Handlungsfelder

Umweltgerechte Stadtentwicklung für Klimaschutz und Ressourcen­effizienz

Straßenverkehr in Neu-Delhi, Indien

Das Leben und Arbeiten in den wachsenden Städten belastet zunehmend die lokale Umwelt und das globale Klima: Giftige Abwässer versickern im Boden oder fließen ungeklärt in Flüsse, Abgase von Industrieanlagen und Autoverkehr verschmutzen die Luft und tragen zur Klimaerwärmung bei. Grüngürtel werden durch den Bau von Straßen, Gewerbegebieten und Wohnvierteln verdrängt. Umweltverschmutzung gehört zu den häufigsten Ursachen für Krankheiten und eine erhöhte Sterblichkeitsrate unter den städtischen Armen.

Im Bereich des kommunalen Umwelt- und Klimaschutzes unterstützt Deutschland seine Partner dabei, auf nationaler Ebene Kapazitäten für die Entwicklung von politischen Strategien und Instrumenten aufzubauen und Finanzierungsmöglichkeiten zu eröffnen. Auf städtischer Ebene fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Bemühungen, die Stadtplanung auf eine angemessene Flächennutzung sowie öffentliche Verkehrsmittel auszurichten. Durch ein leistungsfähiges Management werden der Flächenverbrauch, die Flächenversiegelung und verkehrsbedingte Emissionen reduziert.

Ressourcenschonende Kreislauf- und Versorgungssysteme, welche die Stadt mit ihrem Umland verbinden, berücksichtigen und nutzen Synergien und Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Sektoren. Hierzu unterstützt Deutschland den Aufbau eines integrierten städtischen Umweltmanagements, das es den Städten ermöglicht, lokale Entwicklungen umweltgerecht und sozialverträglich zu planen und eine intakte Umwelt zu erhalten.

Kommunen in Partnerländer werden unter anderem dabei unterstützt, Wasser- und Abwassersysteme zu sanieren, neue Wasser- und Klärwerke zu bauen sowie Fachkräfte auszubilden. Berater unterstützen die Behörden und Entsorgungsunternehmen dabei, die Abfallentsorgung umweltgerecht zu organisieren. Durch Öffentlichkeitsarbeit wird die Bevölkerung für umweltbewusstes Verhalten sensibilisiert.

Berücksichtigung von Klima- und Katastrophenrisiken

Verbreiterung eines Flußlaufes in Beira, Mosambik,um neue Überschwemmungsflächen zu schaffen

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt Partnerregierungen, Regionen und die unterschiedlichen Akteure in den Städten dabei, die Stadtentwicklung so zu gestalten, dass sie den wachsenden Herausforderungen des Klimawandels und dem steigenden Katastrophenrisiko angemessen begegnet. Dafür müssen nationale, regionale und lokale Planungen auf nationaler Ebene zusammengeführt und aufeinander abgestimmt werden. Klima- und Katastrophenrisiken müssen systematisch in der Haushalts- und Entwicklungsplanung berücksichtigt werden.

Auf lokaler Ebene umfasst ein integriertes Katastrophenrisikomanagement die Phasen der Vorbeugung, Vorbereitung sowie des katastrophenpräventiven Wiederaufbaus. Hierbei werden Städte bei der entsprechenden Organisation ihrer Planungs- und Verwaltungsprozesse unterstützt. In Risikoanalysen werden lokale Gegebenheiten untersucht und besonders verwundbare Punkte offengelegt. Die Ergebnisse dieser Analysen legen die Grundlage für eine effektive Katastrophenvorbeugung und werden in Prozesse der Stadtplanung integriert. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf kritischer Infrastruktur, Wertschöpfungs- und Zulieferketten sowie auf den städtischen Armutsgebieten.

In der Vorbereitung auf den Katastrophenfall unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ihre Partner bei der Schaffung schützender Infrastruktur, der Etablierung lokaler Frühwarnsysteme und bei der Erarbeitung von Evakuierungsplänen.


Klimaschutz

In den Städten entsteht ein großer Teil der weltweiten Treibhausgase. Sie werden durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Energiegewinnung, durch mangelhaftes Abwasser- und Abfallmanagement sowie durch Industrie und Verkehr verursacht. Internationale Klimaschutzbemühungen können also nur erfolgreich sein, wenn sie auch und vor allem in den Ballungszentren umgesetzt werden.

Deutschland ist seit vielen Jahren einer der größten Geber für den Klimaschutz in Entwicklungs- und Schwellenländer. In den vergangenen Jahren hat die Bundesregierung ihr Engagement in diesem Bereich systematisch ausgebaut. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) will auch die Privatwirtschaft motivieren, sich stärker zu engagieren. Denn ohne sie können die Klimaschutzziele nicht erreicht werden.

Städte und Kommunen sind die entscheidende Stelle, an der Klimawandel nicht nur beschrieben, sondern erfahren wird, an der Klimaschutz nicht nur gepredigt, sondern verwirklicht werden muss. Angesichts ihrer besonderen Nähe zu den Menschen verfügen sie über den entscheidenden Handlungsspielraum, um das Bewusstsein ihrer Bürger für globale Zusammenhänge zu fördern und Unterstützung für nachhaltiges Handeln einzuwerben.

Der Klimawandel gefährdet zunehmend die Potenziale der Städte und Kommunen. Insbesondere die Bewohner von informellen Siedlungen sind nur unzureichend vor extremen Wetterereignissen geschützt. Somit tragen klimabedingte Katastrophen zur Vertiefung der Kluft zwischen reichen und armen Bevölkerungsteilen und damit zu sozialen Konflikten bei.

Die deutsche Entwicklungspolitik unterstützt daher ihre Partnerländer und deren Städte dabei, ihre Möglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel auszubauen und finanzielle und technologische Unterstützungsleistungen effizient einzusetzen. Grundlegend dafür ist gute Regierungsführung, die alle wichtigen Akteure, auch die private Wirtschaft und die Zivilgesellschaft, einschließt. Gleichzeitig müssen für die Umsetzung auf lokaler Ebene die nationalen und internationalen politischen Weichen gestellt sein. Der Ausbau von Klimaallianzen von Städten und Kommunen weltweit kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

In diesem Zusammenhang ist die Zusammenarbeit der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt mit dem internationalen Kommunalverband ICLEI – Governments for Sustainability hervorzuheben, die das entwicklungspolitische Engagement deutscher Kommunen unterstützt.


Regionale Initiative für nachhaltige Stadtentwicklung in Asien

Straßenverkehr in Khulna, Bangladesch

Seit 2007 besteht die Cities Development Initiative for Asia (CDIA), die sich den besonderen Herausforderungen der schnell wachsenden mittelgroßen Städte Asiens widmet. Die Multi-Geber-Initiative wurde vom BMZ und der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) gegründet. Weitere Beiträge leisten die Regierungen Schwedens, der Schweiz, Österreichs und die Stadtregierung Shanghais.

Das Regionalvorhaben hat zum Ziel, in mittelgroßen Städten Asiens (250.000 bis 5 Millionen Einwohner) eine umweltgerechte und armutsorientierte Stadtentwicklung zu fördern und die Lebensbedingungen der Bewohner zu verbessern.

Bislang sind die Städte häufig nicht in der Lage, notwendige Infrastrukturprojekte in ausreichender Qualität zu entwickeln und sich finanzielle Mittel für die Umsetzung zu beschaffen. Daher liegt der Hauptschwerpunkt der Initiative auf der Entwicklung von Infrastrukturprojekten und dem begleitenden Ausbau von Planungs- und Managementfähigkeiten (Capacity Development). Die Stadtverwaltungen sollen in die Lage versetzt werden, aus vorhandenen Stadtentwicklungsstrategien konkrete, finanzierungsfähige, sozial- und umweltgerechte Infrastrukturprojekte zu entwickeln. Die CDIA unterstützt die Städte außerdem dabei, geeignete Geldgeber zu finden und ihre Projekte entsprechend zu vermarkten.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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