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Sport für Entwicklung

Sport bewegt und bildet

Kinder beim Sportunterricht in einer Schule im Westjordanland

 Nelson Mandela
Sport hat die Kraft, die Welt zu ver­ändern. Er hat die Kraft zu inspirieren.
Er hat die Kraft, Menschen zu vereinen, wie es sonst nur weniges kann. Er spricht die Jugend in einer Sprache an, die sie ver­steht. Sport kann Hoffnung erwecken, wo vorher nur Verzweiflung war.
Nelson Mandela

Sport hat große Potenziale: Er macht Freude. Er fördert die körper­liche und see­lische Gesund­heit von Kindern und Jugend­lichen. Er vermittelt Werte wie Fairness, Toleranz, Respekt und Disziplin. Er stärkt das Selbst­wert­gefühl und Selbst­vertrauen und fördert die Bereit­schaft, Verant­wortung zu über­nehmen. Sport schult die Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen. Und beim Sport werden Kompe­tenzen erwor­ben ("life skills"), die dabei helfen, schwierige Lebens­situatio­nen zu meistern und Pers­pek­tiven für die eigene Zu­kunft zu ent­wickeln.

Nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die gesamte Gesell­schaft kann Sport wichtige Impulse geben: So können Sport­vereine und -verbände wichtige Auf­gaben inner­halb einer lebendigen Zivil­ge­sell­schaft über­nehmen. Sport­plätze sind nicht nur attrak­tive Infra­struktur, sie sind zugleich Orte für Gemein­schaft, Austausch und Begeg­nung.

Sport als "Grundrecht für jeden"

Philippinische Mädchen beim Spiel mit Reifen

In ihrer "In­ter­na­ti­o­nalen Charta für Leibes­erziehung und Sport" von 1978 hat die Orga­ni­sa­tion der Vereinten Nationen für Bildung, Wissen­schaft und Kultur (UNESCO) in Artikel 1 Sport als "Grund­recht für jeden" be­schrieben: "Jeder Mensch hat ein Grund­recht auf Zugang zu Leibes­erziehung und Sport, die für die volle Ent­faltung seiner Persön­lich­keit wesentlich sind. Die Freiheit, körperliche, geistige und moralische Kräfte durch Leibes­erziehung und Sport zu entfalten, muss sowohl inner­halb des Bildungs­systems, als auch in anderen Bereichen des sozialen Lebens gewähr­leistet sein."

Heute ist allgemein aner­kannt, dass Sport sowohl als schulisches, als auch als außer­schu­lisches Bildungs­angebot einen wichtigen Beitrag zur För­derung von Kindern und Jugend­lichen leistet und dass Kinder ein Recht auf Sport­angebote haben. Ent­sprechend nennt auch Artikel 31 der UN-Kinder­rechts­konven­tion "das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und alters­gemäße Erholung sowie auf freie Teil­nahme am kulturellen und künst­leri­schen Leben".

Dieses Recht wird noch zu oft ignoriert oder miss­achtet. Das all­gemeine Bil­dungs­system hält nur für die wenigsten Kinder und Jugend­lichen auf der Welt Sport­ange­bote bereit. In vielen Ent­wick­lungs­ländern gehört Sport nicht zum Lehr­plan oder es gibt keine quali­fizierten Lehre­rinnen und Lehrer, die Sport unter­richten können. Dazu kommt, dass noch immer 57 Millionen Kinder im Grund­schul­alter gar nicht zur Schule gehen können.


Sport als Entwicklungsinstrument

Schüler beim 75-Meter-Lauf

Sport kann in vielen Bereichen der Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit als Instru­ment für Bildung und Erziehung ein­gesetzt werden. Beispiele dafür sind die ent­wick­lungs­po­litischen Arbeits­felder Gesund­heits­förderung, Bildung, Gewalt­präven­tion, Trauma­bewäl­tigung, Friedens­för­derung, gute Regie­rungs­führung, Inklusion, Wirt­schafts­ent­wick­lung, Um­welt­schutz und Gleich­stellung der Geschlechter.

Um das Potenzial von Sport für Ent­wick­lung zu nutzen, müssen die ent­sprechenden Ent­wicklungs­pro­gramme optimal auf die so­zialen und kul­turellen Rah­men­be­din­gun­gen im Partner­land zu­geschnitten werden. Denn Sport kann auch negative Kräfte ent­falten und Gewalt, Kor­rup­tion, Rassis­mus, Doping und Betrug be­günstigen.

Für Ent­wicklungs­programme eignen sich vor allem Breiten­sportarten, die keine teure Aus­rüstung erfordern, zum Beispiel Fußball, Volley­ball, Laufen oder Schwimmen. Ent­scheidend bei der Auswahl geeigneter Sport­arten ist neben den Kosten ihre Ak­zeptanz im jeweiligen Land.

Auch Sport­groß­veran­stal­tungen können für Ziele der Ent­wick­lungs­po­li­tik eingesetzt werden. Sie interessieren und mobi­lisieren Menschen wie nur wenige andere Ereig­nisse. Dadurch können solche Ver­an­stal­tungen wichtige Impuls­geber für weit­reichende Pro­zesse im Sinne einer nach­haltigen Ent­wick­lung sein. Groß­veran­stal­tungen wie Fußball-Welt­meister­schaften oder Olym­pische Spiele lenken den Blick der Welt­öffent­lichkeit auf den Sport und stärken damit zugleich das Poten­zial des Sports für Ent­wick­lung.


Vereinte Nationen

Kinder in Burkina Faso spielen Fussball.

Sport steht für Werte wie Res­pekt vor dem Gegner, Akzep­tanz von Regeln, Teamwork und Fairness – Prinzi­pien, die auch in der Charta der Verein­ten Nationen von 1945 ent­halten sind. Innerhalb des UN-Systems wird Sport als über­greifen­des Instru­ment zur Ver­mittlung dieser Werte ein­gesetzt. Sport kann öffent­liches Bewusst­sein wecken und so als Tür­öffner für andere bedeu­tende Ziele der Verein­ten Natio­nen dienen – wie zum Beispiel die Ein­haltung der Menschen­rech­te.

In einem Beschluss der UN-Ge­neral­versamm­lung von 1993 erklärten die Vereinten Nationen das Jahr 1994 zum In­ter­na­ti­o­nalen Jahr des Sports und des olym­pischen Ideals. In den Folge­jahren verab­schie­deten sie verschie­dene UN-Reso­lutionen zur Schaffung einer fried­lichen und besseren Welt mit Hilfe des Sports. Unter anderem wurde die alte griechi­sche Tra­dition der "Olym­pischen Waffen­ruhe" wieder­belebt. Seit 1993 wird die Reso­lution vor allen Olym­pischen Sommer- und Winter­spielen an­gepasst, und die Mit­glieds­staaten werden dazu aufgerufen, diese Waffen­ruhe einzu­halten.

2001 ernannte der damalige UN-General­sekre­tär Kofi Annan erst­malig einen UN-Sonder­berater für Sport im Dienste von Ent­wick­lung und Frieden und unter­strich damit die Bedeu­tung von Sport für die Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit. Die Arbeit des Sonder­beraters wird seit 2008 vom Büro der Verein­ten Nationen für Sport im Dienste von Ent­wick­lung und Frieden (United Nations Office on Sport for De­vel­op­ment and Peace, UNOSDP) unter­stützt. Das UNOSDP hat seinen Haupt­sitz in Genf und ein Ver­bindungs­büro in New York.

Weitere wichtige UN-Reso­lutionen zur Bedeu­tung von Sport sind die 2003 verab­schiedete Reso­lution 58/5 "Sport als Mittel zur För­derung der Bildung, der Gesund­heit, der Ent­wick­lung und des Friedens" und ihre Folge-Reso­lutionen. Die Vereinten Natio­nen betonen darin den Beitrag, den Sport zum Er­reichen der Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele leisten kann.

Um ein öffent­liches Bewusstsein für die Bedeutung von Sport zu schaffen, haben die Vereinten Nationen im August 2013 den 6. April zum "In­ter­na­ti­o­nalen Tag des Sports im Dienste von Ent­wick­lung und Frieden" erklärt.


Europäische Union

Auch auf EU-Ebene wird Sport als Ent­wicklungs­instru­ment gefördert. 2006 unterzeichneten die EU-Kommission und die In­ter­natio­nale Föde­ration des Ver­bands­fußballs (Fédération In­ter­natio­nale de Football Association, FIFA) eine gemein­same Absichts­erklärung. Darin stellten sie speziell den Fußball in den Dienst von Ent­wick­lung – und zwar für Afrika, den karibi­schen Raum und für Länder im Pazifi­schen Ozean. 2007 formulierte die EU-Kom­mission ein "Weißbuch Sport", das für eine stärkere Sport­förderung im Rahmen der in­ter­na­ti­o­nalen Ent­wick­lung plädierte.


Deutsche Bun­des­re­gie­rung

Für die deutsche Bun­des­re­gie­rung ist die För­derung des Sports ein wichtiger Beitrag zum Erreichen der in­ter­na­ti­o­nalen Ent­wick­lungs­ziele. Sie wird sich im Bereich "Sport für Ent­wick­lung" in Zukunft noch stärker enga­gieren. Aus­führliche Infor­mationen darüber finden Sie in unserem nächsten Kapitel hier.


Weitere Informationen

Sport und Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit

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17.10.2013 - Die südafrikanerische Nationalspielerin Keneilwe Mathibela nutzt ihre Bekannt­heit und ihren Erfolg, um be­nach­tei­lig­ten Jugend­lichen mittels Fußball dabei zu helfen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. In dem Projekt "Youth De­vel­op­ment Through Football" der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit bildet Keneilwe Jugend­liche zum Coach aus – und vermittelt ihnen auf spielerische Weise Werte wie Fair Play, Respekt, Teamgeist und Solidarität.

17.10.2013

Die südafrikanerische Nationalspielerin Keneilwe Mathibela nutzt ihre Bekannt­heit und ihren Erfolg, um be­nach­tei­lig­ten Jugend­lichen mittels Fußball dabei zu helfen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. In dem Projekt "Youth De­vel­op­ment Through Football" der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit bildet Keneilwe Jugend­liche zum Coach aus – und vermittelt ihnen auf spielerische Weise Werte wie Fair Play, Respekt, Teamgeist und Solidarität.

Die südafrikanische Fuß­ball­na­tio­nal­spielerin Keneilwe Mathibela bildet Jugend­liche zum Coach aus. Sie ver­mit­telt ihnen auf spiel­er­ische Weise Werte wie Fair Play, Respekt, Team­geist und Solidarität.

Informationen

Siehe auch

Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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