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Hintergrund

Soziale Sicherung – wichtiges Instrument im Kampf gegen die Armut


Afrikanische Familie.
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit.
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 1948

73 Prozent der Weltbevölkerung müssen ohne jegliche soziale Absicherung leben. Sie sind Lebensrisiken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Alters­armut schutz­los ausgeliefert. Wenn ihre Familie von einer Krankheit, einem Unfall oder einer Missernte betroffen ist, sind sie oft gezwungen, ihr Überleben durch kurz­fristige Not­lösungen zu sichern – auch wenn ihnen das lang­fristig schadet: Die Betroffenen müssen beim Essen sparen und schwächen damit ihre Ge­sund­heit und Arbeits­kraft. Sie sehen sich gezwungen, ihre Kinder zur Arbeit statt zur Schule zu schicken oder wichtige Pro­duk­tions­mittel wie Maschinen oder Saat­gut  zu ver­kaufen, die ihnen dann für die Ein­kommens­sicherung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Viele Menschen erleben solche Situationen. Für die meisten von ihnen ist es unmöglich, sich aus eigener Kraft daraus zu befreien.

Soziale Sicherheit ist ein Menschenrecht

In zahlreichen internationalen Vereinbarungen ist soziale Sicherheit als Menschenrecht verankert, zum Beispiel im Sozialpakt der Vereinten Nationen, in der Frauenrechts- und der Kinderrechtskonvention sowie in der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Soziale Sicherheit ist Voraussetzung für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und erfolgreiche Armutsbekämpfung – und damit ein Schlüssel für das Erreichen der globalen Nachhaltigkeitsziele. Wer krank ist und in Armut lebt, kann sich nicht an der Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft beteiligen. Das Fehlen von sozialer Sicherheit schwächt die wirtschaftliche Produktivität eines Landes erheblich. Umgekehrt zeigt sich, dass Länder ökonomisch erfolgreicher werden, wenn sie in soziale Sicherungssysteme investieren.

In vielen Entwicklungsländern sind traditionelle Solidargemeinschaften – in erster Linie die Familien – die einzige Form sozialer Absicherung. Doch durch die demografische Entwicklung, die Verbreitung von HIV/AIDS oder anderer Infektionskrankheiten und durch zunehmende Migration geraten die Familien immer häufiger an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Veränderte Lebensbedingungen, wachsende soziale Ungleichheiten und neue Risiken, etwa durch den Klimawandel, führen dazu, dass soziale Sicherungssysteme in den Entwicklungsländern immer wichtiger werden. Sie sollten

  • vor dem Eintritt von Notlagen bewahren,

  • individuelle Krisen und finanzielle Probleme abfedern,

  • die Selbsthilfefähigkeiten und die Eigenvorsorge armer Menschen zur Bewältigung von Krisen nachhaltig stärken und

  • extrem arme Menschen und solche, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft erwirtschaften können, unterstützen und ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.

Soziale Sicherung trägt somit sehr direkt und effektiv zur Vermeidung und Reduzierung von Armut bei, fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und hilft, Stabilität und Frieden eines Landes zu erhalten.


Große Herausforderungen

Beim Auf- und Ausbau sozialer Sicherungssysteme stehen die Kooperationsländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vor großen Herausforderungen. Bis zu 85 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in diesen Ländern im informellen Sektor. Sie werden daher durch herkömmliche staatliche Sozialversicherungssysteme in der Regel nicht erreicht. Hinzu kommt, dass vorhandene Sicherungssysteme oft unterfinanziert sind und vorhandene Mittel zugunsten wohlhabender Bevölkerungsgruppen umverteilen.

Für die Entwicklung tragfähiger und sozial ausgewogener Sicherungsprogramme gibt es keine Standardlösungen: Entscheidend ist, Systeme zu entwickeln, die an die spezifischen Bedürfnisse des jeweiligen Landes angepasst sind. Reformprozesse in diesem Bereich können nur dann nachhaltig wirksam sein, wenn Staat, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft eng zusammenarbeiten. Gemeinsam können sie ein soziales Sicherungssystem für die gesamte Bevölkerung schaffen, das die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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