Hauptinhalt

Deutsch-Indisches Programm Soziale Sicherung

Eine Krankenversicherung für arme Menschen

Besitzerin eines kleinen Ladens in einem Slum in Neu-Delhi

Indien ist eines der Länder mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum weltweit und dennoch lebt fast ein Drittel der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze. Die bisher in Indien existierenden sozialen Dienstleistungen, wie Krankenversicherung oder Altersrente, stehen nur den Erwerbstätigen im formalen Sektor zu. Mehr als 90 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet aber ohne Arbeitsvertrag als Tagelöhner, Landarbeiter oder Kleinhändler. Die Mehrheit dieser informell Beschäftigten verfügt über keinerlei angemessene soziale Absicherung. Unvorhersehbare Ausgaben und Einkommensausfälle infolge von Krankheit, Unfall oder Tod des Hauptverdieners sowie sinkende Erwerbschancen im Alter führen dann dazu, dass die Familien noch tiefer in die Armut abgleiten.

Um das System der sozialen Sicherung für informell Beschäftigte und ihre Familien zu verbessern, unterstützt das Deutsch-Indische Programm Soziale Sicherung (Indo-German Social Security Programme, IGSSP) unter anderem das indische Ministerium für Arbeit und Beschäftigung bei der Einführung einer nationalen Krankenversicherung für arme Familien, der Rashtriya Swasthya Bima Yojana (RSBY).

Kernelement von RSBY ist eine computerlesbare Versichertenkarte, die zur kostenlosen Behandlung im Krankenhaus berechtigt. Mit einem Fingerabdruck wird die Gesundheitskarte personifiziert. Sie ermöglicht den einfachen Zugang zu medizinischen Leistungen, da weder das Ausfüllen von Formularen noch Bargeld notwendig sind.

120 Millionen Menschen profitieren

Mit über 37 Millionen versicherten Familien, beziehungsweise rund 120 Millionen Familienmitgliedern, ist die Krankenversicherung RSBY seit 2008 zu einem der weltweit größten Versicherungssysteme im Gesundheitsbereich angewachsen. Mehr als 10.000 öffentliche und private Krankenhäuser nehmen in ganz Indien an RSBY teil. Durch die Krankenversicherung werden jährlich bis zu fünf Haushaltsmitglieder, die unter der Armutsgrenze leben, mit bis zu 30.000 Indischen Rupien (etwa 400 Euro) unterstützt.

Seit dem Start des Krankenversicherungssystems konnten so schon mehr als 9,8 Millionen Krankenhausaufenthalte finanziert werden. Durch die kostenlose Krankenversicherung wurde auch für Frauen der Zugang zu medizinischer Versorgung im Krankenhaus verbessert.

Das Krankenversicherungssystem RSBY wird durch die indische Regierung mit über 300 Millionen Euro pro Jahr subventioniert und ausschließlich von Steuergeldern getragen. Die einzelnen Versicherungsprämien von jährlich etwa 560 Indischen Rupien (etwa 8,70 Euro) werden zu 75 Prozent von der indischen Regierung und zu 25 Prozent von den einzelnen indischen Bundesstaaten finanziert.

RSBY wird in 26 Bundesstaaten und zwei Unionsterritorien angeboten. In vier Staaten wurde in Pilotprojekten eine Ausweitung des RSBY-Leistungspakets auf ambulante Behandlungen erprobt. Die elektronische Versichertenkarte und das IT-System von RSBY werden von ersten Bundesstaaten auch zur Bereitstellung anderer Sozialleistungen genutzt. Dies hat zu wesentlichen finanziellen Einsparungen und mehr Transparenz geführt.

RSBY ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein staatliches Versicherungssystem, das in enger Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor und Akteuren der Zivilgesellschaft erarbeitet und eingeführt wurde, mit Hilfe von moderner Technologie zu einer besseren sozialen Absicherung für Millionen von armen Menschen führen kann, auch in einem so großen und kontroversen Land wie Indien.

Deutscher Beitrag: 7,4 Millionen Euro
Geplante Laufzeit: 2014 bis 2017


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen