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Deutsch-Indisches Programm Soziale Sicherung

Eine Krankenversicherung für arme Menschen

Besitzerin eines kleinen Ladens in einem Slum in Neu-Delhi

Indien ist eines der Länder mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum weltweit. Dennoch lebt fast ein Drittel der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze. Viele der in Indien existierenden sozialen Dienstleistungen, wie Krankenversicherung oder Altersrente, stehen nur den Erwerbstätigen im formalen Sektor zur Verfügung. Mehr als 88 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung arbeiten aber ohne Arbeitsvertrag als Tagelöhnerinnen und Tagelöhner, Landarbeiterinnen und Landarbeiter oder Kleinhändlerinnen und Kleinhändler. Die Mehrheit dieser informell Beschäftigten verfügt über keinerlei angemessene soziale Absicherung. Unvorhersehbare Ausgaben und Einkommensausfälle infolge von Krankheit, Unfall oder Tod des Hauptverdienenden sowie sinkende Erwerbschancen im Alter führen dazu, dass Familien noch tiefer in die Armut abgleiten.

Um das System der sozialen Sicherung für informell Beschäftigte und ihre Familien zu verbessern, unterstützt das "Deutsch-Indische Programm Soziale Sicherung" (Indo-German Social Security Programme, IGSSP) das indische Gesundheitsministerium und dessen nachgeordnete Behörden bei der Konzeption und Umsetzung einer nationalen Krankenversicherung für arme Familien, genannt Pradhan Mantri Jan Arogya Yojana (PMJAY), sowie dessen Vorgängerversicherung Rashtriya Swasthya Bima Yojana (RSBY). Ziel der Versicherungen ist es, armen Menschen den Zugang zu kostenlosen Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen.

Das Deutsch-Indische Programm Soziale Sicherung wird durch die Bill & Melinda Gates Stiftung mit rund 4,1 Millionen Euro kofinanziert.

Absicherung von 500 Millionen Menschen

PMJAY ist Teil einer 2018 angekündigten Gesundheitsreform der indischen Regierung, der Ayushman Bharat Initiative (übersetzt etwa "Lang lebe Indien").  Durch PMJAY sollen mehr als 500 Millionen Menschen versichert werden. Jede versicherte Familie kann jährlich Gesundheitsdienstleistungen von bis zu 500.000 indischen Rupien (circa 6.300 Euro) in öffentlichen und privaten Krankenhäusern in Anspruch nehmen. Anspruchsberechtigte Personen zahlen keine Beiträge. Die Versicherungssumme wird anteilig von der Zentralregierung und den Bundesstaaten getragen. Jede Familie kann beliebig viele Mitglieder in PMJAY einschreiben. So soll sichergestellt werden, dass besonders benachteiligte Personengruppen, wie zum Beispiel Mädchen und Ältere, gleichen Zugang zu einer kostenlosten Krankenversicherung erhalten. PMJAY wurde im September 2018 eingeführt und wird schrittweise auf ganz Indien ausgeweitet.

PMJAY ist die derzeit größte und wichtigste sozialpolitische Maßnahme der indischen Regierung und hat das Potenzial, den indischen Gesundheitssektor grundlegend zu reformieren, die Qualität von Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern und arme Menschen nachhaltig zu stärken. Die Krankenversicherung ist Indiens Beitrag zur Erreichung von universeller sozialer Absicherung im Krankheitsfall (englisch: universal health coverage) und somit zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung.

Deutschland ist an der Gestaltung und Umsetzung von PMJAY maßgeblich beteiligt und leistet Unterstützung und technische Beratung unter anderem in den Bereichen IT-Architektur, Kostenkalkulation der Leistungspakete, Qualitätsstandards für Krankenhäuser, Entwicklung von Informationskampagnen für die Zielgruppe sowie Monitoring und Evaluierung. Mit deutscher Unterstützung wurde auch der Aufbau einer eigenständigen zentralen Behörde zur Verwaltung von PMJAY (englisch: National Health Agency) begleitet. Kapazitäten der indischen Partner werden durch Trainings, Weiterbildungen sowie Experteneinsätze gestärkt.


Digitalisierung im Dienste der Gesundheit

Um Direktzahlungen für Gesundheitsdienstleistungen, welche in Indien zu den höchsten weltweit gehören, zu reduzieren, hat die indische Regierung bereits 2008 die Krankenversicherung RSBY ins Leben gerufen. Kernelemente von RSBY waren ein umfassendes IT-System und eine biometrische Versichertenkarte, zu deren Entwicklung und Einführung Deutschland einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Die Karte berechtigte versicherte Personen, kostenlose Behandlungen in über 10.000 öffentlichen und privaten Krankenhäusern in Anspruch zu nehmen. Der Zugang zu medizinischen Leistungen war einfach, da weder das Ausfüllen von Formularen noch Bargeld notwendig waren.

Mit mehr als 134 Millionen versicherten Personen ist RSBY bis zur Einführung von PMJAY zu einer der weltweit größten Krankenversicherungen angewachsen. Durch RSBY wurden arme Familien mit jährlich bis zu 30.000 indischen Rupien (etwa 380 Euro) unterstützt. So konnten durch RSBY zwischen 2008 und 2017 etwa 15 Millionen Krankenhausaufenthalte finanziert werden. Durch die kostenlose Krankenversicherung verbesserte sich auch für Frauen der Zugang zu medizinischer Versorgung im Krankenhaus. Der Anteil von Frauen an der Gesamtzahl der Versicherten erhöhte sich von 38 Prozent im März 2011 auf fast 50 Prozent im Juni 2016.

PMJAY wird auf diesen Erfahrungen aufbauen und innovative Ansätze weiterentwickeln, um noch mehr Menschen zu erreichen.

Deutscher Beitrag: 8,4 Millionen Euro

Geplante Laufzeit: 2014 bis 2020


Lexikon der Entwicklungspolitik

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