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Deutsch-Indisches Programm Soziale Sicherung

Eine Krankenversicherung für arme Menschen

Besitzerin eines kleinen Ladens in einem Slum in Neu-Delhi

Indien ist eines der Länder mit dem schnellsten Wirtschaftswachstum weltweit und dennoch lebt fast ein Drittel der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze. Die bisher in Indien existierenden sozialen Dienstleistungen, wie Krankenversicherung oder Altersrente, stehen nur den Erwerbstätigen im formalen Sektor zu. Mehr als 90 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung arbeitet aber ohne Arbeitsvertrag als Tagelöhner, Landarbeiter oder Kleinhändler. Die Mehrheit dieser informell Beschäftigten verfügt über keinerlei angemessene soziale Absicherung. Unvorhersehbare Ausgaben und Einkommensausfälle infolge von Krankheit, Unfall oder Tod des Hauptverdieners sowie sinkende Erwerbschancen im Alter führen dann dazu, dass die Familien noch tiefer in die Armut abgleiten.

Um das System der sozialen Sicherung für informell Beschäftigte und ihre Familien zu verbessern, unterstützt das Deutsch-Indische Programm Soziale Sicherung (Indo-German Social Security Programme, IGSSP) unter anderem das indische Ministerium für Arbeit und Beschäftigung bei der Einführung einer nationalen Krankenversicherung für arme Familien, der Rashtriya Swasthya Bima Yojana (RSBY). Das Vorhaben wird durch die Bill & Melinda Gates Foundation mit rund 4,1 Millionen Euro kofinanziert.

Kernelement von RSBY ist eine computerlesbare Versichertenkarte, die zur kostenlosen Behandlung im Krankenhaus berechtigt. Mit einem Fingerabdruck wird die Gesundheitskarte personifiziert. Sie ermöglicht den einfachen Zugang zu medizinischen Leistungen, da weder das Ausfüllen von Formularen noch Bargeld notwendig sind.

Mehr als 130 Millionen Menschen profitieren

Mit mehr als 41 Millionen versicherten Familien, beziehungsweise rund 134 Millionen Familienmitgliedern (Stand: April 2016), ist die Krankenversicherung RSBY seit 2011 zu einem der weltweit größten Versicherungssysteme im Gesundheitsbereich angewachsen. Mehr als 10.000 öffentliche und private Krankenhäuser nehmen in ganz Indien an RSBY teil. Durch die Krankenversicherung werden jährlich bis zu fünf Haushaltsmitglieder, die unter der Armutsgrenze leben, mit bis zu 30.000 Indischen Rupien (etwa 400 Euro) unterstützt.

Seit dem Start des Krankenversicherungssystems konnten so schon etwa 11,8 Millionen Krankenhausaufenthalte finanziert werden. Durch die kostenlose Krankenversicherung wurde auch für Frauen der Zugang zu medizinischer Versorgung im Krankenhaus verbessert. Der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Versicherten erhöhte sich von 38 Prozent im März 2011 auf fast 50 Prozent im Juni 2016.

Das Krankenversicherungssystem RSBY wird in 20 Bundesstaaten und zwei Unionsterritorien Indiens angeboten. Es wird durch die indische Regierung mit über 300 Millionen Euro pro Jahr subventioniert und ausschließlich von Steuergeldern getragen. Die einzelnen Versicherungsprämien von jährlich etwa 560 Indischen Rupien (etwa 8,70 Euro) werden zu 75 Prozent von der indischen Regierung und zu 25 Prozent von den einzelnen indischen Bundesstaaten finanziert.

In Zusammenarbeit mit den zentral- und bundesstaatlichen Ministerien ist es Deutschland gelungen, ein innovatives, IT-gestütztes soziales Sicherungsprogramm zu entwickeln, das über bundesstaatliche Grenzen hinaus übertragbar ist. RSBY gilt weltweit als gutes Beispiel dafür, wie ein staatliches Versicherungssystem, das in enger Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor und Akteuren der Zivilgesellschaft erarbeitet und eingeführt wurde, mit Hilfe von moderner Technologie zu einer besseren sozialen Absicherung für Millionen von armen Menschen führen kann, auch in einem so großen und kontroversen Land wie Indien.

Deutscher Beitrag: 7,4 Millionen Euro
Geplante Laufzeit: 2014 bis 2020


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Siehe auch

Externe Links

Lexikon der Entwicklungspolitik

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