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Hintergrund

Chancen und Herausforderungen für rohstoffreiche Entwicklungsländer


Förderturm im Sonnenuntergang.

Die langfristig weltweit steigende Nachfrage nach Rohstoffen bietet rohstoffproduzierenden Entwicklungsländern die Chance, mithilfe der Rohstoffindustrie bedeutsame Einnahmen zu erzielen und dadurch eigene Finanzmittel für die nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren. Gleichzeitig stellt der Rohstoffsektor die betreffenden Länder aber auch vor große Herausforderungen.

In vielen Entwicklungsländern machen Rohstoffe bereits heute einen großen Teil der Exporteinnahmen aus. Das ist auch mit Risiken verbunden: Hohe Deviseneinnahmen führen zu einer Aufwertung der lokalen Währung und damit oft zu einer ungewollten Schwächung der heimischen Industrie und zu nachlassender Kaufkraft. Es droht eine einseitige Abhängigkeit von den Rohstoffausfuhren und damit auch von der Weltwirtschaftslage.

Doch in den vergangenen Jahrzehnten wurden in einigen Rohstoffländern erfolgreich geeignete Finanzinstrumente zur Stabilisierung der Staatshaushalte bei schwankenden Rohstoffeinnahmen eingesetzt. Länder wie Chile, Peru, Australien und Norwegen zeigen, dass Entwicklung auch bei hoher Abhängigkeit von Rohstoffexporten möglich ist, wenn sie durch eine umsichtige Finanzpolitik abgefedert wird.

Für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung wird jedoch mehr benötigt als nur Exporteinnahmen: Es müssen neue Arbeitsplätze geschaffen werden, die Wirtschaft muss sich mit neuen Produkten Märkte erschließen (Diversifizierung). Und sie muss Produkte so weiterverarbeiten, dass sich mit den Erzeugnissen mehr Gewinn erzielen lässt (Wertschöpfung). Das stellt viele rohstoffproduzierende Entwicklungsländer vor erhebliche Schwierigkeiten.

Die Bergbauindustrie selbst hat einen vergleichsweise geringen Arbeitskraftbedarf. Ihre Ansiedlung kann jedoch langfristig den Aufbau einer Zuliefer- und Weiterverarbeitungsindustrie nach sich ziehen, die deutlich mehr Beschäftigungsmöglichkeiten schafft als der Bergbau selbst.

Transparenz als Instrument gegen Korruption und Misswirtschaft

In vielen Entwicklungsländern sind die für die Kontrolle und Aufsicht des Bergbaus verantwortlichen staatlichen Institutionen relativ leistungsschwach. Hierdurch werden eine effektive Regulierung der Rohstoffwirtschaft sowie die Kontrolle des Staatshaushaltes durch die Bürgerinnen und Bürger erschwert. Dies ist umso mehr der Fall, wenn nicht der steuerzahlende Bürger, sondern die – oft international aufgestellte – Rohstoffindustrie einen erheblichen Anteil der Staatseinkünfte liefert. Mögliche Folgen sind Intransparenz, Günstlingswirtschaft und Korruption.

Staatliche Einnahmen aus der Rohstoffgewinnung gelangen in solchen Fällen nicht dorthin, wo sie für eine nachhaltige Entwicklung gebraucht werden. Die Herstellung von Transparenz von Finanzströmen aus der Rohstoffwirtschaft ist daher ein unverzichtbares Instrument zur Eindämmung von Korruption und Misswirtschaft und ein wesentliches Ziel der Initiative für Transparenz in der Rohstoffwirtschaft (EITI), zu deren Unterstützern Deutschland gehört. (Mehr Informationen dazu finden Sie ​hier.)


Ökologische und soziale Standards

Zu den staatlichen Aufgaben im Rohstoffsektor in diesem Bereich gehören die Bergsicherheit (Arbeitssicherheit), der Umweltschutz und weitere soziale Aspekte. Insbesondere die zuständigen Aufsichtsbehörden müssen in der Lage sein, ihren Aufgaben effektiv nachzukommen. Weiterhin muss die lokale Bevölkerung in die Projektplanung einbezogen werden, um langfristige wirtschaftliche und soziale Perspektiven zu schaffen.

Der Bergbau verursacht zum Teil irreparable Umweltschäden und findet oft unter sehr schweren Arbeitsbedingungen statt. Das ist insbesondere dort der Fall, wo der Bergbau keiner ausreichenden staatlichen Kontrolle unterliegt und wo Bergbaukonzerne keine Selbstverpflichtung zur Einhaltung anerkannter ökologischer und sozialer Standards eingehen.

Der Abbau von Rohstoffen zieht meist auch Migration in die Bergbauregionen nach sich, besonders bei sehr wertvollen Rohstoffen wie Gold oder Diamanten. Dies kann neue Probleme aufwerfen, etwa eine steigende Ausbreitung von HIV und Aids. Bei der Vorbeugung sind Staat und Unternehmen gleichermaßen gefordert: So können staatliche Programme zur Sensibilisierung der Bevölkerung wie auch Arbeitsplatzprogramme dazu beitragen, die Verbreitung von HIV zu verhindern.

Um die Umwelt vor Eingriffen zu schützen, müssen Umweltstandards nicht nur für den Betrieb, sondern auch für die Schließung von Bergwerken entwickelt und durchgesetzt werden. Die Bergbaualtlasten stellen in vielen Ländern ein bislang völlig vernachlässigtes und weitgehend ungelöstes Problem dar.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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