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Analysieren, vorbeugen, anpassen, vermeiden

Instrumente des Katastrophenrisikomanagements


Helfer der  Rothalbmond-Gesellschaft in Bangladesch nutzen ein Megaphon, um die Bewohner eines Dorfes vor einem heranziehenden Tropensturm zu warnen.

Um das Risiko von Katastrophen zu vermindern, müssen zahlreiche Akteure auf lokaler und nationaler Ebene kooperieren. Dazu gehören Staat und Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und die Zivilgesellschaft. Je besser die verschiedenen Elemente des Katastrophenrisikomanagements zu einem System verknüpft werden, umso besser kann sich ein Land auf eine unmittelbare Bedrohung vorbereiten und im Unglücksfall reagieren. Folgende Instrumente kommen in der Entwicklungszusammenarbeit zum Einsatz:

  • Risikoanalyse
  • Vorbeugung, Minderung, Anpassung
  • Vorbereitung auf den akuten Katastrophenfall
  • Katastrophenresilienter Wiederaufbau
  • Risikotransfer
  • Vermeidung neuer Risiken

Im folgenden Text finden Sie Informationen über diese Instrumente.

Um den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und regionalen Fachleute zu fördern, hat die Bundesregierung unter Federführung des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) die Globale Initiative Katastrophenrisikomanagement (GIKRM) ins Leben gerufen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Risikoanalyse

In Risikoanalysen wird sowohl die Wahrscheinlichkeit von Naturereignissen als auch die Anfälligkeit der betroffenen Bevölkerung erfasst. So wird zum Beispiel die Eintrittswahrscheinlichkeit und die Stärke einer Naturgefahr berechnet, und es werden die wichtigsten Risikofaktoren für eine Gesellschaft ermittelt, etwa die wirtschaftliche Situation, das soziale Umfeld, die herrschenden Umweltbedingungen und die Siedlungsdichte. Risikoanalysen enthalten außerdem verschiedene Schadensszenarien und eine Analyse unterschiedlicher Wege, nach einer Katastrophe möglichst schnell zur Normalität zurückzukehren.

Bei der Erarbeitung solcher Analysen werden die Menschen vor Ort genauso beteiligt wie die verantwortlichen politischen Akteure. Die Betroffenen kennen sich am besten mit "ihren" Naturgefahren aus. In der Regel fehlen ihnen aber die technischen, finanziellen und politischen Mittel, um ihr Wissen für konkrete Maßnahmen zu nutzen. Auch auf sich verändernde Bedrohungslagen, etwa im Zuge des Klimawandels, können sie sich häufig nur schwer einstellen. Eine partizipativ durchgeführte Risikoanalyse stärkt das Risikobewusstsein und versetzt die unterschiedlichen Akteure in die Lage, eine aktive Rolle bei der Vorbereitung auf den Katastrophenfall einzunehmen.


Vorbeugung, Minderung, Anpassung

Ziel der Katastrophenvorbeugung ist, das Entstehen eines extremen Naturereignisses von vornherein zu vermeiden oder zumindest seine Folgen so gut wie möglich zum vermindern. Das kann sowohl durch technische Maßnahmen erreicht werden, zum Beispiel den Bau von Deichen und Flutschutzmauern, als auch durch ökosystembasierte Ansätze wie das Anlegen von Mangrovenwäldern. Sie dienen als Flut- und Erosionsschutz und sind ein gutes Instrument zur Anpassung an das durch den Klimawandel steigende Risiko von Überflutungen.

Auch die Erarbeitung entsprechender Gesetze und Verordnungen gehört zum Katastrophenrisikomanagement. Dazu zählt beispielsweise die Einführung von Landnutzungsbeschränkungen in Überschwemmungsgebieten oder von Bauvorschriften in Erdbebengebieten.


Vorbereitung auf den akuten Katastrophenfall

Eine gute Vorbereitung auf Katastrophenfälle kann die Opferzahlen und die materiellen Verluste deutlich verringern. Dafür werden Frühwarnsysteme eingerichtet und Evakuierungs- und Notfallpläne, etwa für Krankenhäuser und Schulen, aufgestellt. Es werden sowohl professionelle Mitarbeiter von Rettungsdiensten aus- und fortgebildet als auch Freiwillige, die sich im Katastrophenschutz engagieren.

Um zu gewährleisten, dass die Hilfe im Katastrophenfall schnell und wirksam erfolgt, werden die zuständigen staatlichen Stellen geschult und die politischen und juristischen Rahmenbedingungen angepasst.


Katastrophenresilienter Wiederaufbau

Ein übergreifendes Ziel der deutschen Entwicklungspolitik ist es, den Kreislauf aus Armut und Verwundbarkeit gegenüber Naturgefahren zu durchbrechen. Nach einem extremen Naturereignis wird daher versucht, Lehren aus der Katastrophe zu ziehen und Maßnahmen des Katastrophenrisikomanagements unmittelbar in den Wiederaufbauprozess einfließen zu lassen.

Es geht darum, möglichst schnell die Infrastruktur wiederaufzubauen und zugleich zu gewährleisten, dass die Existenzgrundlage der betroffenen Gesellschaft nachhaltig gesichert wird, also nicht mit dem nächsten Naturereignis gleich wieder zerstört wird. So werden beispielsweise Slumbewohner dabei unterstützt, einen legalen Status und somit auch Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen zu erhalten. In ländlichen Gebieten werden neue Anbauflächen bei ihrer Errichtung vor Erdrutschen geschützt, um sie "katastrophenresilienter" zu machen.

Bei allen von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit geförderten Wiederaufbauprojekten wird sichergestellt, dass die lokalen Gemeinschaften die Verantwortung dafür übernehmen können. So ist gewährleistet, dass die Maßnahmen langfristig wirksam sind.


Risikotransfer

Mit dem Begriff Risikotransfer werden im Katastrophenrisikomanagement Finanzlösungen bezeichnet, die das Risiko vom einzelnen Betroffenen auf eine Gemeinschaft verlagern. Das können zum Beispiel Versicherungen sein, die an lokale Verhältnisse angepasst sind und im Fall einer Katastrophe rasch finanzielle Unterstützung leisten. Eine weitere Möglichkeit sind Risikofonds, die von Ländern mit einem hohen Katastrophenrisiko gemeinschaftlich eingerichtet werden und im Notfall schnell Gelder zur Verfügung stellen können.


Vermeidung neuer Risiken

Wie bei jeder anderen Investition ist es auch in der Entwicklungszusammenarbeit äußerst wichtig, zu vermeiden, dass durch die geförderten Maßnahmen neue Risiken entstehen. Dementsprechend befürwortet das BMZ sorgfältige Risikoanalysen für alle Projekte in Risikogebieten, zum Beispiel für Bauvorhaben.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit arbeitet nicht nur mit Umwelt- und Katastrophenmanagementbehörden zusammen. Zunehmend werden auch die Finanz- und Planungsministerien einbezogen, damit bei allen öffentlichen und privaten Vorhaben Katastrophenrisiken von vornherein berücksichtigt werden.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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