Hauptinhalt

Internationale Zusammenarbeit

Konferenzen, Vereinbarungen und Institutionen zum Schutz vor Katastrophen

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der G7-Konferenz zu Klimariskoversicherungen: (1. Reihe von links) Achim Steiner, Direktor des UNEP, Staatssekretär Friedrich Kitschelt, Anote Tong, Präsident der Republik Kiribati, Bundesminister Gerd Müller und Ngozi-Okonjo-Iweala, nigerianische Finanzministerin

Die internationale Gemeinschaft hat erkannt, dass Katastrophen Armut verschärfen und nachhaltige Entwicklung verhindern. Katastrophenrisikomanagement ist daher seit den 1990er Jahren vor allem in Ländern mit besonders hohem Risiko zu einem eigenständigen Handlungsfeld der deutschen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit geworden.

Um den sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen von extremen Naturereignissen besser begegnen zu können, sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten zahlreiche internationale Vereinbarungen geschlossen und entsprechende Institutionen eingerichtet worden. Seit der Jahrtausendwende rückt dabei der Zusammenhang von Katastrophenrisikomanagement und der Anpassung an den Klimawandel immer mehr in den Vordergrund.

Internationale Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen 1990 bis 1999

Angesichts verheerender Naturereignisse in den 1970er und 1980er Jahren riefen die Vereinten Nationen das Jahrzehnt von 1990 bis 1999 zur Internationalen Dekade zur Reduzierung von Naturkatastrophen (International Decade for Natural Disaster Reduction, IDNDR) aus. Dadurch gewann das Katastrophenrisikomanagement erstmals international an Bedeutung.

Um die gesammelten Erfahrungen zu nutzen sowie laufende Projekte und Kooperationen weiterzuverfolgen, legten die Vereinten Nationen im Dezember 1999 die Internationale Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (United Nations International Strategy for Disaster Reduction, UNISDR) vor. Das UNISDR-Büro in Genf koordiniert alle Aktivitäten der verschiedenen UN-Institutionen zur Reduzierung von Katastrophen.

Schon 1990 wurde das Deutsche IDNDR-Komitee zur Katastrophenvorbeugung in Bonn eingerichtet. Seit Abschluss der Internationalen Dekade setzt das Komitee seine Aktivitäten unter dem Dach des UNISDR als "Deutsches Komitee Katastrophenvorsorge e.V." (DKKV) fort. Als deutsches Kompetenzzentrum will es das Thema Katastrophenrisikomanagement besser in das Denken und Handeln von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft integrieren.


Erste Weltkonferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen in Yokohama 1994

1994 trafen sich die Vertreter der Vereinten Nationen zur Weltkonferenz zur Reduzierung von Naturkatastrophen in Yokohama. Dort wurde erstmals eine Richtschnur zur Verringerung von durch Naturgefahren ausgelöste Katastrophen verabschiedet (The Yokohama Strategy for a safer world). Außerdem tauschten Politiker zum ersten Mal auf internationaler Ebene ihre Erfahrungen mit dem Katastrophenrisikomanagement aus, und Experten entwickelten gemeinsam neue Konzepte.

Die Konferenz machte deutlich, dass technische Lösungen zum Schutz vor Katastrophen nicht ausreichen, sondern dass die betroffenen Menschen mit ihren Fähigkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten sowie ihrem sozialen und wirtschaftlichen Umfeld stärker einbezogen werden müssen. Katastrophenrisikomanagement wurde als Bestandteil der nachhaltigen Entwicklung anerkannt.


Zweite Weltkonferenz zur Reduzierung von Katastrophen in Kobe 2005

Im Januar 2005 – nur wenige Wochen nach dem schweren Seebeben und dem Tsunami im Indischen Ozean – fand die zweite Weltkonferenz zur Reduzierung von Katastrophen im japanischen Kobe statt. Ihr Motto: "Eine sicherere Welt für alle".

168 UN-Mitgliedsstaaten verabschiedeten in Kobe einen gemeinsamen Rahmenaktionsplan (Hyogo Framework for Action, HFA). Erklärtes Ziel: Bis zum Jahr 2015 sollten die Verluste durch extreme Naturereignisse – sowohl in Bezug auf Menschenleben als auch auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Folgen – deutlich verringert werden.


Dritte Weltkonferenz zur Reduzierung von Katastrophenrisiken in Sendai 2015

Im März 2015 wurde die dritte Weltkonferenz zur Reduzierung von Katastrophenrisiken im japanischen Sendai abgehalten. Zum Abschluss der Konferenz verabschiedeten die Teilnehmer ein Rahmenwerk zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (Sendai Framework for Disaster Risk Reduction 2015–2030). Es legt den Schwerpunkt auf vorausschauendes Risikomanagement. Das Dokument bildet eine Handlungsgrundlage für Staaten und Zivilgesellschaften weltweit, um bis zum Jahr 2030 durch Naturgefahren hervorgerufene Risiken zu verringern, die Entstehung neuer Risiken zu vermeiden und die Widerstandsfähigkeit von Bevölkerung und Institutionen gegenüber Katastrophen zu erhöhen. Sieben verbindliche Ziele wurden in dem Rahmenwerk formuliert:

  1. Die weltweite Zahl der Todesopfer durch Katastrophen erheblich senken
  2. Die Zahl der betroffenen Menschen deutlich senken
  3. Die volkswirtschaftlichen Schäden mindern
  4. Schäden an wichtiger Infrastruktur und Störungen der Grundversorgung, etwa im Gesundheits- und Bildungswesen, verringern
  5. Die Zahl der Länder mit nationalen und lokalen Strategien zur Reduzierung von Katastrophenrisiken deutlich erhöhen
  6. Die internationale Zusammenarbeit und Unterstützung der Entwicklungsländer wesentlich verbessern
  7. Den Zugang zu Frühwarnsystemen sowie zu Informationen über und Bewertungen von Katastrophenrisiken verbessern

Die UN-Generalversammlung hat eine Expertengruppe damit beauftragt, ein Bewertungssystem zu entwickeln, das es ermöglicht, die Fortschritte in der Umsetzung des Sendai-Rahmenwerks zu messen und darzustellen.


Globale Plattform zur Reduzierung von Katastrophenrisiken

Im Juni 2007 fand in Genf das erste Treffen der weltweiten Plattform zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (Global Platform for Disaster Risk Reduction, GPDRR) statt. Es zielte darauf ab, die Bedeutung des Themas stärker ins Bewusstsein zu rücken, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und die Umsetzung des Hyogo-Aktionsplans weiter voranzubringen. Seither ist die Globale Plattform, die alle zwei Jahre in Genf zusammenkommt, zum zentralen Forum für alle Akteure geworden, die mit der Reduzierung von Katastrophenrisiken befasst sind. Ergänzend zu den weltweiten Treffen wurden regionale Plattformen eingerichtet, die unter anderem Fortbildungen und Seminare anbieten.


Instrumente zur Reaktion auf Katastrophen

Die Feststellung, dass internationale Hilfe nicht schnell genug in den betroffenen Ländern ankommt, führte 2005 durch Beschluss der UN-Generalversammlung zur Gründung des Zentralen Nothilfefonds (Central Emergency Response Fund, CERF). Er unterstützt in erster Linie die Finanzierung von Soforthilfemaßnahmen bei Katastrophen und bewaffneten Konflikten. Auch Deutschland beteiligt sich an dem Fonds.

Mitte 2006 wurde auf Initiative der Weltbank die Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) ins Leben gerufen. Das Finanzierungsinstrument unterstützt arme Länder dabei, Fachwissen zur Katastrophenvorsorge aufzubauen und nach einer Katastrophe die Schäden schneller zu ermitteln. Außerdem soll es einen Wiederaufbau fördern, der dazu beiträgt, künftige Schäden durch extreme Naturereignisse möglichst gering zu halten. Die Fazilität wird von einer Reihe von Gebern, darunter seit 2009 auch Deutschland, mit Fördermitteln unterstützt und arbeitet in enger Partnerschaft mit dem UN-Büro zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (UNISDR).


Katastrophenrisikomanagement im Kontext der Klimarahmenkonvention und der G20

In der internationalen Diskussion ist der Beitrag, den das Katastrophenrisikomanagement zur Anpassung an den Klimawandel leisten kann, unumstritten: Bei den Vertragsstaatenkonferenzen der Klimarahmenkonvention der vergangenen Jahre wurde wiederholt hervorgehoben, wie wichtig Katastrophenrisikomanagement ist, um die Folgen des Klimawandels abzufedern.

2012 veröffentlichte der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) unter dem Titel "Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation" erstmals einen Spezialbericht zum Zusammenhang von Katastrophenrisikomanagement und Anpassung an den Klimawandel.

Auch die G20-Staaten haben das Thema auf ihre Tagesordnung gesetzt. Gemeinsam mit der OECD veröffentlichten sie 2012 ein eigenes Rahmenwerk ("Disaster Risk Assessment and Risk Financing"). Das Programm soll Finanzministerien und anderen staatlichen Stellen dabei helfen, ihr Katastrophenrisikomanagement zu verbessern und insbesondere wirksame Finanzstrategien zu entwerfen, um die wirtschaftlichen Folgen von Katastrophen abzuschwächen.


EU-Strategie zur Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern

Die Europäische Union hat im Februar 2009 eine Strategie zur Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern verabschiedet. Sie unterstützt die Berücksichtigung des Themas in der nationalen und lokalen Entwicklungsplanung der Partnerländer, fördert die Analyse von Katastrophenrisiken sowie Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung und ermöglicht zielgerichtete Hilfsmaßnahmen. Die EU-Strategie ist verknüpft mit anderen Strategien, zum Beispiel zur Anpassung an den Klimawandel und zur Gestaltung der humanitären Hilfe.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen