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Katastrophenrisikomanagement

Ansatz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit


Moba, Demokratische Republik Kongo: Im Rahmen eines Vorhabens der entwicklungsfördernden und strukturbildenden Übergangshilfe findet ein organisiertes Treffen von Bauerngruppen zum Erfahrungsaustausch statt, animiert vom Projekt.

Extreme Naturereignisse wie Erdbeben, Wirbelstürme oder Überschwemmungen lassen sich nicht verhindern. Aber ihre schädlichen Auswirkungen können deutlich gemindert werden. Denn vor allem in den Entwicklungsländern führen solche Ereignisse häufig nur deshalb zu Katastrophen, weil Staat und Bevölkerung unvorbereitet sind und keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen haben.

Katastrophenvorsorge rettet nicht nur Menschenleben, sie ist auch wirtschaftlich sinnvoll: Internationale Untersuchungen belegen, dass es wesentlich günstiger ist, in Vorsorgemaßnahmen zu investieren als in den Wiederaufbau nach einer Katastrophe. Auch der Bedarf an humanitärer Hilfe kann so gesenkt werden.

Nach dem Verständnis des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gehört ein wirksames Katastrophenrisikomanagement zu den Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung. Es ist fester Bestandteil des deutschen Engagements zur Bekämpfung der Armut.

Dabei gilt auch hier – so wie bei Krisen mit anderen Ursachen – dass die betroffenen Gesellschaften aus sich selbst heraus die Kraft entwickeln müssen, Krisen zu überwinden. Katastrophenrisikomanagement ist darum ein wichtiger Teilbereich des umfassenden entwicklungspolitischen Konzeptes der Resilienzstärkung. Resilienz bezeichnet in diesem Zusammenhang die Fähigkeit von Menschen, Institutionen, Gemeinden oder Staaten, akute Belastungen durch Krisen, Konflikte oder extreme Naturereignisse zu bewältigen, sich daran anzupassen und sich rasch davon zu erholen.

Verknüpfung kurz-, mittel- und langfristiger Maßnahmen

Um dauerhafte Erfolge zu erzielen, behandelt das BMZ Katastrophenrisikomanagement als übergreifendes Ziel seiner Arbeit: In Risikogebieten wird es bei allen entwicklungspolitischen Maßnahmen berücksichtigt, etwa bei Bauvorhaben, Projekten zur ländlichen oder städtischen Entwicklung, bei Programmen im Bildungs- und Gesundheitswesen und bei Maßnahmen zur Energie- und Wasserversorgung. Und Projekte, die gezielt dem Katastrophenrisikomanagement dienen, werden ebenso eng mit den Zielsetzungen anderer Arbeitsbereiche verknüpft.

Ein wichtiges Anliegen des BMZ ist es, dass im Katastrophenfall kurz-, mittel- und langfristige Hilfsmaßnahmen eng aufeinander abgestimmt werden. In der internationalen Entwicklungspolitik wird dieser Ansatz als "Linking Relief, Rehabilitation and Development" (LRRD) bezeichnet.

Zunächst lindert die humanitäre Hilfe die größte Not. Dafür ist innerhalb der Bundesregierung das Auswärtige Amt verantwortlich. Erste Grundlagen für den Wiederaufbau legt dann die  Übergangshilfe. Sie dient als Bindeglied für den Übergang zur langfristigen Entwicklungszusammenarbeit.

Mehr zur Übergangshilfe-Strategie des BMZ erfahren Sie hier.


Inklusion besonders gefährdeter Gruppen

Im Bereich Katastrophenrisikomanagement setzt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zahlreiche Instrumente ein, unter anderem die Erstellung von Risikoanalysen, die Aus- und Fortbildung von Fachkräften, den Aufbau von Frühwarnsystemen, die Einführung von Versicherungspolicen für Haushalte mit niedrigem Einkommen sowie Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Die spezifischen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Frauen, Kindern, älteren Menschen, extrem armen Personen und Menschen mit Behinderung müssen bei der Planung und Umsetzung von Projekten berücksichtigt werden.

Welche Instrumente eingesetzt werden, um das Katastrophenrisiko zu beeinflussen, lesen Sie hier.


Unterstützung internationaler Aktivitäten

Auf internationaler Ebene bringt die deutsche Entwicklungspolitik ihre vielfältigen Erfahrungen in die Strategieentwicklung der Vereinten Nationen ein. Deutschland unterstützt unter anderem das Büro zur Reduzierung von Katastrophen (United Nations Office for Disaster Reduction, UNISDR) in Genf. Die Bundesregierung setzt sich außerdem dafür ein, Katastrophenrisikomanagement mit anderen internationalen Prozessen systematisch zu verknüpfen, etwa mit den Klimaverhandlungen und Strategien zur Armutsbekämpfung.

Die eng mit dem Katastrophenrisikomanagement verbundenen UN-Konventionen, wie die Biodiversitätskonvention, die Klimarahmenkonvention und die Konvention zur Desertifikationsbekämpfung, werden von der Bundesregierung finanziell und technisch gefördert. Die konkrete Umsetzung der Konventionen wird im Rahmen bi- und multilateraler Entwicklungsvorhaben unterstützt.

Kooperationen gibt es außerdem mit verschiedenen regionalen Organisationen für Katastrophenrisikomanagement, die sich auf die zwischenstaatliche Zusammenarbeit konzentrieren. Dazu zählen zum Beispiel das Asiatische Zentrum für Vorbereitung auf den Katastrophenfall (Asian Disaster Preparedness Centre, ADPC) und das britische Overseas Development Institute (ODI).


Lexikon der Entwicklungspolitik

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