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Zusammenarbeit konkret

Afrika­nische Baumwolle mit Gütesiegel

Frauen pflücken Baumwolle.

Zwischen 10 und 15 Prozent der weltweit gehan­del­ten Baum­wolle werden in afrika­nischen Staaten südlich der Sahara an­gebaut. Etwa 20 Millionen Menschen leben dort direkt oder indirekt von der Baumwoll­produktion. Sie tragen dadurch, je nach Land, zwischen 35 und 75 Prozent zum land­wirt­schaft­lichen Export­erlös bei. Der Baumwoll­anbau ist damit ein wichtiger Wirt­schafts­faktor in Afrika und hat auch bei der Armuts­bekämpfung eine Schlüssel­rolle.

Die meiste afrikanische Baumwolle wird von Klein­bauern erzeugt. Sie können auf dem Welt­markt nur schlecht gegen Wett­bewerber auf anderen Kon­ti­nen­ten konkurrieren, die den Baumwoll­anbau auf großen Flächen industriell betreiben. Auch die schwankenden Welt­markt­preise führen dazu, dass der Baumwoll­anbau für die Klein­bauern immer un­sicherer und un­at­trak­tiver wird. In den ver­gangenen Jahren ist die Baumwoll­anbau­fläche in Afrika darum kontinuierlich kleiner geworden.

"Cotton made in Africa"

Die afrikanische Baum­wolle für den Massen­markt zu erschließen und wett­be­werbs­fähiger zu machen, ist das Ziel der strate­gischen Allianz "Cotton made in Africa" (CmiA). Es handelt sich dabei um eine Initiative der Aid by Trade Foundation, die 2005 von Michael Otto, dem Aufsichts­rats­vorsitzenden der Otto-Unter­nehmens­gruppe, gegründet wurde. Anliegen dieser Stiftung ist, unter­nehmerisches Handeln und Entwicklungs­zusammen­arbeit zum Nutzen aller Beteiligten miteinander zu verbinden. In den ersten fünf Jahren der CmiA-Allianz stellte das BMZ Förder­mittel zur Verfügung, um diesen inno­va­tiven Ansatz zu unterstützen.

Das Prinzip: Die an der Allianz beteiligten inter­nationalen Textil­unter­nehmen kaufen auf dem Welt­markt nach­haltig er­zeugte Baumwolle und ver­arbeiten diese weiter. Bauern, die die Standards der Allianz einhalten, haben dadurch feste Abnehmer für ihre Baumwolle. Die Unter­nehmen wiederum haben die Möglichkeit, Qualitäts­baumwolle zu Preisen einzukaufen, die sonst für konven­tionelle Baumwolle üblich sind. Zugleich können sie Einfluss auf die Pro­duk­tions­be­dingungen nehmen, was sich positiv auf die soziale und wirt­schaft­liche Situation der Bauern auswirkt. Cotton made in Africa verzichtet ausdrücklich auf Sub­ven­tionen und künstliche Preis­erhöhungen und vertraut auf nachfrage­orientierte Markt­mechanismen.

Nachhaltigkeitsstandards

Kinder in der Schule. Urheberrecht: Aid by Trade FoundationDer von der CmiA-Initiative ent­wickelte Stan­dard bein­hal­tet soziale, ökologi­sche und ökono­mische Kriterien. Die Einhaltung dieser Vorgaben wird regelmäßig von unabhängiger Seite überprüft. CmiA-Produkte tragen ein Güte­siegel in Form eines Produkt­anhängers. Für dieses Label zahlen die Handels­unter­nehmen eine Lizenz­gebühr. Ein Teil der Lizenz­einnahmen fließt in Bildungs- und Sozial­projekte in den beteiligten Baumwoll­regionen. Die Pläne sehen vor, zunächst 50 Prozent und später 75 Prozent der Lizenz­einnahmen für land­wirt­schaft­liche Schulungen einzusetzen und die Bauern in Form von Dividenden­zahlungen am Markt­erfolg zu beteiligen.

In den Schulungen werden den Bäuerinnen und Bauern land­wirtschaftliche Praktiken vermittelt, zum Beispiel integrierter Pflanzen­schutz oder der Einsatz von organischem Dünger. Zudem erfahren sie, wie sie Produktions­kosten reduzieren und gleich­zeitig die Produk­tivität steigern können. Gefördert werden die Schulungen durch die Partner­unternehmen. Im Gegen­zug verpflichten sich die Bauern dazu, die Baum­wolle an die sie unter­stützenden Unter­nehmen zu verkaufen.

In Zusammen­arbeit mit renommierten Spinnerei- und Weberei­betrieben hat die Aid by Trade Foundation eine zuverlässige, effiziente und transparente Wert­schöpfungs­kette aufgebaut. Sie verbindet die afrikanischen Baumwoll­bauern mit dem Textil­einzel­handel weltweit und verhilft den CmiA-Produkten zu einer stärkeren Markt­präsenz.

Sichtbare Erfolge

CmiA-Baumwolle wird gegenwärtig in Burkina Faso, Côte d’Ivoire, Malawi und Sambia pro­du­ziert. Bisher arbeitet die strategische Allianz mit mehr als 240.000 Bäuerinnen und Bauern zusammen – mit positiven Wirkungen auf unter­schiedlichen Ebenen:

  • Höhere Einkommen:
    In Sambia erzielen die Baumwoll­bauern durch verbesserte Anbau­techniken und Einsparungen bei der Produktion deutlich höhere Erträge. Sie stei­ger­ten ihr Einkommen um bis zu 40 Prozent. Ein weiterer Vorteil ist, dass den Bauern jetzt innerhalb von wenigen Tagen die gelieferte Baumwolle bezahlt wird. Zuvor mussten sie oft monate­lang auf ihr Geld warten.

  • Weniger Schadstoffe in Textilien und Umwelt:
    Durch den kontrollierten und gezielten Einsatz von Pestiziden ist die Baumwoll­produktion ökologisch und gesund­heitlich verträglicher ge­worden. Außerdem konnte die Boden­frucht­barkeit der Baumwoll­felder in Burkina Faso durch die Verwendung von Kompost sowie Maßnahmen zur Erosions­minderung verbessert werden.

  • Modell mit Vorbildcharakter:
    Das Konzept von Cotton made in Africa macht Schule. Die Initiative um­fasst inzwischen 20 Handelspartner. 2011/2012 sollten weltweit mehr als 15 Millionen Textilien aus CmiA-Baumwolle verkauft werden. Die Bill & Melinda Gates-Stiftung hat angekündigt, insgesamt 22 Millionen US-Dollar für ähnlich gelagerte Programme in sechs weiteren afrikanischen Ländern zur Verfügung zu stellen. Davon könnten rund 265.000 Bauern zusätzlich profitieren.

Fördersumme: 1,48 Millionen Euro

Lexikon der Entwicklungspolitik

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