Hauptinhalt

Finanzsystementwicklung

Konsumentenschutz und verantwortungsvolle Finanzierung


Zu den Problemen vieler Niedrig­einkommens­länder zählt nicht nur der fehlende, sondern auch der falsche Zugang zu Finanz­dienst­leistungen. Ein solcher falscher Zugang liegt zum Beispiel im Bereich der Mikro­finanzierung vor, wenn Finanz­institutionen die Grund­regeln des guten Banken­geschäfts missachten – also zum Beispiel Kredite un­ver­antwortlich vergeben, so dass Kunden sich überschulden.

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit setzt deshalb auf strikte Regeln der Mikro­finanzierung. Grund­sätzlich gilt: Mikro­finanzierung ist nur gut, wenn sie sich an klare Prin­zi­pien hält. Bevor Kredite vergeben werden, sollten Kunden zum Beispiel durch Sparen ihre Finanz­disziplin unter Beweis stellen.

Darüber hinaus wendet Deutsch­land bei allen Refinanzierungs­projekten von lokalen Mikro­finanz­institutionen strenge Regeln der ethischen Finan­zierung an: Kredite bekommen nur Mikro­finanz­institutionen, die die Prüf­kriterien der ver­antwortungs­vollen Finanzierung erfüllen, die sogenannten "Client Pro­tec­tion Prin­ciples". Unter anderem müssen die Geld­häuser dafür Sorge tragen, dass ihre Mit­arbeiter sich ethisch einwand­frei verhalten und zum Beispiel nicht bestechen lassen. Auch der Schutz der Kunden­daten muss gewährleistet sein. In­sti­tu­tionen, die diese Regeln nicht erfüllen, bekommen keinen Refinanzierungs­kredit aus Deutsch­land.

Die Bun­des­re­pu­blik ist ein Vor­reiter im Bereich der ver­ant­wor­tungs­vollen Mikro­finanzierung und setzt diese durch ein Drei-Säulen-Modell um:

  • Kundenschutz
    Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit stärkt Regu­lierung und Aufsicht des gesamten Mikro­finanz­sektors, um Kunden vor Über­schuldung und un­moralischen Geschäfts­praktiken zu schützen. Unter anderem berät Deutsch­land Finanz­ministerien und Zentral­banken und andere gesetzlich mandatierte Regulierer bei der Einführung folgender Regeln: Banken informieren ihre Kunden auf transparente Weise über alle Zins­raten und Kosten. Sie behandeln ihre Kunden fair. Und sie haben eine effiziente Anlauf­stelle für Beschwerden.

  • Selbstregulierung der Finanzinstitutionen
    Neben dem gesetzlichen Kunden­schutz fördert Deutsch­land auch die flächen­deckende Einführung von spezifischen Verhaltens­kodizes und Standards der verantwortungs­vollen Mikro­finanzierung. Die deutschen Experten arbeiten dabei unter anderem mit den Mikro­finanz­verbänden zusammen.

  • Finanzielle Grundbildung
    Die deutsche Ent­wick­lungs­po­li­tik stärkt Kunden und potenzielle Kunden von Mikro­finanz­in­sti­tu­tionen in ihrer finanziellen Grund­bildung. Das Ziel ist, diese in ihrer In­for­miert­heit, aber auch in ihrer Fähigkeit, Ent­schei­dungen für oder gegen ein bestimmtes Finanz­produkt zu treffen, zu fördern. Die Verbesserung der finanziellen Grund­bildung erfolgt beispiels­weise über Theater­stücke, Fernseh­sendungen oder Radio­sendungen. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit arbeitet auch mit Schulen und Bildungs­ministerien zusammen, um schon Schüler für das Thema "Finanzen" zu sensibilisieren.

    In Ghana beispielsweise berät Deutsch­land das Finanz- und das Bildungs­ministerium bei der Einführung einer nationalen Strategie zu ver­ant­wor­tungs­voller Finanzierung (Responsible Finance). In Lehrpläne und in Theater­auf­füh­run­gen werden Bot­schaften finanzieller Grund­bildung integriert. Es wird erklärt, wie Kredite und Ver­si­che­run­gen funk­tio­nieren, welche Rechte Ver­brau­cher haben und welche Risiken es gibt.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen

BMZ-Adventskalender 2017

Gewinnen Sie 24 Einblicke in die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und mit etwas Glück eine Überraschung!

Hier geht es zum BMZ-Adventskalender 2017!